Stapeln...

Von: , Frage gestellt am Sa, 18. Sep 1999

Hallo,

die Karten eines Stapels von 32 Spielkarten sollen parallel ihrer Längsseite so gegeneinander verschoben werden, daß dabei keine vom Stapel herunter fallen.

Um wieviele Kartenlängen lässt sich auf
diese Weise die oberste Karte über eine Tischkante hinaus schieben, wenn man
idealerweise annimmt, daß die Karten nicht
biegbar sind?

Wie weit kommt man mit einem Rommee-Spiel
(104 Karten), wie weit mit beliebig vielen
Karten?

____________ 1. Karte
____________ 2. Karte
____________ 3. Karte
: : : : : : 4.-32./104./X. Karte
############### Tisch

Es gab hierzu angeblich mal einen Beitrag
in einer Ausgabe der Knoff-Hoff-Show, habe
diesen aber leider nicht gesehen und finde
auch nichts im Internet darüber...

C&A

2 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 2 Minuten hilfreich
    Re: Stapeln... (Skizze verbessert)

    Hallo,

    die Karten eines Stapels von 32
    Spielkarten sollen parallel ihrer
    Längsseite so gegeneinander verschoben
    werden, daß dabei keine vom Stapel
    herunter fallen.

    Um wieviele Kartenlängen lässt sich auf
    diese Weise die oberste Karte über eine
    Tischkante hinaus schieben, wenn man
    idealerweise annimmt, daß die Karten
    nicht
    biegbar sind?

    Wie weit kommt man mit einem Rommee-Spiel
    (104 Karten), wie weit mit beliebig
    vielen
    Karten?

    ____________ 1. Karte
    ____________ 2. Karte
    ____________ 3. Karte
    : : : : : : 4.-32./104./X. Karte
    ############### Tisch

    (Ich hoffe, jetzt bleiben die Abstände.) Es gab hierzu angeblich mal einen Beitrag
    in einer Ausgabe der Knoff-Hoff-Show,
    habe
    diesen aber leider nicht gesehen und
    finde
    auch nichts im Internet darüber...

    C&A

  2. Antwort von nach 3 Stunden hilfreich
    Re: Stapeln...

    Hallo!

    Etwas physikalisch-abstrakter lautet Eure Aufgabe so:

    N + 1 homogene Quader der Länge l werden übereinander gestapelt,
    wobei alle Quader gegeneinander in die gleiche Richtung verschoben
    werden.
    Frage1: Um wieviel darf man die Quader *maximal* verschieben,
    ohne daß der Stapel umkippt?
    Frage 2: Wie groß ist dann der "Gesamtüberhang" des Stapels, also
    die Summe aller Verschiebungen, als Funktion der Quaderanzahl?


    Lösung
    ------

    Zuerst numeriere man die Quader mal durch: Der oberste werde mit
    Q_0, der zweitoberste mit Q_1 usw. bezeichnet, bis zum untersten,
    der mit Q_N bezeichnet werde.

    Um das Problem zu lösen, muß man zu folgender Erkenntnis kommen:

    Der aus den Quadern Q_0 bis Q_i (i beliebig, 0 <= i <= N-1) beste-
    hende *Teilstapel* bleibt gerade dann noch ohne zu kippen auf dem
    unmittelbar darunter liegenden Quader Q_i+1 stehen, wenn sich der
    Teilstapel-Schwerpunkt genau über der "inneren" Seitenfläche von
    Q_i+1 befindet. Die gesuchten Verschiebungen ergeben sich aus der
    Forderung, daß diese Bedingung *für alle i = 1,...,N* gelten soll.

    Setzt man das "in Mathe" um, erhält man eine Rekursionsformel für
    die Schwerpunktspositionen der Quader, für deren Ergebnisse sich
    schnell eine Vermutung aufdrängt, welche sich mittels vollstän-
    diger Induktion beweisen läßt.

    Mit den Schwerpunktspositionen hat man dann auch sofort die in
    Frage 1 gesuchten Maximalverschiebungen. Das Endresultat lautet:
    Der oberste Quader ist gegenüber dem untersten genau dann maximal
    verschoben, wenn der i-te Quader gegenüber dem (i-1)-ten um das
    Stück l/(2i) verschoben wird.

    Das heißt: Q_0 muß gegenüber Q_1 um l/2 verschoben werden,
    Q_1 gegenüber Q_2 um l/4,
    Q_2 gegenüber Q_3 um l/6,
    Q_3 gegenüber Q_4 um l/8,
    ......
    und Q_N-1 gegenüber Q_N um l/(2*N).


    Die Antwort auf Frage 2 ist höchst erstaunlich. Der "Gesamtüber-
    hang" u(N), also die Summe aller Verschiebungen, die in dem Stapel
    auftreten, beträgt

    N
    l --- 1 l
    u(N) = --- > --- = --- (1 + 1/2 + 1/3 + 1/4 + ... + 1/N)
    2 --- i 2
    i=1


    Da diese Summe aber für N -> Unendlich divergiert (wenn auch sehr
    langsam), folgt, daß u(N) nicht nach oben beschränkt ist, d. h.
    man kann *jeden beliebig großen* Gesamtüberhang erreichen, wenn
    nur die Anzahl der Quader hinreichend groß ist!

    Hier noch einige konkrete Werte:

    N u(N)
    ------------------------
    1 0.5 l
    2 0.75 l
    3 0.9166666 l
    4 1.0416666 l
    5 1.1416666 l
    6 1.225 l
    10 ca. 1.4645 l
    31 ca. 2 l
    227 ca. 3 l
    1674 ca. 4 l


    Die Überhangswerte für N = 32 und N = 104 könnt Ihr jetzt leicht
    selbst ausrechnen bzw. mit einem kleinen Progamm z. B. in Pascal
    ausrechnen lassen.

    Ich hoffe, meine Ausführungen waren einigermaßen verständlich.

    Martin

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