Seit Monaten Fieber und Kopfschmerzen

Mein Sohn (14 Jahre) hat seit mittlerweile 4 Monaten immer wieder leichtes Fieber (bis 37,5 C) meistens nachmittags, manchmal auch schon morgens, das von Kopfschmerzen begleitet wird. In den letzten Wochen tritt das Fieber täglich auf – heute erreichte es einen Höchststand von 37,7 C. Der arme Junge ist völlig umgekrempelt worden – auch weil er vor 11 Jahren in Folge eines Oberschenkelhalsbruchs und anschließender Operation eine Osteomeilitis mit anschließendem septischen Schock hatte. Das hat er knapp überlebt – und seitdem bin ich traumatisiert – zumal damals das septische Fieber von den Ärzten der hiesigen Uniklinik zunächst als durch einen Virus bedingtes Fieber diagnostiziert worden ist. Früher dachte ich, was von allein kommt, geht auch wieder von allein. Nun bin ich schwer besorgt.

Das Blutbild ist unauffällig – es gibt höchstens eine leichte Anämie (Hämoglobin 12,3), VES und PCR sind normal, Autoimmunerkrankungen, Allergien und verschiedene Viruserkrankungen sind negativ. Sogar HIV und Hepatitis sind abgeklärt worden – wegen Bluttransfusionen vor 11 Jahren. (Wir leben in Italien und alle Befunde sind in Italienisch – aber ich denke, sie sind international verständlich):

Ac. Anti-CITOMEGALOVIRUS IgG >250.0
Ac. Anti-CITOMEGALOVIRUS IgM Negativo
Ac. Anti-EBV-VCA IgG Negativo
Ac. Anti-EBV-VCA IgM Negativo
Ac. Anti-ADENOVIRUS Negativo
Rheumawerte (? – fattore reumatoide) ok
Leberwerte: ok
Blutkultur und Urinkultur: negativ
Urinuntersuchung: ok
Darmparasiten: negativ

Magnetresonanztomographie vom Kopf (Sinusite): keine Auffälligkeiten (außerdem negative HNO-Untersuchung)
Magnetresonanztomographie vom Oberschenkel: keine Auffälligkeiten (das Bein ist auch völlig unauffällig: keine Schmerzen, keine Schwellung)
Röntgenaufnahme der Lunge: keine Auffälligkeiten
Ultraschalluntersuchung des Unterleibs: keine Auffälligkeiten von Leber, Gallenblase, Pankreas, Blase, Magen, Darm, Milz, Nieren…

Unser Hausarzt weiß nicht mehr weiter, wir warten (seit Sonntag) auf eine Auskunft von der hiesigen Uniklinik, ob unser Sohn stationär untersucht werden soll. Ein dortiger Kinderarzt hat alle Unterlagen eingesehen und hat keine Unauffälligkeiten entdecken können.
Ein Chefarzt der Uniklinik meinte, es könnte ein hormonell bedingtes Fieber sein. Darf ich das glauben?

Wenn jemand eine Idee hat, um was es sich handeln könnte, wäre ich für einen Hinweis mehr als dankbar.

Hallo Elsina

mich irritiert ein wenig, dass von Fieber die Rede ist. 37,5°C gelten als erhöhte Temperatur und noch lang nicht als Fieber.

Jedoch versteh ich Deine Beunruhigung nach der Geschichte mit der Osteomyelitis.

Der Hausarzt hat vieles schon untersucht, dass ohne Befund war.

Kann es sein, dass vielleicht auch die Kopfschmerzen nicht an die erhöhte Temperatur gekoppelt sind, sondern andere Ursachen haben? Trinkt Dein Sohn genügend? Gibt es Verspannungen im Nackenbereich? Sind die Augen mal geprüft worden?
Gibt es denn irgendwelche andere Ursachen für einen Infekt oder eine Erkrankung oder fühlt sich dein Sohn sonst pudelwohl, wie jeder andere in seinem Alter auch?

Ich befürchte, ihr bringt Euch mit dem täglichen Temperaturmessen selbst in eine solche Angstsituation, die für alle nicht sehr einfach zu ertragen ist.

Ich würde die Entscheidung des Professors abwarten und wenn er zu einer weiteren Diagnostik rät, diese Möglichkeit nutzen und ansonsten einfach mal ein oder zwei Monate zuwarten wie sich das ganze weiter entwickelt ohne den Fokus auf jedes 0,x Grad Celsius zu legen. Sicher gibt es noch x Ursachen, die in Frage kommen könnten… grundsätzlich würde ich es aber versuchen in Relation zueinander zu setzen und auch zu überlegen, welch Belastung eine weitere „diagnostischeMühle“ für alle bringt und wie wahrscheinlich ein Finden der Ursache ist bzw. welche Konsequenzen das Ganze hätte.
Diskutiert das doch nochmal offen mit Eurem Hausarzt, dem ihr ja anscheinend sehr vertraut.

Viele Grüsse.

Herzlichen Dank für die ausführliche Antwort.
Ja, das stimmt natürlich, es handelt sich nicht um Fieber, sondern um eine erhöhte Temperatur. Wir haben das Thermometer auch nicht täglich im Einsatz, allerdings fühlt sich mein Sohn bei diesen Temperaturschwankungen auch nicht gut. Er geht hin und wieder mal in die Schule, fehlt aber häufig auch, weil er sich schlecht fühlt - und nicht nur wegen der Kopfschmerzen, sondern auch wegen eines allgemeinen Gefühls von Abgeschlagenheit. Die Kopfschmerzen und die Abgeschlagenheit sind relativ eindeutig an die Temperaturschwankungen gekoppelt. Nein, also als Antwort, er ist nicht wie jeder andere Junge in seinem Alter auch.

