dies ist wieder mal eine Frage, die sich nicht leicht zu einem Brett zuordnen lässt, aber ich versuche es dennoch hier.
Letztens habe ich die These gehört, dass die niedrigen Krebszahlen in Japan (die häufig als ein Beweis der besseren Essgewohnheiten aufgeführt werden) in Wirklichkeit auf gefälschten Statistiken beruhten, denn es gelte in Japan als „Unehrenhaft“ an Krebs zu sterben. Daher seien um die Familien zu schützen viele Krankenberichte „gefälscht“, indem als Todesursache anstatt der zugrunde liegenden Krebserkrankung eher die akute Todesursache z.B. Schlaganfall, Lungenödem etc. aufgeführt würden.
Weiss jemand mehr darüber? Oder kann mir jemand sogar Quellen nennen?
Trifft zwar den Kern der Frage nicht ganz, aber ich gebe zu bedenken: in Hiroshima und Nagasaki sind neben unzähligen unmittelbaren Todesopfern der Atombomben bis heute Krebspatienten überdurchschnittlich häufig, auch im internationalen Vergleich. Sind diese auch von der angesprochenen gesellschaftlichen Ächtung der Krankheit(en) betroffen? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.
Ja, es ist unehrenhaft weil man langsam dahin siecht. Für Frauen, weil sie „hässlich“ werden und für Männer, weil sie nicht in voller Kraft stehen und über Jahre hinweg (je nach Art) schwächer werden und so ihre Aufgaben in der Gesellschaft (die mit vollem Druck eingefordert werden) nicht ausführen können.
Wie im ostasiatischen Raum häufig, sind Krebserkrankungen des Verdauungssystems besonders häufig.
Aber genaue Zahlen sind schwer zu bekommen, das gilt auch für viele andere Krankheiten.
Aber genaue Zahlen sind schwer zu bekommen, das gilt auch für
viele andere Krankheiten.
Also sind alle Aussagen zur „Japanischen Diät“ (= viele ungesättigte Fettsäuren aus Fischen, wenig tierische Fette von Schwein/Rind etc., gesunde Algenkost etc.) die sich alle auf die angeblich hohe Gesundheit der Japaner stützen möglicherweise falsch?
Wie sieht es mit der Lebenserwartung aus? Sind zumindest diese Daten verlässlich, oder könnten auch da kulturelle Eigenarten (z.B. unbekanntes Geburtsdatum der älteren Generation etc.) dagegen stehen?
Nein, das ist nicht völlig falsch. Die Japaner werden tatsächlich auf der Welt mit am Ältesten (was aber auch nicht völlig davon unabhängig ist, dass man gefälligst seine Alten zu versorgen hat. Ein Mann, der seinen Vater verstößt, auch wenn der es noch so verdient hat, wird als feige und unmännlich angesehen. Auch eine Frau, die ihrer töchterlichen Pflichten nicht nachkommt, ist sehr unschick- darüber wird aber meist nicht gesprochen).
Grad was die Proteine und auch Iod angeht ist die japanische Ernährung gut und sehr frauenfreundlich.
Ich denke es liegt einfach zum Großteil daran, dass es nie eine „entmythisierung der Ernährung“ gab. Wenn du dir mal den europäischen Speiseteller von heute und von früher anschaust, ist das echt mager.
Selbst in China, wo Essen auch Medizin ist, hat sich alles etwas verschoben und es gibt sehr gesunde aber auch tierisch ungesunde Gerichte.
In Japan gab es das so nicht, viele Gerichte sind heute noch sehr traditionell und man bemüht sich um eine ausgewogene Ernährung, obwohl die Gesellschaft schrecklich hektisch ist.
Es hat also nicht nur mit Ernährung sondern auch mit Esskultur zu tun, die Bedeutung, die dem Essen zugemessen wird ist sehr hoch - darum isst man nicht irgendetwas.
Vor allem die Soyareiche und Fischreiche Ernährung ist gut für die Gesundheit. Im Westen ist Soya lange nicht bekannt gewesen und fischreiche Ernährung ist für Binnenländer natürlich wesentlich schwieriger.
Also kommen auch noch geographische Faktoren hinzu.
Das alles sorgt dafür, dass Japaner sich quasi „einlegen“ und die Frauen nicht nur tatsächlich eine angenehmere Menopause haben, sondern auch länger leben. Bei den Männern kommt auch noch das Rotwein-Phänomen hinzu Allerdings mit Sake.
Tatsächlich würden wesentlich weniger Japaner an Herzleiden sterben, wenn sie sich nicht so stressen würden. Das zeigt sich dann auf dem Land, wo Herzinfarkt eine sehr seltene Todesursache ist (dafür sind wieder andere höher, weil die medizinische Versorgung oft immernoch nicht so toll ist)
Danke, wieder was gelernt. Hab da wohl die Klasse verschlafen.
macht ja nix. ich würde es auch nicht wissen, wenn ich nicht zufällig mal einen bericht darüber gesehen hätte, was aus den hiroshima- und nagasaki-opfern geworden ist. ich wäre allein nie auf die idee gekommen, dass die im eigenen land geächtet werden.