Gefäßverkalkung - wie passiert das

Hallo,
mein Vater (66) ist gestern erneut am Bein von einem Gefäßchirugen operiert worden (vor 6 Monaten schon mal), weil wieder verkalkungen die Arterie „dicht“ gemacht haben. Er hat früher geraucht und raucht seit 10 Jahren (da hatte er einen Kleinhirninfarkt und Mikroembolien) nur noch ganz ganz selten.

Meine Frage: Ist das wirklich Kalk, der sich in den Adern absetzt und wie kann es erst dazu kommen. Alles hat ja eine Ursache und damit sich Kalkausfällungen bilden, muss ja erst eine Übersättigung (partiell) vorhanden sein.

Kann es auch durch falsche Ernährung geschehen, dass solche Ablagerungen noch gefördert werden?

Vielen Dank schon mal für eure Antwort

Peter

Hallo Peter,

Meine Frage: Ist das wirklich Kalk, der sich in den Adern
absetzt und wie kann es erst dazu kommen. Alles hat ja eine
Ursache und damit sich Kalkausfällungen bilden, muss ja erst
eine Übersättigung (partiell) vorhanden sein.

Das sind kalkhältige Ablagerung, hauptsächlich Cholesterinverbindungen. Es ist allerdings nicht so, dass das wie in der Chemie ist - übersättigte Lösunge -> Kristall fällt aus, aber ein hoher Cholesterinspiegel und vor allem ein Mißverhältnis HDL („schlechtes“ Cholesterin) zu LDL („gutes“ Cholesterin) bewirkt ebendiese Ablagerung.

Kann es auch durch falsche Ernährung geschehen, dass solche
Ablagerungen noch gefördert werden?

  1. ist es Veranlagung (es gibt Leute die fast nur von Gemüse leben und ihren hohen Cholersterinspiegel nicht senken können). Ist aber eher die Ausnahme
  2. Ja, Ernährung ist einer der Hauptfaktoren: Wenig lösliche Ballaststoffe (Gemüse, Obst), viel und fett, vor allem ungesättigte Fettsäuren (Schweinefett, heißgepreßte Öle, etc.)
  3. Weitere Risikofaktoren, die solche Ablagerungen fördern sind: hoher Blutdruck, Rauchen und wenig Sport (beeinflußt den LDL-Spiegel).

Hoffe soweit alle Klarheiten beseitigt?
Liebe Grüße#
Birgit

Hallo Peter,

die Ernährungsparameter hat Birgit dir sehr gut erläutert.

Eine Komponente möchte ich noch hinzufügen:
Die „Bereitschaft“ der Blutgefäße, dass sich Plaques überhaupt an ihnen festhaften können. Was macht Blutgefäße innen „klebrig“?

freie Radikale

Freie Radikale sind Substanzen, die durch Licht, chemische Substanzen und Umwelteinflüsse wie Stress, Alkohol oder Rauchen im Organismus entstehen und die Funktion biologischer Membranen zerstören.

Zigarettenrauch enthält freie Radikale. Folge ist eine Verengung der Gefäße und zusätzliche Fettablagerung. Diese beiden Faktoren bilden die Hauptursache für Infarkte.

Eine intakte Gefäßinnenwand kann Ablagerungen an der Arterieninnenwand weitestgehend verhindern. Der natürliche
Schutzmechanismus der Arterien kann jedoch durch sogenannte
Freie Radikale, die ein Enzym der Gefäßinnenwand zerstören, beeinträchtigt und nachhaltig gestört werden (Schädigung der Intima).

Die intakte Arterienwand produziert hochaktive Substanzen wie
Stickstoffmonoxid und Prostacycline. Diese verhindern zum einen
das Anhaften und die anschließende Einwanderung von Blutzellen (Thrombos) und Schadstoffen (LDL-Cholesterin) in die Arterieninnenwand, zum anderen regeln sie die Elastizität (die ungestörte Fähigkeit zum bedarfsangepaßten Eng- oder Weitstellen) der Arterien und Gefäße.

Die allgemeine Arteriosklerose beginnt mit einer Stoffwechselstörung in der Arterieninnenwand. Durch ein Überangebot an freien Radikalen wird Stickstoffmonoxid inaktiviert und dessen Produktion verhindert. Das hat zur Folge, daß sich Schadstoffe an der Arterieninnenwand anlagern können, diese sich dadurch verdickt und den Blutfluß erschwert. Der Sauerstoff- und Nährstoffaustausch in der Arterie ist auch durch die so entstandene Verlängerung der Diffussionsstrecke
empfindlich gestört!

Außerdem begünstigen freie Radikale die Umwandlung des
LDL-Cholesterins in seine besonders schädliche oxidierte Form.

Einen Schutz vor dieser Oxidation bieten antioxidative Vitamine - Antioxidantien = Radikalfänger (Vitamin C, E und A, aber auch Selen, Oliven- und Fischöl), die aber bereits gebildete Plaques nicht auflösen können.

http://www.dr-klatt.de/durchblutungs-stoerungen.htm

Was kann man jetzt noch tun: neben der richtigen Ernährung evt. zusätzl. Vitamine; permanente Bewegung, kein Rauchen!

