Organspender vor!

Hallo zusammen,

es gibt ja eine ganze Menge Leute, die eigentlich bereit wären, Organe zu spenden, denen aber leider noch nie ein Ausweis über den Weg gelaufen ist.
Nun, hier kommt er, der Ausweis. Der Link führt zu meinem Artikel in der Diskussion im Religionsbrett, wo noch genaueres erläutert wird:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/www/service.fpl?..

Organspender sind Lebensretter!

Oliver

Hi Olli,

tolle Idee mit dem Ausweis zum Download (hatte ich auch schon, nur noch nicht upgeloaded, *verdammt*! (; )!
Die Option mit der Spende nur für Leute, die einer Spende selbst zugestimmt haben, halte ich allerdings für ein bischen problematisch.
So haben z.B. chronisch kranke Kinder als potentielle Empfänger idR selten einen Organspendeausweis.
Auch kommen viele potentielle Empfänger schon durch ihr Leiden nicht für eine Organentnahme in Betracht…
Aber ansonsten find ichs genial, auch auf diesem Weg für die Spende zu werben (hab natürlich auch einen Ausweis).
Was ich noch explizit auf meinen Ausweis geschrieben habe ist, daß auch im Ausland bei mir eine Organentnahme nur nach deutschem Recht erfolgen darf (wenn ich ihn überhaupt mitnehme).

c++

HI,

einen Ausweis zum Download anzubieten, halte ich für eine gute Idee. Viele meinen ja auch, dass sie durch ihre Bereitschaft zur Organspende in irgendeiner Datenbank aufgenommen werden. Es sollte noch mal klar werden, dass es wirklich nur eine kleine Pappkarte ist, die man jederzeit wieder zerreißen kann, bzw. Daten verändern kann. Man kann sogar mit dem Ausweis jede Organspende ausschließen oder auch die Spendenbereitschaft für ein bestimmtes Organe auschließen.

Ich habe schon seit vielen Jahren einen, aber auf die Idee, irgendwelche potientielle Empfänger auszuschließen (z.B. wer nicht selbst spendenbereit ist) bin ich noch nie gekommen!! Wer kommt denn auf so eine Idee und was soll das bringen?

Ob so eine Einschränkung möglich ist, wage ich noch zu bezweifeln, und was hindert den Empfänger daran, kurz vor der OP mal eben auch noch einen Ausweis auszufüllen?

Totaler Quatsch…ich habe einen Standart-Ausweis ohne Einschränkungen und dabei bleibt es auch. Warum sollte einem Arzt mein Leben weniger wert sein, als das eines Empfängers? Man sollte auch mal in das Deutsche Recht und in den Berufsstand Arzt vertrauen können! Alles andere sind für mich Horrorgeschichten aus „RTL-Explosiv“

Gruß
Jeanny

Hi Jeanny,

Ich habe schon seit vielen Jahren einen, aber auf die Idee,
irgendwelche potientielle Empfänger auszuschließen (z.B. wer
nicht selbst spendenbereit ist) bin ich noch nie gekommen!!
Wer kommt denn auf so eine Idee und was soll das bringen?

Mit ein wenig Nachdenken solltest Du selbst auf die Antwort kommen.
Es ist eigentlich klar, daß im täglichen Leben (egal ob in Geschäftsbeziehungen oder im zwischenmeschlichen Bereich) alles auf Geben und Nehmen beruht. Läuft die Sache assymetrich, so geht das meist nicht lange gut.

Beispiel: Eine sozial orientierte Versicherung oder Rentenkasse, die nicht so genau auf die Beitragszahlungen ihrer Mitglider achtet, kann nur dann überleben, wenn ihre Mitglieder aus Anstand, Altruismus und Einsicht ihre Beiträge freiwillig entrichten. Schert nur einer der Versicherten aus, so hat das oft einen Dominoeffekt („Warum soll ich dann eigentlich noch zahlen?“). Den Schaden hat nicht nur die Versicherung, sondern auch (bzw. gerade) der Versicherte, da eine Hilfe in Notlagen nicht mehr gegeben ist.

