Spargelgeruch im Urin

Ich habe vor kurzem gelesen, dass sich bei manchen Menschen nach dem Genuß von Spargel ein penetranter Geruch im Urin einstellt. Es sei aber umstritten, ob das bei allen Menschen so sei und nur ein Teil diesen geruch wahrnehmen könnten, oder aber nur ein Teil der menschen den Spargel so verdauen, dass sich dieser Geruch einstellt. Wer weiß mehr darüber? Was ist die Ursache dafür?

Mit freundlichen Grüßen

Gerd Wagner

Ich habe vor kurzem gelesen, dass sich bei manchen Menschen
nach dem Genuß von Spargel ein penetranter Geruch im Urin
einstellt. Es sei aber umstritten, ob das bei allen Menschen
so sei und nur ein Teil diesen geruch wahrnehmen könnten, oder
aber nur ein Teil der menschen den Spargel so verdauen, dass
sich dieser Geruch einstellt. Wer weiß mehr darüber? Was ist
die Ursache dafür?

Hallo Gerd
Spargel enthält sehr viele schwefelhaltige Verbindungen, sogenannte Thioalkohole oder Mercaptane, die über den Urin ausgeschieden werden und intensiv riechen können.
Normalerweise ist das ein leichter Geruch nach Veilchen, es kann es aber auch kräftiger riechen.
Das ist völlig normal und hängt davon ab, wieviel Spargel man gegessen hat, bei ein paar Stangen riecht man gar nichts.
Gruß
Rainer

Antwort im Zeitarchiv
http://www.zeit.de/2001/19/Wissen/200119_stimmts_spa…

Stimmt’s?

Unheimliche Gerüche

Von Christoph Drösser

Nach einem Spargelessen nimmt der Urin bei vielen Menschen einen unangenehmen, charakteristischen Geruch an. Ich habe gehört, dieser Geruch sei aber allgemein verbreitet, nur könnten ihn (genetisch bedingt) viele Leute nicht wahrnehmen. Stimmt das? Carsten Heinisch Kaiserslautern

Wir müssen zwei Dinge unterscheiden: die Produktion der unangenehm riechenden Substanzen und deren Wahrnehmung. Bis 1980 galt es als gesichert, dass nur bei einem Teil der Bevölkerung nach dem Spargelessen der Urin „nach gekochtem, vergammeltem Kohl“ riecht, wie der Biochemiker Stephen Mitchell vom Londoner University College das Odeur beschreibt. Je nachdem, in welcher Population man misst, sind es etwa 40 bis 50 Prozent. Diese „Fähigkeit“ vererbt sich dominant gemäß den Mendelschen Gesetzen. Allerdings ist die Wissenschaft weit davon entfernt, ein Gen dafür zu kennen.

1980 erschien dann im British Medical Journal eine Studie, die dieser Erkenntnis zu widersprechen schien: Die Autoren behaupteten, alle Menschen würden den Stinkurin produzieren, aber nur ein Teil sei für den Geruch empfänglich. Diese sensible Minderheit von zehn Prozent könne den Gestank auch im Urin anderer wahrnehmen, die selbst davon gar nichts merke. Man will sich die Versuchsanordnung gar nicht ausmalen.

Es mag diese hypersensiblen Riecher geben, aber dass die eine Hälfte der Menschheit den Spargel tatsächlich anders verdaut als die andere, ist mittlerweile experimentell bestätigt worden. Mitchell und seine Kollegen haben 1987 in einer Arbeit für die Zeitschrift Xenobiotica sechs schwefelhaltige Substanzen identifizieren können, die für den Geruch verantwortlich sind. Allerdings weiß man nicht einmal, welche Inhaltsstoffe im Spargel zu diesen Substanzen abgebaut werden. Es bleibt also noch ein weites Feld für weitere Forschungen.

Die Adressen für „Stimmt’s?“-Fragen: per Brief an DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg, per E-Mail an [email protected] .

Gruß
MK

© DIE ZEIT 19/2001