Immunantwort

Hallo alle miteinander!
Momentan brüte ich gerade über dem Thema der zellulären und humoralen Immunantwort und komme soweit in der Theorie eigentlich ganz gut zurecht damit.
Jetzt wollte ich aber mal fragen, welche Krankheiten denn genau welche der beiden Immunreaktionen auslösen?
Wie sieht es denn da bei Windpocken aus?
Oder habt ihr vielleicht einfach ein paar Beispiele?

Danke schonmal im voraus, das macht mich hier schon ganz verrückt :wink:
liebe grüße

Isabelle

Hallo,
wenn die Infektion nicht gleich am Beginn „scheitert“, dann werden sowohl die humoralen wie die zellulären Anteile aktiv. Im Grunde ist die Unterscheidung in weiten Bereichen künstlich, da das Immunsystem eben ein System ist, in dem die Teile zusammenarbeiten.

In der klassischen Reaktion auf eine bakterielle Infektion gibt es einen Wechsel von humoralen und zellulären „Abwehrwällen“.

Eindringende Bakterien werden sofort von unspezifischen humoralen Abwehrstoffen (z. B. Lysozym) „attaktiert“, kurz danach von unspezifischen Abwehrzellen (v. a. Granulozyten), dann wird die spezifische humorale Abwehr von speziellen Zellen stimuliert, die einige Zeit (Tage bis Wochen) später gebildeten Antikörper verklumpen die Bakterien und diese Antigen-Antikörper-Komplexe werden dann wieder von den Abwehrzellen vom Anfang der Reaktion (Fresszellen) endgültig vernichtet. Wenn es irgendwo ganz schief läuft wird noch lokal das humorale Komplement-System aktiviert (was in etwa dem Anfordern von Artilleriefeuer auf die eigene überrannte Stellung entspricht).

Also eine Eskalation: humoral-zellulär-humoral-(zellulär aufräumen),
wobei die einen nicht aufhören, wenn die anderen beginnen, nur müssen Fresszellen meistens erst ins Infektionsgebiet einwandern und braucht die spezifische Abwehr Zeit um anzulaufen. Es sieht also eher etwa so aus:
humoral-------------------------------->
.zellulär----------------==========>
…humoral------>

Besteht aufgrund einer Impfung oder einer früher durchgemachten Infektion mit dem selben Erreger bereits ein ausreichend hoher Gehalt an spezifischen Abwehrstoffen (Antikörpern), dann setzt im Gegensatz zu dem gerade geschilderten, die spezifische humorale Abwehr praktisch zugleich mit der unspezifischen und der unspezifischen zellulären ein. In den meisten Fällen ist kein Erreger diesem sofortigen dreifachen Angriff gewachsen und es kommt gar nicht erst zu einer Erkrankung.

Bei der Abwehr von Viren sind die unspezifischen Abwehrmechanismen andere (also etwa Interferon anstatt Lysozym) und in der Regel so wirkungsschwach, dass die Abwehr effektiv erst mit der spezifischen humoralen Antwort zum Tragen kommt. Außerdem spielen hier noch „zytotoxische T-Zellen“ eine Rolle, die bei den meisten bakteriellen Infektionen nicht aktiv werden. Aber auch hier wirken alle Bereiche des Immunsystems zusammen.

Die Unterscheidung in humoral und zellulär ist dabei eher weniger entscheidend, als die in spezifisch und unspezifisch.
Viele, wahrscheinlich die meisten Infektionen enden lange vor einer Aktivierung der spezifischen humoralen Abwehr. Wenig krankheitserregende Keime oder sehr geringe Mengen von Krankheitserregern werden meistens schon von den ersten Etappen der Immunabwehr beseitigt. Dann hat man zwar eine humorale und eine zelluläre Immunantwort, aber nur eine unspezifische.

Gruß
Werner