Migräne-Theorien

Hi

Ich habe mich soeben etwas über mögliche Migräneursachen informiert und bin dabei natürlich auch über Serotonin gestolpert.

Man weiß, bei Migränikern ist bei einem Anfall der Serotoninspiegel erhöht. Gibt man bei einem Anfall Serotonin, vermindert sich der Kopfschmerz. (die Wahrheit der Quelle stell ich hiermit mal in Frage)

Süßigkeiten sind in der Lage durch L-Tryptophan den Serotoninspiegel zu beeinflussen, ihn bei einer Absenkung z.B. wieder zu erhöhen.

Jetzt heißt es überall, man soll bestimmte Lebensmittel vermeiden, die eine Serotoninausschüttung zur Folge haben können, man nennt Schokolade, Käse, Tomaten, Rotwein… in allen sei Tyramin enthalten, welches sich auf den Serotoninspiegel auswirken kann.

Das ist doch total unlogisch oder nicht? Für mich hört sich das so an: Man misst erhöhte Serotoninspiegel bei Migräne, also ist es automatisch die Ursache? Ist es nicht viel mehr so, dass der Körper auf irgendetwas reagiert und Serotonin ausschüttet?

Viele Migräniker haben genau vor einer Attacke einen Heißhunger auf Schokolade - Süßes UND Tyarmin (oder was auch immer so „böse“ an Schokolade ist). Der Körper will den Serotoninspiegel erhöhen um irgendetwas anderes auszugleichen…

Danach kommt die Attacke, die vielleicht schlimmer gewesen wäre, wenn man keine Schokolade gegessen hätte, um den Serotoninspiegel zu beeinflussen. Und dann merkt man sich „Schokolade gegessen, Migräne gekriegt = Schokolade macht Migräne“

Dazu kommt noch die Erwartungshaltung, die ja allgemein bekannt ist, auch bei anderen Erkrankungen. Man erwartet dass man Migräne bekommt, und dann, siehe da, man bekommt sie.

Blöd nur, dass Vermeiden von Schokolade und Käse und Rotwein Migräne nicht verhindert, wie kommt das bloß…

Grüße

Laralinda

Hallo Laralinda,

Migräne ist eine von den vielen Erkrankungen, deren Ursachen und genaue Entstehungsmechanismen man noch nicht kennt. Eine (oder auch mehrere) Studien, die ergeben, dass während eines Migräne-Anfalls der Serotonin-Spiegel im Blut erhöht ist, lassen natürlich nicht den Schluss zu, eine Serotonin-Erhöhung wäre die Ursache der Migräne. Der einzige zulässige Schluss ist: „Serotonin hat irgendwie mit Migräne zu tun.“ Es ist nichts anderes als ein Puzzlesteinchen auf dem Weg, die Migräne-Ursachen zu ergründen - und diese Puzzlesteinchen passen, wie du in deinem Beitrag ja selber gut herausgearbeitet hast, noch nicht ausreichend zusammen, um eine schlüssige Erklärung zu ergeben.

Die individuell sehr verschiedenen Auslöser und Verläufe von Migräne-Attacken lassen sowieso vermuten, dass es nicht eine einzige Form von Migräne gibt, sondern dass es sich hierbei um eine Gruppe von Erkrankungen handelt. Die Diagnose wird, wie bei vielen anderen Erkrankungen, ja auch nicht anhand objektiver Messwerte, sondern anhand der Auswertung von berichteten und beobachteten Symptomen gestellt - und das seit „Urzeiten“, als man „objektive“ Messwerte noch gar nicht sammeln konnte. Auf diese Art und Weise geraten leicht eine Reihe von verschiedenen Erkrankungen in eine Diagnosen-Gruppe.

Wir sind eben lange noch nicht so weit, alles erklären zu können, und Ratschläge, bestimmte Nahrungsmittel oder andere mögliche Auslöser zu vermeiden, können bisher nur auf (mehr oder weniger gut abgeleitete) Rückschlüsse basieren, z.B.: Bei einer größeren Anzahl von Betroffenen sind Migräne-Attacken nach dem Genuss von Schokolade aufgetreten, Schokolade und Migräne haben beide etwas mit Serotonin zu tun - also „muss“ Serotonin eine Rolle bei der Entstehung von Migräne-Attacken spielen… Geklärt ist der Zusammenhang mitnichten.

Ich halte die Empfehlungen zur Vermeidung von bestimmten Auslösern bisher für nichts anderes als praktische Tipps für betroffene Menschen, mit denen sie versuchen können, die Häufigkeit oder Stärke ihrer Migräne-Attacken zu verringern.

Viel Spaß bei deinen weiteren Nachforschungen.

Heike

hallo heike,

Bei
einer größeren Anzahl von Betroffenen sind Migräne-Attacken
nach dem Genuss von Schokolade aufgetreten,

das wurde auf einer migräne-informationsveranstaltung auch schon so erklärt, dass oft vor der migräne ein bedarf nach süßem besteht und befriedigt werden will. also die umgekehrte argumentation.

Ich halte die Empfehlungen zur Vermeidung von bestimmten
Auslösern bisher für nichts anderes als praktische Tipps für
betroffene Menschen, mit denen sie versuchen können, die
Häufigkeit oder Stärke ihrer Migräne-Attacken zu verringern.

ja, das denke ich auch. ich renne alle jubeljahre mal in solche informationsveranstaltungen, weil ich immer hoffe, dass die wissenschaft inzwischen weiter ist und mir meine seit 40 jahren treue begleiterin migräne bekämpfen helfen könnte. aber ich beobachte nur, dass diese infos immer mehr ins esoterische abgleiten :-/

zumindest bei mir haben sich die auslöser in den jahren geändert. war es früher mal ein E-irgendwas-zusatzstoff, der exakt 4 stunden nach genuss eine migräne folgen ließ, sind es heute ähnliche auslöser wie bei meinem heuschnupfen UND (immer!) psychische anspannung.

auch meine therapie ist bislang konkurrenzlos: 1000 mg aspirin bei dem allerersten flimmern vor den augen, besser noch schon bei dem verdacht, dass es gleich flimmern könnte.

schöne grüße
ann

Hallo!

Mir hilft als Migräne-Prophylaxe Amitriptyllin, ca. 25-30 mg abends.

Das hat Prof. Diener von der Uniklinik Essen vor einigen Jahren als bewährtes Mittel empfohlen, und bei mir scheint es die Attacken zu verringern.
Allerdings empfiehlt er auch täglich Aspirin 100 mg mittags, doch das vergesse ich meistens.

Was ich in den letzten ca. 46 Jahren, in denen mich die Migräne immer wieder erwischt, an Zusammenhängen erkannt habe, ist Folgendes:

Tiefdruckgebiete mit direkt anschließendem Hochdruckgebiet
Stress
Abends gegessener Hartkäse, jede Art von Nüssen, oft auch Schokolade, führen mit ziemlicher Sicherheit zu einer Attacke am nächsten Morgen.

Am Tag, also bis mittags gegessen, vertrage ich diese Lebensmittel…warum auch immer.

Angelika

P.S. Das Amitriptyllin darf bei mir nichtunter 25 mg dosiert werden, sonst verliert sich die Wirkung.
Und für den Anfall habe ich immer und überall Maxalt lingua dabei, das wirkt meistens binnen 3 Stunden. Aspirin hilft mir leider im Anfall nicht, das kommt nichtmal runter bis zum Magen.