Konstanze,
21 Tage sind zu kurz. Mindestens 4 Wochen um sicher zu gehen und keine Resistenzen zu riskieren. Ferner muss immer das Gewicht des Patienten berücksichtigt werden: 4 mg pro Tag je kg Körpergewicht sollten es schon sein. unter 3,5 mg/Tag wird es fahrlässig. Bei Medikamentenverseuchten Patienten (also solchen, die schon viel ABs genommen haben, können auch 5 mg/Tag angesagt sein. -> wichtig welche Medikamente wie lange in welcher Dosierung zur Zeit oder früher genommen werden/wurden. Ein verantwortungsbewusster Arzt sollte da von sich aus drauf kommen!
Der Elisa gilt als ein sehr unsicherer Test (Fehlerquote 80-85%), was man schon an der Dauer ablesen kann, bis das Ergebnis da ist (3 Tage) im Vergleich zum z.B. LTT oder ELISPOT, wo die Ergebnisse 2 bis 3 Wochen auf sich warten lassen. Natürlich werden diese zuverlässigeren Tests noch lange nicht in jedem Labor durchgeführt (Karlsruhe, Köln und Berlin haben da einen guten Ruf). Und wie im geschilderten Fall sträuben sich auch immer mal wieder Ärzte, diese anderen Testverfahren - weil aufwendiger und damit weniger einträglich für den Arzt - durchführen zu lassen.
Wichtig ist ferner, sich nicht nur auf die Borrelien bei der Untersuchung zu beschränken, sondern auch die Co-Erreger (ca. 20 Stück) mit testen zu lassen (zumindest die häufigsten: Ehrlichien, Babesien, Bartonellen, Clamydien, Rickettsien, EBV etc.). In dem Zusammenhang sei deutlich darauf hingewiesen, wenn hier durch mich von „Borreliose“ zu lesen ist, so meine ich immer „Erreger, welche durch Zecken übertragen werden“. Medizinisch müsste man auch von Ehrlichiose, Babesiose etc. sprechen, der Einfachheit halber hat sich aber sowohl im Ärzte- als auch im Patientenwortschatz der Begriff „Borreliose“ als Überbegriff für all diese durch Zecken übertragenen Krankheiten mehr und mehr durchgesetzt.
Auch werden ständig weitere Erreger entdeckt, die durch Zecken übertragen werden. Der jüngste hat meines Wissens noch gar keinen eigenen Namen sondern wird als „Bartonellen-ähnlicher Erreger“ bezeichnet. Nachgewiesen von einem Prof. Dr. Fry in den USA, vor ca. 3 Wochen.
Da eben die Krankheit noch sehr schlecht erforscht ist, ist es auch so schwierig, diese effizient zu behandeln.
Bisher scheint folgendes fest zu stehen:
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Ohne Antibiotika geht es nicht, Ergänzend dazu können alle möglichen Verfahren eingesetzt werden (auch auf Naturheilbasis, Homöopathie, TCM etc.), aber eben nur zusätzlich. Basis ist die AB-Therapie in genügender Dauer (abhängig vom Stadium der Erkrankung; meine Frau hat jetzt 6 Monate am Stück teilweise mehrere ABs gleichzeitig genommen) und in genügender Dosierung (siehe oben). Für das Anfangsstadium sind 4 Wochen AB aus der Tetracyclin-Gruppe (Bevorzugt wird derzeit allgemein Doxycyclin) angesagt, für die späteren Stadien (Chroniker) müssen andere AB-Gruppen zur Anwendung kommen. Je nach Dauer der Erkrankung gibt es Patienten, die weit über ein Jahr ABs am Stück nehmen. Das längste mir bekannte ist 18 Monate.
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Es gibt deutschlandweit nur eine Handvoll Ärzte, die sich über den heutigen Stand der Erkenntnisse über diese Krankheit so auskennen, dass man sie als Spezi (= allgemein übliches Kurzwort von Betroffenen für „Spezialisten“) bezeichnen kann. Die meines Wissens einzige abulante Spezialklinik für Borreliose Europas sitzt in Augsburg/Bayern.
