freiverkäufliche Arzneimittel - gefährlich?

Hallo!

Im Deutschunterricht nehmen wir gerade das Thema Erörterungen durch und wir dürfen uns über freiverkäufliche Arzneimittel auslassen. Ich wurde als „Anwalt“ gewählt und habe somit die Aufgabe ein Plädoyer GEGEN den freien Verkauf von Arzneimitteln zu halten.

Um mich gut vorzubereiten und meine Mitschüler zu überzeugen, habe ich nun noch einige Fragen:

  • Seit wann gibt es freiverkäufliche Arzneimittel?
  • Wieso werden Medikamte die in einer hohen Dosis verschreibungspflichtig sind in niedrigeren Dosen frei verkauft (z.B. Ibuprofen)?
  • Was ist das „gefährlichste“ freiverkäufliche Arzneimittel?
  • Gibt es eine Statistik darüber, ob der Medikamentengebrauch von freiverkäuflichen Arzneimitteln in den letzten Jahren gestiegen ist?

HINWEIS: mit freiverkäuflichen Arzneimitteln sind sowohl nicht verschreibungs- aber apothekenpflichtige Medikamente, wie auch solche, die man in Drogerien und Supermärkten kaufen kann

Schon mal vielen Dank für die Hilfe!

Hi,

  • Seit wann gibt es freiverkäufliche Arzneimittel?

lustige Frage :wink:
„Arzneimittel“ gab’s schon „immer“. Salicylsäure ist ein Beispiel von vielen. Wenn ich mich richtig erinnere kommt die in Pflanzen vor die direkt eingenommen dann auch gegen Schmerzen helfen. Allerdings ist das daraus gewonnene ASS (Aspirin) verträglicher also nebenwirkungsärmer
http://de.wikipedia.org/wiki/Salicylsäure

  • Wieso werden Medikamte die in einer hohen Dosis
    verschreibungspflichtig sind in niedrigeren Dosen frei
    verkauft (z.B. Ibuprofen)?

Das hat nicht (nur) was mit der Dosierung zu tun. Es gibt Ibuprofen mit 200mg/Tablette rezeptpflichtig und mit 400mg/Tab rezeptfrei. Das hat auch was mit der Art und Weise zu tun wie der jeweilige Beipackzettel geschrieben ist. Beim rezeptfreien ist er vermutlich „vorsichtiger“ geschrieben.

  • Was ist das „gefährlichste“ freiverkäufliche Arzneimittel?

Definiere „gefährlich“. Manche finden Paracetamol gefährlich, in Großbritannien ist es IMHO rezeptpflichtig. In der Türkei dagegen sind Antibiotika und anderes wohl rezeptfrei. In D ist es bei beiden Sachen genau andersrum.

  • Gibt es eine Statistik darüber, ob der Medikamentengebrauch
    von freiverkäuflichen Arzneimitteln in den letzten Jahren
    gestiegen ist?

Bestimmt, aber frag mich nicht wo :wink:

VG,
J~

Hallo,

die Gefährlichkeit eines Medikaments wird maßgeblich durch die Dosis bestimmt. Eine Tablette Paracetamol kann Kopfschmerz vertreiben, eine Packung kann zum Leberversagen führen…

Ein unanfechtbares Argument ist jedoch, dass so manches frei verkäufliche Medikament gar nicht wirksam ist. Als Beispiel dürften da die beliebten Heparin-Salben dienen (ich will jetzt keine Handelsnamen nennen, einfach mal selbst googlen): Heparin kann durch die Haut gar nicht aufgenommen werden, also letztlich auch gar nichts gegen die Hämatome, Prellungen und was weiß ich nicht, wogegen es noch Wunder wirken soll, ausrichten kann. Der einzige mögliche Effekt könnte in der Massage liegen, aber das geht auch ohne Salbe.
Und so gibt es so manches Präparat ohne Rezept - weil es zwar nicht schädlich, aber auch ebenso wenig wirksam ist…

Liebe Grüße
jaZoo

HAllo, ja Aspirin ist quasi Weidenrinde :wink:
Es wäre also sinnvoller sich umzuschauen „Ab wann gibt es die Rezeptpflicht“

Da ist die Einführung des Arzneimittelgesetzes recht interessant, das war nämlich erst recht spät1961 , als Reaktion auf den Contergan-Skandal. http://de.wikipedia.org/wiki/Arzneimittelgesetz_(Deu…

Freiverkäufliche Arzneimittel bezieht sich aber eigentlich NUR auf Drogerie- und Supermarktware. Apothekenpflichtige aber rezeptfreie Arzneien sind OTC-Arzneimittel (over the Counter, übern Tresen).

