Auswirkung der Wärme auf Heilung von Entzündungen

Hallo,
wenn man zerstörtes Gewebe hat, dann ist es klar, warum eine warme Umgebung dort für eine schnellere Heilung sorgt, denn chemische Reaktionen laufen bei erhöhter Temperatur schneller ab.

Wenn man aber jetzt eine virale oder bakterielle Infektion hat, dann laufen bei Viren die Vermehrung und der Stoffwechsel bei Bakterien ebenfalls schneller.

Trotzdem bekommt man Fieber bei Infektionen.
Kann mir jemand erklären, warum eine Wärmezufuhr egal, ob sie der Körper selbst macht oder von außen zugeführt (Wärmflasche), dem Immunsystem anscheinend mehr nutzt als den Viren/Bakterien?

Ich habe nämlich gehört, dass man Herpes lokal mit einem Laser behandelt, aber das ist wahrscheinlich fördert man damit Zellaufbau und den Abbau der durch den Virus zerstörten Zellen.

Kann jemand mal etwas zu diesem Thema schreiben?
Vielen Dank dafür
Gruß
Tim

Hallo,

Ich habe nämlich gehört, dass man Herpes lokal mit einem Laser
behandelt,

Naja, z.B hier wird darauf hingewiesen:
http://www.mdr.de/hauptsache-gesund/120815.html#absatz5

aber das ist wahrscheinlich fördert man damit
Zellaufbau und den Abbau der durch den Virus zerstörten Zellen.

Offebar weiß man noch nichts über die Wirkmechanismen.
Laserlicht im Leistungsbereich von paar Milliwatt scheint mir auch
wenig tauglich, um real messbare klinische Effekte zu bewirken,
eben weil da kaum mit thermischer Wirkung argumentiert werden kann.

Ich bin da jedenfalls sehr skeptisch, was die klinische Wirkung
angeht. Es wäre nicht das erste Mal, daß primär Plazebo und
Autosuggestion ihre volle Wirkung entfalten und eine Studie
verfälschen.
Das Auftreten von Herpes (z.B. Herpes simplex), scheint ja auch
oft auf psychische Einflüsse zurückzuführen sein. Warum also
nicht auch umgekehrt.
Insofern ist gegen solche Therapieversuche nix zu sagen, solange
es nicht in reine Scharlatanerie ausartet, wo windige Fimen dem
leichtgläubigen Patienten für 500€ einen Laserpointer mit einem
Wert von 5€ als die ultimative Herpes Therapie anbieten.
Gruß Uwi

Hallo,
das mit dem Herpes sollte nur so am Rand sein.

Wie ist es aber mit thermisch relevanten Leistungen, warum nutzt die Wärme dem Immunsystem mehr als sie den Viren und Bakterien nutzt?

Hallo
Ich weiß, das es für die verschiedenen Mikroorganismen verschiedene Teilungs- bzw. Vermehrungsraten bei verschiedenen Temperaturen gibt.
Das nun das Fieber bei einer Infektion mit seiner erhöhten Temperatur direkt Erreger bekämpft, ist mir nicht bekannt. Ich bin allerdings auch kein Mediziner.
Ich vermute, das ein Körper beim Fieber schlichtweg viel zu tun hat, und dadurch Wärme entsteht. Andererseits wird die Körpertemperatur irgendwie hormonell durch das Gehirn gesteuert oder so.
Ein Grund für Fieber könnte sein, das verschiedene Enzyme des Körpers bei verschiedenen Temperaturen auch verschieden stark aktiv sind.
Google doch mal zur Ursache von Fieberreaktionen.
Beim Metallfieber(kein Mikroorganismus) z.B. nutzt eine erhöhte Temperatur auch nichts.

MfG
Matthias

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Hallo Tim,

wenn man zerstörtes Gewebe hat, dann ist es klar, warum eine
warme Umgebung dort für eine schnellere Heilung sorgt, denn
chemische Reaktionen laufen bei erhöhter Temperatur schneller
ab.

das ist nur die halbe Wahrheit. Grund für die lokale Temperaturerhöhung ist, dass das betroffene, entzündete Gewebe besser durchblutet ist. Die Kapillaren weiten sich, der Fließwiderstand wird verringert und ebenso die Fließgeschwindigkeit des Blutes. Dadurch können im Blut zirkulierende Abwehrzellen besser Kontakt zur Gefäßwand aufnehmen und in das entzündete Gewebe einwandern. Dieser Vorgang kann durch mäßige Wärmezufuhr von außen (Wärmflasche) unterstützt werden.

Im Gegensatz dazu wird bei geschlossenen traumatischen Verletzungen (Zerrung, Prellung, Bänderriss etc.) zur Schmerzlinderung und zur Verhinderung/Minderung von Blutergüssen und Schwellungen, welche die Heilung nachteilig beeinflussen können, stattdessen gekühlt.

