Stammzellen aus Nabelschnurblut (Sinn oder Unsinn)

Hallo,

meine Frau und ich erwarten im Januar Nachwuchs und jetzt sind wir von verschiedenen Leuten auf die Möglichkeit der Einlagerung von Stammzellen aus Nabelschnurblut aufmerksam gemacht worden.
Als werdende Eltern will man natürlich alles richtig machen und alles für sein Kind tun. Kann uns jemand sagen ob diese Einlagerung Sinnvoll ist oder ob es sich lediglich um Geldschneiderei von verschiedenen Instituten handelt?!?
Wir haben uns schon im Internet informiert aber die Frage, die sich uns immer wieder stellt ist: „wer steckt hinter den Seiten?“ auf einigen Seiten wird in höchsten Tönen davon geschwärmt aber wenn man sich mal die Seite genauer anschaut, dann sieht man das eine der Organisationen die die Einlagerung anbieten diese Seite sponsored.
Andere wiederum sagen, das ist völlig unnötig und die Technik wird irgendwann soweit sein und die benötigten Stammzellen auch so aus dem Körper zu gewonnen werden können.
Wir sind uns da z.Z. ganz schön unsicher und immerhin kostet das ganze ja auch so ca. 2.400.-€. Aber wie gesagt, für sein Kind spielt das Geld keine Rolle und wenn es wichtig und sinnvoll ist, werden wir das natürlich auch gerne investieren.

Wäre super wenn uns jemand den ein oder anderen Ratschlag geben könnte.

Vielen Dank schon mal
Gruß
Jörg & Jennifer

Hallo,

Andere wiederum sagen, das ist völlig unnötig und die Technik
wird irgendwann soweit sein und die benötigten Stammzellen
auch so aus dem Körper zu gewonnen werden können.

Es gibt einen Unterschied zwischen embryonalen und adulten Stammzellen. Soviel ich weiß, sind im Nabelschnurblut noch embryonale Stammzellen. An die kommst du später nicht mehr dran - nicht, weil man sie nicht gewinnen könnte, sondern weil dann irgendwelche selbsternannten „Lebenschützer“ auf den Plan treten, die sagen, dass man mit Embryonen auf gar keinen Fall forschen darf, ganz egal, welche Krankheiten man damit heilen kann.

Ich würde es so sehen: Euer Sohn hat eine Lebenwartung von mehr als 80 Jahren. Hoffentlich ist und bleibt er gesund - aber wenn er irgendeine seltene Krankheit hat, dann kann es gut sein, dass man diese in 30 oder 40 Jahren heilen kann, WENN man seine embryonalen Stammzellen hat.

Wir sind uns da z.Z. ganz schön unsicher und immerhin kostet
das ganze ja auch so ca. 2.400.-€.

Das ist eine Menge Geld. Ich weiß nicht, ob ich es machen lassen würde. Wahrscheinlich schon. Aber wenn du dich entscheiden musst zwischen Nabelschnurblut und Klavierunterricht für den Sohn, dann nimm lieber den Klavierunterricht :wink:

Schöne Grüße

Petra

Hallo,

wie Petra schon schrieb, mag es sein, daß es mit dem Forschungsfortschritt später einmal möglich ist, diese heute eingelagerten Zellen heilend zu gebrauchen.

Aber ob die Einlagerung einer solch kleinen Portion solch hohen Kosten rechtfertigt?
Außerdem frage ich mich, ob die Zellen einen Zeitraum von Jahrzehnten schadlos überdauern. Wie sicher und gut ist die Langzeitlagerung? Wie verläßlich, daß immer alles korrekt läuft?

Es gibt noch eine andere Variante, das ursprüngliche des Kindes zu sichern. Man kann aus dem Nabelschnurblut Globuli herstellen, die man dann in einem Arzneifläschchen zu Haus selbst über die Jahre aufbewahrt. Kosten meines Wissens ca. 2oo-3oo Euro.

Damit hat man natürlich keine Zellen, aber ich hörte von Eltern, die damit sehr gute Erfahrungen bei Krankheiten der Kinder gemacht haben. Positive Erfahrungen bei der Behandlung Erwachsener liegen noch nicht vor, weil das noch nicht so lange praktiziert wird.

Mehr kann ich mangels eigener Erfahrungen nicht sagen, aber vielleicht ist es eine Anregung für euch, sich näher damit zu beschäftigen.

