Hallo,
ich habe da mal eine Frage bezüglich untypischer Wirkungen von zwei eigentlich gleichen Medikamenten.
Wir verwenden Nitrolingual Spray. Normalerweise senkt ein Hub 20 - 40 mmHg. Das klappt damit auch ganz gut.
Aufgrund der Beschaffungspolitik unserer Zentralapotheke haben wir auch hin und wieder mal Corangin-Spray (in äquvalenter Dosierung zu Nitrolingual). Die handelsüblichen 2 Hübe haben jetzt schon des Öfteren zu einer argen Verschlechterung des Patienten geführt. Nach zwei Hüben rauscht der Patient systolisch von 220 mmHg schlagartig auf 90 mmHg oder tiefer ab. Das macht natürlich kaum ein Körper mit und die Patienten verdrehen die Augen.
Daher wird bei Corangin jetzt erst einmal nur noch 1 Hub gegeben. Der eine Hub bewirkt aber schon mal eine Seknung im Bereich von 60 mmHg und höher.
Da diese stärkere Wirkung ja nicht ungefährlich ist, mal die Frage, woran das liegen könnte. Der Wirkstoff ist gleich, die Wirkstoffkonzentration ist gleich, die Menge Wirkstoff pro Hub ist gleich…
Gruß
Kuddenberg
Hallo,
ich habe da mal eine Frage bezüglich untypischer Wirkungen von
zwei eigentlich gleichen Medikamenten.
Hallo
Ich habe die Erfahrung nicht machen können. Sind nahezu gleich die Präparate.
1 Sprühstoß (0,05 ml) enth.: Glyceroltrinitrat 0,41 mg.
1 Sprühstoß (48 mg) enth.: Glyceroltrinitrat 0,4 mg.
Nebenbei wollte ich nur erwähnen, dass Nitrospray egal von welchem Hersteller nicht primar zum Senken von Blutdruck verwendet werden soll. Ich weiss, dass das Usus ist, aber macht die Sache trotzdem nicht richtiger!
Anja
Hi,
also beim normalen Hausgebrauch gebe ich Dir recht, dass Nitropräparate nicht so zu empfehlen sind. Viele Ärzte verschreiben die Teile an ihre patienten mit dem Hinweis, wenn es mal schlecht gehen sollte, dann nehmen sie sich ein oder zwei Hübe.
Im Rettungsdienst ist Nitro aber völlig in Ordnung. Um die sogenannte Herzvorlast schnell zu senken ist es recht gut geeignet. Zum eigentlichen Blutdrucksenken nehmen wir denn u.a. Urapidil.
Ich habe ja auch geprüft, ob es Unterschiede in der Zusammensetzung und Wirkweise der beiden Produkte gibt. Da unsere „Apotheke“ peinlichst darauf achtet, dass Medikamente von unterschiedlichen Herstellern die gleiche Wirkung entfalten. Das ist unheimlich wichtig. Wenn z.B. in einer Ampulle Heparin statt 5.000 iE nun 25.000 iE (doofes Beispiel, weil deutlich unterschiedliche Ampullen) sind, hat das bei gleicher applizierter Menge nun mal eine andere Wirkung.
Daher wundere icch mich, dass trotz gleicher Zusammensetzung diese unterschiedliche Wirkung auftritt.
Hallo!
also beim normalen Hausgebrauch gebe ich Dir recht, dass
Nitropräparate nicht so zu empfehlen sind. Viele Ärzte
verschreiben die Teile an ihre patienten mit dem Hinweis, wenn
es mal schlecht gehen sollte, dann nehmen sie sich ein oder
zwei Hübe.
Das ist, offen gesagt, ziemlich dämlich, denn es können ja bekanntlich verschiedene Ursachen dafür verantwortlich sein, daß es „einem schlecht geht“. Wenn ein Patient eine Nitro-sensible Angina Pectoris hat und die Symptome eines Anfalls klar erkennen kann, ist es in Ordnung, ihm Nitro-Spray genau dafür zu verschreiben.
Nitro-Spray ist aber aus verschiedenen Gründen zur Behandlung von Blutdruckspitzen weder zugelassen noch geeignet. Einerseits ist die Blutdruck-senkende Wirkung im Voraus völlig unkalkulierbar (beeinflußt von Herzleistung, Gefäßzustand, Volumenstatus des Patienten usw.), und die Nebenwirkungen sind ggf. nicht ohne. Es gibt sogar Situationen, bei denen eine Blutdrucksenkung mit Nitrospray sogar fatal sein kann (v.a. bei linksventrikulären Ausflußtrakt-Stenosen, also z.B. bei höhergradigen Aortenstenosen oder bestimmten Obstruktiven Kardiomyopathien, aber auch bei entsprechender Begleitmedikation, z.B. Viagra u.ä.).
Im Rettungsdienst ist Nitro aber völlig in Ordnung. Um die
sogenannte Herzvorlast schnell zu senken ist es recht gut
geeignet. Zum eigentlichen Blutdrucksenken nehmen wir denn
u.a. Urapidil.
Das ist - im strengen Sinne - nicht korrekt. Zum Blutdrucksenken nimmt man Urapidil oder Clonidin oder andere Medikamente; zur Vorlastsenkung bei Linksherzbelastung oder bei Stenokardien nimmt man Glyceroltrinitrat, jeweils unter Beachtung der entsprechenen Anwendungshinweise und Kontraindikationen.
