Doppelblindstudien @Oliver

Hallo Oliver,

wenn man davon absieht, daß ich eigentlich überhaupt keine Zeit habe, mich hier so viel zu tummeln, so muß ich doch sagen, daß die Thematik sehr spannend ist. Leider können im Rahmen solcher Postings immer nur ein Bruchteil der die medizinischen Grundfesten erschütternden Fragen vernünftig behandelt werden, und so läuft man Gefahr, mit nicht ganz ausgeführten Gedanken wieder in eine gerade passende Ecke geschoben zu werden. Sei’s drum.

Wenn ich Deine Frage von unten richtig deute, fragst Du mich letztlich nach meiner Meinung zur Beweiskräftigkeit von Doppelblindstudien. Eines der heiligsten Kühe der Schulmedizin.

Statements zu Klarstellung:

Sie sind absolut notwendig.
Sie gehen davon aus, daß alle Menschen gleichartig gebaute Maschinen sind.
Sie können niemals auf eine Methode angewendet werden, weil es keine 100% gleichartig ausgeführten Methoden geben kann.
Sie können niemals etwas über die Heilungsmöglichkeit eines Menschen mit einem Medikament aussagen.
Der Therapeut, der sich bei seiner Therapie auf die positiven Ergebnisse der Studien verläßt, ist genauso dämlich, wie derjenige, der sie überhaupt nicht zur Kenntnis nimmt.
Man sollte nie vergessen, daß sie hauptsächlich ein Verkaufsargument sind.

Letztlich geht es mE bei jeder Therapie um die Frage, ob man im gegebenen Moment besser das - zweifellos gegebene - Maschinenhafte am Patienten berücksichtigen muß, oder das Individuelle. Ob man also organotrop oder konstitutionell vorgehen muß.
Wenn man jedoch immer auf einer Denkschiene festgenagelt ist, die lediglich Symptome beseitigen will, dann wird man sich mit Doppelblindstudien wundervoll mächtig fühlen. „Nehme für Symptom oder Symptomkomplex A das Medikament/die Globuli/den Akupunkturpunkt /die Pflanze B“. Darauf fahren leider die meisten Therapeuten ab. Und wenn man sich in der Statistik anschaut, daß sich die meisten Verschreiber mit 20-30 Mitteln begnügen, dann…

…ich hoffte auf das Gleiche erfreuliche Schicksal, welches viele in jungen Jahren Heuschnupfende ereilt: Auf spontane Besserung. Die trat dann auch ein.

Ähnlich ist es doch mit den Laborparametern, die so wunderbare Objektivität ermöglichen. Auch wenn ich davon überzeugt bin, daß sich in Deinem Leben bei der spontanen Besserung des Heuschnupfens irgendetwas grundlegend geändert hat, und Du deshalb nicht mehr an Heuschnupfen leiden muß, so sagt das doch alles nichts über Deine damaligen Laborwerte aus. Laborwerte sagen nichts über Gesundheit aus.

Aber wenn ich Dir nun noch sage, daß ich der Meinung bin, daß man jemand, der bei Ca-Markern positiv befundet, für gesund oder gesünder halten kann, als jemand, der keine Laborwertauffälligkeiten zeigt, dann hälst Du mich wohl für komplett abgedreht. Also lassen wir das und bleiben bei einer heiligen Kuh per Posting.

Tschüß
Christian

Doppelblindstudien…
… gehen davon aus, daß alle Menschen gleichartig gebaute
Maschinen sind.

Hallo Christian,

bin zwar nicht Oliver und auch kein Mediziner. Dennoch mache ich Dich darauf aufmerksam, daß Deine o.g. Aussage unzutreffend ist. Andersfalls würden zur Durchführung einer Doppelblindstudie genau zwei Patienten ausreichen.

Gruß
Wolfgang

Hallo Christian,

wenn man davon absieht, daß ich eigentlich überhaupt keine
Zeit habe, mich hier so viel zu tummeln, so muß ich doch
sagen, daß die Thematik sehr spannend ist.

Finde ich ebenfalls, und ich finde es gut, daß Du in dieser Phase der Diskussion nicht abspringst, wie es viele Deiner Kollegen sonst immer tun.

