Chronische Blasenentzündung/Reizblase

Hallo!

Ich schreibe euch mal kurz eine kleine Anekdote und hoffe, dass sich jemand meldet, der die gleichen Beschwerden/Symptome hat und eventuell ein paar Tips, wie ich besser damit umgehen kann.

Zur Situation.
Ich bin weiblich, 18 Jahre alt und kämpfe seit drei Jahren mit meiner Blase. Allmählich bin ich es leid, ständig Termine absagen zu müssen, weil ich wegen der Beschwerden nicht vor die Tür gehen mag oder kann.

Angefangen hat alles damals, ein paar Wochen nachdem ich bei einer Kanufahrt quasi im Regen geduscht habe, also bis auf die Knochen nass war. Da hatte ich dann meine erste wirklich schlimme Blasenentzündung. Schlimm in dem Maß, dass ich das permanente - und vor allem das akute beim Wasserlassen - Brennen nicht mehr ausgehalten habe. Blut war makroskopisch keins im Urin. Also zur Notaufnahme ins Krankenhaus (war ja Wochenende), Antibiotika verschrieben bekommen. Problem: Ich kann keine Tabletten schlucken. Also Ausweichmöglichkeit Brausetabletten. Zur Apotheke, die hatten die gewünschten Brausetabletten natürlich nicht. Etwas Vergleichbares bekommen: Tabletten.
Nun, die mussten jetzt irgendwie runter. Also habe ich sie mir so gut es ging kleingehakt, in ein Glas voll ACE-Saft gekippt und getrunken. Natürlich war das nicht die optimale Dosierung, aber nach ein oder zwei Tagen waren das bestialische Brennen weg.
Das Problem des absolut spontanen und aufdringlichen Harndrangs blieb. Von einer Sekunde auf die andere war der Reiz da, auf Toilette zu müssen. Teilweise habe ich es nicht mehr bis dahin geschafft, was aber zu meinem ungeheuren Glück keine Katastrophe war, denn es kamen schließlich nur 10-20mL raus.
Zum Hausarzt. Der hat die Vermutung, dass sich immer noch einige fiese Bakterien in meiner Blase befinden. Das Antibiotikum aus der Apotheke konnte ich ihm allerdings nicht mehr nennen. Wieder Tabletten!
Auch nach drei Tagen keine Besserung, Tabletten und Arzt abgeschrieben. Gelernt, mit den Beschwerden zu leben, nachdem mir ein Internist ans Herz gelegt hat, dass es besonders bei Frauen als Spätfolgen zur Reizblase kommen kann, und die wäre in diesem Sinne nicht therapierbar.

Dann die zweite starke Blasenentzündung etwa ein Jahr später. Ich musste wirklich ständig unkontrolliert pullern. Eine Nacht lang bin ich etwa alle halbe Stunde aufgewacht, weil ich mich im Schlaf eingenässt habe. Windeln meiner Oma waren ein großer Erfolg.
Ich bin gegen den Rat meiner Mutter (die ebenfalls in ihrer Jugend mit Blasenentzündungen gekämpft hatte) nicht zum Arzt gegangen. Völlig zu Recht: auch ohne Antibiotika waren die starken Schmerzen nach ein paar Tagen und viel Tee trinken weg, meine unberechenbare Blase blieb.

Mittlerweile habe ich keine starken Schmerzen mehr, die mich stören.
Es ist eher die Tatsache, dass ich NACH dem Pinkeln ein äußerst unangenehmes Brennen spüre. Vor allem dann, wenn der Urin eine längere Zeit in meiner Blase „inkubiert“ worden ist. Der erneute Toilettengang ist dann eine echte Wohltat. Während dem Wasserlassen spüre ich nichts Unangenehmes, auch wenn mein Morgenurin (meistens stark konzentriert) nach meiner Auffassung schlecht riecht. Meistens habe ich deshalb nach der Morgentoilette einen extrem schlechten Start in den Tag, was so langsam an meiner Leistung nagt.

Auf Medikamente möchte ich so gut wie möglich verzichten.
Die typischen Weisheiten meiner Mutter befolge ich nun fast alle.
Bis vor drei Jahren habe ich weniger als die Hälfte getrunken und war ständig Barfuß unterwegs. Nun trinke ich aber min. 1,5L täglich (auch weil ich ständig durstig bin) und habe IMMER Socken und Schlappen an den Füßen.

Deshalb nun die Frage, ob jemand die gleichen Beschwerden und ein paar Besserungs-Tips für mich hat.

Hallo,

wenn eine Tablettenbehandlung (Antibiotikum?) nach 3 Tagen nicht anschlägt, ist es recht kritisch, dann zu resignieren und „zu lernen mit den Schmerzen zu leben“. Da muss man unverzüglich dranbleiben.

Gerade teiltherapierte, immer wiederkehrende Blasenentzündungen neigen dazu, chronisch zu werden.

Ich vermute, dass Du bisher vermieden hast, einen urologischen Facharzt aufzusuchen. Doch Du bist zu jung, um Dich ewig mit Blasenentzündungen zu quälen. Der Facharzt hat Möglichkeiten, die Ursachen zu finden und auf den Punkt zu therapieren. Häufig kommt es zu Restharnbildungen (durch Abflussstörungen, auch durch Medikamente, usw.). Bei 37° Körpertemperatur haben so die verbliebenen Bakterien leichtes Spiel. Durch unvollständige oder unpassende Antibiotikagabe züchtet man sich so recht resistente Keime heran.

Ein Antibiogramm wäre hilfreich. Der Urologe kann Katheterurin bakteriologisch untersuchen lassen und per Resistenzbestimmung das genau passende Antibiotikum finden, das auch hilft. Der Hausarzt kann ja zunächst nur mit einen gebräuchlichen, Breitband-Antibiotikum arbeiten.

Menschen, die chronisch zu wenig trinken, haben häufig mit Infektionen der ableitenden Harnwege Probleme. Du hast die Menge auf 1 ½ Liter täglich gesteigert, die bei Harnwegsinfektionen eher noch mehr sein könnte.
Du schreibst, dass Du ständig durstig bist. Wurde schon mal ein Blutzuckertagesprofil gemacht? Diabetes fördert chronische, bakteriell bedingte Blasenentzündungen.

Führe Buch über Arztbesuche, Name und Zeitraum der bisher genommenen Medikamente, und resigniere keinesfalls. Man muss und darf sich nicht mit dem Problem abfinden, es wird sicher Hilfe geben, auch wenn es zunächst unbequem erscheint.

Gute Besserung wünscht

Renate

Hallo,Julia!
Ergänzend zu Renates Antwort ( austherapieren, Antibiotika so lang wie nötig nehmen…) etwas, das mir sehr hilft: ich kauf in der Apotheke Preiselbeersaft und trinke täglich ein bis zwei kleine Schückchen davon. Mir hilft es jedenfalls als Vorbeugemaßnahme sehr gut, und ich kann mir vorstellen, daß es auch als Zusatz zu einer medikamentösen Therapie hilfreich ist.
Gute Besserung wünscht Dir Annemarie