Antibiotika

Ich habe von meine Eltern den Satz in Erinnerung:

Deinem Opa habe sie im Krankenhaus jede Menge von Antibiotika gegeben, aber keines hat mehr gewirkt…
Bedeutet das, je öfters man Antibiotika man nimmt, desto schlechter wirkt es bei einem ?

Ich habe in meinem Leben schon Docyclin sowie Moxifloxacin über einen längeren Zeitraum nehmen müssen. ( 2 mal wegen einer Harnwegsinfektion)
Wirken diese Antibiotika das nächte Mal nicht mehr bei mir?

Wieso ist es nicht gut, dass man Antibiotika nimmt? Mal abgesehen, dass sie auch die guten Bakterien in Darm töten, was ist sonst noch schlimm und wieso sollte man sie nicht so oft nehmen? Oder ist das nur nen Ammenmärchen von meinen Eltern?

Ich möchte bald mal ein großes Blutbild sowie einen Allergietest machen lassen. Haben die Antibiotika einen Einfluss auf das Ergebnis, so dass ich einen gewissen Zeitraum warten muss?

Danke im Voraus für die Antwort

Hallo,

Die Wirkung von Antibiotika hat nichts mit Deinem Körper zu tun, sondern mit den Bakterien. Es gibt unter Bakterien sogenannte Resistenzen gegen verschiedene Antibiotika. Das sind bestimmte Erbanlagen der Bakterien, die sie an ihre Nachkommen vererben, aber auch munter zwischeneinander austauschen.

Ob ein Antibiotikum wirkt oder nicht, hängt davon ab, ob die Bakterien, um die es geht, eben solche Resistenzen gegen das (oder die) verwendete(n) Antibiotik(um/a) haben.

Wenn ein paar der Baktis eine Resistenz haben und man munter mit Antibiotika behandelt, dann sterben alle die Baktis ohne die Resistenz und die mit der Resistenz haben keine Konkurrenz mehr aus dem eigenen Hause und vermehren sich. Man betreibt also praktisch eine Bakterien-Zucht. Wenn alles gut läuft, sind das aber erstmal so wenige Überlebende, dass dann das Immunsystem den Rest erledigt.

Bleiben einige resistente Baktis übrig und vermehren sich wieder über die Grenzen des Akzeptablen (neue Erkrankung), dann kann man durch Gabe des selben Antibiotikums erstmal wenig ausrichten, weil das ja alles nachkommen von resistenten Vertretern sind.

Insofern stimmt das also: Wenn man häufig Antibiotika nimmt, steigt das Risiko , dass diese Antibiotika zukünftig nicht mehr wirken. Trotzdem: Richtig angewandt ist das Risiko sehr gering, weil ja dein Immunsystem auch noch mitspielt.

Etwas anders sieht es in Krankenhäusern aus, wo viel mit Antibiotika gearbeitet wird und immer wieder einige Resistente Bakterien überleben. Ein geschwächter Patient kann sich u.U. im Krankenhaus nun mit diesen oft gegen mehrere Antibiotika resistenten Baktis infizieren, die dann leichtes Spiel haben. Und dagegen sind dann gerade die in dem Krankenhaus oft verwendeten Antibiotika machtlos. Dieses Problem ist aber verursacht durch die Notwendigkeit, in Kranbkenhäusern immer wieder Antibiotika einzusetzen, und nicht, weil ein bestimmter Patient schonmal Antibiotika bekommen hätte.

Wieso ist es nicht gut, dass man Antibiotika nimmt? Mal
abgesehen, dass sie auch die guten Bakterien in Darm töten,
was ist sonst noch schlimm und wieso sollte man sie nicht so
oft nehmen? Oder ist das nur nen Ammenmärchen von meinen
Eltern?

Bei häufiger und insbesonderer unnötiger Anwendung von Antibiotika steigt eben für die Gesellschaft das Risiko, mit Resistenten Bakterien konfrontiert zu werden.

Richtig angewendet (d.h. im indizierten Fall, korrekte Dosierung, korrekte Anwendungsdauer) sind sie definitiv ein Segen. Der Nutzen ist dann sehr viel größer als der Nachteil. Schnell man Antibiotika nehmen bei einer kleinen Erkältung, wo auch zwei Tage Bettruhe helfen würden; oder in der Tiermast & Fischzucht), ist IMHO keine indizierte Anwendung. Die korrekte Dosierung ist wichtig, weil bei zu wenig Antibiotikum Baktis mit „mäßige guter“ Resistenz überleben und die Effizienz der Resiszenz steigern können. Gleiches gilt für die Dauer der Anwendung. Nicht aufhören, wenn man sich besser fühlt, sondern erst, wenn die vorgeschriebene Anwendungsdauer vorbei ist (damit das Antibiotikum Zeit hat, alle Baktis im Körper zu erreichen).