Gruß Steffi

Hallo,

das ist mal wieder das Spiel mit den minimalen Risiken, mit denen man insbesondere als Eltern ständig konfrontiert wird. Dabei geht es regelmäßig darum hohen Aufwand (gerne auch finanziell) zu investieren, massive Einschränkungen hinzunehmen, nur um gemessen am Gesamtrisiko minimale Einzelfaktoren zu beeinflussen. Sei es, dass man die Kinder keine Minute mehr aus den Augen lassen soll, weil jedes Jahr unter zehn Fällen von Sexualmorden an Kindern passieren (jeder für sich schlimm, aber insgesamt eben keine reale Bedrohung), sei es die Einlagerung von Nabelschnurblut.

Wenn Du wirklich etwas für dein Kind tun willst, dann installiere FIs im Haus, und sichere die Steckdosen ab. Schließe Medikamente und Putzmittel weg. Entschärfe Sturzgefahren durch geeignete Absturzsicherungen. Verwende moderne Kindersitze im Auto und fahre angemessen. Nutze auf dem Fahrrad einen Helm, und lass das Kind möglichst früh Schwimmen lernen. Damit hast Du die wirklich großen Gefahrenkomplexe ganz gut im Griff, und brauchst Dir über die minimalen Risiken keine Gedanken mehr zu machen.

Und wenn Du es nachrechnen möchtest: Schau Dir mal Zahlen zu Unfällen von Kindern im Haushalt und Straßenverkehr sowie in der Freizeit an, und vergleiche die mal mit Kindern als Opfer von Straftaten gegen Leib und Leben und lebensbedrohlichen Erkrankungen.

Gruß vom Wiz

Hallo!

Es gibt einen Unterschied zwischen embryonalen und adulten
Stammzellen. Soviel ich weiß, sind im Nabelschnurblut noch
embryonale Stammzellen.

Nein. Das ist per se nicht möglich.
Eine embryonale Stammzellen ist definiert als eine pluripotente Stammzelle die aus Zellen entstanden ist die einem Embryo entnommen wurden.
Da das Kind bei der Geburt kein Embryo mehr ist, kann es keine embryonalen Stammzellen aus einer Nabelschnur geben.
ABER:
Auch das wirklich interessante von embryonalen Stammzellen, ihre Pluripotenz, konnte bisher nicht für Zellen aus der Nabelschnur gezeigt werden. Sie sind also (so weit man weiß) nicht pluripotent.

Ich würde es so sehen: Euer Sohn hat eine Lebenwartung von
mehr als 80 Jahren. Hoffentlich ist und bleibt er gesund -
aber wenn er irgendeine seltene Krankheit hat, dann kann es
gut sein, dass man diese in 30 oder 40 Jahren heilen kann,
WENN man seine embryonalen Stammzellen hat.

Wie gesagt, bisher hat man keine pluripotenten Stammzellen aus einer Nabelschnur isoliert. Das heißt nicht, dass die Nabelschnur Zellen nichts können. Bisher wurde für sie aber nur Multipotenz gezeigt.

ABER:
Herr Yamanaka hat 2006 aus Bindegewebszellen einer (adulten) Maus induzierte pluripotente Stammzellen gewonnen.
Das Verfahren wurde in der Zwischenzeit verfeinert und meine ich auch beim Menschen erfolgreich angewandt.
Diese induzierten pluripotenten Stammzellen haben eben das, was die embryonalen so interessant macht. Pluripotenz. Und sie sind zusätzlich immunologisch mit dem Spender kompatibel, so wie Nabelschnurzellen und können nach der Geburt gewonnen werden.
Die klassische Methode zur Gewinnung von eymbryonalen Stammzellen ist nicht mit dem Überleben des Embryos vereinbar. Deshalb haben embryonale Stammzellen eben auch ihre negativen Seiten (Sowohl das Töten als auch die damit verbundene fehlende immunologische Toleranz durch einen Transplantatempfänger.).
Es wurden (zumindest in der Maus) vor wenigen Jahren aus Embryonen in frühen Zellstadien (Achtzellstadium war es glaube ich) erfolgreich embryonale Stammzellen isoliert und gleichzeitig hat sich auch keine signifikante Verringerung des Überlebens der Spenderembryonen ergeben.
Im Prinzip hatte man damals etwas gemacht wie bei der Präimplantationsdiagnostik beim Menschen, nur dass man mit den entnommenen Zellen keine Diagnostik gemacht hat, sondern sie zu Stammzelllinien propagiert hat und dass es Mäusezellen waren.
Diese Zellen, die in dieser Technik entnommen werden aus frühen Embryonen sind jedoch totipotent und werden nach deutschem Recht wie eigene Embryonen behandelt und es wäre nicht mit dem deutschen Recht vereinbar, diese Stammzellen hier zu produzieren oder nach Deutschland einzuführen, wenn diese Versuche mit Menschen gemacht werden.
Außerdem könnte man sie nur im Rahmen einer in vitro Fertilisation gewinnen und sie wären immunologisch nur zum Spenderembryo vollkommen kompatibel.
In der klassischen Methode gewinnt man die embryonalen Stammzellen nicht aus totipotenten Zellen, sondern aus bereits im Embryo pluripotenten Stammzellen.
Pluripotente Stammzellen im Embryo unterliegen nicht dem strikten Lebensschutz so lange durch ihre Entnahme nicht das Überleben oder die Entwicklung des gesamten Embryos gefährdet wird. Aber man kommt bisher eben nur dann an diese Zellen ran, wenn man den gesamten Embryo tötet. Das ist ein mehr oder weniger technisches Problem, dass man die Embryonen töten muss, auch wenn sich das makaber anhört.