Sollte - wie ich aus einem anderen Beitrag als Frage gelesen habe - tatsächlich in Belgien eine weitere aufgemacht haben, so wäre das schön und begrüßenswert, sofern diese denn was taugt (ich hatte bisher noch keine Kenntnis darüber geschweige denn irgend welche Erfahrungsberichte).Die wirklichen Koryphäen zu dem Thema sitzen in den USA. Dort wurden auch die ILDA-Richtlinien (International Lyme-Disease Assosiation) entwickelt, an die sich außer der bereits erwähnten Handvoll Ärzte (u.a. auch die Augsburger) halten. Die meisten deuschen Ärzte handeln nach gut Dünken oder plappern das nach, was selbsternannte deutsche Borrreliose-Gurus von sich geben. Wieder andere Ärzte leugnen die Krankheit vollkommen und sind auch nicht bereit, sich über den Stand der Erkenntnisse zu informieren. Leider haben auch diese Spezialisten keine einheitliche Meinung und keine einheitlichen Therapie-Verfahren. Jeder bevorzugt seine eigene These, teilweise widersprechen sich diese Thesen sogar. Auch das ist ein Zeichen, dass die Borreliose-Forschung noch in den Kinderschuhen steckt. Vieles ist nur ein Herumprobieren, nach dem Prinzip Try-and-Error. Leider. So kann es einem passieren, dass man von genau dem gleichen Arzt heute etwas völlig anderes erzählt bekommt als vor 6 Monaten. Das ist zwar nicht erfreulich, aber immer noch besser als von einem Arzt behandelt zu werden, der der Meinung ist, Borreliose käme so gut wie nicht vor, und die chronische Borreliose schon gleich gar nicht. Oder die von Simulantentum sprechen oder von „Internet-Borreliose“ oder von der „Modekrankheit, weil man das Gleiche haben möchte wie der Schweinsteiger“ (so ein Quatsch und eine Respektlosigkeit! Als ob man krank sein möchte!)
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Je schneller eine durch Zecken übertragene Infektion behandelt wird, um so größer sind die schnellen und nachhaltigen Heilungschancen. Insbesondere ist mittlerweile die These widerlegt, dass Zecken erst nach 24 Stunden ihre Erreger übertragen. Heute weiß man, dass die Erreger mit der Sekunde des Einstiches übertragen werden. Daher kann die Devise nur lauten: So schnell wie irgend möglich die Zecke fachmännisch/fachfrauisch entfernen lassen. Hier zählt jede Minute. Hier nicht an den 10 Euro Gebühren für die Notfall-Behandlung im Krankenhaus sparen, wenn’s am Wochenende passiert. Chroniker ziehen oftmals ein Leben lang damit rum und werden zu einem hohen Maß berufsunfähig. Ich selbst hatte neulich auch mal 'ne Zecke und habe auf einer 4wöchigen prophylaktischen AB-Therapie bestanden. Begonnen habe ich noch am selben Abend, als mich die Zecke gestochen hatte. Die Nebenwirkungen einer derartigen Therapie und die Kosten dafür sind vernachlässigbar im Vergleich zu den Spätfolgen mit Berufsunfähigkeit.
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Leider gibt es keine Immpfung gegen Borreliose. Es gab vor einigen Jahren mal einen, der wurde aber aufgrund der Nebenwirkungen und vor allem aufgrund der Kürze der Wirksamkeit (weniger wie 6 Monate) wieder vom Markt genommen. Allerdings habe ich gehört, dass es anscheinend eine Impfung für Tiere (Hunde, Katzen, Pferde) gibt. Hier erkundige man sich aber bitte im Tier-Brett.
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Viele Menschen - und sogar einige Ärzte - werfen die FSME (Hirnhautenzündung) und die Borreliose durcheinander. Gegen FSME kann man impfen, in aller Regel ist der Impfstoff gut verträglich und hält auch einige Jahre vor. Die FSME ist jedoch die viel seltenere Krankheit im Vergleich zur Borreliose.
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Durchseuchung - Risikogebiete
auch hier werden beide Krankheiten regelmäßig miteinander vermengt.