Wenn ich Deine Frage von unten richtig deute, fragst Du mich
letztlich nach meiner Meinung zur Beweiskräftigkeit von
Doppelblindstudien. Eines der heiligsten Kühe der
Schulmedizin.

Noch mehr: Ich frage Dich, warum das von mir beschriebene Setup (im Thread mit Crotalus) zu negativen Ergebnissen führt. Heilung tritt, egal ob man sie jetzt reduktionistisch oder ganzheitlich definiert, irgendwie in Erscheinung, so daß man sie registrieren kann. Ich hätte gerne also unbedingt eine Antwort auf diese Frage.

Sie gehen davon aus, daß alle Menschen gleichartig gebaute
Maschinen sind.

Je nachdem wie weit man ins Analytische gehen will, ist das richtig. Wenn man ganz an der Basis ist, so funktionieren gewissen Dinge in jedem Menschen gleich. Meinetwegen Masern (weil ich gerade meine Diss zuende schreibe *g*): Das Virus bindet, um in die Zelle zu kommen, bei allen Menschen an einen bestimmten Rezeptor. Jetzt überlegt man sich, ob man bei schwer Masernkranken diesen Rezeptor mit einem Medikament blockieren könnte. Wenn es tatsächlich funktioniert, ist damit auch gleichzeitig bewiesen, daß dieser Rezeptor bei allen Menschen das Virus aufnimmt. Noch wissen wir es nicht, aber in der Verganenheit hat jeder medizinischer Fortschritt auf diesem Ansatz beruht. Soll heißen: Auf dieser Ebene macht es Sinn, den Mensch als Maschine zu betrachten.

Sie können niemals etwas über die Heilungsmöglichkeit eines
Menschen mit einem Medikament aussagen.

Wenn Du den einzelnen Menschen meinst, dann stimmt dies. Womöglich hat ein Individuum in besagtem Rezeptor eine Mutation, und das Medikament würde den Rezeptor nicht blockieren können. Aber auch hier wäre der Ansatz ein akademischer, nämlich Analyse der Mutation und Abwandlung des Medikamentes.

„A single Patient is not a statistic“ heißt einer der Leitsätze in der Klinik, wenn es darum geht, daß man immer eine Einzelfallbetrachtung durchführen sollte, da jeder auf ein Medikament anders reagieren kann. Das Wissen von Doppelblindstudien ist aber in dem Moment besonders wertvoll, wenn man wenig über die Reaktionsweise des Patienten weiß da z.B. kein Wissen über seinen Masernrezeptor vorhanden ist. Dann muß man eben dasjenige tun, was die größte Wahrscheinlichkeit auf Heilung verspricht, auch wenn dieser Ansatz nicht voll befriedigt.

Man sollte nie vergessen, daß sie hauptsächlich ein
Verkaufsargument sind.

Nein! Ich bin ja einer derjenigen, der solche Studien macht, aber was sollte ich damit denn verkaufen wollen? Masernviren gibts überall gratis.
Die Studien, welche von irgendwelchen Firmen gesponsort werden, um gewünschte Ergebnisse zu erzeugen, sind in der Minderheit. Man erkennt sie ganz einfach durch einen Blick in die „Acknowledgements“ am Ende des Artikels, wo man schreiben muß, wer die Studie finanziell unterstützt hat.

Wenn man jedoch immer auf einer Denkschiene festgenagelt ist,
die lediglich Symptome beseitigen will, dann wird man sich mit
Doppelblindstudien wundervoll mächtig fühlen. „Nehme für
Symptom oder Symptomkomplex A das Medikament/die Globuli/den
Akupunkturpunkt /die Pflanze B“.

Immer wird behauptet, die Schulmedizin würde lediglich symptomatisch behandeln. Auf so etwas kommt man nur, wenn man die Ansätze der Schulmedizin nicht kennt. Natürlich bemüht man sich immer um eine kausale Therapie (z.B. Infektion: Auslöschung des Erregers = Kausal), aber wenn man das eben nicht kann, wie z.B. bei Viren, dann therapiert man eben wenigstens das Symptom, um den Patienten über den Berg zu helfen.

