RTA- Untersuchung bei 'Normal'-Patienten nötig ?

Guten Tag, Medizin-Experten !

Ein Patient (66 Jahre) ist bisher jedes Jahr einmal zur routinemässigen Augenuntersuchung gegangen.

In den letzten 10 Jahren hat es ausser der Verschreibung einer etwas stärkeren Brille keine Veränderung gegeben, ansonsten ergaben die bisherigen Untersuchungen keinen ungewöhnlichen Befund.

Der Patient hat auch keine Sehstörungen oder sonstige Beschwerden.

Nun ist die Praxis des bisherigen Augenarztes an einen Nachfolger übergeben worden.

Vor (!!) der diesjährigen Untersuchung wird dem Patienten mitgeteilt, die Praxis habe nun ein neues Gerät (RTA = Retinal Thickness Analyzer ), " das Aufnahmen des Auges macht und diese genauestens ausrechnet " (Zitat aus RTA-Merkblatt ).

Dem Patienten wird empfohlen, jetzt sofort eine " ausführliche Untersuchung der Netzhaut und der Macula" (Zitat aus Merkblatt ) mit diesem Gerät durchführen zu lassen.

Diese Untersuchung muss der Patient allerdings selbst bezahlen ( Euro 120.-), die Untersuchung soll jährlich, evtl. auch nur jedes zweite Jahr wiederholt werden.

Da der Patient überrascht ist, lässt er diesmal nur die „normale“ Untersuchung vornehmen ( wieder ohne ungewöhnlichen Befund ), bekommt aber ein RTA-Merkblatt, das die o.a. Zitate enthält.

Zu Hause liest der Patient nun auf dem Merkblatt, dass dieses Merkblatt an Patienten gerichtet ist, bei denen eine Operation (Grauer Star) geplant ist, also anscheinend gar nicht für „normale“ Patienten gilt.

Nun erhebt sich die Frage, ob die Durchführung einer solchen Untersuchung für beschwerde- und befundfreie „Normal“-Patienten tatsächlich erforderlich oder empfehlenswert ist oder ob der Patient hier nur bei der Finanzierung eines teuren neuen Gerätes helfen soll.

Wer hat Erfahrungen oder Meinungen zum Sinn und zur Notwendigkeit dieser Untersuchung für „Normal“-Patienten ?

Danke im Voraus

Jürgen

Guten Tag,

Ein Patient (66 Jahre) ist bisher jedes Jahr einmal zur
routinemässigen Augenuntersuchung gegangen.
Zu Hause liest der Patient nun auf dem Merkblatt, dass dieses
Merkblatt an Patienten gerichtet ist, bei denen eine
Operation (Grauer Star) geplant ist, also anscheinend gar
nicht für „normale“ Patienten gilt.

Bei mir in der Familie gab es bereits zwei Fälle von Grauem Star - OP erfolgte erst im Alter von 91 und 92 Jahren! Dieser entwickelt sich sehr langsam und muß ein bestimmtes Stadium erreichen bevor operiert wird (werden kann?). Bevor es soweit ist, sehen die Personen alles etwas verschleiert, sobald dieser Prozess beginnt, merkt man das und kann sich dann regelmäßig auf Kassenkosten untersuchen lassen.

Nun erhebt sich die Frage, ob die Durchführung einer solchen
Untersuchung für beschwerde- und befundfreie
„Normal“-Patienten tatsächlich erforderlich oder
empfehlenswert ist oder ob der Patient hier nur bei der
Finanzierung eines teuren neuen Gerätes helfen soll.

Es handelt sich um eine sog. GEL-Leistung: Untersuchungen, die den Patienten von einer auf Kommerz ausgerichteten Praxis als notwendig vorgegaukelt werden, die er dann selbst bezahlen muß. Häufig stimmen sie aus Angst eine notwendige Untersuchung zu unterlassen, dieser Bauernfängerei zu.

Da sich grauer Star langsam ankündigt bleibt viel Zeit für eine Untersuchung und wenn er tatsächlich beginnen sollte, trägt die Kasse die Kosten für die Kontrolluntersuchungen bis zur OP!

Ein Tipp: im Alter von 66 kann man die Entstehung des grauen Stars mittels Unterstützung der Durchblutung der kleinsten Blutgefäße mit Gingko Biloba aufschieben oder verhindern, hilft nebenbei auch das Gehirn gut zu durchbluten.

Gruß,
Cantate

Im Großen und Ganzen kann ich cantate da nur beipflichten. Pinzipiell sind viele Leistungen deswegen selber zu tragen, weil der Nutzen (mehr als) fraglich ist. Leider glauben viele Menschen, dass sie von den Kassen nur noch das Zweitbeste bekommen, das ist aber _fast_ immer Humbug und Marketingstrategie. Die Kassenpatienten bekommen Erpobtes und Bewährtes und das ist heutzutage nicht gering zu schätzen.

Gruß,

Manticor

Danke an die Experten
Danke für die Hinweise.

Frdl. Gruss
Jürgen