Hallo,
„Einschränkungen eines gehörlosen Menschen zu einem hörenden
Menschen“
Leider hat eine Anfrage beim örtlichen Gehörlosenverein nichts
gebracht, die Internetsuche blieb bisher weitgehend erfolglos.
Soll heißen, die wollten keine Auskunft geben? Könnte sie nicht fragen, ob sie sich mit ein paar Betroffenen treffen könnte?
Bei meinem Cousin haben sich über die Jahre folgende Dinge gezeigt:
Kommunikation grundsätzlich meist über SMS, das Handy wird die ganze Zeit dicht am Körper getragen und ist nur auf Vibrationsalarm eingestellt, da er es sonst nicht mitbekommen würde. Zweites wichtiges Mittel für Ihn ist das Internet und E-Mail sowie Fax.
In seiner Schulbildung wurde viel Betonung auf Hören- und Sprechenlernen gelegt und somit fehlt ihm eine Menge Allgemeinbildung. Normaler Unterrichtsstoff wird häufig vernachlässigt, ist zumindest das, was ich von ihm und Dolmetschern erfuhr.
Bei ihm fällt mir auch eine gewissen allg. Lebensuntüchtigkeit auf. Soll heißen, das er gerne jegliche Verantwortung von sich weg schob, vor allem die für sich selber. Es wurde ihm von den Eltern auch nicht beigebracht. Findet er keine Arbeit, na und, Arbeitsamt muß zahlen. Könnte er sich fortbilden, um mehr Chancen zu haben, macht er nicht, wenn das Arbeitsamt nicht zahlt, dabei hatte er das Geld selber, er wohnte noch zu Hause und musste nichts abgeben und sich mit keinerlei Tätigkeit am Haushalt beteiligen, das kann auch hörenden Kindern passieren, entstand hier allerdings aus falscher Rücksicht.
Meine Eltern haben ihn sehr unter Ihre Fittiche genommen und haben ihn als Tischler, die Ausbildung hat er mit Unterbrechungen gemacht, arbeiten lassen. Mit dem Erolg, das er jetzt im Messebau arbeitet, sehr selbständig ist und eine eigene Wohnung genommen hat.
Nun braucht er arbeitsrechtliche Unterstützung, weil sein Arbeitgeber ihn teilweise bis zu 24 Stunden am Tag rumscheucht. Seine Kollegen sind deswegen alle gegangen. Er ist nicht in der Lage das alleine in die Hand zu nehmen. Er kommt auch nicht auf die Idee es zu googeln oder irgendwo nachzufragen.
In Gruppen mit normal Hörenden mag er sich kaum bewegen, wobei er jetzt schon deutlich offener geworden ist, da er eine Menge hörender Kollegen hatte. Bei der letzten Gelegenheit hat er sich tatsächlich mit einem meiner Gäste, der auch tischlerrisch arbeitet gut unterhalten. Zu Anfang war ich doch enttäuscht, da ich immer Gruppen zu bieten hatte, wo die anderen Gäste wirklich an ihm als Menschen interessiert waren und sich mit ihm unterhalten wollten.
Im Strassenverkehr ist er sehr schnell unterwegs, teilweise rücksichtlos, kenne ich auch noch von einer weiteren Gehörlosen. Das was für mich normal ist, durchs Radfahren sehr viel mit den Ohren vorausschauend zu fahren, fehlt ihm.
In der direkten Kommunikation muss das Gesicht des Gegenübers gut erkennbar sein. Beleuchtung muss stimmen. Ein Bart kann es schwierig machen, Laute zu erkennen. Wir merken gar nicht, wie oft wir eine Hand vor dem Gesicht halten, wenn wir reden.
In der Ausbildung hatten wir zwei Gehörlose. Die versuchten über eine sog. Microportanlage dem Unterricht zu folgen.
Mir wurde es so erklärt, das, mit etwas Resthörfähigkeit, vielleicht durch Erfahrung Laute erkennbar sind, die Anlage überträgt ja dazu noch direkt aufs Hörgerät und außerdem muss das Gesicht des Dozenten klar erkennbar sein. Die beiden hingen den Lehrern förmlich an den Lippen. Aus diesen 3 Quellen packten sie dann das Gesagte zusammen, das ist sehr anstrengend.
Zusätzlich haben sie sich von uns alles kopiert, darauf waren sie angewiesen.
Das kann alles von Person zu Person variieren, je nach Resthörfähigkeit, Integration, Bildungsstand u.s.w. Das sind meine Erfahrungen mit 3 Personen im direkten Kontakt und aus Berichten von vielen Dolmetschern.
Gibt es nicht Seiten für Gehörlose? Er verabredet sich mit anderen übers Internet, wenn er nach HH kommt.
Könnt Ihr dort nicht mal nach deren Meinung/Erfahrungen fragen?
Gruß
Kathy