Auch wenn ich davon überzeugt bin, daß sich in Deinem Leben
bei der spontanen Besserung des Heuschnupfens irgendetwas
grundlegend geändert hat, und Du deshalb nicht mehr an
Heuschnupfen leiden muß,

Hier würde wiederum eine Studie helfen, um die gegensätzlichen Überzeugungen mit Wissen zusammenzuführen: Man beobachte einfach Allergiker in jungen Jahren über 10 Jahre hinweg. Die Besserung würde nach Zufallsregeln, also nicht gerichtet verlaufen, wenn positive Lebensumstellungen diesebige bedingen würden, anders als wenn spezifische biochemische (Alterungs-/Reifungs-)mechanismen verantwortlich wären. Warum also die Abneigung gegen Studien?

Aber wenn ich Dir nun noch sage, daß ich der Meinung bin, daß
man jemand, der bei Ca-Markern positiv befundet, für gesund
oder gesünder halten kann, als jemand, der keine
Laborwertauffälligkeiten zeigt, dann hälst Du mich wohl für
komplett abgedreht.

Nein, ich halte dich nicht für abgedreht, weil Du in Deiner Definition on Gesundheit recht hast. Patienten verkraften Tumor-OPs unterschiedlich gut, und so kann es sein, daß es einem Patienten, dessen Blutwerte die Existenz eines Tumorrestes anzeigen, besser geht als jemandem, der nach der OP tatsächlich geheilt ist, aber mit den Krankheitsschrecken nicht umgehen kann.
Eine Studie zwischen den Patientengruppen würde aber ergeben, daß Patienten (insgesamt) mit hohen Tumormarkern auf Dauer gesehen eher wieder Tumorkrank werden. Das hätte dann evtl. die Konsequenz, daß sich für letztere eine Chemotherapie anschließt, obwohl die Patienten an sich „gesund“ sind.
Letztendlich ist also die Frage, ob man einen Patienten, der sich pudelwohl fühlt, aber Tumorzellen mit sich herumträgt, als krank betrachten will oder nicht.

Der Therapeut, der sich bei seiner Therapie auf die positiven
Ergebnisse der Studien verläßt, ist genauso dämlich, wie
derjenige, der sie überhaupt nicht zur Kenntnis nimmt.

Gut! Die Studien im o.g. Thread mit Crotalus hast Du ja sicher zur Kenntnis genommen, jetzt warte ich auf Deinen Kommentar dazu.

In dem Zusammenhang finde ich es interessant, was Du in einem Posting weiter unten geschrieben hast: In der Naturheilkunde käme es auf den Therapeuten an und nicht auf die Methoden. Das heißt, es ist für den Einzeltherapeuten weitgehend egal, welche Methoden er anwendet - der Heilerfolg wäre immer der Gleiche? Könnte man dann die Methoden nicht genausogut weglassen? Damit will ich Dich nicht ärgern, vielmehr ist das schlicht eine Frage, die sich ganz direkt aus dem von Dir gesagten ergibt.

ich bin gespannt!

Oliver

Lieber Oliver

Ich hab gedacht, ich wär aus dem Schlamassel raus, dabei hab ich mich nur noch tiefer reingeritten! Wir haben jetzt so viele lose Ende am Wickel, daß ich garnicht mehr genau weiß, welche Frage ich beantworten möchte. Die von Dir aufgeworfenen Fragen sind so grundlegend, daß man fast zwangsläufig abheben muß.

Diese leichtfertig benutzen Begriffe Krankheit, Gesundheit, Heilung führen auch hier zu vielen Unklarheiten und Mißverständnissen und wirken sich auf allen Ebenen der Diskussion aus. Auch die Kausa einer Krankheit wird von uns sehr unterschiedlich gebraucht.

Wenn Du, wie meist üblich, davon ausgehts, daß der Virus ursächlich ist, dann sind wir schon voll im Clinch. Für mich ist es eine abstruse Vorstellung, einen Rezeptor blockieren zu wollen. Das ist in meinen Augen Ingenieurtechnik. Dieser Ansatz beruht vor allem auf der Prämisse, daß der Organismus nicht weiß, was das Beste für ihn ist.

