Unterschied nur im Preis?

Liebe Wissende,

es ist die Frage aufgekommen wodurch sich ein enormer Preisunterschied zwischen zwei Mitteln rechtfertigen könnte.

Mittel 1:

Bromelain-POS
Pflanzliches Arzneimittel bei Schwellungen nach Verletzungen.
Verpackungseinheit: 20 überzogene magensaftresistente Tabletten N1 zum Einnehmen.
Hersteller: Ursapharm
Preis in der hiesigen Apotheke: ca. 12,00 EURO

Inhaltsstoffe gemäß Beipackzettel: (Zitat)
1 Tablette enthält

arzneilich wirksamer Bestandteil:
Bromelain entsprechend 500 F.I.P.-Einheiten (66,7-100 mg)

sonstige Bestandteile:
Mikrokr. Cellulose; Copovidon; Magnesiumstearat; hochdisp. Siliciumdioxid, Methacrylsäure-Methylmethacrylatcopolymer (1:1) (Ph.Eur.)(Eudragit L 100); Methacrylsäure-Ethylacrylatcopolymer (1:1)(Ph.Eur.)Eudragit L 30 D); Diethylphthalat; Talkum; Trietylcitrat

Dosierunsanleitung:

Soweit nicht anders verordnet […] sollte jeweils ca. eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten unzerkaut mit etwas Flüssigkeit eingenommen werden. […] sollte ohne ärztlichen Rat nicht länger als 8 bis 10 Tage eingenommen werden.

(Zitat Ende Mittel 1)

Mittel 2:

Bromelain 200 mg (magensaftresistent) Nahrungsergänzungsmittel; Gluten- und Lactose-frei; 250 Tabletten
Hersteller: Warnke Gesundheitsprodukte
Preis über die IN-Apotheke: 18,00 EURO

Nährwert pro Tablette: (Zitat)

Bromelain (= 500 F.I.P.) 200 mg

Zutaten:

Bromelain, Dicalciumphosphat, Cellulose,

Trennmittel: Magnesiumstearat, Stearinsäure, Hydroxyprophylmethylcellulose (HPMC).

Verzehrempfehlung: Erwachsene:
unzerkaut 1-2 Tabletten 1-2 Stunden vor bzw. nach den Mahlzeiten (zur Unterstützung des Immunsystems) oder zu den Mahlzeiten (für einem gute Darmfunktion). Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden.

Kühl und trocken lagern

(Zitat Ende Mittel 2)

Der uns wichtige Bestandteil ist das Bromelain.

wir als Laien denken eigentlich, dass höher dosierte Medikament teurer sein müssten als niedriger dosierte. Hier ist es aber in eklatanter Weise anders (250 Tablette der höheren Dosierung kosten fast genau so viel wie 20 Tabletten der niedrigeren Dosis).

Natürlich haben wir gesehen, dass die „sonstigen Inhaltsstoffe“ ziemlich unterschiedlich sind. Aber was bewirken diese zusätzlichen Stoffe und rechtfertigt das diesen enormen Preisunterschied?
Warum heißt es beim (niedriger dosierten) Mittel, man solle es nicht länger als 8-10 Tage nehmen, ein solcher Hinweis fehlt auf Mittel 2 völlig.
Warum heißt es beim einen, man solle es eine halbe Std vor dem Essen nehmen, beim anderen sind es 1 bis 2 Stunden (wahlweise vor oder nach dem Essen).
Warum ist beim ersten nichts angegeben, dass man es kühl lagern soll, beim zweiten schon? (trocken ist eine Binsenweisheit und klar).

Fragen über Fragen. Natürlich wollen wir auf der einen Seite die bestmögliche Wirkung des Wirkstoffes erreichen, andererseits sind wir keine Millionäre, wo Geld unwichtig wäre.

Kann uns jemand das alles erklären?

Vielen herzlichen Dank im Voraus

und einen schönen Abend wünscht

Alexander

Hi

ich denke das eine wird als Arzneimittel und das andere als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben…

Anja

Mahlzeit,

Der uns wichtige Bestandteil ist das Bromelain.

Ja und nein. Dieser ist als Arztnei wirksam, aber wichtig ist das Medikament als Ganzes.

wir als Laien denken eigentlich, dass höher dosierte
Medikament teurer sein müssten als niedriger dosierte. Hier
ist es aber in eklatanter Weise anders (250 Tablette der
höheren Dosierung kosten fast genau so viel wie 20 Tabletten
der niedrigeren Dosis).

Du setzt voraus, daß der Wirkstoff das Teuerste an dem Produkt ist. Das kann, muß aber nicht sein. Ich kenne dieses Präparat überhaupt nicht, aber allgemein kann man nicht davon ausgehen. Ein Beispiel: gehen wir von einem Mittel, das sehr agressiv für den Magen ist. Dort kommt es darauf an, daß er magensaftresistent verpackt wird, sich aber im Darm entfalten kann. Das macht nicht der Wirkstoff selbst, sondern der Träger drumherum.

Natürlich haben wir gesehen, dass die „sonstigen
Inhaltsstoffe“ ziemlich unterschiedlich sind. Aber was
bewirken diese zusätzlichen Stoffe und rechtfertigt das diesen
enormen Preisunterschied?

Das kann sein. Ein weiterer Faktor kann die Lizenzlage sein: ein Pharmahersteller, der einen Wirkstoff erforscht und zur Marktreife bringt, holt sich seine Forschungsgelder auf dem Markt durch hohe Preise zurück, ein Hersteller von Generika kann da billiger agieren.

