Kernfusion?

Von: , Frage gestellt am Sa, 18. Mär 2000

HAllo,

wir hatten in unserer Schule letzt eine Diskussion über neue umweltschonenden Energiequellen. Zur Sprache kam auch die klate Fusion bzw. Kernfusion. Da aber niemand genauere Fakten hatte, ist die Diskussion ins Leere gelaufen. Ich wollte jetzt mal wissen, wie weit die Wissenschaftler in diesem Bereich sind, und wie das ganze funktioniert. Auch URL sind erwünscht.

Vielen Dank im Vorraus

MfG


Micha

18 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 19 Stunden hilfreich
    Re: Kernfusion?

    Bei der Kernfusion verschmelzen zwei Wasserstoffatomkerne zu einem Heliumatomkern. Dabei entsteht eine große Menge Energie, da jedes Atom immer den enerigeärmsten Zustand anstrebt.
    Die Kernfusion konnte bereits für ca. 10 Sekunden aufrecht erhalten werden, das Problem stellt allerdings die benötigte Temperatur da. Diese kann nur mit Hilfe mehrerer starker Laser erreicht werden. Ein weiteres Problem ist die Reaktionskammer, wo alles abläuft. Die Kernfusion muss kontrolliert werden können, ein Unfall ließe eine Atombombe wie einen Knallfrosch aussehen.
    Die kalte Fusion ist das gleiche Prinzip, nur bei kleineren Temperaturen (nur ein paar tausend °C).

    mfg
    Martin

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Re^2: Kernfusion?

      Ein weiteres Problem ist die
      Reaktionskammer, wo alles abläuft. Die
      Kernfusion muss kontrolliert werden
      können, ein Unfall ließe eine Atombombe
      wie einen Knallfrosch aussehen.
      Na, na ,na. Mal nicht uebertreiben! In dem Moment, in dem der Einschluss des Plasmas versagt, bricht das Plasma sofort zusammen und damit die Fusionsreaktion. Das ist ja gerade das Problem bei der Fusion. Es gelingt nicht, das Plasma ausreichend lange im Einschluss zu halten.

      Gruss, Niels

      • Antwort von nach einem Tag hilfreich
        Re^3: Kernfusion?

        Sorry Niels,


        aber das ist alles zu hoch. Ihr solltet mir eigentlich erklären was das mit der KF auf sich hat. Was hat das alles mit dem Plasma zu tun?

        MfG


        Micha

        • Antwort von nach einem Tag hilfreich
          Re^4: Kernfusion?

          Sorry Niels,


          aber das ist alles zu hoch. Ihr solltet
          mir eigentlich erklären was das mit der
          KF auf sich hat. Was hat das alles mit
          dem Plasma zu tun?

          Also mal einfach formuliert:
          Kernfusion bedeutet in erster Linie das verschmelzen von Atomkernen zu groesseren Kernen. Dabei wird Energie freigesetzt, wenn der entstehende Kern leichter als Eisen ist.

          Die Sonne gewinnt ihre Energie aus der Verschmelzung von 4 Wasserstoffatomen ueber verschiedene Zwischenstufen zu einem Heliumatom. (Ein Wasserstoffatom besteht aus einem Proton, ein Helium aus 2 Protonen und zwei Neutronen). Zwei der Protonen haben sich in dabei in Neutronen umgewandelt. Der Heliumkern ist etwas leichter als die vier Wasserstoffkerne. Die Differenz in der Masse ist nach der Gleichung E=mc^2 zu Energie geworden.

          Diese Reaktion ist fuer die Technik unbrauchbar, da sie zu hohe Druecke und Temperaturen voraussetzt.
          Es gibt aber andere Reaktionen die eher genutzt werden koennen, da sie leichter ablaufen. Heute versucht man es mit der Verschmelzung von Deuterium mit Tritium.
          Beides sind Isotope des Wasserstoffs. Deuterium hat ein Proton und ein Neutron, Tritium ein Proton und zwei Neutronen. Tritium ist radioaktiv und hat eine HWZ von ca. 12 Jahren.

          Beide zusammen verschmelzen zu Helium und senden das uebrige Neutron aus. Diese Reaktion ist nicht so effektiv wie die solare, aber leichter machbar.

