Arbeistunfähig wegen betrieblicher Probleme

Bitte eine Frage.
Welcher Doktor oder sein Fachgebiet ist zuständig, wenn man massive Probleme hat, rein geistiger Natur und man kann seinen Job nicht zur Zeit machen. Der Grund ist eine Kündigung, ein derzeitiger massiver Kampf mit Rechtsanwälten, zeitgleiche Jobsuche, Arbeitsamt, Bewerbungen schreiben und und und. Das hält kein Mensch durch und dann noch 15 Stunden am Tag arbeiten und man wird auf der Arbeitsstelle angeschaut wie ein Außerirdischer. Mein Hausarzt hat mich für eine Woche außer Verkehr gezogen, aber das wird nicht reichen. Im Kopf kreist es und ich schlafe nicht mehr. Nach 30 Jahren ununterbrochenes Arbeitsleben eine Kündigung das muss man erst verkraften. Deshalb meine Frage. Welche Art von Doktor kann man da besuchen und darf dieser einen dann auch mal eine Woche oder auch zwei krank schreiben? Das ist doch zu meinem Schutz. Keiner will sich drücken, aber da häufen sich Sorgen und Probleme,die man „nebenbei“ kaum lösen kann. Wie berichtet, der Hausarzt hat nur eine Woche Pause genehmigt. Muss der Doktor „zugelassen“ sein damit ich da mit meiner AOK-Karte hingehen kann? Oder was muss ich da beachten alles?
Nette Grüße vom Jörg

Hallo Jörg,

gehe mal zu einem Neurologen/Psychiater. Der kann dir sicher weiterhelfen und bei Bedarf auch krankschreiben. Damit die Behandlungskosten übernommen werden, muss der Arzt eine Kassenzulassung für die AOK besitzen, was aber bei den meisten niedergelassenen Ärzten der Fall ist.
Viele Grüßen und gute Besserung
Safrei

Hallo
Wenn es sich bei Problemen „rein geistiger Natur“ um Dein Rechtsempfinden handelt, schließlich arbeiten nicht viele Leute 15 Stunden und irgendwo möchte man ja auch noch leben, versuche lieber nicht, das Problem auf medizinischem Weg zu lösen.
Zum Arzt nur, wenns nicht mehr geht.
Es kann auch tatsächlich Probleme geistiger Natur geben, und dann hilft bereits erwähnter Besuch beim Facharzt.
Unklar ist dann nur, ob der Hausarzt überweisen muß.
Zum Rechtsanwalt oder zur Gewerkschaft, wenn es arbeitsrechtlich ist.
MfG

Hallo Jörg,

  1. bei betriebsbedingter, bzw. fristgerechter Kündigung von Seiten des Arbeitgebers hat der Arbeitnehmer Anspruch auf angemessene Freistellung (beantragen) zwecks Vorstellungsgesprächen.

  2. rutscht man aufgrund der mental/körperlichen Überbelastung in ein Burnout (das stellt zwar keine Diagnose für die KK dar), aber der Hausarzt hat dennoch seine Möglichkeiten, durch chron. Stresssymtomatik beim Betroffenen, hoher RR, hoher Puls, eine Diagnose zu erstellen und eine Krankschreibung zu entscheiden, die sich bei Bedarf verlängern lässt - kommt auf den Arzt, aber auch auf die Argumentation des Patienten an.

  3. Ich erinnere mich an Fälle, wo man Angestellten in mittlerer/leitender Position gekündigt hat, dass diese vom Arbeitgeber bis zum Ablauf der Frist bei fristgerechter Kündigung aus Eigenschutzgründen, von der Arbeit freigestellt wurden.

Ich weiß nicht, ob Dir mein Beitrag weiterhilft, ich wünsche Dir Kraft, Zuversicht und viel Glück.

