Geisteskrank-- psychische Störung

Von: , Frage gestellt am Fr, 25. Mai 2001

Hi allerseits
eine Frage an alle Ärzte und sonstige Wissende.
es ist zwar nur ein Spiel mit Worten, zugegebenermaßen ABER:
Was ist der Unterschied zwischen Geisteskrankheit und einer psychischen Störung.
In einer Diskussion kam die Behauptung auf, dass Geisteskrankheit ausschlieslich auf organische Veränderungen zurückgeführt wird, der Rest (ohne organische Störung) sei eine psychische Störung.
dann wären Schizophrenie oder schwere Paranoia ja keine Geisteskrankheiten.
Irgendwie hab ich das mal anders gelernt...

erbitte Aufklärung

Gruß
Mike

2 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 8 Stunden 2 hilfreich
    Unterschied Psych. Stör. & Geisteskrankheit

    Hi Michael!

    Wenn man versucht ist, zu definieren, was psychisch gestört ist, wirft das meist ebenso viele Fragen auf, wie Antworten gefunden werden....(oder geglaubt gefunden worden zu sein....).

    Die größe Schwierigkeit liegt darin, daß der Begriff "Störung" selbst relativ ist, also abhängig von den Normen und Werten der (jeweilig bestimmenden) Gesellschaft.

    Letztendlich !wählt! jede Gesellschaft die allgemeinen Definitionskriterien und !interpretiert! sie dann, um danach in jedem Einzelfall zu beurteilen, ob etwas als "normal" oder "gestört" gilt.

    Der Klinische Theoretiker Thomas Szasz (1987) betont die Rolle der Gesellschaft so stark, daß er den Begriff der psychischen Störung oder "Geisteskrankheit" überhaupt (!) für unberechtigt hält. Szasz zufolge sind Abweichungen, die die Gesellschaft "nicht normal" nennt, einfach nur "Lebensprobleme" und keine Anzeichen einer inneren Störung einer Person.

    Gesellschaften erfinden nach seiner Überzeugung dern Begriff "Geisteskrankheit", um damit Versuche zur Kotrolle oder Änderung von Menschen zu rechtfertigen, deren ungewöhnliche Verhaltensmuster die soziale Ordnung bedrohen.

    In Extremfällen diene diese Kategorie sogar zur Rechtfertigung, diese Person aus der Gesellschaft zu entfernen.

    Zwar teilen die meisten Theoretiker Szasz Extremposition nicht, doch sie stimmen ihm darin zu, daß Begriffe we "gestörtes Erleben und Verhalten" schwer zu fassen sind, da sie eng mit den gesellschaftlichen Werten und Institutionen verbunden sind.

    Lange Rede - kurzer Sinn: Es ist mir NICHT bekannt, daß es den Begriff "Geisteskrank" noch gibt. Aber diagnostisch gibt es schon Unterschiede zwischen einem Menschen, der "seelisch" krank ist (also Gemütskrank; nämlich psychisch Beeinträchtigungen erlebt) und einem Menschen, der "geistig" behindert ist (also dessen pure Denkfähigkeit, geistige Un-Möglichkeiten, Basis seines von der Norm abweichenden (devianten) Verhaltens sind). Und die letzteren sind ausschließlich physischer Natur, während die ersteren sowohl endogenen (also angeboren, vererbt oder duch fremdkörper induziert) ODER/UND exogenen (von außen kommend, also traumatisch, erlebnisbedingten) Ursprungs sein können.

    Das diagnostischen Manual der American Psych. Ass. DSM-IV schreibt vor, daß GEISTIGE BEHINDERUNG zu diagnostizieren ist, wenn Menschen eine deutlich unterdurchschnittliche allgemeine intellektuelle Leistungsfähigkeit (einem IQ von 70 oder weniger) und gleichzeitig eine gestörte oder eingeschränkte Anpassungsfähigkeit aufweisen (APA 1994).

    Mit anderen Worten, diese Menschen können die Maßstäbe, die ihre kulturelle Gruppe an IHR ALTER anlegt, in mindestens ZWEI der folgenden Leistungsbereiche NICHT erfüllen:

    Kommunikation, persönliche Hygiene, eigenständiges Leben, soziale oder interpersonale Fertigkeiten, Inanspruchnahme kommunaler Hielfsmittel, Selbstbestimmung, schulische Fertigkeiten, Arbeit, Freizeit und Sicherheit. Außerdem verlangt das DSM-IV, daß die Personen diese Symptome vor dem Alter von 18 Jahren entwickeln.

    Diese Kriterien scheinen zwar eindeutig, sind in der Wirklichkeit aber schwierig anzuwenden.

    PSYCHISCHE STÖRUNGEN entspringen einem Ich-syntonen (zu mir zugehörig erlebten) oder Ich-dystonem (nicht mir zugehörig erlebten) gestörten ERLEBEN und VERHALTEN. Und auch hier ist eine verallgemeinernde STIGMATISIERENDE (die es auch immer ist) Definition schwer zu fnden, doch haben sich folgende Gemeinsamkeiten durchgesetzt:

    DEVIANZ(abweichendes Verhalten..), LEIDENSDRUCK (nur bei Ich-syntonen psych. Krankheiten, z.B. nicht bei echten starken Persönlichkeitsstörungen, die werden alle Ich-dyston "erlebt"), BEEINTRÄCHTIGUNG und GEFÄHRDUNG.

    Tja, und auf diese paar Begriffe bauen nun sämtliche Klassifikationen psychischer Sörungen auf. Die obigen Begriffe/Definition mag ein sinvoller Ausgangspunkt sein, liegt aber auch noch gewichtigen Beschränkungen (siehe z.B. starke kulturelle Unterschiede auf der ganzen Welt...).

    Zu Deiner Frage: "Persönlichkeitsstörungen", ((zu denen (zwölfen an der Zahl) die "Paranoide" und die "Schizophrene" Persönlichkeitsstörung gehören)) sind PSYCHISCHE Krankheiten.


    Ja, und dann gibt es ja auch in unserer Kultur noch manchmal sowas wie exzentrisches Verhalten, z.B. Menschen, die ständig mit sich selber reden oder Damen, die mit 20 Katzen in einer Stadtwohnung "hausen" usw. Ist das normal?? :-))


    Hoffe, daß ich einen Unterschied der beiden Arten von Kranksein (?) etwas deutlich machen konnte.

    Liebe Grüße von

    Bettina

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