Schulterverletzung im SciFi Roman

Hallo wer-weiss-was Nutzer!

Ich recherchiere gerade für den SciFi-Roman, den ich zur Zeit schreibe.
Meine Protagonistin wird dort auf der Flucht von einem Hitzestrahler getroffen, der ihr die ganze Schulter verbrennt, sodass man den Knochen sehen kann.

Da das Ganze ja halbwegs realistisch werden soll, würde ich gerne wissen, wie sich das genau auswirken würde. Also dass es wohl ziemlich weh tut, kann ich mir schon denken, aber tut es so weh, dass sie das Bewusstsein verliert? Kann sie den Arm noch bewegen? Würde sie bluten oder gehen die Adern von der Hitze zu (ich glaube nämlich das ich sowas Mal gelesen habe, aber sicher bin ich nicht) Und wenn sie blutet, wie stark ungefähr?

Und wenn sie plötzlich in der Notaufnahme eines heutigen Krankenhauses auftauchen würde, wie würde man ihr helfen? (Das wir im Roman natürlich etwas anders ablaufen müssen, aber ich brauche eine ungefähre Vorstellung davon, was nötig ist)

Liebe Grüße und Danke im Voraus
Nin

Hallo SiFi-Autor
Ohne Spezialist für Brandwundenversorgung zu sein, wage ich mal eine Antwort.

Ich recherchiere gerade für den SciFi-Roman, den ich zur Zeit
schreibe.
Meine Protagonistin wird dort auf der Flucht von einem
Hitzestrahler getroffen, der ihr die ganze Schulter verbrennt,
sodass man den Knochen sehen kann.

Ich vermute nun mal es soll sich um eine eher punktuelle Wunde handeln und nicht um eine großflächige Wunde? Oder ist mit ganze Schulter gemeit, dass alles von Brustwarze bis Unterkante Schulterblatt betroffen ist?

Normalerweise ist eine Verbrennung die Gewebeschichten bis zum Knochen so verkohlt, dass ohne mechanische Einwirkung die Knochen feiliegen kaum vorstellbar, außer bei langanhaltender Einwirkung, was ja nun bei einem Schuss nicht anzunehmen ist. Also müsste man vielleicht eine ScFi-Strahlung annehmen, die eine so schnelle Energieübertragung verusacht, dass Teile des Gewebes verdampfen und durch dies „Dampfexpolsion“ das Gewebe vom Knochen abgelöst wird.

Also dass es wohl ziemlich weh tut, kann ich mir schon denken,

Brandwunden schmerzen in der Regel sehr, wie wohl jeder aus eigener Erfahrung weiß. Dabei ist der Schweregrad der Verbrennung eher nicht entscheident, sondern die Ausdehnung des Schadens. Die Wundfläche einer Verbrennung ab dritten Grades schmerzt selbst zunächst mal nicht, da die Nerven im Wundgebiet zerstört sind. Schmerzen verusacht das umliegende geringfügiger (1. und 2. Grades) verletzte Gewebe.
Bei einem sehr eng begrenzten und kurzzeitigen Einwirken der Hitze sollte die Schädigung umliegenden Geweges eigentlich eher gering sein, von daher wären die Schmerzen nicht übermäßig.

so weh, dass sie das Bewusstsein verliert?

M.E. nicht. Das Bewusstsein verliert man nicht so schnell.

Kann sie den Arm noch bewegen?

Wenn die Hitzeeinwirkung bis zur völligen Gewebezerstörung bis zum Knochen reicht, dann sind daürber hinaus ja noch Hitzeschäden geringerer Schwere in tieferen Schichten anzunehmen, darum würde ich sagen, entweder könnte sie es aufgrund von Nerven-, Gefäß- und Muskelschäden nicht oder die Bewegung würde so schmerzen, dass sie es unterließe.