Ich möchte bald mal ein großes Blutbild sowie einen
Allergietest machen lassen. Haben die Antibiotika einen
Einfluss auf das Ergebnis, so dass ich einen gewissen Zeitraum
warten muss?

Das zu beantworten bin ich zu wenig Mediziner :smile: Ich würde aber etwas abwarten. Die Antibiotika hast du ja wegen einer Infektion bekommen. Es kann sein, dass dein Immunsystem noch etwas gestresst ist, da ware ich erstmal vorsichtig mit einem Allergietest. Beim Blutbild kann ich mir auch vorstellen, dass neben Veränderungen der Leukozytenzahl (durch die Infektion) die Antibiotika auch die Aufnahme und die Ausscheidung von Spurenelementen verändern, was sich vielleicht im Blutbild niederschlagen kann.

LG
Jochen

PS: Das ist Evolution live. Wir machen Antibiotika, die Baktis entwickeln Resistenzen. Wie machen neue, die Baktis passen sich an. Das ist ein ewiges Wettrennen. Wir bestimmen nur die Geschwindigkeit mit der Häufigkeit der Anwendungen.

Hallo,

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Bei häufiger und insbesonderer unnötiger Anwendung von
Antibiotika steigt eben für die Gesellschaft das Risiko, mit
Resistenten Bakterien konfrontiert zu werden.

Das bedeutet, dass ich mit relativ gutem Wissen die Antibiotika schlucken kann und dennoch bei mir das Antiobitika wirkt.
Bzw. wenn ich es zu früh absetzte und die Bakterien noch nicht tot sind, ich einen Mitmenschen anstecke, dann hat er es schwerer diese Bakterien loszubekommen, egal ob er schon 1000 Mal selbst Antibiotika genommen hat oder nicht.

Entscheidend ist es dann, mit welchen Antibiotika die Bakterien bereits Kontakt hatte und resistent geworden sind? Da in Krankenhäusern täglich viele Bakterien mit vielen Antibiotika getötet werden, kann man sich da unter umständen ganz resistente Bakterien einfangen, die dann mit kaum noch einem Antibiotika zu behandeln sind.
Wenn ich jetzt Pech hätte und gerade von einem Patienten der aus dem Krankenhaus kommt angesteckt werde, dann kann ich unter Umständen auch massive Probleme haben, diese Bakterien loszubekommen, unabhängig davon ob ich Antibiotikajunky bin oder noch nie in meinem Leben ein Antibiotika genommen hatte?

Das bedeutet, dass ich mit relativ gutem Wissen die
Antibiotika schlucken kann und dennoch bei mir das Antiobitika
wirkt.
Bzw. wenn ich es zu früh absetzte und die Bakterien noch nicht
tot sind, ich einen Mitmenschen anstecke, dann hat er es
schwerer diese Bakterien loszubekommen, egal ob er schon 1000
Mal selbst Antibiotika genommen hat oder nicht.

Genau das ist richtig.

Entscheidend ist es dann, mit welchen Antibiotika die
Bakterien bereits Kontakt hatte und resistent geworden sind?

Korrekt.

Da in Krankenhäusern täglich viele Bakterien mit vielen
Antibiotika getötet werden, kann man sich da unter umständen
ganz resistente Bakterien einfangen, die dann mit kaum noch
einem Antibiotika zu behandeln sind.

Auch das ist richtig - und leider eines der großen Probleme heutzutage.

Wenn ich jetzt Pech hätte und gerade von einem Patienten der
aus dem Krankenhaus kommt angesteckt werde, dann kann ich
unter Umständen auch massive Probleme haben, diese Bakterien
loszubekommen, unabhängig davon ob ich Antibiotikajunky bin
oder noch nie in meinem Leben ein Antibiotika genommen hatte?

Korrekt.

Ich stelle fest, daß das vorige Posting sehr informativ war.

