Hallo Simone,
um hier ein wenig Licht ins Dunkel bringen zu dürfen (d.h. bevor Du für Dein Referat eine der anderen Antworten zitierst).
Hat der Körper schon vor der Erkrankung passende Antikörper?
Dazu muss man sich kurz vor Augen führen, wie die Herstellung von Antikörpern funktioniert. (siehe auch Abbildung http://www.swisseduc.ch/chemie/molmod/anwendungen/an…)
Wenn ein Antigen (Virus oder Bakterium) in den Körper gelangt, wird es von Makrophagen mittels Abtastung der Oberfläche, als körperfremd erkannt. Daraufhin wird das Antigen von den Makrophagen zunächst umschlossen und in sich aufgenommen (phagocytiert) und anschließend im Zellplasma enzymatisch zerlegt (lysiert).
Daraufhin präsentieren die Makrophagen Bruchstücke (Epitope) des Antigens auf der Oberfläche ihrer Zellmembran. Durch das Ausschütten von Botenstoffen (Interleukin 1) durch die Makrophagen werden die T-Helferzellen dazu gebracht mit ihrem T-Zell-Rezeptor Kontakt mit dem präsentierten Antigen auf den Makrophagen-Rezeptoren aufzunehmen. Dabei werden durch weitere Signale die T-Helferzellen aktiviert.
Eine aktivierte T-Helferzelle nimmt Kontakt mit B-Lymphozyten auf, der (unabhängig vom Makrophagen) mit Hilfe seines Rezeptors dasselbe Antigen erkannt hat und aktiviert diesen durch die Ausschüttung von einem weiteren Botenstoff.
Der aktivierte B-Lymphozyt bildet B-Plasmazellen und B-Gedächtniszellen aus. Die B-Gedächtniszellen sind langlebig und sorgen bei einem sekundären Kontakt mit dem Antigen für eine schnellere und wirksamere Immunantwort.
Die B-Plasmazellen produzieren nun die Antikörper, die das Pathogen unschädlich machen.
Interessant ist dabei, dass die B-Zell-Rezeptoren eigentlich (fast) genauso, wie die späteren Antikörper aussehen.
Somit muss die Antwort lauten: Nein es gibt keine (freien) Antikörper vor einer Infektion, aber B-Zellen, die antikörperartige Rezeptoren auf der Oberfläche tragen, die durchaus an das Antigen (z.B. HIV) binden können.
Außerdem wäre es nett wenn ihr mir erklären könntet, ob der
Körper überhaupt Antikörper gegen HIV bilden kann und ob es
vorraussichtlich irgendwann Antikörper gegen HIV geben wird,
mit denen man dann Erkrankte behandeln kann.
Ja, der Körper bildet Antikörper gegen HIV. Das ist sogar die Grundlage für den am meisten verwendeten HIV-Test. (http://de.wikipedia.org/wiki/HIV-Test#ELISA-Suchtest)
Dies ist auch der Grund, warum diese Tests erst 12 Wochen nach einer möglichen Infektion mit HIV zu einem positiven Ergebnis kommen können, da es so lange dauert, bis sich ausreichend viele Antikörper gebildet haben (inzwischen gibt es bessere Tests, die das Virus direkt nachweisen).
Das Problem ist nur die enorme Wandlungsfähigkeit des HI-Virus und die Tatsache, dass die T-Zellen, die ja bei der Immunantwort eine zentrale Rolle spielen (siehe oben) abgetötet werden. Der Körper kämpft jedenfalls Jahre bis Jahrzehnte gegen das Virus (auch mit Antikörpern), bis es dem Virus gelingt so viele T-Zellen (und andere Immunzellen) zu töten, bis der Infizierte an einer Sekundärerkrankung, z.B. Lungenentzündung, stirbt.
Wie wichtig die T-Zellen für das Überleben bzw. sogar eine Resistenz gegen HIV sind, zeigte eine kürzlich durchgeführte Knochenmarkstransplantation (http://nachrichten.t-online.de/c/16/82/51/54/1682515…), bei der einem HIV-Patienten das Knochenmark eines Mannes transplantiert wurde, der resistent gegen HIV ist. Dieser Mann hat ein verändertes Oberflächenmolekül auf seinen T-Zellen was das HI-Virus zum Eindringen in diese braucht (siehe Artikel für Details).
Gruß,
Sax