Nebennierentumor

Ich habe seit 8 Jahren einen Nebennierentumor (ca. 2.8 cm). Er wird 1 mal im Jahr per Kernspinn kontrolliert. Vor 3 Jahren überprüft ob er Hormone produziert…was nicht der Fall ist.

  1. Ist es besser diesen Nebennierentumor entfernen zu lassen?

  2. Kann er verantwortlich sein für starke Gliederschmerzen?

Es wurde gesagt, daß er gutartig sei…

  1. Kann er „bösartig“ werden?

  2. Ist es eine schwierige Operation?

  3. Ich suche einen guten Chirurgen im Raum Frankfurt oder Krefeld

Im Voraus herzlichen Dank …Marion

Hallo Marion,

ich habe einmal in unserem Infoblatt zur Hippel-Lindau-Krankheit nachgeschaut, denn auch ein VHL-Betroffener kann Niebennierentumoren bekommen.

Ich weiss, dass in Essen mit der sog. Schlüssellochmethode operiert wird. Wenn Du eine genaue Adresse brauchst, so melde Dich einfach per Mail.

so und nun der Text von Prof. Dr. Neumann (Uni-Klinik Freiburg/siehe dazu auch www.hippel-lindau.de) zum Thema Nebennierentumoren.

Alles Gute

Andreas

Die Nebennieren sind kleine, etwa 3 x 2 x 2 cm im Durchmesser große Organe, die den Nieren aufsitzen. Sie bestehen aus einem Mark- und einem Rindenanteil. Phäochromozytome sind meist gutartige Tumoren des Nebennierenmarks. Dem Nebennierenmark gleichartiges Gewebe gibt es aber auch an anderen Stellen im hinteren Bauchraum, dort können sich gleichartige Tumoren entwickeln, die man extraadrenale Phäochromozytome nennt.

Phäochromozytome produzieren sog. Streßhormone (Noradrenalin und
Adrenalin) im Überschuß und geben sie in die Blutbahn ab. Oft geschieht dies phasenweise. Die typischen Krankheitszeichen treten deshalb attackenartig auf.
Schweißausbrüche, Kopfschmerzen und ein „Herzgefühl“ (oft durch Pulsrasen) führen die Patienten zum Arzt. Häufig sind die Attacken dann vorbei, es läßt sich nichts mehr feststellen. Ist der Tumor noch aktiv, so findet sich ein erhöhter Blutdruck. Für die Patienten sind die Attacken unangenehm; Gefahren drohen
ihnen durch die Herzbelastung und den stark erhöhten Blutdruck.
Eigentlich bösartige (maligne) Phäochromozytome mit Metastasen sind bei der Von Hippel-Lindau’schen Erkrankung extrem selten.

Die Diagnostik (notwendige Untersuchungen) besteht zum einen in der Messung der Streßhormone, zum anderen im Nachweis der Tumoren als Raumforderungen. Die verschiedenen Möglichkeiten sind im Abschnitt 11 beschrieben. Wir empfehlen die Messung von Noradrenalin, Adrenalin und Vanillinmandelsäure im 24 Stunden-Urin sowie eine Kernspintomographie des Bauchraumes in frontaler (coronarer) und horizontaler (transversaler) Ebene.

Bei der Von Hippel-Lindau’schen Erkrankung kommen Phäochromozytome nicht selten an mehreren Stellen (multipel) entweder gleichzeitig oder im Abstand vieler Jahre vor. Für die Operationsplanung ist es deshalb sehr wichtig zu wissen, ob nur ein oder mehrere Tumoren voliegen. Deshalb empfehlen wir die sehr empfindliche Kernspintomographie durch die etwa gleich empfindliche MIBG- Szintigraphie (s. Abschnitt 11) zu ergänzen. Vor der Operation ist eine Vorbehandlung - eine Blockade der Wirkung der Streßhormone - beginnend etwa 7 Tage vor der Operation, notwendig. Wegen der Lage der Nebennieren im hinteren Oberbauch waren vor kurzem Operationen mit recht langen Schnitten blich; dabei sind zwei Zugangswege möglich, nämlich ein Bauch- oder ein Flankenschnitt. In den letzten Jahren hat sich die „Schlüsselloch“-Operationstechnik, d.h. das laparoskopische Operieren, immer weiter entwikelt. Heute ist deshalb die laparoskopische Entfernung von Phäochromozytomen die zu empfehlende Behandlung. Weil oft beide Nebennieren Phäochromozytome entwickeln, sollte die Operation organerhaltend durchgeführt werden. Die Operation ist fast immer erfolgreich,
d.h. die Tumoren können vollständig entfernt werden, was zu einem Verschwinden aller Beschwerden führt.

Der jüngste VHL-Patient mit einem Phäochromozytom wurde in Freiburg beschrieben und war 4½ Jahre alt. Diesbezügliche Vorsorgeuntersuchungen empfehlen wir deshalb ab dem 6. Lebensjahr (vgl. Abschnitt 11).