Ich will garnicht davon anfangen, daß es sich eigentlich nach den Nobelpreisen für die Prionenforschung und den entsprechenden Kongressen in Canada herumgesprochen haben müßte, daß Microorganismen polymorph sind, ja daß schon aus Eiweißbruchstücken latente Virulenzen entstehen können.

Es ist dieser nie endende materialistische Ansatz der systemimmanent immer neue Blüten treibt, der mich bei Deiner Argumentation stört. Du wirst es wahrscheinlich schon satt haben, immer wieder vom Milieu zu hören. Aber wenn Du zB in den Wald gehst und Dir anschaust, welche Bäume vom Pilz oder Insekten befallen werden, dann findest Du dort die Bestätigung für diese Theorie. Was unter Homöopathen allerdings oft vergessen wird, ist, daß es einen so hohen Infektionsdruck geben kann, daß das beste Milieu nichts mehr retten kann. Ausserdem muß man natürlich zugeben, wenn ich mich nur auf’s Milieu versteife, dann gibt es bei all den Patienten, die ihr Milieu nicht verbessern wollen, auf diesem Wege keine Chance! Absolut keine, mit den Mitteln der Naturheilkunde!
Die Krux ist ausserdem, daß die moderne Schulmedizin mit ihrem ingenieurmäßigem, materialistischem Ansatz sehr viel bewegen kann. Sie leistet unzweifelhaft Erstaunliches bei der Beseitigung von Symptomen, aber es ist meist keine Heilung. Da wo eine Heilung nicht mehr möglich ist, hab ich auch kein Problem damit. Leider wird dies in den Anfängen einer normalen Erkrankung meist garnicht versucht. Das finde ich furchtbar. Solches Vorgehen treibt den Patienten in immer größere Abhängigkeit und Krankheit, weil es die Selbstheilungskräfte zerstört. Antibiotika als Rettungsring ist OK, aber eigentlich ist es besser schwimmen zu lernen.

Vielleicht ist es arrogant so viel erreichen zu wollen. Aber für mich ist ein Weg der Hoffnung und der Freiheit. Wir vergessen als Therapeuten nur zu gerne, daß der Patient nicht mit einer Krankheit sondern mit einem Lebensproblem kommt. Und wenn man ihm auf seinem Lebensweg helfen möchte, dann kann es völlig nebensächlich sein, ja sogar sträflich, ihm sein Symptom zu nehmen. Die Herausforderung besteht doch darin, ihm sein Potential zu erkennen zu geben und erschließen zu helfen.

Man kann es wohl auf einen Knackpunkt zusammenfassen: Da man ganz besonders in unserer heutigen Welt nicht genügend Zeit zur immunologischen Anpassung hat, muß im Einzelfall entschieden werden, ob die Selbstheilungskräfte überfordert sind oder nicht. Wenn dies bejaht wird, muß man gegen den Erreger ankämpfen. Und dann können wir alle froh über die Ingenieurtechnik sein. Aber man sollte bitteschön die Frage überhaupt erstmal stellen. Nur dann können die Konsequenzen der einen oder anderen Herangehensweise beleuchtet werden. Das könnte völlig wertfrei geschehen und man muß sich deswegen keine ideologischen Köpfe einschlagen.

Das Wissen von Doppelblindstudien ist aber in dem Moment besonders wertvoll, wenn man wenig über die Reaktionsweise des Patienten weiß … Das denke ich auch. Aber mit dem entscheidenden Unterschied, daß man sehr viel mehr über den Patienten wissen könnte, wenn man ihn mit anderen Augen betrachten würde. Deshalb ist so unglaublich wichtig, welch grundsätzlichen Ansatz man hat. In diesem Sinne entscheidet die Methode schon, weil sie die Perspektive verändert. Es bleibt also wieder beim Therapeuten hängen, und die Studien sind dann nur Indizien und keine absoluten Richtlinien.
Die Methode ist auch insoweit entscheidend, als daß sie überhaupt genügend weitreichend wirken können muß. Wenn die TCM und die Homöopathie zB die Konsequenzen von Geschlechtskrankheiten beseitigen können, dann reichen sie weiter als andere Methoden. Aber unter „gleichwertigen“ Methoden, kommt es einzig auf den Therapeuten an, den „Knackpunkt“ richtig zu beurteilen.