Hallo Elsina !
In der Tat ist es nicht ganz einfach zu beurteilen, worum es sich
handelt. Ich würde aber dennoch mal auf eine Autoimmunerkrankung
tippen, möglicherweise auch aus dem rheumatologischen Formenkreis.
Dass die Rheumafaktoren (RF) negativ sind, schließt nämlich nicht
aus, dass eine rheumatologische Erkrankung vorliegt.

Mich würden noch folgende Laborwerte interessieren:
CRP, BSG (Blutsenkung), ANA, ANCA, DNSA. Gut wäre es auch, noch
eine Eiweiß- und Immunelektrophorese aus dem Blut anzufertigen.

Auch eine Untersuchung des Nervenwassers sollte man in Erwägung
ziehen, sofern dies noch nicht erfolgt ist, um einen entzündlichen
Prozess im Zentralnervensystem (Gehirn + Rückenmark) auszuschließen.

Des Weiteren: Wurden bei Temperaturanstieg mal Blutkulturen abgenommen ? Wurde eine Ultraschalluntersuchung des Herzens
gemacht (hat er vielleicht eine Endokarditis) ?

Du siehst, es gibt noch eine Menge an möglichen Ursachen für
die Beschwerden.

Auch wenn ich Dich damit sicher nicht beruhigen konnte, so hoffe
ich doch, dass meine Ideen weiterhelfen.

Grüße und alles Gute !
Kai

Hallo Elsina,

das kann alles und nichts sein.

Gibt es denn außer dem Fieber keinerlei weiteren Symptome? Das kann ich fast nicht glauben.

Ich meine in dem Fall nicht, dass er schnell schlapp und müde ist, das dürfte bei Fieber, insbesondere lang anhaltendem Fieber, ziemlich normal sein.

Irgendwelche sonstigen Auffälligkeiten gegenüber der Zeit vor dem Fieber?
Vielleicht könnte man dann gezielter an dieses oder jenes denken.

Frage: hatte Dein Sohn im letzten Jahr oder auch noch früher einmal einen Zeckenstich oder eine unerklärliche Hautauffälligkeit (z.B. Wanderröte)?

Schnelle Besserung wünscht

Alexander

Hallo Alexander,
herzlichen Dank für die Reaktion.
ja, es kann wohl alles oder nichts sein. Mir fallen keine Auffälligkeiten ein, die vorher waren -ich werde aber weiter drüber nachdenken - und auch im Moment gibt es tatsächlich nichts, was irgendwie auffällig wäre. Außer der erhöhten Temperatur, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit - einfach nichts.

Hallo Kai,
danke für deinen Beitrag! Ich bin wirklich erstaunt über die vielen und kreativen Hinweise, die ich bekommen habe. (Und ich kann auch diejenigen gut verstehen, die mich/uns für verrückt halten, dass wir den Jungen so vielen Untersuchungen aussetzen. Er fühlt sich aber definitiv schlecht und angeschlagen (was man ihm auch ansieht - die Schule fällt deshalb auch immer öfters aus - natürlich steckt man nicht drin.) Und er drängt auch selbst auf eine Diagnose, weil er genug davon hat, solange daneben zu hängen.
Ich brauchte ein bisschen um auf deine Fragen zu antworten, weil die Bezeichnungen der Analysen doch nicht so international sind, wie ich dachte - so musste ich erstmal ein bisschen zweisprachig googlen. Denn PCR und VES, auf die ich hingewiesen hatte, konnte natürlich niemand verstehen; es sind CRP und Blutsenkungsgeschwindigkeit: sie sind normal. ANA ist auch getestet worden: negativ; ANCA und DNSA finde ich nicht, aber ein ENA-Screening (?), auch negativ; Eiweißelektrophorese ok., einen Termin für eine Ultraschalluntersuchung des Herzens gibt es in zwei Wochen…
Ich werde über alle Anregungen beim nächsten Mal mit unserem Hausarzt reden.
Dank + Gruß

ups… aus versehen die antwort gelöscht…

ich wollt noch die gruppe der „heriditären fiebersyndrome“ in den raum stellen…

ansprechpartner ist die immun- oder rheuma-abteilung der nächstgelegenen uniklinik…

viele grüße

Ich habe die heriditären Fiebersyndrome mal gegoogled, aber nicht sehr viel dazu gefunden bzw. nicht viel verstanden. Ich werde unseren Arzt einfach fragen.
Danke!

Hallo

Dabei handelt es sich um vererbare Erkrankungen, die gehäuft mit rezidivierenden Fieberschüben einhergehen.

Auch wenn Du oder der Vater keine Symptome haben, kann es durch Mutationen im Erbgut zu einem Auftreten kommen.

Sie Symptome variieren sehr. Der wohl bekannteste Vertreter dieser Krankheitsgruppe ist das Familiäre Mittelmeerfieber. Dem Hausarzt wird wohl vor allem dieses geläufig sein. Neben diesem existieren noch andere Fiebersyndrome.

Viele Grüsse.

PS: Ich finde den Vorschlag von Kai sehr gut auch nochmal das Herz bezüglich Endokarditis mittels Ultraschall checken zu lassen.

PPS: Die negativen Blutkulturen heißen wenig. Wichtig ist der Zeitpunkt der Abnahme. Möglichst sollte dies im Fieberanstieg passieren. Je höher das Fieber, desto größer die Chance auch etwas zu finden.

und noch ein PS hinterher:

In der „Monatsschrift Kinderheilkunde“ gab es vor ein paar Jahren einen sehr guten Uebersichtsartikel:

Periodische Fiebersyndrome
S. Stojanov, S. Zellerer, F. HOffmann, E.D. Renner, A. Kéry, E. Laicini, P. Lohse and B. H. Belohradsky
Volume 151, Number 1 / Januar 2003