Placebos ohne Patienten-Einwilligung geben?

Wisst ihr wie das aus rechtlicher Sicht bzw. auch aus ethischer Sicht ausssieht?

Wisst ihr wie das aus rechtlicher Sicht bzw. auch aus
ethischer Sicht ausssieht?

Moin OneLove,

es ist doch der Sinn von Placebos, dass die Patienten nicht wissen, dass es Placebos sind!
Oder klannst Du Dir vorstellen, dass der Arzt dem Patienten sagt: Ich gebe Ihnen hier eine Pille ohne jeden Wirkstoff, aber wenn Sie fest genug daran glauben, hilft auch die !
Im Übrigen wird kein Arzt ein Placebo nur aus Daffke verschreiben oder verabreichen. Die sind bisher in den allermeisten Fällen im Rahmen klinischer Studien appliziert worden.

Gruß - Rolf

Moin,
Rolf hat Recht, es macht keinen Sinn, einem Patienten ein Placebo zu geben und es ihm zu sagen. In klinischen Studien weiß auch oft der Arzt nicht, dass er seinem Patienten ein Placebo gegeben hat (Doppelblind-Studie).
Ein Grund außerhalb von Studien jemandem ein Placebo zu verabreichen, ist zB vermuteter Arzneimittelmissbrauch (zB durch einen hohen Alkoholgehalt des Medikaments).

Gruß
finnie

Moin Grußlose®,

Wisst ihr wie das aus rechtlicher Sicht bzw. auch aus
ethischer Sicht ausssieht?

was spricht dagegen?
Eine Freundin ist Ärztin in der Neurologie. Bei Ihr lag ein Patient, der (angeblich) schwere Schlafmittel brauchte, um schlafen zu können.
Es war aber nahezu sonnenklar, das es psychosomatisch war.
Er kriegte sein Placebo und schlief wie ein Murmeltier.
Beim ihm kam noch dazu, daß seine Nieren vom jahrelangen Schlafmittelgebrauch schon einen Schlag hatte.

Was spricht aus medizinischer, rechtlicher und ethischer Sicht gegen ein solches Vorgehen?

Gandalf

Hallo,

es ist doch der Sinn von Placebos, dass die Patienten nicht
wissen, dass es Placebos sind!

in manchen Fällen ist ein Placebo schwer als solches zu erkennen (im Krankenhaus verabreicht - man sieht die Packungsbeilage nicht).

In vielen Fällen ist es aber durchaus bemerkbar:

Oder klannst Du Dir vorstellen, dass der Arzt dem Patienten
sagt: Ich gebe Ihnen hier eine Pille ohne jeden Wirkstoff,
aber wenn Sie fest genug daran glauben, hilft auch die !

Exakt so wird sich der Arzt nicht ausdrücken. Wenn man sich etwas auskennt, wird man es aber aus dem, was der Arzt sagt, heraushören können: Er spricht von einem „neu entwickelten, nebenwirkungsarmen“ Medikament, das „unterstützend wirken kann“ und „mit dem wir es erst mal probieren“; „falls es nicht wirkt, gäbe es noch stärkere“.

Die Packungsbeilage muss desweiteren echt sein. Das bedeutet, sie darf nur auflisten, was das Medikament tatsächlich enthält. Wer sich ein bisschen auskennt oder die Packungsbeilage eines echten Medikamentes zum Vergleichen parat hat, wird merken, dass außer Füllstoffen (z.B. Gelatine und Milchzucker bei Tabletten) und Farbstoffen nichts enthalten ist.

Viele Grüße,
Nina

Hi,

zu den Antworten der anderen sei noch hinzugefügt:
Auch ein Placebo muss unter den Anforderungen zur Herstellung von Medikamenten produziert werden (deshalb auch eine Packungsbeilage). Das Verabreichen eines Placebos fällt also durchaus in das Behandlungsspektrum eines Arztes. Wie er das seinem Patienten verkauft ist ganz unterschiedlich.
Für eine Teilnahme an klin. Studien muss der Patient vor Beginn der eine „informierte Einwilligung“ unterschreiben; verfügt die Studie über einen PLAC-Arm wird er darin darauf hingewiesen, dass die Chance besteht, dass er nur PLAC bekommt.
Von der ethischen Seite gibt es bei (prä-)klin. Studien eine Ethikkommission, die entscheidet, ob die Mitführung einer PLAC-Gruppe gerechtfertigt ist.
Grüße,
JPL

Das Placebo gehört zu den ganz normalen Medikamenten eines Arztes. Placebos haben auch Nebenwirkungen, die Rate beläuft sich auf 7-11%. Natürlich geht das Ganze über die Psyche: Davon leben ja die Homöopathen !

Natürlich geht das Ganze über die Psyche:
Davon leben ja die Homöopathen !

Er nun wieder! :wink:

Hi,

Das Placebo gehört zu den ganz normalen Medikamenten eines
Arztes. Placebos haben auch Nebenwirkungen, die Rate beläuft
sich auf 7-11%.