Is’n büsschen lang geworden und nicht sehr geordnet, aber es hat geholfen die eigene Position etwas klarer zu kriegen. Und das ischa schon mal’n Anfang.

Tschüß
Christian

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Hi Oliver,

sorry dass ich mich einklinke, aber

Immer wird behauptet, die Schulmedizin würde lediglich
symptomatisch behandeln. Auf so etwas kommt man nur, wenn man
die Ansätze der Schulmedizin nicht kennt.

Wenn es eine rein symptomatische Behandlungsweise gibt, dann gebührt dieser (zweifelhafte) Preis wohl der Homöopathie.

(undjetztduckenundschnellweghier)

Hasta Lavista

Hi Hasta Lavista

Wenn es eine rein symptomatische Behandlungsweise gibt, dann
gebührt dieser (zweifelhafte) Preis wohl der Homöopathie.

Auf so etwas kommt man nur, wenn man die Ansätze der Homöopathie
nicht kennt.

Gruß
Crotalus

Womit Du zumindest bewiesen hast…
…daß du nicht die geringste Ahnung von der Homöopathie hast,über die Du Dir aber mal eben ein Urteil abzugeben anmaßt.
Mina

Hi Crotalus,

Dass ich hier gleich Schelte einstecke, war mir klar.
Nur, dem Diskussionspartner Inkompetenz und Unwissenzeit zuzuschreiben ist noch kein sachliches Argument.
Lassen wir zu meiner Behauptung, die Homöopathie sei eine symptomatische Behandlungsweise, den Begründer Hahnemann selber zu Wort kommen (Organon der Heilkunst, 6. Auflage):

"§ 6
Der vorurtheillose Beobachter […] nimmt, auch wenn er der scharfsinnigste ist, an jeder einzelnen Krankheit nichts, als äußerlich durch die Sinne erkennbare Veränderungen im
Befinden des Leibes und der Seele, Krankheitszeichen, Zufälle, Symptome wahr, das ist, Abweichungen vom gesunden, ehemaligen Zustande des jetzt Kranken […] Alle diese wahrnehmbaren Zeichen repräsentiren die Krankheit in ihrem ganzen Umfange, das ist, sie bilden zusammen die wahre und einzig denkbare Gestalt der Krankheit

§ 7
Da man nun an einer Krankheit, von welcher keine sie offenbar veranlassende oder unterhaltende Ursache (causa occasionalis) zu entfernen ist sonst nichts wahrnehmen kann, als die Krankheits-Zeichen, so müssen, unter Mithinsicht auf etwaniges Miasm und unter Beachtung der Nebenumstände (§. 5.), es auch einzig die Symptome sein, durch welche die Krankheit die, zu ihrer Hülfe geeignete Arznei fordert und auf dieselbe hinweisen kann - so muß die Gesammtheit dieser ihrer Symptome, dieses nach außen reflectirende Bild des innern Wesens der Krankheit, d.i. des Leidens der Lebenskraft, das Hauptsächlichste oder Einzige sein, wodurch die Krankheit zu erkennen geben kann, welches Heilmittel sie bedürfe , - das Einzige, was die Wahl des angemessensten Hilfsmittels bestimmen kann - so muß, mit einem Worte, die Gesammtheit der Symptome für den Heilkünstler das Hauptsächlichste, ja Einzige sein, was er an jedem Krankheitsfalle zu erkennen und durch seine Kunst hinwegzunehmen hat, damit die Krankheit geheilt und in Gesundheit verwandelt werde.

§ 8
Es läßt sich nicht denken, auch durch keine Erfahrung in der Welt nachweisen, daß, nach Hebung aller Krankheitssymptome und des ganzen Inbegriffs der wahrnehmbaren Zufälle, etwas anders, als Gesundheit, übrig bliebe oder übrig bleiben könne, so daß die krankhafte Veränderung im Innern ungetilgt geblieben wäre

§ 50

[…] Belege von dem in ihnen waltenden, großen, einzigen Natur-Heilgesetze: Heile durch Symptomen-AehnIichkeit!