Würde sie bluten oder gehen die Adern von der
Hitze zu …

Es ist richtig, dass Gefäße durch die Hitze verschlossen werden. Brandwunden bluten typischer Weise nicht. Das Gewebe wird durch die Verbrennung aber so geschädigt, dass es bei mechanischer Belastung (Bewegung) leicht reißt, es kommt also leicht zu sekundären Blutungen. Bei deiner Annahme einer sehr tiefen Wunde könnten dann natürlich auch größere Gefäße betroffen sein, dann könnte es auch richtig spritzen.

Und wenn sie blutet, wie stark ungefähr?

Das hängt wieder vollständig von der Lage und Ausdehnung der Verletzung ab. Unter der Annahme, dass es sich nur um nachträglich aufgerissene periphere Gefäße handelt, vielleicht soviel wie bei einer oberflächlichen Schnittverletzung.
Wenn die Verbrennung nicht nur einige Zentimeter groß sein soll, sondern etwa noch größere Bereiche von Arm und/oder Brust bzw. Rücken betroffen sind, dann droht aber auch ein Kreislaufversagen und/oder Schock. Zum einen durch toxische Stoffe, die bei der Überhitzung des Gewebes entstehen und zum Anderen durch Flüssigkeitsverlust. Aus dem nicht verkohlten Gewebe tritt nämlich in großem Umfang Flüssigkeit aus, dass dem Kreislauf dann fehlt.

Und wenn sie plötzlich in der Notaufnahme eines heutigen
Krankenhauses auftauchen würde, wie würde man ihr helfen?

Also als Maßname der Ersten Hilfe, sollte die Wunde schon vorher ausgibig gekühlt werden. Verkohlungen können dadurch zwar nicht mehr günstig beeinflusst werden, aber als Faustregel kann man sagen, durch schnelles kühlen kann man den Gewebeschaden um jeweils einen Grad vermindern. Damit kann man aber nicht warten bis man im Krankenhaus ist.
Im Krankenhaus würde die Patientin natürlich hingelegt werden, eine Infusion angelegt , schmerzstillende Mittel verabreicht bekommen, die Wunde würde ausgespült und in diesem Fall wohl chirurgisch versorgt werden, um verkohltes und abgestorbenes Gewebe zu entfernen (was man auch enzymatisch unter einem Verband machen könnte). Wobei dies bei großflächigen Wunden zum Teil auch erst nach 2 -3 Tagen geschieht, wenn der Kreislauf stabilisiert ist, und die Ödeme wieder zurückgehen und damit noch lebendes und totes Gewebe besser unterschieden werden können.
Da die Wunde in deinem Szenario wahrscheinlich infiziert ist, würde wohl mit Desinkektioslösungen gespült oder Antibiotika aufgebracht werden und die Wunde mit einem feuchten Verband (Hydrokolloid o. ä.) abgedeckt werden. Heute würde man wohl zunächst noch herkömmmliche Verbände einsetzen über Salben oder gefetteter Gaze (verhindert verkleben des Verbandes mit der Wunde). Die Feuchtverbände finden aber schon heute immer weitere Verbreitung. Auch heut werden zur vorläufigen Wundabdeckung schon spezielle Folien als Hautersatz oder fremdtransplantate eingesetzt.
Zur richtigen Antibiose und zur Abschätzung des zu erwartenden Heilungsverlaufes würden Gewebeproben genommen.
In deinem Fall wäre sicher eine Transplantation von Gewebe notwendig. Da man dazu heute bereits Gewebekulturen zur Vermehrung von Hautzellen verwendet, kannst du das in einem SiFi-Roman sicher nocht großzügiger handhaben.
In der weiteren Versorgung würde ein spezieller Kompressionsverband angelegt werden, um überschießendes Narbenwachstum zu vermeiden.

Grüße
Werner

Vielen Dank für die schnelle Antwort, das hilft mir gerade echt weiter!

Liebe Grüße

Ich fürchte, Ihre Protagonistin erleidet nach Ihrer Schilderung einen schweren Schock und ist bald tot. Wenn schon der Knochen harausschaut!

Eine Anmerkung zu meinem Vorredner: Verbrennungen III. Grades (das ist hier bwohl eine) schmerzen überhaupt nicht, denn mit dem Gewebe sind auch die Nerven verkocht. I. und II. Grades, das tut weh.

