Hallo Christian,
wenn man davon absieht, daß ich eigentlich überhaupt keine
Zeit habe, mich hier so viel zu tummeln, so muß ich doch
sagen, daß die Thematik sehr spannend ist.
Finde ich ebenfalls, und ich finde es gut, daß Du in dieser Phase der Diskussion nicht abspringst, wie es viele Deiner Kollegen sonst immer tun.
Wenn ich Deine Frage von unten richtig deute, fragst Du mich
letztlich nach meiner Meinung zur Beweiskräftigkeit von
Doppelblindstudien. Eines der heiligsten Kühe der
Schulmedizin.
Noch mehr: Ich frage Dich, warum das von mir beschriebene Setup (im Thread mit Crotalus) zu negativen Ergebnissen führt. Heilung tritt, egal ob man sie jetzt reduktionistisch oder ganzheitlich definiert, irgendwie in Erscheinung, so daß man sie registrieren kann. Ich hätte gerne also unbedingt eine Antwort auf diese Frage.
Sie gehen davon aus, daß alle Menschen gleichartig gebaute
Maschinen sind.
Je nachdem wie weit man ins Analytische gehen will, ist das richtig. Wenn man ganz an der Basis ist, so funktionieren gewissen Dinge in jedem Menschen gleich. Meinetwegen Masern (weil ich gerade meine Diss zuende schreibe *g*): Das Virus bindet, um in die Zelle zu kommen, bei allen Menschen an einen bestimmten Rezeptor. Jetzt überlegt man sich, ob man bei schwer Masernkranken diesen Rezeptor mit einem Medikament blockieren könnte. Wenn es tatsächlich funktioniert, ist damit auch gleichzeitig bewiesen, daß dieser Rezeptor bei allen Menschen das Virus aufnimmt. Noch wissen wir es nicht, aber in der Verganenheit hat jeder medizinischer Fortschritt auf diesem Ansatz beruht. Soll heißen: Auf dieser Ebene macht es Sinn, den Mensch als Maschine zu betrachten.
Sie können niemals etwas über die Heilungsmöglichkeit eines
Menschen mit einem Medikament aussagen.
Wenn Du den einzelnen Menschen meinst, dann stimmt dies. Womöglich hat ein Individuum in besagtem Rezeptor eine Mutation, und das Medikament würde den Rezeptor nicht blockieren können. Aber auch hier wäre der Ansatz ein akademischer, nämlich Analyse der Mutation und Abwandlung des Medikamentes.
„A single Patient is not a statistic“ heißt einer der Leitsätze in der Klinik, wenn es darum geht, daß man immer eine Einzelfallbetrachtung durchführen sollte, da jeder auf ein Medikament anders reagieren kann. Das Wissen von Doppelblindstudien ist aber in dem Moment besonders wertvoll, wenn man wenig über die Reaktionsweise des Patienten weiß da z.B. kein Wissen über seinen Masernrezeptor vorhanden ist. Dann muß man eben dasjenige tun, was die größte Wahrscheinlichkeit auf Heilung verspricht, auch wenn dieser Ansatz nicht voll befriedigt.
Man sollte nie vergessen, daß sie hauptsächlich ein
Verkaufsargument sind.
Nein! Ich bin ja einer derjenigen, der solche Studien macht, aber was sollte ich damit denn verkaufen wollen? Masernviren gibts überall gratis.
Die Studien, welche von irgendwelchen Firmen gesponsort werden, um gewünschte Ergebnisse zu erzeugen, sind in der Minderheit. Man erkennt sie ganz einfach durch einen Blick in die „Acknowledgements“ am Ende des Artikels, wo man schreiben muß, wer die Studie finanziell unterstützt hat.
Wenn man jedoch immer auf einer Denkschiene festgenagelt ist,
die lediglich Symptome beseitigen will, dann wird man sich mit
Doppelblindstudien wundervoll mächtig fühlen. „Nehme für
Symptom oder Symptomkomplex A das Medikament/die Globuli/den
Akupunkturpunkt /die Pflanze B“.
Immer wird behauptet, die Schulmedizin würde lediglich symptomatisch behandeln. Auf so etwas kommt man nur, wenn man die Ansätze der Schulmedizin nicht kennt. Natürlich bemüht man sich immer um eine kausale Therapie (z.B. Infektion: Auslöschung des Erregers = Kausal), aber wenn man das eben nicht kann, wie z.B. bei Viren, dann therapiert man eben wenigstens das Symptom, um den Patienten über den Berg zu helfen.
Auch wenn ich davon überzeugt bin, daß sich in Deinem Leben
bei der spontanen Besserung des Heuschnupfens irgendetwas
grundlegend geändert hat, und Du deshalb nicht mehr an
Heuschnupfen leiden muß,
Hier würde wiederum eine Studie helfen, um die gegensätzlichen Überzeugungen mit Wissen zusammenzuführen: Man beobachte einfach Allergiker in jungen Jahren über 10 Jahre hinweg. Die Besserung würde nach Zufallsregeln, also nicht gerichtet verlaufen, wenn positive Lebensumstellungen diesebige bedingen würden, anders als wenn spezifische biochemische (Alterungs-/Reifungs-)mechanismen verantwortlich wären. Warum also die Abneigung gegen Studien?
Aber wenn ich Dir nun noch sage, daß ich der Meinung bin, daß
man jemand, der bei Ca-Markern positiv befundet, für gesund
oder gesünder halten kann, als jemand, der keine
Laborwertauffälligkeiten zeigt, dann hälst Du mich wohl für
komplett abgedreht.
Nein, ich halte dich nicht für abgedreht, weil Du in Deiner Definition on Gesundheit recht hast. Patienten verkraften Tumor-OPs unterschiedlich gut, und so kann es sein, daß es einem Patienten, dessen Blutwerte die Existenz eines Tumorrestes anzeigen, besser geht als jemandem, der nach der OP tatsächlich geheilt ist, aber mit den Krankheitsschrecken nicht umgehen kann.
Eine Studie zwischen den Patientengruppen würde aber ergeben, daß Patienten (insgesamt) mit hohen Tumormarkern auf Dauer gesehen eher wieder Tumorkrank werden. Das hätte dann evtl. die Konsequenz, daß sich für letztere eine Chemotherapie anschließt, obwohl die Patienten an sich „gesund“ sind.
Letztendlich ist also die Frage, ob man einen Patienten, der sich pudelwohl fühlt, aber Tumorzellen mit sich herumträgt, als krank betrachten will oder nicht.
Der Therapeut, der sich bei seiner Therapie auf die positiven
Ergebnisse der Studien verläßt, ist genauso dämlich, wie
derjenige, der sie überhaupt nicht zur Kenntnis nimmt.
Gut! Die Studien im o.g. Thread mit Crotalus hast Du ja sicher zur Kenntnis genommen, jetzt warte ich auf Deinen Kommentar dazu.
In dem Zusammenhang finde ich es interessant, was Du in einem Posting weiter unten geschrieben hast: In der Naturheilkunde käme es auf den Therapeuten an und nicht auf die Methoden. Das heißt, es ist für den Einzeltherapeuten weitgehend egal, welche Methoden er anwendet - der Heilerfolg wäre immer der Gleiche? Könnte man dann die Methoden nicht genausogut weglassen? Damit will ich Dich nicht ärgern, vielmehr ist das schlicht eine Frage, die sich ganz direkt aus dem von Dir gesagten ergibt.
ich bin gespannt!
Oliver