Verhalten bei Bulimie

Hi,

meine Bitte:

Wie „verhalte“ ich mich richtig wenn die Partnerin eine Essstörung hat und gibt es hierzu empfehlenswerte Literatur? Wegen des minimalen Übergewichtes (3-4 kg) treibt die Optik das Rad an zudem sind Aggressionsschübe (gegen die Mutter) fast schon an der Tagesordnung. Geduld und Liebe ist vorhanden und wird auch dankend aufgesogen, bedenklich stimmt mich jedoch auch die geringe Flüssigkeitsaufnahme.

Danke
Noahdilar

Hard to swallow
Hallo Noahdilar,

prinzipiell verhälst Du Dich schon richtig: Akzeptanz und Annahme sind das wichtigste für sie.

Gib Deiner Sorge um ihren Gesundheitszustand ruhig Ausdruck (aber verurteile nicht ihr Verhalten, sonst wird sie sich zurückziehen): Die Folgen anhaltender Freß-Brech-Sucht sind u.a. allgemeine Mangelescheinungen, gestörtes Hautbild, angegriffener Zahnschmelz (wegen des ständigen Säureregens), Nierenschädigungen etc.

Bücher zum Thema:

Bulimie. Eine Behandlungsanleitung für Therapeuten und Betroffene von Barbara G. Bauer u. a.
ISBN 3621271333 Buch anschauen

Wie lasse ich meine Bulimie verhungern? von Margret Gröne
ISBN 3927809489 Buch anschauen

Und ein Internetforum, bei dem Du weitere Infos und Hilfe findest:

http://www.bulimie-zentrum.de

Bulimie ist eine perverse (Über-)lebensstrategie - im Moment für Deine Freundin eine Möglichkeit, mit dem Leben und vor allem mit ihren Aggressionen (wie Du ja erkannt hast) klarzukommen.

Sie muß selbst erkennen, daß diese Strategie die falsche ist und andere Möglichkeiten entwickeln. Der Weg dahin ist lang, aber gangbar.

Alles Gute
wünscht
Diana

Wie „verhalte“ ich mich richtig wenn die Partnerin eine
Essstörung hat und gibt es hierzu empfehlenswerte Literatur?
Wegen des minimalen Übergewichtes (3-4 kg) treibt die Optik
das Rad an zudem sind Aggressionsschübe (gegen die Mutter)
fast schon an der Tagesordnung. Geduld und Liebe ist vorhanden
und wird auch dankend aufgesogen, bedenklich stimmt mich
jedoch auch die geringe Flüssigkeitsaufnahme.

Danke
Noahdilar

Grundsaetzlich ist bei Bulimie oder anderen Essstoerungen keine Hilfe ohne psychotherapeutische Behandlung moeglich! Das wichtigste ist also, den Kranken so schnell wie moeglich von einer Therapie zu ueberzeugen. Evtl. kann man als Angehoeriger schon einen entsprechenden Therapeuten aussuchen, um dem Kranken den Anfang zu erleichtern.
Agressionsschuebe koennen ein weiterer Ausdruck der Stoerung sein. Geringe Fluessigkeitsaufnahme ist ein grosses Problem, da der Koerper austrocknen kann, was sich zunaechst an trockenen Augen oder Verdauungsstoerungen zeigt. Viele Patienten nehmen in diesem Zusammenhang grosse Mengen von Abfuehrmitteln ein, die dann wiederum zu Vitamin- und Mineralstoffmangel im Koerper fuehren. (Die Haut wird fahl, Haare koennen ausfallen, Fingernaegel wachsen nicht richtig, Muedigkeit oder Schlappheit treten auf, Menstruationsstoerungen sind haeufig usw.)
GANZ WICHTIG:
Aus der Bulimie gibt es keinen Weg ohne Psychotherapie!!!
Je frueher desto besser.
Sabine

Hallo Noahdilar,

ich verstehe die Sache im Moment so: Deine Freundin hat 3-4 kg „Übergewicht“ und ißt nun weniger, um abzunehmen. Da ist sicher (noch) nicht von einer Eßstörung zu sprechen. Ihre Aggressivität spricht vielmehr dafür, daß sie sich im Moment ganz einfach in ihrer eigenen Haut nicht wohlfühlt. Ein Stückwiet scheint sie das auf ihr Übergewicht zu schieben.

Jeder ist mal vorübergehend mit sich selbst unzufrieden. Hilf ihr herauszufinden, was die eigentliche Ursache dafür ist.

liebe Grüße,

Oliver

Normalerweise ist es schon sehr weit gekommen, wenn ein Angehoeriger ueberhaupt das erste Mal an einen Essstoerung denkt.
Der Kranke kann seine Stoerung sehr lange geheimhalten.
Sabine

Hallo Sabine,

lange bestehende Eßstörungen im Sinne einer Bulimie sind kaum mit Übergewicht zu vereinbaren. Schon rein durch den Flüssigkeitsverlust verliert man 3-4 kg binnen Stunden. Meist bemerken die Angehörigen zunächst den starken Gewichtstverlust und erst dann (aufgrund erhöhter Aufmerksamkeit) das Erbrechen, das ja zumeist heimlich durchgeführt wird.
Bevor man sich also, ohne den Fall überhaupt richtig zu kennen, sich auf Bulimie fixiert, sollte man noch einige andere Möglichkeiten abchecken. Mir ist noch nicht mal so ganz klar, ob die Patientin überhaupt erbricht. Wenn ja, tut sie das nur in Gegenwart der Angehörigen? Dann könnte das ganze auch in Richtung eines unbewußten auf-sich-Aufmerksam-machens (Hilferuf) gehen. Vielleicht kann sie auch durch dieses Verhalten von der Mutter ein erwünschtes Verhalten erzwingen. Alles Dinge, die der Klärung bedürfen, aber nicht einer klassischen Bulimiebetreuung. Im Gegenteil, trifft obige Möglichkeit zu, so würde ja der Aufmerksamkeitsgewinn im verhaltenspsychologischen Sinne die Neigung zum Erbrechen verstärken. Dann wäre also geradezu das Ignorieren der „Eßstörung“ angezeigt, mit umsomehr Aufmerksamkeit zu den „normalen“ Zeitpunkten. Nur als eine von vielen Möglichkeiten.

Oliver

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Essproblem und Problem mit Mutter
Hallo Noahdilar,
Du schreibst, daß Deine Partnerin wohl eine Eßstörung hat.
Hast Du mit Ihr geredet und hat sie geantwortet? Dies spricht nach meinen Beobachtungen eher gegen eine Eßstörung, denn gerade viele Betroffene verheimlichen ihre Probleme sehr sehr gut. Probleme mit der Mutter sind doch oft unabhängig von anderen Dingen. Du schreibst auch, daß Deine Partnerin Zuwendung dankbar aufsaugt. Somit scheint Eure Beziehung offen zu und gut zu sein. Dränge Deine Freundin nicht zu etwas, was sie nicht von sich aus geben möchte.
Geringe Flüssigkeitsaufnahme ist allerdings bedenklich und auch für das Abnehmvorhaben negativ…
Liebe Grüße
Grit

P.S.: Buchtips findest Du evl. auch auf der Seite www.essprobleme.de im Forum

RIESEN DANK Freunde :smile:
Vielen Dank an euch alle - werde erstmal die umfangreichen Link und Literaturvorschläge durchforsten.

Aber schon der erste Überblick ist mir `ne wahnsinnig große Hilfe

Liebe Grüße

NoahDilar