Hallo Roadrunner,
Die Borre (oder einer der Co-Erreger-Erkrankungen) ist eine sehr zähe Krankheit. Die Behandlung dauert oft über Jahre und die Erfolge sind nur in Milimetern zu messen. Am erfolgversprechendsten sind Antibiotika-Therapien, bei denen mehrere ABs mehr oder minder gleichzeitig zum Einsatz kommen. Eine Therapie-Dauer von einem halben Jahr ist keine Seltenheit. Die längste Therapie, die mir zu Ohren gekommen ist, waren 18 Monate.
Wie ich schon schrieb: Die Bluttests sind extrem unzuverlässig. Der Schnell-Test (namens ELISA) hat eine Fehlerquote von 65%, die anderen Tests, bei denen man deutlich länger auf Antwort warten muss (2,5 Wochen und mehr) namens LTT, Westernblot, ELISPOT weisen immer noch eine Fehlerquote von 20-25% auf. Für ein sicheres Ergebnis via Blutuntersuchung objektiv nicht zu gebrauchen. Der Grund, warum die Blutuntersuchungen so unzuverlässig sind, ist recht einfach: Die Erreger bevorzugen einen „Wohnsitz“ innerhalb einer Körperzelle, noch lieber halten sie sich in der Zellwand auf. Das Blut benutzen sie nur zur Fortbewegung, ähnlich wie wir unsere Autobahnen benutzen, um von A nach B zu kommen (daher übrigens auch die wechselnden Symptome und die wandernden Schmerzen). Die Bluttests suchen aber nur das Blut ab (= die Autobahn). Und dabei wird halt oft nichts gefunden. Aber einen Test, bei dem alle Autobahnen nach dem Auto vom Alexander abgesucht werden, und der negativ verläuft, diesen dann so zu deuten: Also wir haben keinen Alexander auf der Autobahn gefunden, also gibt es ihn nicht, diese Deutung ist offensichtlicher Quatsch. Aber genau das machen viele Ärzte: „Im Blut war nix, also is da nix, basta“.
Somit auf Deine Frage (ob Du trotz negativer Serologie Borre haben kannst) ein ganz klares Ja! Und bei den Symptomen, die Du schilderst - insbesondere wenn bei Dir früher schon Borrelien festgestellt wurden - ist es sogar extrem wahrscheinlich.
Die Krankheit ist bisher erst sehr wenig erforscht und die wenigen Erkenntnisse, die die Wissenschaft hat, die sind den Ärzten fast in Gänze unbekannt(einzelne ganz wenige positive Ausnahmen gibt es immer, das sind deutschlandweit aber nur eine gute Handvoll, in München z.B. ist kein einziger). Bei dieser und anderen wenig erforschten Krankheiten ist es ein absolutes Muss, dass sich der Patient selbst informiert und dadurch bei dummen Gerede des Arztes (was leider viel zu oft vorkommt) diesem dann Paroli bieten zu können. Wenn man dagegen den Weißkitteln vertraut, dann ist man mit dieser Krankheit verloren und landet früher oder später in der Berufsunfähigkeit und wenn es ganz schlimm kommt sogar im Rollstuhl.
Vielleicht kennst Du den Ausspruch nicht:
„An Borreliose stirbt man nicht, sie tötet nur das Leben“ (= die Lebensenergie, denn es ist unbehandelt eine Krankheit, die zu einem langsamen Dahinsiechen und körperlichem Verfall führt).
Ich weiß zwar schon einiges über die Krankheit, aber die wahren Experten findest Du in der Patientenselbsthilfegruppe „Borreliose-Forum“ des Deutschen Borreliose Bundes im Internet.
http://www.borreliose-forum.de/cms/html/index.php
Meine dringende Empfehlung: melde Dich dort an, lese einige der ca. 1000 Krankengeschichten und trete mit den dortigen Forumsteilnehmern (u.a. meine Frau) in Kontakt. Bei denen bekommst Du dann auch Tipps über die ca. 130 Symptome, die diese Krankheit mit sich bringen kann (kein Mensch hat alle, und schon gleich gar nicht gleichzeitig).
Bitte suche auch hier im wer-weiss-was im Archiv: Es haben schon viele Leute (u.a. ich) immer mal wieder über Borreliose geschrieben. Lese Dir bitte diese Artikel einfach mal durch, dann hast Du schon einen allerersten Einblick (aber natürlich noch lange keinen Überblick).
Soweit für heute,
Dir alles erdenklich Gute, ich wünsche Dir einen verständnisvollen und aufgeschlossenen Hausarzt, bleibe zäh und biete den Ärzten die Stirn! Die wissen binnen kürzester Zeit dann wenn Du Dich ein wenig damit beschäftigst nämlich viiiiieeeel weniger wie Du über diese Krankheit.
Das Thema Borreliose hatte sich meiner Meinung nach für mich
erledigt, zumindest dachte ich das!
Vor einem Jahr hat mir mein Hausarzt Blut abgenommen und dabei
festgestellt, dass mein Körper Antikörper gegen Borrelien
ach mein Gott, also auch Chroniker!
gebildet hat und mich daraufhin zum Neurologen geschickt! Der
meinte dann, es sei bei mir alles in Ordnung!
Neurologen gelten - neben Internisten - unter Borre-Patienten als die Ärztegruppen, die sich in aller Regel am wenigsten (!) damit auskennen und den größten Mist erzählen. Demgegenüber wissen die Hausärzte deutlich mehr (aber immer noch viiiieeel zu wenig).
Die
Antikörperkonzentration war beim letzten Blutabnehmen ein
wenig niedriger.
also dann hast Du ja sogar immer noch Borrelien nachgewiesen im Blut! Toll für Dich, dieses Glück haben noch lange nicht alle Borre-Kranken (man schätzt,dass es mittlerweile in Deutschland etwa 2.5 Mio Menschen gibt, die unter chronischer Borreliose leiden, man spricht schon von der Volkskrankheit des 21. Jh.)
Herzliche Grüße
Alexander