Angaben zur lebenserwartung nach diagnose

hallo,

der mann einer kollegin leidet an einem hirntumor der stufe vier (so jedenfalls hat sie die krankheit bezeichnet). diese diagnose ist offensichtlich sehr schlimm; die ärzte geben ihm noch maximal ein jahr.

wie zuverlässig und aussagekräftig sind solche prognosen? ist es nicht eher kontraproduktiv, solch genaue angaben zu machen? es geht nicht darum, die augen vor der realität zu verschließen, aber würde es nicht reichen, dem patienten zu vermitteln, dass seine krankheit schlimm und evt. mit wenig überlebenschancen ist?

fragende grüße
tabaiba

hallo,

bin anderer meinung:

das gefühl, in einem solchen fall nichts über die eigene lebenserwartung zu wissen, halte ich für viel zermürbender, als die möglichkeit, dass sich alles doch ganz anders abspielt.

dabei sind beide extreme denkbar:

im einen fall ist der patient so geschockt, dass er gleich den lebensmut völlig verliert, während er im anderen fall sagt: und jetzt gerade … und wie von wunderhand wieder gesund wird.

lg dev

Hallo,
solche Angaben orientieren sich natürlich immer an einem statistischen Mittel. Wenn der Arzt das also nicht schlicht falsch eingeordnet hat, wird die Aussage für die Mehrzahl der Fälle zutreffen und je größer die Abweichung ist, desto seltener wird dies eintreten.

Ich denke , dass selbst wenn ein Arzt so etwas sagen würde, wie du es vorschlägst, die Betroffenen eine genauere Angabe einfordern würden. Eine bewusste Unschärfe der Aussage würde m. E. keinen Vorteil bringen.

Gruß
Werner

Hallo Tabaiba !
Normalerweise erfolgt die Aufklärung des Patienten über seine
unheilbare Erkrankung stufenweise. Zunächst wird ihm, ggf. auch
den Angehörigen erörtert, um was es sich handelt, wie fortgeschritten
das Leiden ist etc. Dann wird, so wie ich es gelernt habe, der
Patient darüber informiert, dass man die Erkrankung „zwar behandeln,
aber nicht heilen kann“. Erstaunlicherweise stellen viele Patienten
danach keine weiteren Fragen mehr zur Lebenserwartung, sondern wollen
wissen, wie es nun direkt weitergeht. In diesem Fall bespricht man
mit ihnen die Behandlungsstrategie. Wird nachgehakt, so wird den
Patienten meist erklärt, dass die Erkrankung die Lebenserwartung
deutlich einschränkt und „wahrscheinlich im Verlauf den Tod herbei-
führen wird“. Danach stellen nur noch sehr wenige Patienten Fragen
zur genauen Lebenserwartung. Falls doch, so gibt man ihnen eine
ungefähre Zeitangabe, die auf klinischer Erfahrung beruht (beim
Hirntumor Grad IV, einem sog. Glioblastom treffen 12 Monate in
etwa zu). Dabei betont man aber auch, dass man ja kein Hellseher
sei und den Verlauf, das Ansprechen einer Therapie etc. nicht
voraussagen kann.

Auch wenn es zunächst inhuman erscheint, so hat jeder Patient das
Anrecht auf eine ehrliche Aufklärung. Es gibt ja auch Fälle, wo
die Betroffenen beruflich oder privat noch diverse Dinge zu regeln
haben und aus diesem Grunde eine Zeitangabe für die Planung benötigen. Meist haben sich diese Menschen dann auch schon mit
der Möglichkeit eines baldigen Todes befasst und können damit
einigermaßen umgehen. Schwierig ist die Thematik aber zweifelsohne,
und das nicht nur zum Zeitpunkt der Diagnosestellung. Bei unheilbar
Kranken ist es sinnvoll, zeitnah eine psychologische Betreuung
anzubieten und vorzuhalten. Viele Kliniken beschäftigen heute
Psychologen, die darauf spezialisiert sind, in den mitunter sehr
schwierigen Phasen des (zu Ende gehenden) Lebens Beistand zu leisten.
Dabei werden die Hoffnungen des Patienten auch respektiert und
nicht zerstört. Hoffen darf und sollte ein Mensch bis zuletzt.
Ihm DAS zu nehmen, wäre unmenschlich.

hallo kai,

ich bin auch absolut für ehrlichkeit und auf keinen fall für verharmlosen oder schönreden. die deutlichkeit der terminierung hat mich erschreckt. wenn die aufklärung aber so schrittweise erfolgt und genauere prognosen nur auf nachfrage bekanntgegeben werden, ist das was anderes.

es ging mir genau darum, den patienten evt. die hoffnung auf heilung (die es ja auch immer wieder mal gibt, wenn sie auch im einzelfall statistisch unwahrscheinlich sein mag) mit einer solchen aussage zu nehmen.

insgesamt jedenfalls furchtbar und sicherlich auch schlimm, solche diagnosen vermitteln zu müssen.

vielen dank für deine ausführliche antwort!
viele grüße
tabaiba

hallo werner,

wahrscheinlich ist da jeder mensch anders. ich würde auch wissen wollen, wie es um mich steht. aber solche genauen zeitlichen angaben würden mich irritieren.

viele grüße
tabaiba

5 Jahres Überlebensrate
Hi,

möchte mich über das für und wieder von festgesetzten Zeiträumen jetzt nicht auslassen, aber ich dachte mir, dass dich vielleicht folgendes Thema interessiert.

http://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BCnf-Jahres-%C3%9C…

Es geht dabei um die 5-Jahres-Überlebensrate was gerade in der Onkologie interessant ist.

Gruss levi

danke!

mir ging es aber tatsächlich nicht um die begrifflichkeit, sondern um die frage nach dem umgang mit solchen angaben.

schöne woche :wink:

tabaiba

Hallo,
also zum Einen kann ich kaum glauben, dass da einfach nur ausgesagt wurde „maximal 1 Jahr“ und zum Anderen ist das für mich keine besonders exakte Aussage, denn es kann ja danach auch nur noch 6 Monate sein.

Aber wie gesagt hielte ich die Aussage in dieser Verkürzung ohnehin für unangemessen.

Gruß
Werner