Die FSME wird durch 2 bis 5% aller Zecken übertragen. Allerdings ist die Verteilung, wo FSME-Erreger vorkommen sehr unterschiedlich. Hochrisiko-Gebiete sind der Schwarzwald, die Vogesen auf französischer Seite, das Oberrheintal sowie der Bayerische Wald und auf tschechischer Seite der Böhmerwald. Es gibt weitere Hochrisiko-Gebiete innerhalb Deutschlands, diese sind aber von der Ausdehnung her deutlich kleiner. In anderen Gegenden Deutschlands dagegen kann man sich die FSME eigentlich sparen, weil dort der Erreger nicht vorkommt. Aber wer garantiert, dass man nicht von Hamburg aus im nächsten Urlaub in den Bayerischen Wald fährt… Daher ist das mit dem „Impfung sparen“ so eine zweischneidige Sache. Zeckenkarten hängen mittlerweile in vielen Apotheken rum, in Arztpraxen sowieso. Im Gegensatz dazu ist die Durchseuchung mit Borreliose von der Nordseeküste bis zu den Alpen in eine Höhe von ca. 1800 Metern überall etwa gleich groß. Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass die Zecken mit 75 bis 85% mit Borrelien oder/und Co-Erregern infiziert sind. Somit ist für die Borreliose (& die Co-Erreger-Erkrankungen) ganz Deutschland als "Hochrisiko-Gebiet einzustufen. Wer wohnt schon auf einer Alm höher als 1800 Meter und kommt nie in tiefer gelegenere Gefilde…
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Symptome
die Symptome der Borreliose sind derart vielfältig, dass man sie nur mittels Listen erfassen kann. Im IN sind verschiedene Listen zu finden, alles in allem sind ca. 130 verschiedene Symptome im Augenblick bekannt. Natürlich muss nicht jeder Patient alle 130 Symptome aufweisen, weder gleichzeitig noch nacheinander. Charakteristisch für die Krankheit ist der wechselnde Schmerz, jetzt das, in einer Stunde jenes, einen Tag später wieder was anderes etc. Man spricht von „springendem Schmerz“. Charakteristisch ist auch eine auffallende Müdigkeit, Schlappheit, Antriebslosigkeit, die nicht wesenimmanent ist (d.h. vor der Erkrankung war diese Müdigkeit etc. nicht gegeben). Ferner ist die schleichende Verschlimmerung der Krankheit typisch.
- Bluttest - Blutwerte:
Sämtliche derzeit auf dem Markt befindliche Bluttests sind nicht wirklich sicher. Der schon angesprochene Kurz-Test „ELISA“ liefert nach ca. 3 Tagen die Ergebnisse allerdings mit einer Fehlerquote von 80 bis 85%. Aber auch die zuverlässigeren Tests weisen noch eine Fehlerquote von 25-35% auf, was eigentlich auch kaum zu tolerieren ist. Aber sie sind halt immer noch deutlich besser als der Kurztest.
Ein Blutwert, der im Normbereich liegt, besagt somit noch keinesfalls, dass keine Infektion/Erkrankung vorliegt. Umgekehrt sagt ein überhöhter Wert auch nicht unbedingt aus, dass der Patient tatsächlich ERKRANKT ist. Er ist infiziert, aber nicht unbedingt erkrankt. Es sind Fälle nachgewiesen, die einen Titer (= Blutwert) aufweisen, bei dem man in aller Regel die Hände über dem Kopf zusammen schlägt und glaubt, der arme Patient kann gar nichts mehr tun, so geschwächt muss er sein. In Wirklichkeit ist er aber das blühende Leben und fühlt sich völlig gesund.
- Inkubationszeit und Wanderröte
Beginnen wir mit der Wanderröte: es ist eine mehr oder minder kreisförmige oder ovale Rötung größerer oder kleinerer Dimension, welche meist aber eben nicht immer um die Einstichstelle herum auftritt. Leider erscheint eine derartige Rötung bei weitem nicht bei allen Betroffenen, man weiß heute, dass sie nur in etwa 40% aller Fälle auftritt. somit bedeutet eine fehlende Wanderröte keineswegs, dass keine Infektion vorliegt.
