Hallo Stefan,
es ist auch an diesem Beispiel interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Herangehensweise von Mathematikern und Physikern zu sein scheint.
Wie Enno schon festgestellt hat, ist prinzipiell eine Erweiterung einer Funktion kein Problem. Der Definitionsbereich wird um einen weiteren Punkt ergänzt und diesem wird schlicht ein Funktionswert zugeordnet. Es ist nett, wenn Stetigkeit erhalten bleibt, aber nicht mehr und nicht weniger. Üblicherweise wird daher in der Tat 0^0 := 1 und nicht = 0 definiert, weil es oft für viele Schreibweisen zweckmäßig ist, wenn a^0 = 1 stetig fortgesetzt auch für a = 0 gilt.
Dies hindert natürlich niemanden daran, in einem Kapitel eines Buches, einer Arbeit oder eines Artikels kurzfristig 0^0 = 0 zu definieren, wenn es die dort enthaltenen Schreibweisen verkürzt und die Sachverhalte leichter verständlich präsentiert. Dann muss diese Definition allerdings klar und deutlich dem ganzen vorangestellt sein, damit keine Missverständnisse auftreten. Denn üblich ist 0^0 = 1, ähnlich wie beispielsweise das leere Produkt stets 1 und nicht 0 (wie z.B. die leere Summe) ist.
Viele Grüße,
Martin
P.S. Wenn 0^0 üblicherweise überhaupt nicht definiert wäre, dürfte man übrigens auch - wie schon Oliver richtig festgestellt hat - z.B. die Exponentialreihe (aber auch andere) nicht über die Summenschreibweise definieren. Die kompakte Summenschreibweise ist den Mathematikern aber dann doch mehr wert, als die Stetigkeit der 0^x Funktion... ;-)
Nochmal: Es geht hier nicht um eine "Rechnung" für 0^0, sondern um eine Schreibweise (Hier vielleicht der Unterschied zwischen Physikern und Mathematikern: Die ersten betrachten Dinge/Resultate vielleicht als schon vorhanden und es gilt sie "nur" durch Rechnung, Betrachtung der Natur etc. zu finden. Viele Mathematiker sehen dagegen "ihre" Mathematik als ein von Menschen geschaffenes Gedankengebäude, das man den Bedürfnissen logisch sinnvoll anpasst...)