Diese relativ exakte Rate ist mir neu; vom prinzip her hast du aber recht: http://de.wikipedia.org/wiki/Nocebo-Effekt
Grüße,
JPL

Was ich meine ist; ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass man einen Menschen/Patienten einfach so „verarschen“ darf und ihm eine Tbl. gibt und er denkt da ist ein medikamentöser Wirkstoff drin, obwohl da gar keiner drin ist…
Das muss doch rechtlich irgendwo festgehalten sein, oder???

Hi,

wenn ein Mensch sich einbildet, dass er krank ist, behandelt man ihn, indem man dafür sorgt, dass er sich einbildet, er bekäme ein Medikament. Man könnte auch argumentieren, dass es gefährlich wäre, einem gesunden Menschen ein Medikament zu geben.
und die Homöopathie beruht wirklich auf dem Placeboprinzip.

die Franzi

Hallo,

Placebo verabreichen mit vorheriger Zustimmung des Patienten ist (wie man so treffend sagt) kontraproduktiv.
Das wurde hier ja schon ausführlich geschrieben und beschrieben.
Placebos sind sozusagen ein Mittel herauszufinden ob es sich tatsächlich um eine organische oder um eine psychische Erkrankung handelt.
Wenn der Arzt einem Patienten der beispielsweise unter Schlafstörungen leidet ein Placebo verabreicht und dieser daraufhin keine Schlafstörungen mehr hat dann war das Placebo erfolgreich.
Der Patient kann theoretisch sein ganzes Leben lang dieses Placebo schlucken weil er an die „Kraft“ der Pille glaubt.
Wenn das Placebo nichts bringt weiss der Arzt jedenfalls das er andere Wege oder Formen der Therapie anwenden muß.
Wenn der Patient vom Arzt im Vorfeld davon informiert wird das diese „Pille“ direkt keine Wirkstoffe beinhaltet dann wird er auch seine Schlafstörungen nie los.
Das war ein Beispiel !!
Ich finde es total in Ordnung so wie es ist - es geschieht im Interesse des Patienten - wo wird bei einer Verabreichung eines Placebos gegen diese Interessen verstossen.
Ich finde, man kann es auch übertreiben !!
Gruß
Czauderna

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organisch und psychisch
Hallo Guenter,

Placebos sind sozusagen ein Mittel herauszufinden ob es sich
tatsächlich um eine organische oder um eine psychische
Erkrankung handelt.

das stimmt nicht wirklich; einen Placeboeffekt gibt es auch bei organischen Erkrankungen; nur ein paar Beispiele:

  • Placebo-Effekt bei Warzen und Erkältung (jeweils selbst beobachtet)
  • es gibt Kliniken, die Verbrennungsopfer in Räumen mit blauen Wänden, Pinguinmotiven etc. behandeln und ihnen ein Pinguin-Computerspiel zur Beschäftigung geben - mag eventuell lustig oder gar unsinnig klingen, aber die Patienten benötigen weniger Schmerzmittel
  • Kliniken, die den Patienten erlauben, auf der Intensivstation ihre Heilsteine, Talismane etc. dabei zu haben
  • etc.

Warum das funktioniert? Weil die Psyche auch auf organische Erkrankungen Einfluss haben kann (weniger Stresshormone -> besserer Krankheitsverlauf/Heilung, weniger Schmerzen).

Unterscheiden zwischen psychischen oder physischen Ursachen kann man hiermit aber nicht! Auch lässt sich nicht zwischen echter und eingebildeter Erkrankung unterscheiden (auch echte Medikamente weisen zusätzlich einen Placebo-Effekt auf).

Wenn der Arzt einem Patienten der beispielsweise unter
Schlafstörungen leidet ein Placebo verabreicht und dieser
daraufhin keine Schlafstörungen mehr hat dann war das Placebo
erfolgreich.

Ja.

Wenn das Placebo nichts bringt weiss der Arzt jedenfalls das
er andere Wege oder Formen der Therapie anwenden muß.

Ja. Aber, wie gesagt: Placebos sind kein Mittel, um herauszufinden, ob die Erkrankung psychische oder physische Ursachen hat.
Sie werden auch nicht nur für Patienten verwendet, bei denen der Arzt davon ausgeht dass sie gar kein Medikament benötigen würden bzw. nicht wirklich krank sind - sie werden auch an Patienten verschrieben, die „normalerweise“ ein mildes Medikament erhalten würden, aber bei denen nun aus einem bestimmten Grund die Gabe eines weiteren echten Medikaments kontraproduktiv wäre*.

*z.B. Patienten, die bereits viele Medikamente nehmen - kann unerwünschte Wechselwirkungen haben

Ich finde es total in Ordnung so wie es ist - es geschieht im
Interesse des Patienten - wo wird bei einer Verabreichung
eines Placebos gegen diese Interessen verstossen.
Ich finde, man kann es auch übertreiben !!

Finde ich auch.

Viele Grüße,
Nina

Hallo Nina,
da hast Du sicher wesentlich mehr Ahnung als ich und ich danke dir für die „Aufklärung“. Ich wollte hier auch keinen medizinischen Fachbeitrag liefern sondern mit mit meinen einfachen Worten ein ebensolches Beispiel geben.
In verbindung mit deiner Ergänzung wird der Leser bzw. die Leserin nun endgültig verstanden haben worum es uns beiden letztendlich ging.

Nochmals vielen Dank und schönen Abend noch.

Gruß

Guener Czauderna