Schlangengift

hallo.

da hab ich doch am wochenende so ne schlangenreportage gesehen. und die haben gesagt, man müßte genau wissen, was für eine schlange einen gebissen hat, sonst könnte man kein gegenmittel geben.
is das wirklich so kraß? wenn ich als unbedarfter tourist von einer schlange gebissen werd, bin ich also todgeweiht, weil ich nicht weiß, was das für eine war?
oder läßt sich das z.b. anhand von blutproben doch feststellen?

gruß

michael

Hallo Michael,

die Reportage war echt ganz interessant. Habe sie auch gesehen
*g*.
Also…
Zunächst mal ist die Gefahr, daß eine Giftschlange dich beißt
recht gering. In Deutschland allemal, da hier im Prinzip in der
Natur nur die Kreuzotter und die Aspisviper (nahezu ausgerottet)
in Frage kommen (plus natürlich all die Terrarien-Tiere). Aber
auch in tropischen Ländern möchte ich die Gefahr, daß du einen
schweren Autounfall erleidest, höher ansiedeln. Ich habe längere
Zeit in Afrika erlebt, jedoch lief mir nur einmal eine Mamba
über den Weg. Schlangen sind scheue Tiere, die nur in einer
ausweglosen Situation angreifen.

Laut den mir vorliegenden Unterlagen werden jährlich weltweit
500.000 Menschen von einer Giftschlange gebissen, davon
versterben ca. 35.000. Das sind unter 10%.

und die haben gesagt, man müßte genau wissen, was für
eine schlange einen gebissen hat, sonst könnte man kein
gegenmittel geben.
is das wirklich so kraß? wenn ich als unbedarfter tourist von
einer schlange gebissen werd, bin ich also todgeweiht, weil
ich nicht weiß, was das für eine war?

Wie gesagt, das mit dem todgeweiht ist eh übertrieben. Das
Problem ist bei Schlangengift prinzipiell das selbe wie bei
allen Giften: Gegengifte sind nämlich selber meist Gifte. Wird
das falsche verabreicht besteht auf jeden Fall die Gefahr eines
anaphylaktischen Schocks.

Das heißt praktisch, daß es auch sehr schwer ist dir das
passende Gegengift zu verabreichen, wenn du E 605 genommen hast,
dieses aber nicht gesichert werden kann. Allerdings kann ein
Experte aufgrund der im Gebiet vorhandenen Schlangen, der
Bißspuren und deiner Beschreibung des Tieres sicher die
Möglichkeit sehr stark eingrenzen und so eventuell doch helfen.
Aber sinnvoll ist es in einem solchen Falle allemal, die
Schlange (gut gesichert natürlich) mitzunehmen.

Nichts desto trotz: ein Großteil der Behandlung wird eh
symptomorientiert sein. Und dafür ist es so ziemlich egal, onb
die Schlange bekannt ist.

Außerdem ist es selbst dann ein großes Problem, weil nicht
überall auf der Welt die entsprechenden Gegengifte zur Verfügung
stehen. Wer sich also in Deutschland privat eine superexotische
Giftschlange hält, sollte sich der Gefahr bewußt sein, die damit
verbunden ist.

oder läßt sich das z.b. anhand von blutproben doch
feststellen?

Meines Wissens ist das nicht möglich.
Aber wie gesagt, ich würde mir nicht allzu viele Gedanken darum
machen. Die Gefahr ist so groß nicht, insbesondere nicht für
den, der auf touristischen Pfaden wandelt.
Und wenn doch: die betroffene Gliedmaße ruhig halten, und mit
einer elastischen Binde von oben zur Bißwunde hin den Lymphfluß
bremsen. Danach möglichst zügig in die nächste Klinik, wie
gesagt ist der Großteil der Behandlung eh symptomatisch. Wichtig
ist vor allem, daß Bewegungen vermieden werden - nicht so wie
der Held in dem Film, der selber in die nächste Klinik fuhr und
dort noch durch die Gegend lief. Der hat das Gift nämlich noch
schön verteilt im Körper…

Ich hoffe, ich konnte dir einige Sorgen nehmen.

MfG Claus

Hi,
man muss nicht unbedingt wissen, welche Schlange es war, obwohl es natuerlich bei der Behandlung hilfreich waere, z. B. bei der Entscheidung, ob ueberhaupt ein Antiserum gegeben werden muss. Die meisten Antiseren enthalten ohnehin eine Mischung der Gegengifte der regional vorkommenden Schlangen, so heisst es „Europa“ oder „Nordafrika“.
Blutproben wuerde ich nicht erst abwarten…

Alles Liebe,
die Katz

danke! :smile:
dann bin ich ja beruhigt. in dem beitrag isses ja wirklich so rübergekommen, als müßte man qualvoll dahinsiechen, nur weil man net weiß, was das für ne schlange war…

gruß

michael

In Australien hat man uns damals gesagt, wir sollen doch bitte schön wie die Elefanten durch die Botanik marschieren, sprich: feste trampeln. Die Schlangen düsen dann schon ab… ;o)
Und die Buschjäger latschen ja da Barfuß rum…
Sie beißen eh nur aus Notwehr. Wenn sie merken, daßß du kommst, tun sie dir auch nichts…

Zauberm@us *dieSchlangenhaßt*