Re: Braucht der weibliche Körper die Periode?
Hallo,
leider halten sich Frauen nur allzugern an vage innere Stimmen und Gefühlduseleien. Um neben den bereits vorgebrachten Ammenmärchen auch mal wissenschaftliche Fakten vorzubringen, hier ein Bericht aus der Medical-Tribune, eine Studie, die von 2 Frauen (!) erstellt wurde:
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Wer braucht schon die Menstruation?
Schluss mit der ewigen Bluterei!
MEXICO - Einen Haufen Geld für Binden und Tampons ausgeben, immer wieder Analgetika einwerfen und jeden Monat mehrere Tage schlecht drauf oder gar krank sein: Warum tun sich Frauen das an? Mit einfacher Pillen-Manipulation könnte unter die monatliche Bluterei längst der Schluss-Strich gezogen sein – auch der Wirtschaft täte es gut, so die provozierende Anti-Menstruations-These.
Rein wirtschaftlich gesehen richtet die Menstruation gewaltigen Schaden an, berichten zwei mexikanische Autorinnen im "Lancet". Eine Untersuchung der Firma Texas Instruments beispielsweise konstatierte, dass Arbeiterinnen paramenstruell 25 % ihrer Produktivität einbüßen. Die periodische Frauenpein kostet die US-Industrie sage und schreibe 8 % der Gesamtlöhne und ist führende Ursache gynäkologischer Morbidität, heißt es.
Dauerpille rettet Honeymoon
Doch noch mehr als für die Leiden der Industrie sollten sich Mediziner für die Beschwerden ihrer Patientinnen interessieren. Tun sie aber offenbar nur halbherzig: Herumgedoktert wird bevorzugt symptomatisch, von der Ursache lässt man meist die Finger. Das schreit zum Himmel, meinen die Autorinnen: Bei keiner anderen Erkrankung oder Unpässlichkeit, die so viele Leute mit solcher Regelmäßigkeit heimsucht, wäre eine vergleichbare Ignoranz denkbar. Doch dass die meisten Frauen ihre lästige Periode problemlos abstellen könnten, gehört zu den bestgehütetsten Geheimnissen der Medizin.
Obwohl es so einfach wäre: Aus der Schachtel eines "ordinären" oralen Kontrazeptivums mit niedrigem Östrogengehalt die sieben Plazebopillen entfernen, die für die Pseudoperiode sorgen, und stattdessen kontinuierlich echte Pillen schlucken: Schon ist Schluss mit der lästigen Blutung und ihren unangenehmen Begleitsymptomen. Das Ganze wurde schon vielfach erprobt, zum Beispiel von Sportlerinnen, die am Wettkampftag fit sein möchten, oder Frischvermählten, die sich ihren Honeymoon nicht "versauen" wollen.
Heiliger Gral der Weiblichkeit
Worin begründen sich also die Widerstände gegen das praktische Konzept? Zum einen, so die Autorinnen, werden Frauen und Ärzte konditioniert, die Menstruation als heiligen Gral der Weiblichkeit zu betrachten. Nicht zuletzt aus dem Glauben, Bluten sei für Frauen natürlich und psychologisch wichtig, resultierte ja die Marketing-Strategie der 21/7-Kontrazeptiva. Damit werden die Frauen allerdings getäuscht, denn die Pillen-Entzugsblutung hat mit der natürlichen Periode wenig zu tun. Es baut sich kein dickes Babynest auf – wie beim unbeeinflussten Zyklus –, das es dann "unbedingt abzustoßen gilt". Wozu also der Zauber?
Ist die Blutung wirklich so natürlich, wie es Perioden-Verteidiger behaupten? In der Tat muss man bezweifeln, dass die rund 450 Zyklen der modernen westlichen Frau (Menarche mit ca. zwölf Jahren, maximal zwei bis drei Kinder, kurze Stillzeiten, späte Menopause) von Mutter Natur wirklich so vorgesehen waren. Wirft man einen Blick zurück durch die Jahrhunderte, so wird deutlich, dass unsere Urahninnen (Menarche mit 16, viele Geburten, langes Stillen) nur etwa auf 160 Zyklen kamen.
Vielleicht halten viele Frauen ihre Periode auch für "gesund", weil das Einsetzen der Blutung nicht selten das Ende gewisser prämenstrueller Ärgernisse bedeutet, rätseln die mexikanischen Autorinnen. Aber auch dafür, dass die zahlreichen Zyklen irgend einen gesundheitlichen Benefit brächten, gibt es keinerlei Anhaltspunkte, schreiben sie. Im Gegenteil: Prämenstruelles Syndrom und Endometriose sind klar an den Zyklus gekoppelt, zudem gehen Anämie, bestimmte gynäkologische Malignome (Endometrium, Ovar) sowie Herzerkrankungen mit aufs Konto häufiger Ovulationen.
Kein Krebsschutz für die Gebärmutter
Und dass das regelmäßige Abstoßen der inneren Gebärmutterauskleidung die "Wohnung" sauber, sprich frei von Krebs hält, ist ebenfalls eine Mär: Denn die basale Schleimhautschicht, der Ausgangspunkt maligner Entartungen, bleibt bei der Blutung schön drin.
Die Autorinnen fordern daher, dass Frauen über die Option, die Menstruation ohne gesundheitliches Risiko abstellen zu können, von ihren Ärzten informiert werden sollten. Viele könnten ein freieres, glücklicheres Leben führen, ohne dass die Leistungsfähigkeit regelmäßig einmal im Monat einbricht, Kopf und Bauch wehtun und die Psyche am Boden herumkrebst.
Selbstverständlich, beeilen sich die Kolleginnen zu betonen, soll die Menstruation nicht unangemessen pathologisiert werden. Dass Frausein an sich eine behandlungsbedürftige Krankheit ist, wäre eine Fehlinterpretation ihrer Thesen. Dieser falsche Schluss könnte Munition für abscheuliche Frauenfeinde liefern, die am liebsten alle Weiblichkeit von Führungspositionen und gutbezahlten Jobs fern hielten.
Frau hat die Wahl
Die Suppression der Regel sollte nur als Option verstanden werden, wird betont: Frauen, die von der Natürlichkeit der „Tage“ stark überzeugt sind, müssen mit ihrer Entscheidung akzeptiert, bzw. dürfen nicht diskriminiert werden. Doch jede sollte wählen dürfen, ob sie bluten will oder nicht. Manche wird vielleicht auch nur die Intervalle zwischen den Perioden strecken wollen, um sich in puncto "Natürlichkeit" an ihre Urur-Oma anzunähern.
CG
Quelle: Sarah L. Thomas et al. Population Council, Latin America and the Caribbean, Mexico; The Lancet, Vol. 355, No. 9207 (2000), S. 922 – 924
MTD 27 / 2000 S. 26