          Um ueberhaupt eine Reaktion zustande zu bringen, muessen im Reaktor aehnliche Verhaeltnisse geschaffen werden wie in der Sonne. Den Druck im Sonneninneren erreicht man bei weitem nicht, die Temperatur hat man aber schon um ein Vielfaches ueberboten. Dabei geht das Gas in einen besonderen Zustand ueber: das Plasma. Die Kerne sind ihrer Atomhuellen (Elektronen) beraubt.

          Dieses Plasma muss eingeschlossen werden. Das geht auf Grund der Temp. nicht mit Gefaessen sondern mit Magnetfeldern. dabei werden die Magnetfelder immer weiter eingeschnuert um auch einen ausreichenden Druck im Plasma zu erzeugen.
          Geheizt wird das Ganze durch Mikrowellen und Laser bis einige zig-Mio grad Erreicht sind. Dann zuendet das Plasma, die Fusion kommt in Gang und erhoeht die Temp weiter, bis die Magnetfelder das Plasma nicht mehr halten koennen. Das Plasma dehnt sich aus, kuehlt dadurch ab und die Reaktion kommt zum Erliegen (also nix mit Atombombe). Derzeit ist die Energie, die fuer das Heizen des Plasmas benoetigt wird noch deutlich hoeher als die entstehende Energie.
          Bei der Reaktion werden Neutronen freigesetzt (s.o.), die von den Magneten nicht eingeschlossen werden koennen, da sie elektrisch neutral sind. Diese Treffen auf die Reaktorwand auf und erzeugen dort Radioaktive Elemente. Deshalb muss die Innenauskleidung der Wand als Atommuell entsorgt werden.

          So einfach ist das Ganze :-))

          Gruss, Niels

          • Antwort von nach einem Tag hilfreich
            Re^5: Kernfusion?

            Soweit ich weiß wird die Fernfusion auch nur deshalb als saubere Energiequelle gehandelt, da die Halbwertzeiten der entstehenden radioaktiven Stoffe relativ kurz sind. Im Vergleich zu den Abfallprodukten eines Kernreaktors. Ausserdem ist an Wasser leichter ranzukommen als an Uran *g*.

            MfG, Benedict

            PS: Ich habe schon von Kernfusionsexperimenten gehört bei dehnen angeblich mehr Energie erzeugt wurde als verbraucht. Aber halt nur im Experiment! Sehr wahrscheinlich war danach der Versuchsreaktor nur noch Schrott *g*.

          • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
            Re^5: Kernfusion?

            Sorry Niels,
            Um ueberhaupt eine Reaktion zustande zu
            bringen, muessen im Reaktor aehnliche
            Verhaeltnisse geschaffen werden wie in
            der Sonne. Den Druck im Sonneninneren
            erreicht man bei weitem nicht, die
            Temperatur hat man aber schon um ein
            Vielfaches ueberboten. Dabei geht das Gas
            in einen besonderen Zustand ueber: das
            Plasma. Die Kerne sind ihrer Atomhuellen
            (Elektronen) beraubt.

            Dieses Plasma muss eingeschlossen werden.
            Das geht auf Grund der Temp. nicht mit
            Gefaessen sondern mit Magnetfeldern.
            dabei werden die Magnetfelder immer
            weiter eingeschnuert um auch einen
            ausreichenden Druck im Plasma zu
            erzeugen.
            Geheizt wird das Ganze durch Mikrowellen
            und Laser bis einige zig-Mio grad
            Erreicht sind. Dann zuendet das Plasma,
            die Fusion kommt in Gang und erhoeht die
            Temp weiter, bis die Magnetfelder das
            Plasma nicht mehr halten koennen. Das
            Plasma dehnt sich aus, kuehlt dadurch ab
            und die Reaktion kommt zum Erliegen (also
            nix mit Atombombe). Derzeit ist die
            Energie, die fuer das Heizen des Plasmas
            benoetigt wird noch deutlich hoeher als
            die entstehende Energie.
            Bei der Reaktion werden Neutronen
            freigesetzt (s.o.), die von den Magneten
            nicht eingeschlossen werden koennen, da
            sie elektrisch neutral sind. Diese
            Treffen auf die Reaktorwand auf und
            erzeugen dort Radioaktive Elemente.
            Deshalb muss die Innenauskleidung der
            Wand als Atommuell entsorgt werden.
            Ich als Nichtwissenschaftler habe es jetzt verstande. Ich verstehe zwar nichts davon, aber gibt es nicht Isotope die "neutronenhungrig sind"? Damit könnte man doch wenigstens die Radioaktivität verringern oder sogar ausschalten.

