Hallo!
Es gibt einen Unterschied zwischen embryonalen und adulten
Stammzellen. Soviel ich weiß, sind im Nabelschnurblut noch
embryonale Stammzellen.
Nein. Das ist per se nicht möglich.
Eine embryonale Stammzellen ist definiert als eine pluripotente Stammzelle die aus Zellen entstanden ist die einem Embryo entnommen wurden.
Da das Kind bei der Geburt kein Embryo mehr ist, kann es keine embryonalen Stammzellen aus einer Nabelschnur geben.
ABER:
Auch das wirklich interessante von embryonalen Stammzellen, ihre Pluripotenz, konnte bisher nicht für Zellen aus der Nabelschnur gezeigt werden. Sie sind also (so weit man weiß) nicht pluripotent.
Ich würde es so sehen: Euer Sohn hat eine Lebenwartung von
mehr als 80 Jahren. Hoffentlich ist und bleibt er gesund -
aber wenn er irgendeine seltene Krankheit hat, dann kann es
gut sein, dass man diese in 30 oder 40 Jahren heilen kann,
WENN man seine embryonalen Stammzellen hat.
Wie gesagt, bisher hat man keine pluripotenten Stammzellen aus einer Nabelschnur isoliert. Das heißt nicht, dass die Nabelschnur Zellen nichts können. Bisher wurde für sie aber nur Multipotenz gezeigt.
ABER:
Herr Yamanaka hat 2006 aus Bindegewebszellen einer (adulten) Maus induzierte pluripotente Stammzellen gewonnen.
Das Verfahren wurde in der Zwischenzeit verfeinert und meine ich auch beim Menschen erfolgreich angewandt.
Diese induzierten pluripotenten Stammzellen haben eben das, was die embryonalen so interessant macht. Pluripotenz. Und sie sind zusätzlich immunologisch mit dem Spender kompatibel, so wie Nabelschnurzellen und können nach der Geburt gewonnen werden.
Die klassische Methode zur Gewinnung von eymbryonalen Stammzellen ist nicht mit dem Überleben des Embryos vereinbar. Deshalb haben embryonale Stammzellen eben auch ihre negativen Seiten (Sowohl das Töten als auch die damit verbundene fehlende immunologische Toleranz durch einen Transplantatempfänger.).
Es wurden (zumindest in der Maus) vor wenigen Jahren aus Embryonen in frühen Zellstadien (Achtzellstadium war es glaube ich) erfolgreich embryonale Stammzellen isoliert und gleichzeitig hat sich auch keine signifikante Verringerung des Überlebens der Spenderembryonen ergeben.
Im Prinzip hatte man damals etwas gemacht wie bei der Präimplantationsdiagnostik beim Menschen, nur dass man mit den entnommenen Zellen keine Diagnostik gemacht hat, sondern sie zu Stammzelllinien propagiert hat und dass es Mäusezellen waren.
Diese Zellen, die in dieser Technik entnommen werden aus frühen Embryonen sind jedoch totipotent und werden nach deutschem Recht wie eigene Embryonen behandelt und es wäre nicht mit dem deutschen Recht vereinbar, diese Stammzellen hier zu produzieren oder nach Deutschland einzuführen, wenn diese Versuche mit Menschen gemacht werden.
Außerdem könnte man sie nur im Rahmen einer in vitro Fertilisation gewinnen und sie wären immunologisch nur zum Spenderembryo vollkommen kompatibel.
In der klassischen Methode gewinnt man die embryonalen Stammzellen nicht aus totipotenten Zellen, sondern aus bereits im Embryo pluripotenten Stammzellen.
Pluripotente Stammzellen im Embryo unterliegen nicht dem strikten Lebensschutz so lange durch ihre Entnahme nicht das Überleben oder die Entwicklung des gesamten Embryos gefährdet wird. Aber man kommt bisher eben nur dann an diese Zellen ran, wenn man den gesamten Embryo tötet. Das ist ein mehr oder weniger technisches Problem, dass man die Embryonen töten muss, auch wenn sich das makaber anhört.
Insgesamt ist es fraglich, ob sowas wie Nabelschnurblut in 30-40 Jahren noch Sinn machen wird.
Wenn Ihr schon bei der Geburt wisst, dass das Kind eine schlimme monogene Erbkrankheit hat wie cystische Fibrose oder eine Muskeldystrophie oder in der Familie bestimmte multifaktorielle Erkrankungen wie Alzheimer gehäuft vorkommen, dann würde ich eher dazu tendieren, wenn man das Geld hat, die Zellen einzufrieren. Wenn nicht, dann eher nicht.
Schließlich sieht es bisher so aus, als sei es nicht aussichtslos, in der Zukunft induzierte pluripotente Stammzellen zur Therapie zu nutzen.
Gruß,
Stefan