Auch ist mittlerweile klar geworden, dass zwischen dem Zeitpunkt der Erregerübertragung und dem Ausbruch der Krankheit Jahre vergehen können. Somit bedeutet es nicht, dass wenn man - sagen wir - die ersten 2 Monate nach dem Zeckenstich keine Krankheitssymptome hat, dass dann alles gut gegangen ist. Das kann 20 Jahre später plötzlich und unerwartet ausbrechen, da hat man die Zecke von heute lange vergessen. Umgekehrt kann es aber auch ganz schnell gehen. Bei meiner Frau haben die ersten Symptome keine 14 Tage auf sich warten lassen. Leider sind in diesem Anfangsstadium die Symptome derart unspezifisch, dass keiner - weder Arzt noch Patient - damit was anfangen kann und auf Borreliose kommt…
Auch scheint sich in der Forschung der Verdacht zu erhärten, dass wohl die Gene des einzelnen Menschen mit herein spielen, wenn es um die Frage geht ob man „anfällig“ auf Borreliose ist oder eben nicht. Untersuchungen scheinen darauf hinzudeuten, dass manche Menschen ein Gen (oder etwas Vergleichbares) besitzen, was sie resistent - oder zumindest weniger anfällig - für die durch Zecken übertragenen Krankheiten sein/werden lässt als andere, denen dieses Gen fehlt. Ich selbst kenne auch eine Frau, die hat regelmäßig Zecken (hält sich viel in Wald und Wiese auf), ist aber (zumindest bisher) noch nie an Borreliose erkrankt.
- Behandlung
somit sind die Blutbild-Fanatiker bei dieser Krankheit völlig auf dem Holzweg. Bei dieser Krankheit geht - zumindest solange die Forschung noch nichts anderes entwickelt hat, also Stand August 2008 - sehr viel über die Befindlichkeitsempfindung des Patienten und recht wenig über die Blutergebnisse. Wie gesagt: Es gibt Personen mit deutlich überhöhtem Titer, bei denen braucht man gar nichts machen, sie fühlen sich gesund - und andere, die kann man mit allen existierenden Testverfahren testen, alle Tests fallen negativ aus, und dennoch fühlen sich diese Personen hundeelend und weisen eine Vielzahl der Borreliose-Symptome auf. Ein verantwortungsbewusster und informierter Arzt behandelt dann den Patienten dennoch mit ABs, siehe weiter oben.
- Sonderfall: Borreliose und Babys
ein ganz schwieriges Thema, da Antibiotika bei Babys verheerende Wirkungen auslösen können. Ich bitte ausdrücklich, für dieses Gebiet sich gezielt z.B. im Borreliose-Forum (siehe unten) Informationen zu holen. An dieses Thema traue ich mich echt nicht ran, zu widersprüchlich sind die Aussagen, die ich darüber schon gelesen habe (von Babys sind dagegen immun und ABs rufen geistige Schäden beim Baby hervor, bis hin zur gegenteiligen Auffassung: ohne AB sei (bewusst Konjunktiv!) das Leben des Babys in Gefahr).
- Hilfe und weiterführendes
Ich bin zwar durch meine Frau als Mitbetroffener durchaus ein wenig in die Thematik eingelesen, aber ich bin nicht DER Experte schlechthin. Daher findet sich in fast allen meinen Beiträgen, die sich irgendwie mit Borreliose beschäftigen der Hinweis auf die Patienten-Selbsthilfe-Gruppe im Internet, deren Mitinitiator der Deutsche Borreliose Bund ist. Dort sitzen wahre Experten, obwohl sie keinen Doktor-Titel haben, die beantworten gerne und ausführlich alle Fragen zum Thema, und obendrein viel besser und fundierter als ich das überhaupt könnte.
Hier der Link
http://www.borreliose-forum.de/cms/html/index.php
Ich hoffe, es hat allen am Thema interessierten Personen - betroffen oder nicht - ein wenig geholfen. Aber mit Sicherheit habe ich nur einen Bruchteil aller möglichen Punkte und Aspekte angesprochen. Wer mehr wissen möchte, den bitte ich eindringlich, sich im Borreliose-Forum anzumelden. Dort sind ca. 1000 Krankengeschichten nachzulesen, Symptomlisten erhältlich und Leute, die jegliche Fragen zum Thema gerne und fundiert beantworten.
Mit der Borre ist wirklich nicht zu spassen!
In der Hoffnung, Ihr möget alle von dieser heimtückischen Krankheit verschont bleiben.
Spruch:
„An Borreliose stirbt man nicht, sie tötet nur das Leben“.
Gute Nacht
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