Hallo Tim,
wenn man zerstörtes Gewebe hat, dann ist es klar, warum eine
warme Umgebung dort für eine schnellere Heilung sorgt, denn
chemische Reaktionen laufen bei erhöhter Temperatur schneller
ab.
das ist nur die halbe Wahrheit. Grund für die lokale Temperaturerhöhung ist, dass das betroffene, entzündete Gewebe besser durchblutet ist. Die Kapillaren weiten sich, der Fließwiderstand wird verringert und ebenso die Fließgeschwindigkeit des Blutes. Dadurch können im Blut zirkulierende Abwehrzellen besser Kontakt zur Gefäßwand aufnehmen und in das entzündete Gewebe einwandern. Dieser Vorgang kann durch mäßige Wärmezufuhr von außen (Wärmflasche) unterstützt werden.
Im Gegensatz dazu wird bei geschlossenen traumatischen Verletzungen (Zerrung, Prellung, Bänderriss etc.) zur Schmerzlinderung und zur Verhinderung/Minderung von Blutergüssen und Schwellungen, welche die Heilung nachteilig beeinflussen können, stattdessen gekühlt.
Wenn man aber jetzt eine virale oder bakterielle Infektion
hat, dann laufen bei Viren die Vermehrung und der Stoffwechsel
bei Bakterien ebenfalls schneller.
Das kann stimmen, muss aber nicht. Viele Bakteiren haben ihr Optimum bei 37-38°C. Übersteigt die Körpertemperatur diesen Wert, kann das in vielen Fällen schon Grund dafür sein, dass die Mikroorganismen nicht mehr optimal arbeiten. Das gilt allerdings nicht für alle.
Trotzdem bekommt man Fieber bei Infektionen.
Kann mir jemand erklären, warum eine Wärmezufuhr egal, ob sie
der Körper selbst macht oder von außen zugeführt
(Wärmflasche), dem Immunsystem anscheinend mehr nutzt als den
Viren/Bakterien?
Das ist oben bereits für einige Bakterien erklärt. Warum das auch bei viralen Infektionen hilfreich ist, ist nicht hinreichend geklärt. Allerdings konnte auch bei wechselwarmen Tieren (Fischen) gezeigt werden, dass die Überlebensrate im Fall bestimmter viraler Infektionen signifikant steigt, wenn diese bei einer höheren (Wasser-)Temperatur gehalten werden. Ich finde die Quelle gerade nicht, kann sie dir aber die Tage bei Bedarf gerne nachliefern.
Meine spekulative Folgerung ist, dass die Vorteile für den Wirt (bessere Antikörperproduktion, schnellere Proliferation antiviraler Abwehrzellen etc.) einfach stärker steigen als die für das Virus. Das Fieber wird i.d.R. auch nicht vom Erreger selbst hervorgerufen, sondern das Thermostat wird quasi gezielt durch die von den mit der Infektion beschäftigten Abwehrzellen produzierten Mediatoren hochgeregelt.
LG
Huttatta