Wenn man aber jetzt eine virale oder bakterielle Infektion
hat, dann laufen bei Viren die Vermehrung und der Stoffwechsel
bei Bakterien ebenfalls schneller.

Das kann stimmen, muss aber nicht. Viele Bakteiren haben ihr Optimum bei 37-38°C. Übersteigt die Körpertemperatur diesen Wert, kann das in vielen Fällen schon Grund dafür sein, dass die Mikroorganismen nicht mehr optimal arbeiten. Das gilt allerdings nicht für alle.

Trotzdem bekommt man Fieber bei Infektionen.
Kann mir jemand erklären, warum eine Wärmezufuhr egal, ob sie
der Körper selbst macht oder von außen zugeführt
(Wärmflasche), dem Immunsystem anscheinend mehr nutzt als den
Viren/Bakterien?

Das ist oben bereits für einige Bakterien erklärt. Warum das auch bei viralen Infektionen hilfreich ist, ist nicht hinreichend geklärt. Allerdings konnte auch bei wechselwarmen Tieren (Fischen) gezeigt werden, dass die Überlebensrate im Fall bestimmter viraler Infektionen signifikant steigt, wenn diese bei einer höheren (Wasser-)Temperatur gehalten werden. Ich finde die Quelle gerade nicht, kann sie dir aber die Tage bei Bedarf gerne nachliefern.

Meine spekulative Folgerung ist, dass die Vorteile für den Wirt (bessere Antikörperproduktion, schnellere Proliferation antiviraler Abwehrzellen etc.) einfach stärker steigen als die für das Virus. Das Fieber wird i.d.R. auch nicht vom Erreger selbst hervorgerufen, sondern das Thermostat wird quasi gezielt durch die von den mit der Infektion beschäftigten Abwehrzellen produzierten Mediatoren hochgeregelt.

LG
Huttatta

Also kann man qualitativ festhalten, dass eine Wärmezufuhr bei viraler bzw. bakterieller Infektion deswegen dem Körper mehr nutzt als den Viren und Bakterien, weil zum einen das Gewebe besser durchblutet wird, was die Versorgung mit neuen Antikörpern begünstigt und bei manchen Bakterien das Verstellen der Temperatur den Stoffwechsel behindert.

Sollte es sich um Bakterien handeln, die mit größerer Temperatur schneller wachsen, kann man dagegen halten, dass zusätzlich zur bessern Versorgung mit Antikörpern, diese auch schneller arbeiten und gebildet werden, sollte die Temperatur erhöht werden.

Ganz grob gesagt, steht es also 2:1 für das Immunsystem, sollte eine infizierte Stelle erwärmt werden.

Kann man das grob so begründen, warum Wärme dann hilft?

Hallo Tim,

mein damaliger Hausarzt hat auf meine Frage „Wann kühlen, wann wärmen?“ gesagt, dass man es einfach ausprobieren muss, was besser hilft.

Beides verursacht, wie schon gesagt, eine verstärkte Durchblutung. Beim Kühlen werden aber zusätzlich die Nerven „betäubt“, also die Schmerzempfindung herabgesetzt, deshalb Kühlen bei diesen Verletzungen, wie Prellungen etc.

Gruß Volker

Beides verursacht, wie schon gesagt, eine verstärkte
Durchblutung.

Also Wärmen fördert die Durchblutung, während Kühlen sie verringert, um die Wärmeverluste gering zu halten, wenn man in kalter Umgebung ist.
Ich möchte aber keine medizinische Beratung, sondern eine naturwissenschaftliche Erklärung dafür, warum Wärmezufuhr das Immunsystem stärkt.
In meinem Beitrag von 12:09 Uhr hab ich mal eine grobe Theorie zur Diskussion gestellt.

Ich möchte aber keine medizinische Beratung, sondern eine
naturwissenschaftliche Erklärung dafür, warum Wärmezufuhr das
Immunsystem stärkt.

Servus Tim,

wer sagt denn, daß Wärmezufuhr das Immunsystem stärkt? Ich meine, wer außer Dir?

Zum Einlesen über die Physiologie des Fiebers habe ich ein paar Links anzubieten - vielleicht kommst Du damit weiter.

http://www.gamed.or.at/hyperthermie/Abstracts/Granin…
http://www.gamed.or.at/hyperthermie/Abstracts/Granin…
http://www.zeno.org/Meyers-1905/A/Fieber
http://physiologyonline.physiology.org/cgi/reprint/1…
http://ajpregu.physiology.org/cgi/content/full/284/4…

Gruß

Kai

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wer sagt denn, daß Wärmezufuhr das Immunsystem stärkt? Ich
meine, wer außer Dir?

Les die Begründungen, warum das so sein soll und wiederlege die Aussagen mit Argumenten, wenn sie falsch sind.
Natürlich ist eine zu hohe Temperaturerhöhung auch nicht gut, da dann die Proteine im Körper denaturieren.
Es ist die optimale Temperatur bei Infektionen zu finden.