Was ist pneumocerebrum?

Hallo,

google hat mich im Stich gelassen. Was ist denn „pneumocerebrum“? Ich habe diesen Begriff in einem englischen Text gefunden, und zwar in folgendem Zusammenhang:

„Furthermore, [Mengele] performed a procedure known as pneumocerebrum to permit analysis of the cerebral-spinal fluid.“

Ist das eine Liquorentnahme? Warum hat mir dann google keine Ergebnisse gebracht? Oder ist es ein Fehler der Autorin?

Im Pschyrembel steht auch nichts dergleichen.

Schöne Grüße

Petra

also zum begriff:
pneu (oder pneumo) ist griechisch und bedeutet luft,wind
cerebrum ist der lateinische begriff für endhirn

cerebrospinal fluid (engl.) bedeutet der fluss (der geirnflüssigkeit; liquor cerebrospinalis) zwischen gehirn (cerebrum) und rückenmark/ wirbelsäule (spina).

da in dem satz dr.mengele erwähnt wird gehe ich mal davon aus, dass es sich um ein experiment während der ns-zeit handelt, bei dem über luft/luftdruck flussrichtungen im gehirn und rückenmark veranschaulicht wurden. da ja das gehirn und das rückenmark ein (teilweise) in sich geschlossenes system sind (durch die hirnhäute, v.a. die dura mater), wollte mengele vieleicht schauen von wo nach wo der liquar fliesst, bzw. wo vieleich austrittstellen für den liquor sind (das würde auch den luftdruck erklähren).

hoffe ich konnte dir etwas weiterhelfen

grüsse

Hallo Andreas,

ok, die einzelnen Bestandteile des Ausdrucks habe ich noch verstanden, nur zusammen hat es keinen Sinn ergeben.

Da diese Sache einen wissenschaftlichen Namen hat, gehe ich davon aus, dass JM das nicht alleine erfunden hat, sondern es möglicherweise eine damals bereits wissenschaftlich bekannte Prozedur war. Auch macht mich dieser Satzteil hier stutzig: " to permit analysis of the cerebral-spinal fluid". Um den Liquor zu analysieren, macht man doch normalerweise eine Lumbalpunktion und fertig. (Es beschreiben auch Überlebende, dass bei ihnen oder jemand anderem eine Lumbalpunktion vorgenommen wurde.) Pneumocerebrum muss also etwas anders sein.

Dieser Begriff ist mir heute zum ersten Mal begegnet, obwohl es sicher nicht der erste Text über JM ist, den ich lese. Hat man den entnommenen Liquor mit Luft substituiert?

da ja das gehirn und das
rückenmark ein (teilweise) in sich geschlossenes system sind
(durch die hirnhäute, v.a. die dura mater), wollte mengele
vieleicht schauen von wo nach wo der liquar fliesst, bzw. wo
vieleich austrittstellen für den liquor sind (das würde auch
den luftdruck erklähren).

Na ja, sein kann alles. … Ich halte es eher für ein zu dieser Zeit bereits wissenschaftlich etabliertes Verfahren, das man allerdings heute nicht mehr anwendet und deswegen auch nicht mehr im Pschyrembel oder online findet.

Etwas ähnliches ist mir beim „Plasmon“ begegnet. Das war diese Theorie aus den 30er Jahren, dass es auch Erbgut außerhalb des Zellkerns gibt. Man nannte dieses Erbgut „Plasmon“. Die Sache geriet dann aber wieder in Vergessenheit, und erst vor ein oder zwei Jahren begegnete mir das „Plasmon“ unter anderem Namen als neueste wissenschaftliche Erkenntnis wieder. *staun* Da hab ich vielleicht geschaut …

Hmm … ob ich mal bei eBay nach einem Pschyrembel aus den 40er Jahren schaue? Sinn machen würde das.

