In einem Leserbrief im Deutschen Ärzteblatt schreibt ein Hautarzt zur Früherkennung des malignen Melanoms Folgendes:
„…dass die Sterblichkeit am Melanom seit Jahrzehnten eher unverändert ist, die Rate der Melanomdiagnosen allerdings deutlich angestiegen ist. Es wird dadurch deutlich, dass immer mehr frühe Melanome entdeckt werden, die dann nicht zum Tod führen …“
Das verstehe ich nicht: Wenn also seit Jahrzehnten gleich viele Menschen am Melanom sterben, dann kann doch dieser Krebs in seiner tödlichen Form nicht zugenommen haben. Die Tödlichkeit ist doch das Wesentliche bei der Diagnose „Krebs“, sonst hätte sie nicht ihren Schrecken.
Was sind das also für Fälle, die dazu führen, die Anzahl der Melanome ansteigen zu lassen, ohne die Sterberate zu erhöhen?
- Die Melanome haben zugenommen, aber glücklicherweise wurde die Früherkennung eingeführt, so daß der Krebs rechtzeitig entdeckt und herausgeschnitten wurde, so daß er nichts mehr Böses anrichten konnte.
- Die Melanome haben nicht zugenommen, sondern werden heute nur früher entdeckt und herausgeschnitten, gehen aber in die Statistik ein, was zu dem Eindruck führt, der „schwarze Krebs“ habe zugenommen.
Punkt 2. würde beinhalten, daß vor Jahrzehnten, wo noch keine Früherkennung so intensiv durchgeführt wurde wie heute, Melanome in gleicher Anzahl vorhanden waren, die jedoch nicht entdeckt und nicht herausgeschnitten wurden und trotzdem nicht zum Tode führten. Die Betroffenen hatten also keine Ahnung, was da in ihrer Haut steckt. Sie lebten damit weiter und starben nicht daran. Dies würde bedeuten, daß in manchen Muttermalen bösartige Zellen schlummern, ohne auf Dauer Schaden anzurichten.
Punkt 1. ist recht gewagt. Weshalb soll gerade in den vergangenen Jahren die Früherkennung eingeführt worden sein, wo die Erkrankungsrate ausgerechnet zur selben Zeit angestiegen ist? Eine (Gegen-) Maßnahme ergreift man normalerweise dann, wenn sie notwendig ist: Die Todesfälle am Melanom müßten angestiegen sein, um eine Früherkennungsmaßnahme einzuführen. Aber die Todesfälle sind nicht angestiegen …
Wie ist das zu erklären?
Hallo, Schorch,
deine Einwände sind ohne Zweifel berechtigt.
Wenn die Zahl der Todesfälle unverändert ist, also nicht abgenommen hat, obwohl viel mehr Melanome im Früstadium entdeckt (und entfernt) worden sind, ist logischerweise die Früherkennungsaktion, was die Sterblichkeit der Betroffenen betrifft, erfolglos geblieben. Die Aussage des Arztes im Deutschen Ärzteblatt ist deshalb ein Paradoxon.
Einen Sinn hätte das nur, wenn man unterstellt, dass die Melanomerkrankungsrate angestiegen ist (was keineswegs bewiesen ist) und wenn durch die Früherkennung und -behandlung die zu erwartende Zunahme der tödlichen Fälle verhindert wurde. Das geht aus dem Brief aber nicht hervor; spricht der Verfasser doch ausdrücklich von der Zunahme der “Diagnosen”, nicht aber der Inzidenz der Melanome. Ein Beweis für die Effektivität der Aktion ergäbe sich für mich erst, wenn die Zahl der Todesfälle eindeutig sinkt. Dieser Beweis steht noch aus.
Man kann vermuten, dass die Todesfälle bisher noch nicht abgenommen haben, weil es jene Erkrankungen sind, die sich bei der Aktion schon im (Zu-)Spätstadium befunden haben.
Grüße,
Montanus
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Hi,
dem stimme ich nciht ganz zu. Wenn mehr diagnostiziert werden, bedeutet das für mich, dass 1. Melanome diagnostiziert werden, die früher nicht als solche erkannt worden wären und dass 2. mehr Leute an Melanomen erkranken. Da (leider) zu vermuten ist, dass immer ein gewisser Prozentsatz bei ist, der tödlich verläuft, egal was getan wird, würde das auch die gleichbleibende anzahl an tödlichen Verläufen erklären. Dritte, aber sehr pessimistische Erklärungsvariante: DerKrebs wird aggressiver.
Wobei ich jetzt hier von logischen Standpunkt aus herangegangen bin, ich habe keine Zahlen / Untersuchungen zu den Erkrankungszahlen.
Die Franzi
Dritte, aber sehr pessimistische Erklärungsvariante: DerKrebs
wird aggressiver.
