Re: Physik und Psychophysik
Hallo Slick!
Ist es die Schallwelle die entsteht wenn der Baum umfällt oder
ist es das was am Ohr wahrgenommen wird wenn die Schallwelle
das Ohr erreicht!
Wenn ein Baum fällt, existiert mit großer Wahrscheinlichkeit für kurze Zeit eine Schallquelle. Von dieser Schallquelle aus gehen Schallwellen. Dabei ist es gleichgültig, ob der Schall gehört wird oder nicht, weil die Definition des Schalls nichts darüber aussagt, was für Wahrnehmungen in der Nähe befindliche Organismen haben. Schall ist auf der physikalischen Ebene definiert. Das Hören dagegen fällt in den Bereich der Psychologie. Wie der physikalische Reiz mit der Wahrnehmung (dem psychischen "Produkt") zusammenhängt, ist keine Frage der Physik mehr, sondern der Psychologie, Abteilung Psychophysik.
Das ist auch sinnvoll. Wenn Schall psychologisch definiert werden würde, dann würde er z.B. nur dann existieren, wenn die distale physikalische Situation (das Fallen des Baumes) zu einer Wahrnehmung (psychisches Produkt) führt. Die Wahrnehmung hängt aber nicht nur von der distalen physikalischen Situation ab, sondern auch von den Organismen, die wahrnehmen.
Dies würde zu Problemen führen: Wenn eine gehörlose Person neben dem Baum stehen würde, dann würde man nicht von Schall sprechen. Wenn eine hörende Person neben dem Baum stehen würde, dann würde man von Schall sprechen. So weit, so gut.
Aber wenn eine gehörlose UND eine hörende Person neben dem Baum stehen würden, was wäre dann? Schall oder nicht Schall?
Daher bevorzuge ich die physikalische Definition des Schalls und die psychologische des Hörens. Der Schall hängt von der distalen physikalischen Situation unabhängig von anwesenden möglicherweise "hörenden" Organismen ab, das Hören ist psychisches Produkt eines Organismus in gewisser Abhängigkeit von der distalen physikalischen Situation.
Freundliche Grüße,
Oliver