            So weit ich das alles verstanden habe müßte man die eigentliche Fusion bei Zimmertemeratur ankurbeln, aufheizen würde sie sich dann von alleine. Man hätte dann wenigstens die Energie die frei wird, bis das Magnetfeld kolabiert. Wäre schon ein anfang.
            Danke für die Antwort!!!!


            Mal was anderes, wie funktioniert das mit der Antimaterie?

            weißt du da auch was? Aus Berichten weiß ich das Wissenschftler schon Antimaterie in einem Teilchenbeschleuniger feststellen un isolieren konnten. Damit könnte man doch auch energie gewinnen. Die Antimaterie will doch mit Materie auch "fusionieren". Dabei wird doch viel Energie frei. Nicht das ihr jetzt denkt zuviel Star trek gesehen! Aber es gibt definitiv Antimaterie die man zur Enrgiegewinnung machen kann.

            MfG

            Micha

            • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
              Re^6: Kernfusion?

              Ich als Nichtwissenschaftler habe es
              jetzt verstande.
              Das war meine Absicht! Ich verstehe zwar nichts
              davon, aber gibt es nicht Isotope die
              "neutronenhungrig sind"? Damit könnte man
              doch wenigstens die Radioaktivität
              verringern oder sogar ausschalten.
              Es gibt Cadmium und Bor, die einen grossen Einfangquerschnitt (gemessen in Barn) fuer Neutronen haben. Soviel ich weiss, werden die Neutronen aber gebraucht, um in der Reaktorwand das Tritium zu erbrueten und duerfen nicht einfach weggefangen werden. So weit ich das alles verstanden habe
              müßte man die eigentliche Fusion bei
              Zimmertemeratur ankurbeln, aufheizen
              würde sie sich dann von alleine.
              Sie braucht aber die hohen Temp, um ueberhaupt zu zuenden! Man
              hätte dann wenigstens die Energie die
              frei wird, bis das Magnetfeld kolabiert.
              Wäre schon ein anfang.
              Danke für die Antwort!!!!


              Mal was anderes, wie funktioniert das mit
              der Antimaterie?

              weißt du da auch was? Aus Berichten weiß
              ich das Wissenschftler schon Antimaterie
              in einem Teilchenbeschleuniger
              feststellen un isolieren konnten. Damit
              könnte man doch auch energie gewinnen.
              Die Antimaterie will doch mit Materie
              auch "fusionieren". Dabei wird doch viel
              Energie frei. Nicht das ihr jetzt denkt
              zuviel Star trek gesehen! Aber es gibt
              definitiv Antimaterie die man zur
              Enrgiegewinnung machen kann.
              Antimaterie entsteht zB wenn ein Gammaquant in der Naehe eines Atomkerns in ein Elektron (Materie) und ein Positron (Antimaterie) zerfaellt. Diese beiden koennen dann wieder miteinander reagieren und erzeugen dabei ... ein Gammaquant.
              Die Energie, die zur Erzeugung der Antimaterie benoetigt, ist viel hoeher, als die aus der Antimaterie zu gewinnende Energie!

              Gruss, Niels

  2. Antwort von nach 23 Stunden hilfreich
    Re: Kernfusion, umweltschonend?

    Hallo

    Das Thema Umweltschonend ist in Zusammenhang mit diesen Themen etwas problematisch.

    - Zur Kernfusion: Im Prinzip hört sich die Sache sehr sauber an. Das Problem ist, daß bei Kernfusion sehr viele Neutronen entstehen. Neutronen haben bei der Energie die Eigenschaft von normalen Kernen eingefangen zu werden, woraufhin radioaktive Kerne entstehen. Das Problem ist also, daß bei Kernfusion radioaktiver Abfall entsteht und der ist ja auch ein Hauptproblem bei der Kernspaltung.

    - Kalte Fusion: Alle Träumereien zu dem Thema sind wunderschön, aber eben Träumereien. Es gibt bis heute keinerlei Hinweis darauf, daß es so etwas wie Katalyse auch im Kernbereich gibt - vielmehr sprechen einfache energetische Argumente dagegen. Kalte Fusion wird es also vermutlich niemals geben - aber als Aufhänger für spannende Romane oder Filme immer wieder auftauchen.

    Gruß
    Thomas

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Re^2: Kernfusion, umweltschonend?

      Servus

      Entstehen bei der Kernfusion nicht auch radioaktive Wasserstoffisotope?

      fragt sich Euer Physikdilettant



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