Und das hat seinen guten Grund http://de.wikipedia.org/wiki/Drogerie#Geschichte
Die Drogerie IST eigentlich der ARZNEIhandel
http://de.wikipedia.org/wiki/Droge_(Pharmazie)
Die Apotheke ist ursprunglich ein GEwürzhandel oder auch für Exotisches Allerlei. Dann kam im 14 Jh der Wandel dass in der Apotheke v.a. Arzneimittel HERGESTELLT wurden.
Und das kam dadurch dass einige Rohstoffe nur in Apotheken verkauft werden durften bzw dass der Umgang nur Apothekern gestattet war.
Und erst seit die HErstellung in Fabriken stattfindet und der Apotheker zunehmend zum Schubladenzieher wurde (sowie Prüfer der angelieferten Ware), wurden die beiden wirkliche Konkurrenten. Ausserdem wurde der Bedarf an einigen Dingen größer und es gab neue Berufe, die auch mitmischten (Benzin gab es früher nur in der Apotheke, das GEschäft ging an die Tankstellen).
Manche Dinge erklärten sich nur aus der althergebrachten Gewürzhändlergeschichte, zB. durfte Marzipan wegen der Mandeln nur in Apotheken verkauft werden. Doch inzwischen darf das jeder Supermarkt.

Es macht also schon sinn, das freiverkäuflich von Apothekenpflichtig zu trennen.
Das Rezept beinhaltete früher auch die HErstellanweisung, also war da jedes Arzneimittel rezeptpflichtig (nur nicht im heutigen Sinn), sonst hätte der Apotheker nur die Rohsubstanzen mitgeben können.
Durch das Arzneimittelgesetz wurde dann mehr auf die Sicherheit (Neben und Wechselwirkungen) geachtet und somit unterschieden in nur apothekenpflichtig und Rezeptpflichtig.
Inzwischen hat sich aber gezeigt, dass Wechel und NEbenwirkungen auch bei den nur Apothekenpflichtigen Arzneien nicht zu unterschätzen sind, und daher gibt es immer wieder auch da Arzneien, die in die Rezeptpflicht einbezogen werden oder wo dies diskutiert wird (NAsentropfen, Ibuprofen, Paracetamol). Da die Dosis das Gift macht, sind niedrigdosierte Präparate oftmals frei.

In der Drogerie dürfen im wesentlichen nur pflanzliche Arzneien verkauft werden (Tee, Heilpflanzenzubereitungen), da ist auch noch zu unterscheiden von Nahrungsergänzungsmitteln, die der Lebensmittelgesetzgebung unterliegen (Vitamine, Mineralpräparate, Mineralwasser, Peloide wie Heilerde). Das ist noch hergeleitet vom alten Drogeriebegriff. Verkauf geht auch nur wenn man eben einen Drogistenschein hat, also eine Sachkundeprüfung ablegte.

Da ist also eher die frage wieso darf die Drogerie das immer noch, obwohl sich der Arzneimittelverkauf mehr und mehr in die Apotheke verlagerte. Und das liegt ua. daran, dass eine Vielzahl der eigentlichen Arzneien gar nicht als solche angesehen werden (zB Kamillentee) und sich darauf beruhend natürlich auch die alten Pfründe beibehalten liessen.

Da ist fieseste Lobbyarbeit von beiden Seiten am Werk, denn diese letzten freiverkäuflichen Arzneien in die Apotheke zu bekommen bzw. im Dogeriemarkt zu belassen.

Von daher ist es gar nicht sinnvoll die mit Apothekenpflichtigen rezeptfreien Arzneien in einen Topf zu werfen bei solch einer Erörterung. Denn dann kann man gar nicht sinnvoll Position erinnehmen.

Gruß Susanne

1 „Gefällt mir“