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Hallo Jo,
danke für die Erklärung und damit verbunden die Frage zum Darm, auch an Priamos.
Ist es notwendig, nach der Einnahme von Penicillin eine Darmsanierung durchzuführen?
Unsere Tochter brauchte kürzlich eines und jetzt werde ich angeguckt wie ein Auto, weil ich ihr noch nichts gegeben hat, was ihre Darmflora wieder herstellt.
Wie stark wird der Darm denn nach der Gabe von Penicillin wirklich beansprucht? Kann er das ab? Sie ist zwei Jahre alt und brauchte bisher zweimal Penicillin, darüber hinaus keine weiteren Antibiotika.

Ich freue mich über jede Antwort.
Andrea

Hallo,

Ist es notwendig, nach der Einnahme von Penicillin eine
Darmsanierung durchzuführen?

Wenn der Patient sonst gesund ist: Nein.

Der Darm saniert sich selbst, und zwar sehr schnell. Normal Essen hilft dabei ungemein :wink:

Wie stark wird der Darm denn nach der Gabe von Penicillin
wirklich beansprucht?

Der Darm selbst nicht, sondern die darin lebenden Bakterien (hauptsächlich E.coli). Ich kenne mich bei Antibiotika nicht so gut aus; es kann Verabreichungen geben, die im Darm erst freiwerden und dort auch die Bakterien schädigen können. Die Masse an Bakterien im Darm ist aber so dermaßen ungeheuer riesig, dass man die nicht alle mit dem Antibiotikum erreicht. Die verbliebenen Bakterien wachsen sehr sehr schnell wieder nach (innerhalb von Stunden!). So schnell kann man garkeine „pro-biotischen Joghurts“ oder was auch immer essen.

Die Entstehung resistenter E.coli-Stämme im Darm ist damit allerdings auch das Hauptproblem (Stichwort „ESBL-E.coli“). Glücklicherweise ist der Transfer der Resistenzen zu anderen Bakterienarten sehr gering, daher ist das nur dann ein Problem, wenn man es mit virulenten E.colis zu tun hat (zB. bei Harnwegsinfektionen).

Kann er das ab?

Aber klar. Sonst gebe es sehr viele Probleme mit den Antibiotika!

LG
Jochen

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Wenn man das das so betrachtet, dann kann es ja auch was Positives haben, wenn man selbst mal ein Breitbandantibiotikum wie Dobycyclin oder Moxifloxacin genommen hat.
Somit hat man dann auf jeden Fall mal alle Bakterien in seinem Körper vernichtet und kann dann weitgehenst sicher sein, dass man auch alle schädliche Bakterien, die man vor Jahren angesammelt hat, nun endlich los ist…
So ne Art Generalputz für den Körper und somit ein Neuanfang…

Schädlich ist es nun für die Nieren, oder stimmt das auch nicht?

Wenn man das das so betrachtet, dann kann es ja auch was
Positives haben, wenn man selbst mal ein Breitbandantibiotikum
wie Dobycyclin oder Moxifloxacin genommen hat.
Somit hat man dann auf jeden Fall mal alle Bakterien in seinem
Körper vernichtet und kann dann weitgehenst sicher sein,

Um Himmels willen! Ohne Bakterien im Colon wären wir nicht lebensfähig. Das Ergebnis eines solchen bakteriellen Genozids würde auch den Makroorganismus vernichten - na, günstigstenfalls für einen längeren Krankenhausaufenthalt sorgen.

Nein, so einige bestimmte Bakterien brauchen wir schon, sogar dringend! Und nicht nur im Colon.

Hi!

Wenn man das das so betrachtet, dann kann es ja auch was
Positives haben, wenn man selbst mal ein Breitbandantibiotikum
wie Dobycyclin oder Moxifloxacin genommen hat.

Wenn es nötig ist, ist auch ein Breitbandantibiotikum sicher positiv.
Allerdings sollte doch lieber ein gezieltes Antibiotikum gewählt bzw. später auf dieses umgestellt werden, bei schweren Erkrankungen spätestens nach der Erreger-/Resistenzbestimmung.

Somit hat man dann auf jeden Fall mal alle Bakterien in seinem
Körper vernichtet

Selten erwischt ein Antibiotikum ALLE Bakterien (eines Stammes oder unselektiv, wie ein Breitband-AB), den kleinen Rest der schädlichen Eindringlinge erledigt oft dann das Immunsystem.

Hier besteht jedoch die Gefahr von Resistenzen:
wenn es ein Keim/Stamm schafft, gegen ein auf ihn abgestimmtes AB resistent zu werden - was meinst du, wieviele Keime/Stämme es erst bei einem (unüberlegt eingesetzten) Breitband(!)-Antibiotikum schaffen, resistent zu werden?!

Gruß,
Sharon

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