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Re: Varianten des Suizid
Hallo lieber AK
Wenn die beiden Buchstaben was mit Ihnen persönlich zu tun haben, freut es mich, dann kann ich Sie nämlich auch persönlich ansprechen. Es gaht ja um ein zutiefst menschliches Thema.
Wenn Sie fragen, was die elegantesten, am wenigsten schmerzvollen Varianten des Suizid sind, dann muß ich antworten: Das hängt ganz von Ihnen ab. Ich kenne Sie nicht, ich weiß nicht, welch dramatische Ader Sie haben, und ich weiß vor allem nicht, was Sie damit bezwecken. Denn davon hängt ja die Art jedes Selbstmordes zuletzt ab.
Es kann ja gut sein, daß Sie einfach mit den Erfahrungen, die Sie aus Ihrem Bekanntnkreis erwähnen, nicht gut zurecht kommen. Dann sagen Sie das offen, und Ihnen kann geholfen werden.
Schließlich wollte noch jeder mir bekannt gewordene Selbstmordkandidat einen letzten Willensakt damit verknüpfen, ein Zeichen setzen, jemanden treffen, betroffen machen, ich denke oft: bestrafen.
So eine letzte, "finale" Aktion hängt deshalb in Wahrheit gar nicht so sehr davon ab, was am meisten ästhetisch oder unästhetisch, schmerzvoll oder schmerzlos sein könnte. Ihre Frage wäre, oberflächlich betrachtet, deshalb sogar ein Unsinn, weil es so viele Varianten des Selbstmordes gibt wie Individuen leben, die sich umbringen wollen.
Die Frage ist sogar ein wenig kokett, weil Sie damit äußern, sich selbst "im Falle eines Falles" nicht weh tun zu wollen! Aber Sie wollen - offenbar wieder in Anspielung auf Ihre Freunde - es wohl besser machen.
Wunderbar! Aber dann haben Sie noch nicht ausgelebt. Seien Sie mir nicht bös. - Oder seien Sie es!, das wäre mir eigentlich noch lieber. Denn dann würden Sie Ihre Aggression nämlich auf ein Ziel lenken und daraufhin sich mit Ihrer tatsächlichen Situation auseinanderzusetzen haben. Das wäre ein erster Schritt.
Ich schreibe das im Brett, weil ich weiß, daß viele Leute sich vom Gedanken an einen "Untergang mit wehenden Fahnen" sehr angezogen fühlen, und ich einfach nicht will, daß Sie so ganz im Mäntelchen der "ganz und gar unschuldigen Anfrage" deren mögliche Neigungen auch noch triggern (auslösen), ihnen also einen ähnlichen Gedanken einimpfen, sozusagen, sie mit sich nehmen. Dazu wären Sie und ich in unserem öffentlichen Diskurs nämlich absolut nicht berechtigt.
Ein sehr angesehener und geachteter Lehrer von mir hat einmal den Satz geprägt, in den von Ihnen angedeuteten Fällen wäre das Glücken des Selbstmordes eigentlich ein Mißgeschick. Denn diese Sorte von Selbstmordkandidaten, die - wie Sie eben hier - zuvor öffentlich nette Erkundigungen einziehen und so auf sich aufmerksam machen, will ja den Effekt ihrer finalen Tat auch irgendwie genießen. Und das geht in der Form natürlich, als Leichnam, nicht mehr.
Eines möchte ich Ihnen noch sagen: Fühlen Sie sich von mir sehr ernst genommen. Sonst säße ich wohl nicht am Samstagvormittag am PC und würde Ihnen ein Re-Posting schreiben. Indem ich Sie aber ernst genommen habe, können Sie meine Antwort nicht so einfach in den Wind schreiben, sondern werden sich in irgend einer Form daran halten können. Da ich nicht weiß, wo Sie sind, kann ich ihnen nur sagen: Wenden Sie sich an einen vertrauenswerten Menschen, der zudem gelernt hat, in solchen Fällen da zu sein und korrekt zu helfen.
Indem Sie sich an eine (n) Psychologen, Psychiater oder Psychotherapeuten (-in) wenden, werden Sie schon den zweiten Schritt getan haben, der Ihre Absicht ziemlich schmerzfrei umgestalten wird: Sie werden nämlich erfahren, daß Sie Ihre Probleme auch anders meistern können als durch die Ankündigung von oder das öffentliche Kokettieren mit finalen Akten.
Sterben werden wir alle zu einem Zeitpunkt, der für uns gemeint ist und daher dann stimmt. Lassen wir das zu und hoffen wir's.
Und jetzt gehen Sie ans Telefonbuch und machen Sie uns hier im Brett keine anonymen Andeutungen. Ich will von Ihnen in absehbarer Zeit ein Posting sehen, daß Sie es geschafft haben. Und dieses Posting soll von Ihnen selbst kommen, daß wir uns recht verstehen.
Danke.
Dr. V. Ellmauthaler, Wien
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