Gruß, Renate

Danke Euch Allen für diese Antworten. Es war mir sehr hilfreich. Nicht die 15 Stunden Arbeit am Tag machen mir Kopfzerbrechen, eher ist es der nun vorherschende Umgang mit Menschen. Da nutzt die beste Argumentation von meinem Rechtsanwalt nix, wenn dir der Arbeitgeber aus lächerlichen Gründen den Stuhl vor die Türe setzt. Kündigungschutz hin oder her. Im Falle das man gewinnt gegen den Arbeitgeber, hat man zwar den sicheren Job, aber dann zu 100% keine Ruhe mehr vor den GEIERN.
Wenn die Arbeitsstelle privatisiert wird, man nur drei freie Stellen hat, aber fünf Kollegen die alle untergebracht werden wollen, dann schießt Jeder -gegen-Jeden und ich hätte meine 15 Jahre Dienstzeit „fast“ geschafft und genau 33 Tage vorher kommt die Kündigung ins Haus. Man kann nicht mehr schlafen, macht sich unberechtigt selber Vorwürfe, muss Arbeiten gehen weitere 6 Monate und macht sich zur absoluten Lachnummer. Habe jetzt schon zwei Monate geschafft und bewerbe mich fleißg, aber das kostet Kaft & Nerven. Interessant der Hinweis hier, dass der „noch“ Arbeitgeber einen zur Bewerbungsgesprächen freistellen muss. Das ist wirklich interessant. Die Haus-Doktoren sind eher bemüht derzeit sich nicht gegen die Schweinegrippe anzustecken. Deshalb werde ich den Hinweis folgen und einen Neurologen aufsuchen. Der wird schon mitbekommen was das für Achterbahnfahrten im Kopf sind. Mit dem Job muss ich meine neue Eigentumswohnung vermieten wo ich mich so gefreut hatte diese kaufen zukönnen, da meine Frau mit drinne hängt im Job, wird die auch gehen müssen, (freiwillig) da ich bei der Stadt beschäftigt bin, und 15 Jahre Hausmeister gemacht habe, gelte ich beim Arbeitsamt als „ungelernt“ weil ich mehr als 5 Jahre aus dem Job raus bin…und und und… das heißt die Stadt verlassen, Wohnung weg, ich fasse es nicht…und wenn man dann nix getan hat was dazu die Ursache sein könnte, dann ist das noch schlimmer.
Deshalb meine frage, welcher Facharzt und welcher Berufszweig einen nun wenigstens etwas schützen kann vor den Menschen in den nächsten Wochen. Man arbeitet und weiß genau in wenigen Monaten ist alles AUS… Nun gut…danke für die Hinweise.
nette Grüße vom Jörg

hi,

meiner mom ist „das gleiche“ passiert, nach 40 jahren betriebszugehörigkeit…von wegen kündigungsschutz etc…

es ist schwer - für sie war das nicht fassbar, im wahrsten sinne des wortes - sie bekam den ist-zustand mit dem vorher gelebten (betriebsliebe u. auch sicherheit nach 40 jahren!) nicht übereins…

bei ihr war es die hausärztin, die sie krankschrieb wegen einem drastisch erhöhtem blutdruck…

ich kann ihnen nur empfehlen die problematik beim hausarzt genau so dramatisch zu schildern, wie sie es empfinden…nicht hinterm berg halten, sich schämen oder zusammenreissen…raus mit allem - der wahrheit, ihrem problem, den tränen…damit der arzt sieht in welchem zustand sie sich befinden. (falls er es nicht schon weiss?) meine mom hat sich immer zusammengerissen und gedacht ich muss das und das und ich darf nicht krank sein, nicht weinen etc… das hätte sie beinahe zum stationären aufenthalt geführt…

wenn er nichts macht würde ich um überweisung bezüglich einer gesprächstherapie oder ähnlichem bitte und ihm sagen, dass ich das alleine nicht bewältigen kann…da sollte es keine probleme geben.

kopf hoch - und wenn sie fragen haben immer gerne :smile:

lg

Hallo Jörg,

Welcher Doktor oder sein Fachgebiet ist zuständig, wenn man
massive Probleme hat, rein geistiger Natur und man kann seinen
Job nicht zur Zeit machen.

Wie du selber im Titel schon geschrieben hast, man ist „arbeitsunfähig“ und nicht „krank geschrieben“. Wenn du aufgrund deiner momentanen Lebenssituation deine Arbeit nicht wirklich erledigen kannst, wäre dein Hausarzt - zu dem man ja üblicherweise ein entsprechendes vertrauensverhältnis hat - der richtige Ansprechpartner. Der kann dir erstmal „einen gelben Schein“ schreiben, und als Diagnose bietet sich da eine der nichtssagenden, aber gut klingenden Formulierungen a la „psychovegetative Dystonie“ an.

Darüber hinaus sehe ich dein Problem weniger als ein medizinisches an, sondern du bist verständlicherweise in eine schwere Lebenssituation gekommen, in der du aber weniger medizinische Betreuung als vielmehr gute Beratung in arbeitsrechtlichen Dingen benötigst.

Indem du dich über deine Möglichkeiten informierst und bestmöglich deine Interessen vertrittst - anstatt weiterhin 15 Stunden für einen Arbeitgeber zu ackern, der dir so übel mitspielt - überwindest du auch das Gefühl der Hilflosigkeit, das dich klein und verletzlich macht.