Viele Grüße, Renate

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Schau Dir mal den Spiegel vom Montag dieser Woche an.
Darin wird die neue Sicht der Schulmedizin zu Arterienverkalkung und Herzerkrankung beschrieben.
Kurz: Die Auskleidung der Gefäßwände - das Endothel - entzündet sich, der Kalk schützt. Wehe, wenn die Kalkschicht löchrig wird oder sich löst. Dann gibt’s Infarkte und Embolien, weil Blutplättchen im Übermaß versuchen die „Wunde“ zu schließen, das Gefäß verschließt sich. Es ist also nicht der Kalk, der ist eh bei allen da.
Die ganze Cholesterindiskussion ist nun auch nach Schulmedizin Quatsch.
Aber die hat ja eh alle 5 - 10 Jahre eine andere, neu-absolute Meinung. Zur Zeit ist in Deutschland die Katheter Untersuchung das nonplus Ultra. Ist aber nur leicht lästig, daß 500 Leute dabei sinnlos sterben.

Merkwürdig auch, daß sich niemand für die Ursache der Entzündung der Gefäßwände interessiert. Könnte es sein, daß dann die logische Therapie nicht mehr lukrativ ist?

Gruß
Hans

Hallo Hans,

Du hast vermutlich den Spiegel-Artikel falsch verstanden, wenn Du meinst, der Kalk wäre bei allen da.
Der Körper muß die Kalziumkonzentration stets knapp am Ausfällen halten, sonst wäre es ihm ja gar nicht möglich, neuen Knochen zu bilden. Kommt es nun zu einer minimalen Verschiebung dieser Balance, z.B. bei einer lokalen pH-Verschiebung im Rahmen einer Entzündungsreaktion, so fällt Kalzium (in Form von Kalk) auch dort aus, wo er es gar nich tun sollte.

Normal befindet sich allerdings kein Kalk in den Gefäßwänden. Wäre er sogar bei Gesunden da, so könnte man praktischerweise die Gefäße als „Kalkrohre“ in Röntgenbildern sehen, leider ist dies nicht der Fall, man muß erst Kontrastmittel spritzen.

Die ganze Cholesterindiskussion ist nun auch nach Schulmedizin
Quatsch.

Steht das auch so im Spiegel? Auf deren Website habe ich den Artikel (leider) nicht gefunden. Was ist denn nach deren Meinug der Auslöser von Ateriosklerose?
An und für sich sind folgende Daten gesichert: Patienten mit hohen Cholesterinwerten entwickeln Arteriosklersose, wobei zunächst mal nicht klar ist, ob das ein zufälliger nebeneinanderstehender Effekt z.B. eines unbekannten Gefäßgiftes ist oder ob das Cholesterin auch wirklich (durch Ablagerung) die Entzündung in der Gefäßwand verursacht. Für letzteres spricht allerdings, daß man unter Reduktion der Blutfette einen Rückgang der Arteriosklerose gefunden hat.

Aber die hat ja eh alle 5 - 10 Jahre eine andere, neu-absolute
Meinung.

Schon früher war klar, daß Fette nicht die einzige Ursache von Gefäßwandetzündungen ist. Sicher wußte man es damals schon von gewissen Autoimmunerkrankungen (SLE), bestimmten Speicherkrankheiten (Cystinose), auch Diabetes und hoher Blutdruck (mechanische Risse in der Gefäßwand führen zur Entzündung, siehe Schwellung bei Bänderstauchung) usw. usf. Neu ist die Erkenntnis, daß auch Bakterien (Chlamydien) solche Entzündungen verursachen können. Klinische Studien laufen, und eventuell werden bald Antibiotikakuren eingesetzt werden, um die Anzahl an Herzinfarkten und Hirnschlägen noch weiter zu senken. Dehalb ist die Sache mit den Blutfetten aber noch lange kein Quatsch, sie ist lediglich die halbe Wahrheit. Eines ist und bleibt klar: Senkung der Blutfette = Senkung des Arterioskleroserisikos.

Zur Zeit ist in Deutschland die Katheter Untersuchung
das nonplus Ultra. Ist aber nur leicht lästig, daß 500 Leute
dabei sinnlos sterben.

Langsam, zunächst reicht mal die Blutfettuntersuchung aus. Der Katheter kommt nur zum Einsatz, wenn die Kranzgefäße schon fast dicht sind und der Infarkt unmittelbar droht. Bei der Untersuchung wird nicht nur die definitive Diagnose gestellt, sondern das erkrankte Gefäß mittels Ballon gleich aufgedehnt.

Natürlich sterben dabei Leute. Aber die Untersuchung rettet zehnmal so vielen das Leben!

Merkwürdig auch, daß sich niemand für die Ursache der
Entzündung der Gefäßwände interessiert.

Eben nicht: Das ist doch der zentrale Punkt der ganzen Forschung. Wie kommst Du denn auf so eine Behauptung?

Oliver

2 „Gefällt mir“

Hey Oliver,

das war die absolute Kurzfasung des Artikels.
Lies ihn bitte selber.
Dort steht es auch mit den 500 sinnlosen Diagnosetoten. Und mit der „neuen“ Einschätzung der Gefährlichkeit des Cholesterins. In keinem Land der Welt werden relativ gesehen so viele Herzkatheteruntersuchungen gemacht wie bei uns - so der Spiegel.

Was den Kalk angeht. Der Körper schützt sich auch vor Tuberkeln durch Ummantelung mit Kalk. Überall wo Entzündungen chronisch werden gibt es eine Sklerosierung, sprich letztlich Verkalkung. Und in diesem Sinne haben wir diese Verkalkung alle, je älter wir werden. Stört auch meist nicht. Das ist die „natürliche“ Altersentwicklung.

Gruß
Hans