Es ist zwar gut gemeint, wenn man einem jeden Organe spendet. Schränkt man seine Spendenwilligkeit jedoch auf Träger eines Ausweises ein, so kann dies zu einer gesteigerten Spendenwilligkeit führen. Ich sähe es daher als notwendig an, bei medizinischen Pattsituationen Empfänger zu bevorzugen, die selbst Spender sind. Dabei wird durch die Einschränkung auf Pattsituationen weiterhin gewährleistet, daß der richtige Empfänger das richtige Organ bekommt, die Qualität des Gesamtergebnisses also gesichert bleibt. Hier wäre der Gesetzgeber im Sinne seines Auftrages, für möglichst viele Spenderorgane zu sorgen, dringend gefordert.

Ob so eine Einschränkung möglich ist, wage ich noch zu
bezweifeln, und was hindert den Empfänger daran, kurz vor der
OP mal eben auch noch einen Ausweis auszufüllen?

Vom gesetzlichen und organisatorischen Aspekt her sehe ich keine Probleme. Es handelt sich beim Spenderausweis ja um nichts anderes als eine Patientenverfügung, und in dieser kann man ja festschreiben, was man will.
Natürlich kann der Empfänger auch noch auf dem OP-Tisch seinen Ausweis unterschreiben. Das soll ja auch so sein, da die Organe in erster Linie nach medizinischer Notwendigkeit verteilt werden müssen. Aber gerade vor so einem schweren Eingriff ist das für ihn gar nicht so einfach, selbst bei Schwerstkranken kann man immer noch die Hornhaut verwenden.
Ich würde so eine Einwilligung seitens Empfängers für einen großen Schritt nach vorne bezüglich der Auseinandersetzung mit dem Tod halten. Es könnte ihm, nach erfolgreicher Transplantation, das Leben mit dem fremden Organ erheblich erleichtern.

Totaler Quatsch…

Immer noch so sicher?

Antwort erwünscht!

Oliver

P.S.: Nein, heute wiederum keine netten Komplimente *g*

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Hallo Chris,

So haben z.B. chronisch kranke Kinder als potentielle
Empfänger idR selten einen Organspendeausweis.
Auch kommen viele potentielle Empfänger schon durch ihr Leiden
nicht für eine Organentnahme in Betracht…

Naja, zumindest die Kornea kann man bei Schwerkranken ncoh verwenden… Außerdem geht es mir mehr darum, in der Bevölkerung ein Bewußtsein zu schaffen, daß man nichts, aber auch gar nichts von der Sozialgemeinschaft zu erwarten braucht, wenn man selbst nicht zum Geben bereit ist.
Bezüglich der Organspende würde ich sogar so weit gehen, dieses gesetzlich zu regeln, aber mit wichtigen Einschränkungen (siehe Antwort auf Jeannys Posting)

Was ich noch explizit auf meinen Ausweis geschrieben habe ist,
daß auch im Ausland bei mir eine Organentnahme nur nach
deutschem Recht erfolgen darf (wenn ich ihn überhaupt
mitnehme).

Yep! In manchen Ländern bin ich da auch sehr vorsichtig… :wink:

Oliver

Moin Olli,

na, ich denke, die Bereitschaft zur Organspende ist was individuelles, was von vielen Faktoren abhängig ist. Medizinern zB fällt es meist relativ leicht, sich dazu zu entscheiden, die Organe p.m. entnehmen zu lassen, sie haben das ja auch schon selber x-mal gemacht und finden nix dabei (ich hab zB auch einen Körperspendeausweis für die Anatomie (mit Ausschlußklausel Plastination, hehe)).
Aber wie gesagt, es gibt durchaus Gründe, warum jemand nicht bereit sein kann, seine Organe herzugeben, egal warum. Ob das jetzt auf dem OP-Tisch noch geht, geht aus Deinem Spenderausweis nicht ganz klar hervor und baut imho nur eine neue juristische Hürde ein (stell Dir mal vor, Du wärst der Transplantationsverantwortliche, würdest Du dann jemanden auf dem OP-Tisch unterschreiben lassen in der Gefahr, daß am nächsten Tag ein Angehöriger des Spenders ankommt und sagt: „Moment mal, so war das aber nicht gemeint…“ die Presse würde sich (grade jetzt im Sommer) sehr drüber freuen), die die Idee des Arbeitskreises Organspende, das ganze so weit wie möglich zu entbürokratisieren entwas konterkariert.
Ich habe mich im Rahmen der EH-Ausbildung mal etwas näher mit dem Thema auseinandergesetzt und bin der Überzeugung, daß das System des AK Organspende ziemlich solide konstruiert ist. Auf die Idee, nur die potentiellen Speder als Empfänger zuzulassen, sind die bestimmt auch schon gekommen.

Naja, zumindest die Kornea kann man bei Schwerkranken ncoh
verwenden…

HIV?

Außerdem geht es mir mehr darum, in der
Bevölkerung ein Bewußtsein zu schaffen, daß man nichts, aber
auch gar nichts von der Sozialgemeinschaft zu erwarten
braucht, wenn man selbst nicht zum Geben bereit ist.

Du setzt aber hier voraus, daß Deine Vorstellungen vom Sozialsystem die allein glückseligmachende ist und das halte ich generell für etwas unvorsichtig - ich setze mich damit auch regelmäßig in die Nesseln.

Bezüglich der Organspende würde ich sogar so weit gehen,
dieses gesetzlich zu regeln, aber mit wichtigen
Einschränkungen (siehe Antwort auf Jeannys Posting)

Weitergehende Regelungen als die aktuelle waren damals aber leider nicht möglich - der Zustand, so wie er jetzt ist, ist schon ein Glücksfall.

Grüße, c+

Hier noch’n Link
Falls sich jemand jetzt angestoßen sieht, sich näher mit dem Thema Organspende zu befassen, sollte er mal hier vorbeischauen. http://www.akos.de/ das ist die Organisation, die die Organspende in Deutschland den Niederlanden und sonstwo organisiert. Hier kann man sich kostenlos Infomaterial zuschicken lassen.

c++

Hi Oliver!

Wie du schon schreibst, ist der Organspende-Ausweis eine Pappkarte, die man jederzeit wieder zerreissen kann.

Worin siehst du dann den Sinn, nur Spendern deine Organ zu geben?

Wenn ein potentieller Empfänger da ist, und der Arzt ihm sagt, das Organ bekommen Sie nur, wenn Sie einen Spenderausweis haben - was glaubst du wie schnell er unterschreibt.
Und wenn er seine Organe nicht spenden will - was glaubst du wie schnell der Ausweis danach im Mülleimer landet?
Was bringt das?

Wie willst du das mit Empfängern handhaben, die noch Kinder sind??? Du darfst erst einen Spendeausweis ab 16 ausfüllen. Davor kannst du zwar auch einen haben, aber letztendlich entscheiden die Erziehungsberechtigten, was mit den Organen passiert! Keine Organe für Kinder, weil sie noch nicht rechtskräftig erklären können, dass sie ihre Organe spenden wollen???

Versteh ich echt nicht ganz!

Viele Grüsse
Claudia

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Hi, hab auch noch n paar kaputte Organe zum Spenden, nimmt dein Chef die wohl an ?
Brauchst ja kein Plastinat von dir machen lassen, reicht ja aus, wenn du bei Madam Tusseau in London erscheinst, so als weltberühmter Prof wie Barnard usw. in 70 Jahren,
alles Jute
Tschüßße

Hallo Claudia,

Wie du schon schreibst, ist der Organspende-Ausweis eine
Pappkarte, die man jederzeit wieder zerreissen kann.