Schöne Grüße

Petra

hallöchen
ich glaube er wollte nicht den liquor an sich untersuchen, sondern sein fluss…es könnte sein, dass er luft in den liquorraum gesprizt hat und einfach geschaut hat was passiert - das würde JM ähnlich sehen.
wie schon gesagt, genau weiss ichs natürlich nicht.

gegenfrage: das thema ist sehr interessant - hast du das aus nem buch? falls ja (auch das mit der dns), kannst du mir titel oder quellen mailen?

thanks

Hallo,

ich glaube er wollte nicht den liquor an sich untersuchen,
sondern sein fluss…es könnte sein, dass er luft in den
liquorraum gesprizt hat und einfach geschaut hat was passiert

  • das würde JM ähnlich sehen.

Stimmt. Könnte sein. … Übrigens, JM hat da nicht planlos herumprobiert. Er hat die Ergebnisse regelmäßig an das Kaiser-Wilhelm-Institut in Berlin geschickt (heute: Max-Planck-Gesellschaft), und die haben sich auch immer nett bei ihm bedankt. Er hat da nicht alleine gearbeitet. Nur nach dem Krieg will ihn dann plötzlich niemand mehr gekannt haben. Man hat den Schriftwechsel mit ihm vernichtet.

Wenn er gehofft hat, in Auschwitz den großen Durchbruch als Wissenschaftler zu erreichen, hat er sich jedenfalls getäuscht. Genau das Gegenteil war Fall: Er hat jegliche Karrierechancen zerstört und kann von Glück sagen, dass er nicht hingerichtet worden ist.

Wer weiß, wenn er in einer normalen Zeit gelebt hätte, dann hätte er vielleicht jahrelang fleißig in einem Labor geforscht und irgendwann eine wichtige Entdeckung gemacht. Aber zu dieser Zeit war das nicht möglich. Das 3. Reich brachte an allen Menschen das Schlechteste zum Vorschein.

gegenfrage: das thema ist sehr interessant - hast du das aus
nem buch? falls ja (auch das mit der dns), kannst du mir titel
oder quellen mailen?

Also der erste Teil der Frage ist einfach zu beantworten, weil ich den Artikel erst gestern gelesen habe:

Kubica, Helena: The Crimes of Josef Mengele, in: Anatomy of the Auschwitz Death Camp, S. 317-337. Bloomington, 1994.

Das mit dem Plasmon finde ich leider nicht mehr. Ich habe es zu Beginn versäumt, mir Notizen zu machen.

Übrigens habe ich mir jetzt tatsächlich einen Pschyrembel von 1944 bestellt, für EUR 10,- inkl. Versand, also billiger als der neue :wink:
Die Terminologie hat sich doch an vielen Stellen geändert. Mir ist jetzt auf der Suche nach dem Plasmon wieder eine alte Datei in die Hände gefallen, die ich einmal angelegt habe, um den Überblick nicht zu verlieren.

Wusstest du z.B. was Kernstäbchen sind? 1)
Zyklophrenie? 2)
Paralysis Agitans? 3)

Mit anderen Worten: Dieser Pschyrembel ist wohl eine durchaus nützlich Anschaffung.

Schöne Grüße

Petra

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Hallo!

google hat mich im Stich gelassen. Was ist denn
„pneumocerebrum“? Ich habe diesen Begriff in einem englischen
Text gefunden, und zwar in folgendem Zusammenhang:

„Furthermore, [Mengele] performed a procedure known as
pneumocerebrum to permit analysis of the cerebral-spinal
fluid.“

Vielleicht ist das so etwas wie eine sog. „Pneumenzephalographie“ bzw. ein „Pneumenzephalogramm“, ein heute nicht mehr gebräuchliches bildgebendes Verfahren aus der Zeit vor CT und MRT; dabei wurde der Liquor (zerebrospinale Flüssigkeit = cerebrospinal fluid) durch Luft ersetzt (im Rahmen einer Lumbalpunktion). Hierauf wurden koventionelle Rötngenaufnahmen des Kopfes durchgeführt, auf denen man dann die Liquorräume des Gehirns deutlich ausmachen konnte (Stichwort: Luft als Kontrastmittel).