Hi!

Naja, die war ja nicht nur schnell, sondern auch ziemlich ausführlich. Will nicht wissen, wie lang die Überlegungen dazu gedauert haben und dann die Tipp-Arbeit. Da hat sich einer echt Mühe gegeben!

Gruß,
Sharon

Danke für den Hinweis, aber da werde ich mich drumherumschummeln, ich kann sie ja schlecht schon im ersten drittel der Geschichte verrecken lassen…

Lg
Ninn

Hallo,

Danke für den Hinweis, aber da werde ich mich
drumherumschummeln, ich kann sie ja schlecht schon im ersten
drittel der Geschichte verrecken lassen…

Dann musst du die Verbrennung vielleicht etwas kleiner ausfallen lassen oder ihr einen Helfer spendieren, der zufällig ein Notfallset, etwa wie so ein Brandwundenverbandpäckchen bei der Bundeswehr, dabei hat.
Wenn das technisch möglich wäre, würde man sowas wohl auch heute den Soldaten in eine Oberschenkeltasche Packen.

Leider ist ein wesentlicher Faktor bei der Schockbekämpfung nach Brandwunden immer die Infusion von Flüssigkeit. Das Mitführen von sagen wir mal 500 ml Infusionslösung überstiege das Maß, was man jedem Soldaten ans Bein Binden könnte doch erheblich.
Auch hier könnte man nun SciFi-mäßig eine Extrapolation vornehmen. Eine solche Taschen-Schock-Kontrolleinheit im Zigarettenschachtelformat würde dann mit einer Kanüle an eine Vene angeschlossen am Körper fixiert werden. Sensoren an der Kontaktfläche erfassten die Vitalwerte und eine Automatik, wie in den heutigen Laiendefibrilatoren, könnte einige Notfall-Medikamente injizieren. Für den Volumenersatz müsste man noch einen Sterilfilter sowie eine kleine Pumpe spendieren und ein auffüllbares Reservoir vorsehen, da reichte schon ein verschließbarer Plastikbeutel. Den Filter könnte man sich etwa wie die heute im Outdoorbereich zu findenden keramischen Taschenfilter (z. B. Katadyn) vorstellen, die aus fast jeder Pisse Trinkwasser machen können. Es gibt ja heute auch schon „intelligente“ Kunststoffe, die sehr selektiv durchlässig sind, daraus könnte man sich einen solchen Filter auch sehr klein vorstellen. Vielleicht ein doppelwandiger Beutel bei dem die Innenschicht der Filter ist und das gereinigte Wasser aus dem Zwischenraum abgesaugt wird und beim durchströmen der Leitung gleich mit darin aufgebrachten Elektrolyten auf isotonische Werte gebracht wird.

Ein Helfer würde dann also die Box an einem unverletzten Arm festbappen, die Kanüle einstechen (Da könnte ich mir eine Vollautomatik nun kaum vorstellen. Höchstens eine assistive Automatik etwa über einen angebauten Fixiergurt, der nach dem Anlegen am Oberarm eine Stauung vornimmt und dann die weiteren Schritte per Piktogramm anzeigt oder sprachgesteuert die Anweisungen zur Venenpunktion gibt.), in den anhängenden Beutel irgendwelches Wasser füllen, zur Not reinpinkeln, und auf’s Knöpfchen drücken. Schon entspannen sich die Züge, die blasse Gesichtsfarbe kehrt wieder und wenn der Beutel fast leer ist, piept es und man schüttet den Rest aus der Feldflasche rein.

Wenn ich das technisch hinbekommen könnte, wäre ich ein reicher Mann.

Da ich die Umstände in deiner Story nicht kenne, führt das vielleicht auch völlig in die Irre. Außerdem soll es wahrscheinlich keine medizinische Story werden, dann ignoriere es einfach.

Gruß
Werner

Vielen Dank,
der Helfer war sowieso schon eingeplant, da kann ich seinen Aufgabenbereich ja leicht noch ein bisschen erweitern.

Liebe Grüße
Nin-Si