§ 70

Nach dem bisher vorgetragenen ist es nicht zu verkennen:

daß alles, was der Arzt wirklich Krankhaftes und zu Heilendes an Krankheiten finden kann, bloß in dem Zustande und den Beschwerden des Kranken und den an ihm sinnlich wahrnehmbaren Veränderungen seines Befindens, mit einem Worte, bloß in der Gesammtheit derjenigen Symptome bestehe, durch welche die Krankheit die, zu ihrer Hülfe geeignete Arznei fordert, hingegen jede ihr angedichtete innere Ursache, verborgene Beschaffenheit, oder ein eingebildeter, materieller Krankheits-Stoff, ein nichtiger Traum sei
[…]
daß aber endlich die dritte, einzig noch mögliche Verfahrungsart (die homöopathische), […] gegen die Gesammtheit der Symptome einer natürlichen Krankheit eine, möglichst ähnliche Symptome in gesunden Menschen zu erzeugen fähige Arznei […] die allein hülfreiche Heilart sei.

§ 71

Da es nun weiter keinem Zweifel unterworfen ist, daß die Krankheiten des Menschen bloß in Gruppen gewisser Symptome bestehen, mittels eines Arzneistoffs aber bloß dadurch, daß dieser ähnliche krankhafte Symptome künstlich zu erzeugen vermag, vernichtet und in Gesundheit verwandelt werden…

§ 154

Enthält nun das, aus der Symptomen-Reihe der treffendsten Arznei zusammengesetzte Gegenbild, jene in der zu heilenden Krankheit anzutreffenden, besondern, ungemeinen, eigenheitlich sich auszeichnenden (charakteristischen) Zeichen in der größten Zahl und in der größten Aehnlichkeit, so ist diese Arznei für diesen Krankheitszustand das passendste, homöopathische, specifische Heilmittel; eine Krankheit von nicht zu langer Dauer wird demnach gewöhnlich durch die erste Gabe desselben ohne bedeutende Beschwerde aufgehoben und ausgelöscht."

Soweit Hahnemann himself.
Wo liegt jetzt mein Misverständnis, wenn ich behaupte Homöopathie sei primär symptomorientiert?
IMHO lassen die Ausführungen Hahnemanns doch gar keinen anderen Schluss zu, als dass allein die Krankheitssymptome das zu diagnostizierende und zu behandelnde sind (weil man damit, lt. Hahnemann, die gesamte Krankheit „erwischt“). In fröhlicher Ignoranz der „angedichteten inneren Ursachen“ bzw. der „materiellen Krankheits-Stoffe“.
Und das geht meiner Meinung nach doch an ein paar neueren Kenntnissen über z.B. unterschiedliche physiologische oder genetische Ursachen von Erkrankungen hinweg, die sich nach außen hin durch entweder durch gleiche Symptome, oder sogar durch völlige Beschwerdefreiheit manifestieren, aber mit schulmedizinischen Methoden diagnostizierbar und differenzierbar sind (und wo man sich auch für die Ursachen der Erkrankung interessiert, und versucht diese zu behandeln, nehmen wir zum Beispiel mal eine genetisch bedingte Störung in einer Enzymsynthese…)
Aber ich bin natürlich lernfähig :wink:
Belehre mich, auf dass ich schlauer werde.

Liebe Grüße,

Hasta Lavista

…dass du nicht erschöpfend über meinen Kenntnisstand unterrichtet bist, über den Du Dir mal eben ein Urteil erlaubst.*gg*
Nicht jeder, der über einen Gegenstand zu einem anderen Urteil kommt als Du, ist unbedingt ahnungslos, oder?

Wie ich zu meiner Einschätzung komme, kannst Du - Interesse vorausgesetzt - in meiner Antwort an Crotalus nachlesen.
Ich freue mich auf eine sachliche Antwort, an Verbalinjurien bin ich aber nicht interessiert.

Liebe Grüße,

Hasta Lavista

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Hallo Hasta Lavista,

Du hättest dir nicht die Mühe machen müssen, den guten, alten
Hahnemann so ausführlich zu zitieren.
Hab ich alles schon selber gelesen, bzw kann es nachschlagen.