Wobei ich jetzt hier von logischen Standpunkt aus
herangegangen bin, ich habe keine Zahlen / Untersuchungen zu
den Erkrankungszahlen.
Die Franzi
Hi Franzi
wenn man die gegenwärtige Zeitmeinung aufgreift, wird man vermuten, wie Du schreibst, „DerKrebs wird aggressiver“.
Die Daten, die Du vermißt, sind irgendwo. Ich habe sie auch nicht. Der Artikel, auf den sich der Leserbrief des Hautarztes bezieht, ist unter: http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=5… zu finden. Dort steht:
„Beispiel Melanom-Screening: Die Sterblichkeit am Melanom ist seit Jahrzehnten fast unverändert mit nur geringen Unterschieden zwischen verschiedenen Ländern, jedoch mit auffallenden Varianzen in den Diagnoseraten (21–23). Hautkrebs-Screening ist noch nicht in RCT untersucht. Das Saarländische Krebsregister hält als einziges deutsches Krebsregister seit 1970 Daten bereit (21). Die Häufigkeit der Diagnose „malignes Melanom“ ist in den ersten Jahren nach Etablierung des Registers stark gestiegen. Seit Ende der 80er-Jahre sind die Diagnoseraten vor allem für Frauen stabil oder sogar leicht sinkend (21). Im Gegensatz dazu stiegen in Schleswig-Holstein die Diagnoseraten während der Erprobungsphase eines Screenings im Jahr 2001 deutlich an, um im Jahr 2002 wieder zu fallen (22). Mit Beginn des Screenings Mitte 2003 gab es dann einen neuerlichen starken Anstieg (22). Mehr als 80 Prozent der Diagnosen sind im Stadium I. Hingegen liegen die Diagnoseraten im benachbarten Hamburg im Bundesdurchschnitt (21, 22). Dies sind indirekte Beweise für die Zunahme von Diagnosen im Sinne von Überdiagnosen durch das Screening (6, 23). Ergebnisse aus einer RCT aus Australien werden erst 2015 vorliegen. Die Spezifität der Ganzkörperuntersuchung auf Melanom in diesem Projekt ist mit 86 Prozent und einem positiven Vorhersagewert von 2,5 Prozent jedoch schlecht (24). Problematisch ist außerdem das Fehlen eines validen Goldstandards zur Diagnose des Melanoms (6). Die Übereinstimmung histologischer Befunde ist selbst bei ausgewiesenen Spezialisten und typischen Präparaten erschreckend schlecht (25). Die psychischen Belastungen des Screenings für die Teilnehmer werden nicht ausreichend gewürdigt.“
Hallo!
Melanome sind von der Klinik her recht interessante Malignome.
Werden sie erkannt und mit Sicherheitsabstand herausgeschnitten, bevor sie metastasieren, sind die Heilungschancen wirklich sehr gut. Zahlen habe ich leider gerade nicht zur Hand, bin müde.
Krebs ist eben nicht immer gleich Tod. Das gilt auch mittlerweile für sehr viele Tumorentitäten. Krebs hat so einen Schrecken, obwohl viele andere Erkrankungen schlechtere Prognosen haben wie beispielsweise eine Herzinsuffizienz.
Hautmelanome wachsen teils knotig oder platt. Die platten kutanen Melanome, die beim Menschen die häufigeren sind metastasieren schon, wenn ihre Tumormasse extrem klein ist und sie sehr dünn sind.
Gegen ein metastasiertes kutanes Melanom gibt es keine vernünftige Standardtherapie. Das ist bisher leider fast immer ein Todesurteil.
Ich habe gelesen, Melanome würden in ihrer Inzidenz stark zunehmen. Gut, das wurde hier ja angezweifelt. Wenn es eine höhere Inzidenz geben sollte, könnte diese ja durch bessere Screeningmethoden bzw. Leberfleckentfernungen kompensiert werden in der unmetastasierten Phase. Bildgebende Verfahren der Erfassung von Leberflecken und ein eventuell häufigeres Rausschneiden von Leberflecken würden also zB eine steigende Inzidenz wettmachen.
Gruß, Stefan
Ich habe gelesen, Melanome würden in ihrer Inzidenz stark
zunehmen.
Gruß, Stefan
Hallo, Stefan,
dass die Inzidenz der Melanome deutlich zugenommen habe, wird verschiedentlich behauptet, aber ich kenne keine beweiskräftige Dokumentation. Gewöhnlich ist die Zunahme an Diagnosen gemeint. Auch das ausführlichste deutsche Krebsregister, das des Saarlandes, das einen Anstieg der jährlichen Anzahl maligner Melanome von rund 3 (1972) auf ungefähr 7 (1989 bis 1991) pro 100 000 Einwohner verzeichnet, lässt keinen Schluss auf die Inzidenz zu.
Wenn es eine genauere Quelle gibt, würde ich diese gerne kennenlernen.
Gruß,
Montanus