Hallo Tim,
ich habe hier im Biologie-Brett schon mal eine Anfrage
gestartet, und zwar geht es darum, was die wirklichen Ursachen
dafür sind, dass der Körper auf einmal seine eigenen Zellen
angreift?
Das ist ein Thema für mehrere Doktorarbeiten - folglich sind nachstehende Ausführungen zwangsläufig unvollständig! 
Es gibt viele Ursachen, die teilweise sehr kontrovers diskutiert werden. Dabei ist zu bedenken, daß das gesamte Körpersystem kein geschlossenes ist, sondern ein offenes, was bedeutet, daß auch das Immunsystem auf Einflüsse reagiert die von außen kommen und diese können, ebenso wie im Körper selbst ablaufende Prozesse Autoimmunreaktionen hervorrufen.
Hierbei kann man an die Luft- und Wasserverschmutzung durch Chemikalien denken, an die zahlreichen Zusätze in industriell hergestellter Nahrung, die darin nichts zu suchen haben und schon gar nicht im menschlichen Körper; toxische Bestandteile von Medikamenten, die die Nebenwirkungen auslösen; und so manch anderes mehr. Diese schwächen das Immunsystem auf unterschiedlichste Weise und führen ebenfalls zu Autoimmunreaktionen, weil es überlastet und überfordert wird. So manche Chemikalie kann der Körper nicht ausscheiden, lagert sie irgendwo ab, so manche dringt bis ins Gehirn vor (trotz Blut-Hirn-Schranke), schädigt dort die Zentralsteuerung des Hormon- und Enzymsystems, kurz ausgedrückt: da gerät so manches durcheinander. Man denke an die Vermutung, daß Aluminiumablagerungen im Gehirn zu Alzheimer führen.
Hier als Beispiel die Diskussion zu Squalen. Normalerweise wird es über die Nahrung (Darm-Blutstrom) zugeführt oder aus anderen Grundstoffen im Körper selbst hergestellt, benötigt wird es u.a. für die Myelinscheiden der Nerven. Wird Squalen aber in das Muskelfleisch injiziert, kann es als Fremdkörper identifiziert und entsprechend bekämpft werden (die Diskussion hierzu ist kontrovers), fängt der Körper an Squalen zu bekämpfen, kann sich das auch auf das Squalen in den Myelinscheiden ausdehnen und somit als Autoimmunreaktion klassifiziert werden, mit den entsprechenden Nervenschäden.
Ich meine, damit auf einmal solche Zellen gebildet werden,
müssten doch auf einmal der richtige Abschnitt in der DNA
derer Zellen geändert werden, die die Fresszellen produzieren.
Das wäre aber ein großer Zufall, an den ich nicht glaube, weil
doch auch unser Körper die kaputten oder im Genmaterial
veränderten Zellen aussortieren müsste.
Ein gesunder Organismus sortiert anormale Zellen aus, aber nicht unbedingt jene, die genetische Schäden in ihrer DNA verbergen.
Das Immunsystem ist ja nicht zentral gesteuert, sondern es
gibt so viele Zellen, die die Fresszellen herstellen und von
denen müsste sich ja der Großteil verändern.
Nicht unbedingt - die Zellen entstehen im Rückenmark. Ist die Genetik der Stammzellen schon „falsch“, wird sich das auf alle sich daraus entwickelnden Zellen des Immunsystems übertragen, die mit diesem Genbestandteil produziert werden.
Und außer den Fresszellen gibt es noch zahlreiche andere Zellarten, die an der Immunreaktion beteiligt sind, außerdem Immunglobuline usw. Das Immunsystem ist extrem komplex, alles ist voneinander abhängig und wirkt aufeinander ein. Wie beim Stricken: läßt man eine Masche fallen, kann sich das ganze Gewebe aufdröseln, so stark vereinfacht auch beim Immunsystem. 
Was sind also die wirklich tiefgehenden (genetischen) Ursachen
dafür, dass man irgendwann mal autoimmunkrank wird oder es
sich im Alter stärker äußert, siehe Rheuma?
Veranlagung bei der Genetik ist sicherlich eine der Ursachen. Man kann eine vererbte genetische Schwäche haben, z.B. den Leiden Faktor V, der dazu führt, daß man für Blutgerinnsel anfälliger wird. Das bedeutet aber nicht, daß man tatsächlich daran erkrankt - was übrigens inzwischen bei vielen Krankheiten aufgrund genetischer Schwächen festgestellt wurde. Man kann allenfalls einen statistischen Wahrscheinlichkeitsgrad daraus ableiten.
Beim Leidenfaktor V sähe es in etwa so aus: wer sich viel bewegt (den Kreislauf und damit den Blutfluß ständig am fließen hält), viel Wasser trinkt (damit das Blut nicht zu zäh und träge fließt), sich gesund und abwechslungsreich ernährt, kann den Erkrankungen, die mit Blutgerinnseln einhergehen durchaus sein Leben lang entgehen. Bei anderen genetischen „Defekten“ und an diese angepaßte Verhaltens- und Ernährungsweisen sieht es ähnlich aus.
Genetische Schäden können aber auch durch äußere Einflüsse verursacht werden. Toxine, Chemikalien und anderes können zu Fehlbildungen führen, die bei wenigen Zellen zunächst unauffällig bleiben. Entgehen diese den Wachposten des Immunsystems, können sie sich vermehren und die Schäden weitergeben…
Im Alter kommt hinzu, daß sich viele Krankheiten über viele Jahre symptomfrei entwickeln können. Etwa Arteriosklerose - es kann viele Jahre dauern, bis der Schaden so weit reicht, daß hier Blutgefäße so eng werden, daß Symptome wie Bluthochdruck, Herzinfarkt usw. auftreten. Aber auch das kann verhindert werden, zum großen Teil allein durch Bewegung und gesunde Ernährung, die die Arterienwände fit halten, Ablagerungen vermeiden usw.
Autoimmunerkrankung ist in der Medizin aber auch ein Begriff, der dann benutzt wird, wenn die Ursache einer Erkrankung medizinisch nicht gefunden werden kann. In zahlreichen Fällen bedeutet das: keine Ahnung, woher das kommt.
Man kennt die Symptome, die Ursache liegt im Dunklen und behandeln kann man folglich auch nur die Symptome - Lupus mit Varianten gehört zu dieser Gruppe. Ob diese Krankheiten genetischen oder anderen Ursprungs sind, weiß man nicht. Der Begriff dient damit lediglich der Verschleierung des Unwissens - hört sich allemal besser an als WeißNixLupus
!
Je mehr geforscht wird, umso klarer wird, daß dieses Körpersystem und damit auch das Immunsystem derart komplex und kompliziert ist, daß man bisher eigentlich nur an der Oberfläche gekratzt hat, in der Medizin gibt man das nur ungern zu
, bei der Gehirnforschung spricht man das offen aus
.
Ergänzungen erbeten…
Gruß,
Cantate