Hallo,
vor Jahren als ich den Sehtest für den Führerschein gemacht
habe, wurde festgestellt, dass ich stereoblind bin.
Jetzt meine Frage was ist das genau, wie kann so was
entstehen, was sehe ich eigentlich nicht und gibt es eine
Möglichkeit dieses wieder „zu reparieren“?
für Dich schwer nachzuempfinden, was das ist, so als würde man einem Blinden erklären, was Sehen ist. Oder vielleicht so wie beim Stereohören: Schalte den Recorder auf Mono und wieder zurück.
Michael hat ganz recht: unser Sehapparat, bestehend aus Auge, aber eben auch verarbeitender Hirnrinde im Hinterkopf nutzt etliche Mechanismen, um herauszufinden, wo im Raum sich was befindet. Ist ja auch ziemlich wichtig, wenn man nicht laufend daneben greifen will etc.
Unterschiedlich starke Verschiebung von nahen und fernen Gegenständen auf der Netzhaut, wenn man sich bewegt [=Bewegungsparallaxe], scheinbares Kleinerwerden von z.B. Gehwegplatten [=Texturgradient], gegenseitige Verdeckung von Gegenständen, abnehmende Sättigung am Horizont, … Das alles funktioniert auch mit nur einem Auge, sind „monokulare Tiefenkriterien“.
Im täglichen Leben hast du darum kaum Schwierigkeiten. Aber „magische Bilder“,die eine zeitlang so stark in Mode waren, kannst Du nicht entschlüsseln, Stereodias und dgl. sehen für Dich mit einem Auge genau so aus, wie mit zweien betrachtet.
Beidäugiges Stereosehen bietet einen Vorteil: Es wertet die Differenz zwischen beiden Netzhautabbildern aus, die sich eben daraus ergibt, daß beide Augen von unterschiedlichen Punkten aus sehen. Dinge die näher dran sind, sind stärker verschoben (ähnlich wie beim Bewegen des Kopfes) als Dinge, die weiter weg sind. Diese Differenz wird uns nicht bewußt, dafür aber das beeindruckend plastische Gefühl von Raum, von „davor“ und „dahinter“.
Wenn man sich solch alten Stereodias ansieht, erst mit einem Auge, dann das zweite öffnet spürt man dieses tolle Gefühl eines „echten“ Stereoeindrucks, vielleicht wirklich am ehesten mit Mono- und Stereo-Musik zu vergleichen.
Mögliche Entstehung
Die Fähigkeit, mit beiden Augen zu sehen, wird erlernt.
Beide Netzhautabbilder werden „übereinandergelegt“, indem die Nervenfasern von linkem und rechtem Auge in der Hirnrinde zusammengeführt werden. Das passiert im Kindesalter. Bei der Geburt sind zwar die meisten Nervenzellen vorhanden, aber die u.U. tausenden Nervenendigungen je Zelle, die die Verbindung zwischen Nervenzellen herstellen [Dendriten], werden zum großen Teil erst noch ausgebildet - in Abhängigkeit von Umweltbedingungen.
Wenn durch Fehlstellung der Augen, von beiden Netzhäuten völlig unterschiedliche Informationen ins Gehirn gelangen, scheitert deren Verknüpfung. Schon im Jugendalter ist dieser Prozeß abgeschlossen und dann nicht mehr zu korrigieren, selbst wenn z.B. durch eine OP wieder beide Augen in dieselbe Richtung zu sehen scheinen.
Also wirst Du so weitermachen müssen, wie bisher, vielleicht öfter den Kopf hin- und herbewegen oder beim Einparken etwas öfter rangieren etc. Na, wenns weiter nischt is 
Tschuess, Sven.