Das hat Jeanny geschrieben und nicht ich, trifft ansonsten aber zu.

Worin siehst du dann den Sinn, nur Spendern deine Organ zu
geben?

Habe ich eigentlich schon ausgeführt. Nochmal der Entscheidende Punkt (Achtung): Es kann dazu führen, daß mehr Menschen einen Spendeausweis ausfüllen, und daß damit weniger Leute aus Organmangel sterben. Es geht darum, das prinzipielle Bewußtsein zu erzeugen, daß man selbst spendewillig sein muß, wenn man im Ernstfall ein Organ will.

Ich kann es auch nochmal so formulieren: Wer nicht bereit ist, selbst zu spenden, geht im Ernstfall leer aus. Zumindest was meine Organe betrifft. Punkt.

Jetzt verstanden?

Wenn ein potentieller Empfänger da ist, und der Arzt ihm sagt,
das Organ bekommen Sie nur, wenn Sie einen Spenderausweis
haben - was glaubst du wie schnell er unterschreibt.

Das ist ja auch gut so. Warum? Siehe Thread. Wenn Du es dennoch nicht verstehst, folgender Alternativvorschlag: Man könnte Spender auch zentral erfassen und (bei medizinischen Pattsituationen) der im Verhältnis zum Lebensalter längeren „Spendewilligkeitsdauer“ den Vorzug geben.

Und wenn er seine Organe nicht spenden will - was glaubst du
wie schnell der Ausweis danach im Mülleimer landet?
Was bringt das?

Wenn wärend der OP nur einer der Empfänger verstirbt, so ist, wenn er gleichzeitig Spender ist, womöglich schon ein Leben gerettet. Das gleiche gilt, wenn auch nur einer seinen Ausweis nicht in den Abfall wirft und nach der Spende verunfallt. Im übrigen dürften sich gerade Organempfänger in so einem hohem Ausmaß mit der Spendenpraxis identifizieren, daß ich bezweifle, daß auch nur ein einziger seinen Ausweis wergwerfen würde.

Wie willst du das mit Empfängern handhaben, die noch Kinder
sind??? Du darfst erst einen Spendeausweis ab 16 ausfüllen.
Davor kannst du zwar auch einen haben, aber letztendlich
entscheiden die Erziehungsberechtigten, was mit den Organen
passiert! Keine Organe für Kinder, weil sie noch nicht
rechtskräftig erklären können, dass sie ihre Organe spenden
wollen???

Rechtliche Grauzone. Man kann Kinder, deren Eltern einen Spenderausweis ablehnen, im Fall der Fälle nicht für das Verhalten ihrer Eltern bestrafen. Aber man kann wiederum die Eltern sanktionieren.

Im übrigen klemmt Deine „?“-Taste. Bitte reparieren lassen! (Greetings @ Sebastian *g*)

Oliver

Prima… hab ich gleich mal ausgedruckt. :smile: Danke!

Dann hast Du sicher…
…auch einen Spendeausweis für die Anatomie ausgefüllt, ne? Da Du ja selber den größten Teil Deiner anatomischen Kenntnisse durch die Selbstlosigkeit der Körperspender gewonnen hast, müßte es ja eine Ehrensache für Dich sein.

C++

Hallo Chris,

habe ich nicht. Es erfolgt ja bereits eine „Entlohnung“ der Freiwilligkeit dadurch, daß die Bestattungskosten übernommen werden (für viele ein Argument). Damit sehe ich die Anatomie gleichgesetz mit Blut- und Plasmaspende, wo ja ebenfalls entlohnt wird.
Aber für Transplantationsorgane gibt es halt leider kein Regulativ. Ein Spender steht hier nicht besser da als ein Nichtspender.

Oliver