Bei der Suche nach dem richtigen Simile geht der Homöopath sicherlich von der jeweiligen Symptomatik aus.
Genau so wichtig sind aber auch psychische Befindlichkeiten und Besonderheiten, sowie die Modalitäten der Beschwerden.
Die Homöopathie ist sowohl eine symptomatische, wie auch eine konstitutionelle Therapie.
So wird man bei einer Quetschung des Fingers symptomatisch mit z.B.Arnika C30 behandeln.
Bei einer chronischen Erkrankung, wie z.B. Rheuma wird das schon anders aussehen. Hier würde in einer aufwendigen Repertorisation nach dem passenden Simile gesucht, das nicht direkt gegen die akuten Symptome gerichtet sein muss.
Also: bei akuten Erkrankungen stimme ich dir zu
bei chronischen Erkrankungen nicht

Natürlich konnnte Hahnemann die Erkenntnisse unserer heutigen modernen Medizin nicht kennen und insofern auch nicht berücksichtigen.
Die Homöopathie hat sich nun aber auch weiterentwickelt und viele neue Impulse erhalten.
Innerhalb der Homöopathie gibt es mittlerweile auch verschiedene
Richtungen mit zum Teil auch Isopathischen Anteilen und der Berücksichtigung von Stoffen, die Hahnemann nicht kennnen konnte
(z.B. Potenzierung von allopathischen Medikamenten, Stoffen der chemischen Industrie etc.)/im Gegensatz zur orthodoxen klassischen Homöopathie.
Du siehst, so simpel ist das alles gar nicht.
Die Homöopathie ist für mich persönlich auch nur eine Methode von vielen. Sie hat ihre Berechtigung, kann sehr hilfreich sein, hat aber auch ihre Grenzen.
In der Hoffnung dich ein wenig schlauer gemacht zu haben.
Gruß
Crotalus

Hallo Crotalus,

Du hättest dir nicht die Mühe machen müssen, den guten, alten
Hahnemann so ausführlich zu zitieren.

*gg* War wohl eher, weil ich mir etwas arg über den Mund gefahren vorkam. Ist halt nicht so, dass ich mich damit gar nicht beschäftigt hätte.

Bei einer chronischen Erkrankung, wie z.B. Rheuma wird das
schon anders aussehen. Hier würde in einer aufwendigen
Repertorisation nach dem passenden Simile gesucht, das nicht
direkt gegen die akuten Symptome gerichtet sein muss.

Danke. Das war mir neu. Wieder was dazugelernt

Also: bei akuten Erkrankungen stimme ich dir zu
bei chronischen Erkrankungen nicht

Schön. (*teilweiserehabilitiertfühl*)

Die Homöopathie ist für mich persönlich auch nur eine Methode
von vielen. Sie hat ihre Berechtigung, kann sehr hilfreich
sein, hat aber auch ihre Grenzen.
In der Hoffnung dich ein wenig schlauer gemacht zu haben.

Das hast Du. Danke und viele Grüße,

Hasta Lavista
(*der zwar von der Wirksamkeit homöopathischer Methoden nicht überzeugt ist, aber jetzt zumindest die Gegenposition etwas genauer kennengelernt hat*)

*gg* War wohl eher, weil ich mir etwas arg über den Mund
gefahren vorkam. Ist halt nicht so, dass ich mich damit gar
nicht beschäftigt hätte.

Sorry, war nicht meine Absicht

Crotalus

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Hallo HL,
hier geht es ja nicht um Urteile,zu denen man kommt,sondern um Fakten,die sich aus der angewandten Homöopathie erkennen lassen.
Warum Dein Statement so einfach nicht fundiert ist,das hat Crotalus schon erklärt.
Ich gebe zu,daß ich eine Erörterung auch gleich hätte hinzufügen können,statt einfach nur spitze Bemerkungen zu machen.
Es sind hier etliche „Diskussionen“ gelaufen mit Homöopathiegegnern,die zutiefst unfundierte „Argumente“ gebracht haben,warum das alles Humbug sei,ohne die geringste Ahnung oder gar Verständnis für die Materie gehabt zu haben,daß ich nun schnell so reagiere.Ohne allerdings diese Diskussionen mit Dir geführt zu haben.
Das ist aber in der Tat undifferenziert und unproduktiv.Sorry.

Viele Grüße,Mina

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

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