Re^3: Energie und Schadstoffbelastung
Hallo Oliver,
Aber, ob Windräder wirklich so eine tolle Alternative sind...
Eine Alternative zu was? Es geht überhaupt nicht darum, mit Windrädern andere Kraftwerke vollständig zu ersetzen. Dafür sind Verfügbarkeit und Eigenschaften der Kraftwerkstypen zu unterschiedlich und man muß zudem in der Lage sein, die Energiebereitstellung dem Verbrauch genau anzupassen. So können Grundlastkraftwerke (Kohle, Kernkraft) nur eine weitgehend konstante Leistung ins Netz einspeisen. Sie bedürfen unbedingt der Ergänzung durch in der Leistung steuerbare Kraftwerkstypen, sonst hätten wir keine konstante Netzfrequenz. Man braucht also in jedem Fall einen Mix aus verschiedenen Kraftwerkstypen, um die Verbrauchskurve exakt nachzufahren. Das geschieht z. B. mit Gasturbinen, mit Wasserkraft an Stauseen oder in Hamburg mit Hilfe eines Pumpspeicherwerks.
Windkraftwerke können keine vollständige Alternative zu anderen Kraftwerkstypen sein. Kein Sachkundiger hat je etwas anderes behauptet. Die Verfügbarkeit von Windkraftwerken ist von der Witterung abhängig, damit nur im Jahresmittel, nicht aber für den konkreten Zeitpunkt vorherbestimmbar. Andererseits ist die Abgabeleistung eines Windkraftwerks in einem sehr weiten Bereich einstellbar. Die Dynamik wird sonst nur von Wasserkraftwerken erreicht. Das Alternativengerede ist Unfug, wenn man darunter den womöglich vollständigen Ersatz von Grundlastkraftwerken durch Windewnergie versteht. Schaltet man Kohle-, Öl- und Kernkraftwerke ab, haben wir derzeit keine Alternative, ganz unabhängig davon, wie viele Windräder aufgestellt werden. Windkraftwerke können aber einen Beitrag leisten, mit geringerer Kapazität umweltbelastender Kraftwerke auszukommen. In Schleswig-Holstein beträgt der Windkraft-Anteil an elektrischer Energie im Jahresmittel reichlich 10%. Das sind Gigawattstunden (!), für die man weder Stickoxide noch Abwärme in die Gegend blasen muß und keine Entsorgungsprobleme hat. Der Windkraftanteil ist noch erheblich ausbaubar, aber niemals auch nur ansatzweise auf 100%. Das gibt die Technik mangels Speicherfähigkeit elektrischer Energie, diskontinuierlicher Windenergie, aber dauerndem Stromverbrauch nicht her.
Was ist denn mit dem Infraschall? Das sind die Auswirkungen
doch noch gar nicht so richtig erforscht. Davon abgesehen gibt
es ja nicht nur Menschen, die Emission betreffen ja auch die
umgebende Flora und Fauna.
Menschliches Handeln ist stets mit wie auch immer gearteten Veränderungen und Beeinflussungen der Natur verbunden. Allein die Tatsache unserer Existenz ist eine solche Beeinflussung. Es kann deshalb nur darum gehen, das menschliche Handeln so auszurichten, daß sich in der Natur ein Gleichgewicht einstellt, unter dessen Bedingungen unsere Existenz gesichert bleibt. Die von Dir angeführten Punkte versehen Windenergie mit Bedenken der Art, daß es überhaupt Beeinflussungen gibt. Das ist unangemessen (um keinen schärferen Ausdruck zu verwenden) angesichts der Tatsache, daß mit Windenergie weder Recourcen verbraucht, noch Abwärme oder Schadstoffe erzeugt werden. Oder deutlicher: Es entspricht dem Handeln eines Arztes, der die lebensrettende Spritze gegen die Vergiftung nicht verabreicht, weil die Kanüle eine Verletzung der Haut verursacht.
Auf welchem Niveau bewegen wir uns überhaupt, wenn man angesichts tausender Tonnen nicht abgegebener Abgase den Schattenwurf als Gegenargument anführt?
Gruß
Wolfgang