Daher wundere icch mich, dass trotz gleicher Zusammensetzung
diese unterschiedliche Wirkung auftritt.
Wahrscheinlich tritt die unterschiedlich ausgeprägte Blutdrucksenkung auf, weil es unterschiedliche Patienten und Situationen sind. Ein und die selbe Menge Nitrolingual-Spray kann bei ein und demselben Patienten - abhängig von der Situation - ganz unterschiedlich schnell und intensiv wirken. Ich denke nicht, daß die Unterschiede durch verschiedene Präparate mit demselben Wirkstoff in identischer Konzentration hervorgerufen werden. Letzteres kann es selten mal bei oral verabreichten Medikamenten geben, aber eher nicht bei intravenös oder sublingual oder inhalativ verabreichten Präparaten.
Grüße,
Vlado
Hm,
also ich bin ja eigentlich nur ein kleiner doofer Rettungsassistent.
Wenn jetzt die Gabe von Nitro so fatal sein kann, warum wird das (fast) überall als Erstmaßnahme zum Senken von Blutdruck und zum Auschluß eines HI (wenn’s klappt, war es (meist) keiner) genutzt wird.
Die von Dir genannten Situationen kann ich mit unseren Notfallgeräten nicht ausreichend ermitteln.
Die Wechselwirkung mit potenzsteigernden Mitteln ist mittlerweile ja überall bekannt. Das ist auch immer ein Grund zum Durchfallen bei Prüfungen.
Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass es einem die Leute ohnehin nicht verraten. Selbst wenn man drastisch adeutet, dass in Kombination mit dem Nitro der Tod eintreten kann. Da schämen sich die Bürger dann doch.
Sicherlich ist mir auch bekannt, dass die Medikamentenwirkung auf die „Tagesverfassung“ des Patienten ankommt. Leider kann man da keine Feldstudie starten und dem gleichen Patienten mal dieses und mal jenes Produkt geben.
Da fällt mir ein, dass ich letztens ein ACS hatte. Dem Patienten war es ungemein wichtig, dass er NICHT das gelbe Spray bekommt, weil beim letzten Mal wäre er davon ohnmächtig geworden. Zufälligerweise hatten wir das rote Spray dabei.
Prinzipiell wollte ich eigentlich wissen, ob diese Auffälligkeiten mit Corangin nur bei uns im Kreisgebiet auftreten, oder ob es das auch noch an anderen Stellen gibt.
Gruß
Kuddenberg
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Hallo!
Wenn jetzt die Gabe von Nitro so fatal sein kann, warum wird
das (fast) überall als Erstmaßnahme zum Senken von Blutdruck
und zum Auschluß eines HI (wenn’s klappt, war es (meist)
keiner) genutzt wird.
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Wie Du richtig sagst, Nitro-Spray KANN fatale Wirkungen haben, was aber selten vorkommt; selbst wenn es keine fatalen Wirkungen hat, ist es meist doch unangenehm für den Patienten, wenn - ohne weitere Beschwerden - der Blutdruck damit abrupt gesenkt wird.
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Nitro-Spray wird leider von vielen Ärzten (Hausärzten, gerne in Altenheimen, aber auch in Krankenhäusern) als Bedarfsmedikament zur Senkung von Blutdruckspitzen verordnet; der einzige Grund hierfür ist die einfache, quasi „nicht-invasive“ Applikation. Aber wie schon erläutert, es senkt den Blutdruck unkontrolliert, hat teilweise unangenehme Nebenwirkungen und ist in seltenen Fällen sogar richtig gefährlich.
Die von Dir genannten Situationen kann ich mit unseren
Notfallgeräten nicht ausreichend ermitteln.
Das macht die Sache ja so gefährlich. Zwar kann man z.B. eine Aortenstenose oft „hören“, aber letztendlich bleibt ein gewisses Restrisiko, auch wenn es gering ist. Ich persönlich sehe gerade im Rettungs- und Notarztdienst sehr wenige Indikationen für Nitro-Spray: eigentlich nur das Akute Koronarsyndrom (unter Monitoring und mit liegendem venösen Zugang!), ggf. etwas großzügiger, wenn der Patient das Spray kennt und bisher immer gut vertragen hat.
Die Wechselwirkung mit potenzsteigernden Mitteln ist
mittlerweile ja überall bekannt. Das ist auch immer ein Grund
zum Durchfallen bei Prüfungen.
Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass es einem die
Leute ohnehin nicht verraten. Selbst wenn man drastisch
adeutet, dass in Kombination mit dem Nitro der Tod eintreten
kann. Da schämen sich die Bürger dann doch.
Das wird man wohl nicht ändern können.
Sicherlich ist mir auch bekannt, dass die Medikamentenwirkung
auf die „Tagesverfassung“ des Patienten ankommt. Leider kann
man da keine Feldstudie starten und dem gleichen Patienten mal
dieses und mal jenes Produkt geben.
Genau, daher warne ich ja so davor…
Aber man kann manchmal im Nachhinein eine Erklärung finden, warum das Spray den Blutdruck mal mehr und mal weniger stark senkt. Zu diesem Thema gab es auch schonmal eine Publikation, ist aber schon ein paar Jahre her, und ich müsste wohl lange recherchieren, um sie wiederzufinden.
Grüße,
Vlado