Antwort von
nach 3 Tagen
hilfreich
Re: Warum ist Glas durchsichtig?
Lieber Joachim,
den ersten Teil hat ja Michaela schon recht gut beantwortet. Insofern versuche ich mich an einer möglichst ausführlichen Antwort auf deine 2. Frage.
Ich hoffe, ich gehe nicht zu sehr ins Detail. Wenn du noch Fragen hast, nur zu...
Was genau stört das Licht (Protone,
Elektronen,...?)
Ich nehme mal an, du fragst dich hier, warum das Licht im Glas sich anders ausbreitet als im Vakuum - sprich, warum es langsamer läuft. Das kann man zunächst mal als exprimentelle Tatsache akzeptieren; das Verhältnis der Lichtgeschwindigkeit im Glas zur Vakuumlichtgeschw. ist ja als der Brechungsindex definiert und wenn man den kennt, kann man schon ziemlich viel Optik machen.
Aber wie läßt sich verstehen, das es einen Brechungsindex gibt und warum das Licht im Glas langsamer läuft? In wenigen Worten kann man es so sagen: die elektromagnestische Welle des Lichts regt die Elektronen zu erzwungenen, kollektiven Schwingungen an (das Glas wird also lokal polarisiert). Diese strahlen wiederum und senden dabei Sekundärwellen aus, die sich zu einer phasenverzögerten (langsamer!) Lichtwelle überlagern.
Es ist durchaus möglich, das Verhalten des Lichts im Glas mikroskopisch zu beschreiben. Man betrachtet also, was die einzelnen Atomkerne und Elektronen tun. Aber in allen praktischen Problemen geht man sehr schnell zu einer makroskopischen Beschreibung über; man *mittelt* also über viele Atomkerne und Elektronen (genauer gesagt, über die von ihnen erzeugten elektrischen und magnetischen Felder). Zum Beispiel berechnet man aus der Verschiebung der Elektronen (Dipol!) die sog. Polarisation des Glases. Nach diesem Übergang kann man wieder die vertrauten Methoden der Elektrodynamik anwenden und davon ausgehen, daß Licht eine elektromagnetische Welle ist. Das hat einfach pragmatische Gründe - man kann alles auch quantenmechanisch rechnen, aber in den meisten Fällen ist das deutlich schwieriger und es kommt eh das gleiche raus.
Ach ja, wichtig ist hier noch, daß noch irgendwo (in den elektromagn. Gleichungen) die Information über die atomare Mittelung stecken muß. Beim elektrischen Feld (der Lichtwelle) taucht daher eine Zahl namens Epsilon auf. Die kennst Du vielleicht aus der Schulphysik als "Dielektrizitätskonstante". Allerdings ist sie hier nicht mehr konstant, sondern hängt vor allem von der Frequenz (Achtung: die Wellenlänge ändert sich im Glas!) des Lichts ab.
OK, müssen wir also nicht mehr verstehen, was die Atome und Elektronen im Glas und was die Photonen des Lichts tun, sondern die Frage lautet, wie verhält sich die elektromagnetische Welle des Lichts *im* Glas. Und genau dieses Verhalten läßt sich durch die sogenannte "dielektrische Funktion" beschreiben. Denn genau in dieser Funktion stecken nämlich die Eigenschaften des Glases drin. Die diel. Funktion ist nichts anderes als das "Epsilon" in Abhängigkeit von der Lichtfrequenz. Sobald ich die diel. Funktion kenne, weiß ich, wie sich das Licht verhält.
Wie, daß läßt sich nun in Länge ausrechnen. Von Bedeutung ist aber, das ich, sobald ich die dielektrische Funktion, also Epsilon für alle (Licht-)Frequenzen kenne, automatisch auch den Brechungsindex - und den Absorptionskoeffizient - kenne. Und damit habe ich erreicht, was ich eigentlich wollte - ich habe ausgehend von der atomaren Struktur des Glases ausrechnen können, wie ein Brechungsindex entsteht, warum sich also das Licht im Glas langsamer ausbreitet.
Ach ja, zum Schluß noch ein Buchtip: wenn dich das ganze in mathematischen Details interessiert, dann wirf doch mal einen Blick in "Demtröder: Experimentalphysik, 2. Band, Kapitel 8". Ist so etwa auf dem Nivau vom 2. Semester Physikstudium. Aber bevor du dir es kaufst, schau dir das Buch vorher mal an (zB Unibücherei).
Liebe Grüße,
Markus