Grüße,
Vlado

Hallo Vlado,

Vielleicht ist das so etwas wie eine sog.
„Pneumenzephalographie“ bzw. ein „Pneumenzephalogramm“, ein
heute nicht mehr gebräuchliches bildgebendes Verfahren aus der
Zeit vor CT und MRT; …

Hilfe! Bin ich froh, dass das MRT erfunden ist. Das klingt ja furchtbar.

Na ich werde mal den Pschyrembel befragen, sobald er ankommt. So etwas ähnliches wird es wohl gewesen sein.

Schöne Grüße

Petra

zu frage 1.) ?
zu frage 2.) ?
zu frage 3.) ?

ich glaube den pschyrembel von vorm krieg brauch ich auch!

zu frage 1.) ?
zu frage 2.) ?
zu frage 3.) ?

ich glaube den pschyrembel von vorm krieg brauch ich auch!

Oh keine Sorge, bei zvab gibt’s noch mehr von der Sorte.

Scroll mal in meinem vorigen Post bis ganz nach unten, da findest du die Antworten. Am besten finde ich ja die „Kernstäbchen“ - das hat eine ganze Weile gedauert, bis ich mal kapiert habe, was die damit meinen. :wink: Klingt irgendwie so nach Brennstäben aus dem AKW.

Schöne Grüße

Petra

Hallo,
Petra

google hat mich im Stich gelassen. Was ist denn
„pneumocerebrum“? Ich habe diesen Begriff in einem englischen
Text gefunden, und zwar in folgendem Zusammenhang:

es gibt einen Hinweis beim Googlen, und zwar auf Skripten der Neurologie2 der Uni Würzburg (Seite 23). Dort wird das Pneumocerebrum als klassisches Symptom eines Schädel-Hirn-Traumas aufgeführt, entstanden durch Ventilmechanismus und Unterdruckbildungsgeschnüffel.
http://www.istgut.net/uni

Weiterhelfen wird Dir das vielleicht nicht, aber ich wollte es nicht unerwähnt lassen.

Beste Grüße,
Montanus

Sondermeldung! Plasmon gefunden!
Hallo nochmal,

da ich mit dem gefundenen Material für mein Essay noch nicht zufrieden bin, habe ich gerade nochmal einen Blick in meinen eigenen Bücherschrank geworfen. Dabei ist mein Blick an einem Band „Erbpathologie“ von Otmar von Verschuer hängengeblieben (3. Auflage 1945).

Und da hat es sich versteckt, dieses freche Plasmon! Und zwar auf S. 15:
„Über Erbanlagen im Zentalkörper ist nichts bekannt. Dagegen wissen wir, daß die Plasmabeschaffenheit für die Vererbungsvorgänge von Bedeutung ist. Nur bei Pflanzen gibt es als Vererbungsträger die Plastiden, besonders die Chloroplasten. Daneben nehmen die meisten Forscher einen Vererbungsträger im Plasma an, das Plasmon. Seine Wirkung ist eine allgemeine, den ganzen Organismus gleichmäßig betreffende (v. Wettstein). Das Plasma ist der Bildungsstoff für alle Merkmalsausbildung. Zwischen verschiedenen Arten und auch zwischen Rassen einer Art gibt es Plasmaunterschiede. Solche Feststellungen sind vor allem an Pflanzen und Insekten gemacht worden. Über die Bedeutung des Plasmons für die Vererbungsvorgänge beim Menschen wissen wir noch nichts.“

Ich meine, ich hätte auch noch einen anderen Text gelesen, wo das Plasmon den „Kernstäbchen“ *gg* im Zellkern gegenübergestellt wird. Aber hier taucht es auch auf.

Ok, ich suche mal weiter nach dem Material, das ich eigentlich haben wollte.

Schöne Grüße

Petra