Insgesamt ist es fraglich, ob sowas wie Nabelschnurblut in 30-40 Jahren noch Sinn machen wird.
Wenn Ihr schon bei der Geburt wisst, dass das Kind eine schlimme monogene Erbkrankheit hat wie cystische Fibrose oder eine Muskeldystrophie oder in der Familie bestimmte multifaktorielle Erkrankungen wie Alzheimer gehäuft vorkommen, dann würde ich eher dazu tendieren, wenn man das Geld hat, die Zellen einzufrieren. Wenn nicht, dann eher nicht.
Schließlich sieht es bisher so aus, als sei es nicht aussichtslos, in der Zukunft induzierte pluripotente Stammzellen zur Therapie zu nutzen.

Gruß,

Stefan

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Hallo!

Verrätst Du mir, was Fls sind?
Fußleisten?
Wenn ja, worin besteht ohne sie ein großes Gefahrenpotential?

Gruß, Stefan

Hallo,

Verrätst Du mir, was Fls sind?
Fußleisten?

FI, nicht FL.

http://de.wikipedia.org/wiki/Fehlerstromschutzschalter

Gruß,

Myriam

OT: Glaubwürdigkeit wissenschaftlicher Arbeiten
Mit seiner Arbeit ist Yamanaka ein heißer Nobelpreiskandidat.

(:Induction of pluripotent stem cells from mouse embryonic and adult fibroblast cultures by defined factors.

Takahashi K, Yamanaka S.

Cell. 2006 Aug 25;126(4):663-76.)

Es wurde anfangs von vielen daran gezweifelt, ob die Technik wirklich funktioniert.
Man wollte keinem Betrüger aufsitzen.
Mittlerweile wurde die Technik jedoch weltweit in vielen Labors erfolgreich übernommen. Ein Kumpel von mir hat sie zB auch in einem Labor in Bonn etabliert.
Auch für den Menschen gibt es schon viele Daten zur Herstellung und zum Verhalten induzierter embryonaler Stammzellen des Menschen.
Einen aktuellen Überblick geben zB diese Artikel:
1)
The promise of human induced pluripotent stem cells for research and therapy.

Nishikawa S, Goldstein RA, Nierras CR.

Nat Rev Mol Cell Biol. 2008 Sep;9(9):725-9. Review.

Induced Pluripotency of Mouse and Human Somatic Cells.

Maherali N, Hochedlinger K.

Cold Spring Harb Symp Quant Biol. 2008 Nov 6.

Gruß, Stefan

Vertippt… peinlich

Auch für den Menschen gibt es schon viele Daten zur
Herstellung und zum Verhalten induzierter embryonaler
Stammzellen des Menschen.

peinlich peinlich…
Ja, die sind natürlich keine embryonalen Stammzellen sondern adulte induzierte pluripotente Stammzellen. Da hab ich den von mir selbst kritisierten Fehler begangen. Rutscht einem mal ganz gern aus Versehen raus.

Hallo,

Man kann aus dem Nabelschnurblut Globuli
herstellen, die man dann in einem Arzneifläschchen zu Haus
selbst über die Jahre aufbewahrt.

man kann auch die Milchzähne aufbewahren und später daraus Pulver herstellen lassen und das bei Vollmond hinter dem Schuppen vergraben.

Noch weitere Vorschläge, Geld aus dem Fenster zu werfen?
Gruß
loderunner

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