Der Grund ist eine Kündigung, ein
derzeitiger massiver Kampf mit Rechtsanwälten, zeitgleiche
Jobsuche, Arbeitsamt, Bewerbungen schreiben und und und. Das
hält kein Mensch durch und dann noch 15 Stunden am Tag
arbeiten und man wird auf der Arbeitsstelle angeschaut wie ein
Außerirdischer.

Den Hinweis, dass man dich zu Terminen beim Arbeitslosenamt, neuen Vorstellungsterminen etc. freistellen muss, hast du schon bekommen. Informiere dich hier über deine Rechte!

15 Stunden am Tag zu arbeiten ist nicht nur völlig ungesund, sondern auch rechtlich nicht haltbar und nicht nachvollziehbar, dass du dich für einen Arbeitgeber engagierst, der dir einen Arschtritt verpasst. Auch da kann ich wieder nur sagen: Informiere dich hier über deine Rechte! Das kann und darf alles nicht so laufen, wie du es beschreibst. Es hat auch keinen Sinn sich so zu verausgaben, denn es wird dir nicht gedankt.

Mein Hausarzt hat mich für eine Woche außer
Verkehr gezogen, aber das wird nicht reichen. Im Kopf kreist
es und ich schlafe nicht mehr. Nach 30 Jahren ununterbrochenes
Arbeitsleben eine Kündigung das muss man erst verkraften.

Gar keine Frage. Ich hatte seinerzeit auch schon mit einer Kündigung nach 6 Monaten zu kämpfen. Es geht nicht nur um den Verlust des Jobs, sondern das Gefühl des Ausgenutzt-werdens und Existenzängste.

Dein Hausarzt soll dich ruhig nochmal aus dem Verkehr ziehen und/oder an „Spezialisten“ überweisen, die eine längere Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung problemloser ausstellen.

Es gibt im Netz diverse Seiten und Foren von und für Betroffene, du solltest da mal googlen. Es tut schon sehr gut, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, und die Leute haben auch sehr viel Ahnung, wie man sich verhält.

Mir war z. B. vor der Lektüre der Foren nie klar, dass diverse Paare Beziehungsprobleme aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten bekommen. Das Phänomen ist aber, neben vielen anderen, wohl bekannt - auch wenn das in Politik und Wirtschaft nie thematisiert wird. Da geht’s um Krise, Banken und Manager, Arbeitslosenzahlen - aber nicht das, was für Betroffene alles damit verbunden ist.
All diese Themen und Folgeprobleme, von denen man vielleicht erstmal denkt, dass man der einzige wäre, den sowas betrifft, stellen sich dann schnell als typische Verläufe heraus, die viele Menschen kennen und dass es vielen genau so ergeht. Allein das ist schon tröstlich, auch wenn einem das nicht konkret hilft. Man merkt aber: du bist nicht allein. Anderen geht es ganz genauso.

Oder was muss ich da beachten alles?

Vor allem die Prioritäten neu ordnen! Wenn klar ist, dass du sowieso gehen musst, ist absolut unverständlich wieso du dich weiter 15 Stunden anstrengst. Ein normaler Arbeitstag hat 8 Stunden, und selbst in denen würde ich zu „Dienst nach Vorschrift“ tendieren. Niemand dankt es dir, wenn du dich jetzt mehr anstrengst. Und beim kleinsten Ziepen wäre ich sofort wieder arbeitsunfähig…

Ansonsten nimm’ jeden Termin beim Arbeitsamt etc. wahr und nutze dabei deine Rechte, dass dich der Noch-AG dafür freistellen muss. Welche Rechte du genau hast, kann ich dir hier nicht sagen, aber du hast da viele Möglichkeiten. Du kannst sie nutzen, wenn du sie kennst. Daher ist es wichtig, sich schlau zu machen, und nicht alles zu glauben, was der AG und das Arbeitsamt erzählen.

Ansonsten ist eigentlich alles völlig OK mit dir. Dass du im Augenblick geschockt bist, ist nichts Krankhaftes, wo dich ein Doktor als Kranken behandeln muss, sondern das sind ganz normale Reaktionen und Gefühle in der Schocksituation, die dich getroffen hat. So gesehen ist alles völlig in Ordnung mit dir. Wenn der erste Schreck überwunden ist, solltest du allerdings aus der Passivität heraus kommen und aktiv werden, indem du beschließt, dich nicht weiter als hilfloses und wehrloses Opfer zu definieren, denn du kannst auch aktiv werden, dich wehren, für deine Rechte kämpfen.

Selbst wenn das alles schwer genug ist und Rückschläge gibt, aber es bleibt dir das positive Gefühl, dir das alles nicht so einfach gefallen gelassen zu haben.

Alles Gute,

MecFleih