Hallo Sabine,
Das schlimmste, was bisher passierte, war vor 2 oder 3
Jahren als eine neue Firma ein Erkaeltungspraeparat
unschlagbar guenstig auf den Markt brachte. Dieses Mittel
wurde zu dem damaligen Zeitpunkt wohl von jedem Arzt
verschrieben; darum gab es das dann auch nach 3 Tagen nicht
mehr.
Ich begreife absolut nicht, was daran „schlimm“ ist: Wenn der
Hersteller nicht liefern kann, so ist das sein Problem. Man
nimmt dann halt das zweitgünstigste Präparat - oder?
Der Patient muss warten, bis feststeht, dass das Praeparat nicht erhaeltlich ist. Dann muss der Arzt angerufen werden und gefragt werden, von welchem Importeur er das Medikament gerne haette. Dieses wiederum muss beim Grosshandel bestellt werden, wenn es nicht eins der ueblichen ist. Wie ich schon schrieb gibt es teilweise 30 verschiedene Hersteller pro Wirkstoff, und das noch zusaetzlich in verschiedenen Groessen und Staerken.
Zum Glueck ersparen uns die meisten Aerzte dieses Vorgehen, und es reicht, wenn sie zwischendurch mal angerufen werden, dass wir gleichwertiges einer anderen Firma vorraetig haben.
Man stelle sich mal vor, wo man auf die schnelle moeglichst
viel und moeglichst billig Rohstoffe herbekommt. Ich habe zu
solchen Medikamenten keinerlei Vertrauen.
Na, das ist jetzt ein wenig populistisch. Ein Molelül ist ein
Molekül, egal wie teuer oder billig es hergestellt wurde.
Stelle einen Behälter mit billiger und teurer Salicylsäure
nebeneinander: Man wird mit einer Analyse keinen Unterschied
feststellen können. Als Ausgangsstoff für Aspirin sind also
beide gleich gut geeignet.
Stimmt nicht ganz. Die Rohstoffe kommen unterschiedlich gut gereinigt auf den Markt. Das kann man mithilfe der IR-Spektroskopie gut nachweisen. Ich kann dir Daten vom Doxycyclin geben. Mit zusaetzlicher Verunreinigung kommt es leichter zu allergischen Reaktionen.
Manche Firmen suchen sich mit ihrem Spektrum nur die
Schnelldreher raus. Die Mittel, die sicher auch wichtig aber
nicht so lukrativ sind, fallen aus der Palette raus. Dafuer
sind dann andere Hersteller wieder gut, die eben im Sinne der
Bevoelkerungsgesundheit ihre Palette ein wenig breiter
gestalten.
So quasi aus Nächstenliebe? Wenn eine Nachfrage da ist, so
wird es auch immer einen Hersteller geben, so einfach sehe ich
das.
Nicht, wenn Nachfrage da ist, gibt es einen Hersteller, sondern wenn Gewinn zu erwarten ist. Es gibt aber Krankheiten, die selten auftreten und trotzdem behandelt werden muessen.
Wie soll die Vorratshaltung denn aussehen, wenn heute Fa. X
liefern kann und natuerlich verordnet wird und morgen die Firma
y? Eine gewisse Kontinuitaet ist doch erforderlich.
Dann mußt Du Dich eben nach einer Firma y umsehen. Das mußt Du
aber ohnehin jeden Tag aufs neue, denn selbst wenn Firma x den
Wirkstoff noch hat, könnte Firma y noch billiger sein.
Taeglicher Wechsel ist nicht moeglich. Sagen wir mal, heute haben alle Kunden Durchfall. Dann brauche ich z.B. 50 Paeckchen Durchfallmittel. Das kann ich doch nicht erst bestellen, wenn die Kunden da sind. Natuerlich kann man, wenn ein Arzt sein Verschreibungsverhalten aendert, die Firma umstellen. Aber was mach ich dann mit den uebrig gebliebenen Paeckchen, die von der alten Firma an Lager sind?
Der Punkt:
Ich denke die Aufgaben der Apotheken ändern sich: Ging es
früher nur darum, daß die Apotheke die Bevölkerung frei von
wirtschaftlichen Zwängen die Bevökerung mit Arzneimitteln
versorgen mußte, so wird heute die Forderung gestellt, dies
möglichst kostengünstig zu tun. Dies halte ich aber für
durchaus legitim bzw. sogar unbedingt notwendig, zumal damit
ja keine Qualitätsverschlechterung verbunden ist. Daß dies den
Arbeitsalltag in den Apotheken verändern wird und auch
Einkommenseinbußen bedeuten kann, ist mir natürlich klar.
Das hoert sich gut an. Aber bei uns verschreiben immer noch die Aerzte die Medikamente!
Ich weiss nicht was Du fuer Vorstellungen von Verdiensten der Leute im Gesundheitswesen hast. Aber die sind nicht mehr so rosig, und das bei Arbeitszeiten, die kein Angestellter in anderen Bereichen mitmacht. Ich beschwere mich nicht, ich arbeite gerne; aber Du hast offensichtlich keine internen Kenntnise.
Viele Gruesse
Sabine