Es ist wichtig anzumerken, daß Phäochromozytome in der Schwangerschaft durch den Druck des größer werdenden Kindes vereinzelt zu Komplikationen mit schweren Hochdruckkrisen geführt haben. Die Behandlung ist in solch einer Situation besonders schwierig. Jedoch kann im mittleren Schwangerschaftsdrittel eine lapaaroskopische Phäochromozytom-Operation durchaus gewagt und erfolgreich durchführt werden.

Mal langsam, lieber Andreas!!!
Das Phäochromozytom ist EINE von mehreren Nebennierentumorarten. In meinem Pathologiebuch gibts aber auch noch folgende andere:

Nebennierenmark:

  • Phäochromozytom, Paragangliom (hormonell aktive)
  • Neuroblastom (schäm), Ganglioneuroblastom (vom Nervengewebe abstammend)

Nebennierenrinde:

  • Adenom (gutartig, meist keine weitere Therapie nötig)
  • Karzinom

Es gibt also noch mehr als das Phäochromozytom und ich bin mir beinahe sicher, daß Du KEIN Phäochromozytom hast, denn da wird in der Regel operiert, soweit ich weiß und wenn nicht (d.h. Inoperabilität) mußt Du idR div. Medikamente schlucken (außerdem sellt Dein Tumor ja keine Hormone her, ne?).
Die Sache mit Tumoren ist, daß sie idR je nach Art individuell unterschiedlich behandelt werden und Aussagen wie „die mit VHL kriegen Phäochromozytome, schreib ich halt mal, was ich dazu weiß“ - ist meist äußerst kontraproduktiv und verwirrt den Patienten nur unnötig (Aber so isses halt im Netz).

Interessant wäre vielmehr, was Du für einen Tumor hast, dann könnte man mehr dazu sagen. Ob eine chirurg. Entfernung sinnvoll ist, hängt nämlich zuerst einmal davon ab.
Zur Entartung ist zu sagen, daß es kein Gewebe gibt, daß nicht bösartig werden kann. Bei manchen Geweben und Tumorarten kennt man eine gehäufte bösartige Entartung von primär gutartigen Geschwulsten (z.B. im Dickdarm). Ob das jetzt bei Dir auch so ist kann ich Dir ohne zu wissen, was Du für einen Tumor hast, auch nicht sagen.
Da Du anscheinend aber Angst davor hast, solltest Du Dich damit lieber an einen Arzt Deines Vertrauens wenden. D.h. einen Weißkittel, dem Du die fachliche und menschliche Kompetenz zutraust, Dich richtig zu beraten. Ich weiß nicht, ob Du das hier erreichen kannst (woher weißt Du zB., ob ich Dir hier seriöse Auskünfte gebe?).
Aber auch die Angst vor einer Entartung kann in best. Fällen eine Indikation für den Arzt sein, das Risiko einer OP einzugehen.

Chrios

(Weiß nicht, ob Dir das jetzt weiterhilft)

Hi Marion,

versuche tatsächlich ruhig zu bleiben.

Ich habe seit 8 Jahren einen Nebennierentumor (ca. 2.8 cm). Er
wird 1 mal im Jahr per Kernspinn kontrolliert. Vor 3 Jahren
überprüft ob er Hormone produziert…was nicht der Fall ist.

Die Kontrolle einmal im Jahr reicht aus. Eventuell kann man sogar per Ultraschall kontrollieren, das ist noch weniger aufwendig. Die Größe von 2,8 cm ist nicht besorgniserregend. Die Hormonproduktion ist überprüft, es kann also bis auf eine Größenzunahme nichts passieren.

  1. Ist es besser diesen Nebennierentumor entfernen zu lassen?

Momentan gibt es keinen Grund dazu. Als Grund zur Operation werden Hormonproduktion, Bösartigkeit, schnelles Wachstum und Größe über 5 cm genannt. Natürlich kann man auch operieren, wenn man das „Ding“ unbedingt aus dem Körper haben möchte, man sollte aber bedenken, dass es keine Garantie gibt, dass die Operation absolut folgenlos verläuft (in den meisten Fällen geht es allerdings sehr gut).

  1. Kann er verantwortlich sein für starke Gliederschmerzen?

Wahrscheinlich nicht.

Es wurde gesagt, daß er gutartig sei…
3. Kann er „bösartig“ werden?

Wahrscheinlich wird er nicht bösartig. Die meisten auffallenden Nebennierentumore, die sich als bösartig herausstellen, sind bei der Entdeckung schon bösartig und wachsen schnell. Deshalb gibt es die jährliche Überprüfung. Bei Dir scheint alles o.k. zu sein.

  1. Ist es eine schwierige Operation?

Nein.

  1. Ich suche einen guten Chirurgen im Raum Frankfurt oder
    Krefeld

per EMail.

Also: Nur die Ruhe

Dr. J. Sauer