Warum heißt es beim (niedriger dosierten) Mittel, man solle es
nicht länger als 8-10 Tage nehmen, ein solcher Hinweis fehlt
auf Mittel 2 völlig.
Warum heißt es beim einen, man solle es eine halbe Std vor dem
Essen nehmen, beim anderen sind es 1 bis 2 Stunden (wahlweise
vor oder nach dem Essen).
Warum ist beim ersten nichts angegeben, dass man es kühl
lagern soll, beim zweiten schon? (trocken ist eine
Binsenweisheit und klar).

Alle drei Fragen können mit Hinweis auf die „unwichtigen“ anderen Stoffe beantwortet werden. Je nachdem, in welcher Form der Wirkstoff an den Mann gebracht wird, gibt es unterschiedliche Einnahme- und Lagerempfehlungen.

Kann uns jemand das alles erklären?

Am besten der verordnende Arzt oder Apotheker!

Gruß

Sancho

Das denke ich auch! Ein Arzneimittel zuzulassen ist wesentlich teurer und aufwändiger, als ein Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt zu bringen. Bei Arzneimitteln müssen u.a. Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit bewiesen werden. Das kostet und daher erklären sich der höhere Preis und oft auch die höhere Qualität.

Ein Präparat ist ein Arzneimittel,das andere wohl nicht. Der Weg zur Arzneimittelzulassung ist lang und kostet unendlich Zeit und Geld. Auch wenn es schließlich zugelassen ist (Wirksamkeitsnachweis, klinische Studien, Unbedenklichkeit, Toxikologie, Wirkungsdosis, Abbauprodukte im Körper und deren Verbleib und mögliche Schädlichkeit, chronische Anwendung, Nebenwirkungsspektrum, Haltbarkeit, Reproduzierbarkeit der Herstellung, Charakterisierung und Reinheit der Ausgangsstoffe, Qualifizierung der Produktionsanlage, Zulassung nach Immissionsschutzgesetz, Qualifikation von Herstellungsleiter, Vertriebsleiter und Qualitätssicherung etc), muss es ständig kontrolliert werden, Ausgangsstoffe geprüft, Lieferanten überwacht, Sicherheitsmonitoring durchgeführt werden und und und.
Der andere Hersteller profitiert von den Erkenntnissen des Pharmaherstellers und unterliegt viel weniger der Regulierung.
Pech für den Pharmahersteller, kaufe das billigere Produkt. Der Pharmahersteller muss nach neuen Wirkstoffen suchen und wenn er einen gefunden und durchgezogen hat und auch Patente hat, dann sahnt er einige Jahre ab. Patentschutz dauert 20 Jahre, aber die Uhr läuft vom Tag der Erteilung des Patents und dieser Zeitpunkt ist meist noch 10 bis 15 Jahre vom eventuellen Verkaufserfolg entfernt.
Udo Becker

Hallo Fragaria,

und oft auch die
höhere Qualität.

ja, und um genau diese Frage geht es: hat das 10x so teure Produkt auch eine 10x höhere Qualität? Oder ist es wirklich nur die Geschichte mit dem Lizenzerwerb?

Es wäre schön, wenn Du (oder auch jemand anderes aus der Liste) hierauf noch mal eingehen könnte:

ist es eine vergleichbare Qualität oder nicht?

Vielen Dank nochmals an alle!

Schöne Grüße

Alexander

Hallo zusammen,

vielen Dank für die Antworten, auch wenn sie sich teilweise widersprechen.

Wenn vielleicht doch noch mal jemand auf den Punkt eingehen könnte, ob das 10x so teure Medikament wirklich um 10x (oder mehr) besser ist als das Nahrungsergänzungsmittel. Dieser Punkt ist mir bisher noch nicht so richtig klar.

vielen Dank nochmals und im Voraus

Einen schönen Abend wünscht

Alexander

Ich fürchte diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten.

Die Qualität ist halt nur bei Arzneimitteln gesichert. Bei Arzneimitteln ist es sicher, daß eine bestimmte Menge Arzneistoff in einer Tablette enthalten ist und das dieser Arzneistoff auch freigesetzt wird. Das sind alles Prüfungen, die ein Arzneimittel bestehen muss, um die Zulassung zu erhalten.
Ein Nahrungsergänzungsmittel muss dieses Tests nicht durchlaufen. Daher kann ich nicht beantworten, ob die Qualität dieses Produkts genauso gut oder schlechter ist. Soweit ich weiß muss beim Nahrungsergänzungsmittel nur nachgewiesen werden, daß keine Gesundheitsgefährdung zu erwarten ist. Es kann also sein, daß zwar auf dem Produkt steht, daß 200 mg pro Tablette enthalten sind, daß aber davon nur 50% freigesetzt werden. Beim Arzneimittel werden die 100 mg, die deklariert sind auch freigesetzt (± 5%, wenn ich mich nicht irre).
Letztendlich bleibt nur auf die Qualität von Arzneimitteln zu bauen und mehr Geld auszugeben, dafür aber ein hochwertiges Produkt zu erhalten oder zu sparen und das Nahrungsergänzungsmittel auszuprobieren.

Hallo Dini,

vielen Dank für Deine Antwort. Da bleibt also nichts, als ausprobieren. Soviel habe ich aus Deiner Antwort und der der anderen rausgelesen.

Einen schönen Abend wünscht

Alexander