Wie funktioniert ein Schalldämpfer?

Von: , Frage gestellt am Mo, 3. Jul 2000

Nachdem ich in einem Film wieder mal gesehen habe, wie eine Handfeuerwaffe nach Aufschrauben eines Schalldämpfers anstelle des üblichen Knalls nur noch ein leises Plopp von sich gibt, bin ich ernsthaft ins Grübeln gekommen, wie das funktioniert und ob es in Wirklichkeit tatsächlich so leise ist.

11 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 3 Stunden hilfreich
    Re: Wie funktioniert ein Schalldämpfer?

    Nachdem ich in einem Film wieder mal gesehen habe, wie eine
    Handfeuerwaffe nach Aufschrauben eines Schalldämpfers anstelle
    des üblichen Knalls nur noch ein leises Plopp von sich gibt,
    bin ich ernsthaft ins Grübeln gekommen, wie das funktioniert
    und ob es in Wirklichkeit tatsächlich so leise ist.
    Moin!
    Es ist tatsächlich deutlch leiser, aber so extrem, wie in Filmen dargestellt wird, auch wieder nicht - das übliche eben.
    dieWirkungsweise ist etwa folgende:
    Der Knall antsteht durch zwei Effekte: 1. die Explosion bei der Zündung, 2. der Mündungsknall, wenn die Kugel austritt.
    die ziltiche Differenz ist denkbar klein, also fallen beide Geräusch quasi zusammen. Während man den ersten nur durch die bekannten Maßnahmen der Schallisolierung dämpfen kann, klappt das bei 2. nicht, denn es ist ein Unterdruckeffekt, der dir ja hinreichend bekannt ist.
    Der Schalldämpfer bewirkt ein langsameres Einströmen der Luft, sobald die Kugel den Lauf verläßt und in den schalldämpfer eintritt. Dadurch knallt es leiser, komplett läßt sich es sich (schon wegen 1.) aber nicht unterdrücken.

    Gruß
    Tyll

    • Antwort von nach 3 Stunden hilfreich
      Re^2: Wie funktioniert ein Schalldämpfer?

      Der Schalldämpfer bewirkt ein langsameres Einströmen der Luft,
      sobald die Kugel den Lauf verläßt und in den schalldämpfer
      eintritt. Dadurch knallt es leiser, komplett läßt sich es sich
      (schon wegen 1.) aber nicht unterdrücken.
      Das Kann aber nicht alles sein denn die Mündungsgeschwindigkeit der meisten Handfeuerwaffen liegt über der Schallgeschwindigkeit. Selbst wenn also die Explosion des Treibsatzes und der Mündungsknall gedämpft werden, müßte das Geschoß einen deutlich höhrbaren Überschallknall erzeugen. Also müßte der Schalldämpfer das Geschoß unter die Schallgeschwindigkeit abbremsen oder Schalldämpfer wären grundsäzlich nur in Kombination mit bestimmten Waffen- und Munitionstypen sinnvoll.

      • Antwort von nach 4 Stunden hilfreich
        Re^3: Wie funktioniert ein Schalldämpfer?

        Das Kann aber nicht alles sein denn die
        Mündungsgeschwindigkeit der meisten Handfeuerwaffen liegt über
        der Schallgeschwindigkeit. [...]
        Es stimmt schon, daß es Munition gibt, deren Kugeln mit Überschall-v austreten und sogar ankommen, aber weil diese einen Schock hervorrufen (wobei ich zugeben muß, ob da der Grenzwert tatsächlich die Schall-v ist, oder ob sie nur in der Nähe liegt, weiß ich nicht), wenn sie jemanden treffen, sind sie verboten (ziemlich ironisch eigentlich). Vielmehr ist der Mehrzahl der Munition so konzipiert, daß die Kugeln NICHT mit Überschall-v austreten.
        Will sagen, daß die Entwicklung derart verlief, daß man bemüht war, Überschall-Munition herzustellen, diese aber dann doch wieder verboten hat, als man die zusätzlichen Nebenwirkungen erkannte.
        Ansonsten hast du aber recht, und es ist mir nicht bekannt, daß es einen Schalldämpfer für Überschall-Waffen gibt.
        Gruß Tyll

        • Antwort von nach 7 Stunden hilfreich
          Re^4: Wie funktioniert ein Schalldämpfer?

          Das Kann aber nicht alles sein denn die
          Mündungsgeschwindigkeit der meisten Handfeuerwaffen liegt über
          der Schallgeschwindigkeit. [...]
          Es stimmt schon, daß es Munition gibt, deren Kugeln mit
          Überschall-v austreten und sogar ankommen, aber weil diese
          einen Schock hervorrufen (wobei ich zugeben muß, ob da der
          Grenzwert tatsächlich die Schall-v ist, oder ob sie nur in der
          Nähe liegt, weiß ich nicht), wenn sie jemanden treffen, sind
          sie verboten (ziemlich ironisch eigentlich). Vielmehr ist der
          Mehrzahl der Munition so konzipiert, daß die Kugeln NICHT mit
          Überschall-v austreten.
          Will sagen, daß die Entwicklung derart verlief, daß man bemüht
          war, Überschall-Munition herzustellen, diese aber dann doch
          wieder verboten hat, als man die zusätzlichen Nebenwirkungen
          erkannte.
          Ansonsten hast du aber recht, und es ist mir nicht bekannt,
          daß es einen Schalldämpfer für Überschall-Waffen gibt.
          Das ist aber was ganz Neues. Obwohl es schon lange her ist, weiss ich noch, daß das damalige Standardgewehr der Bundeswehr G3 mit einer Austrittsgeschwindigkeit von ca 800 m/s mehr als doppelte Schallgeschwindigkeit hatte. Ich kann mich nicht erinnern, daß es (deswegen) verboten wurde, owohl diese Waffe eindeutig für menschliche Ziele gebaut wurde. Bei Gewehren ist das wohl auch normal, weil man sonst nicht die Reichweite und Zielgenauigkeit hätte. Die Pistole P1 lag jedoch mit 300 m/s knapp darunter.
          Aus eigenen Beobachtungen auf dem Schießplatz weiss ich, daß in der Nähe der Zielscheiben, wo der Mündungsknall kaum zu hören war, ein Peitschenknallähnlicher Überschallknall zu hören war. Der war jedoch wesentlich leiser als der Mündungsknall.
          Der Schalldämpfer würde demnach auch bei Überschallgeschwindigkeit noch ganz gut funktionieren.

          Jörg

          • Antwort von nach 9 Stunden hilfreich
            Re^5: Wie funktioniert ein Schalldämpfer?

            Hi,

            an die 800 m/s vom G3 kann ich mich auch erinnern. Außerdem haben wir schon im Schulunterricht mal die Geschwindigkeit einer Luftgewehrkugel gemessen, und sind da schon auf 240 m/s gekommen.

            Max [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

          • Antwort von nach 10 Stunden hilfreich
            Re^5: Wie funktioniert ein Schalldämpfer?

            Es stimmt schon, daß es Munition gibt, deren Kugeln mit
            Überschall-v austreten und sogar ankommen, aber weil diese
            einen Schock hervorrufen (wobei ich zugeben muß, ob da der
            Grenzwert tatsächlich die Schall-v ist, oder ob sie nur in der
            Nähe liegt, weiß ich nicht), wenn sie jemanden treffen, sind
            sie verboten (ziemlich ironisch eigentlich). Vielmehr ist der
            Mehrzahl der Munition so konzipiert, daß die Kugeln NICHT mit
            Überschall-v austreten.
            das wage ich zu bezweifeln... Das ist aber was ganz Neues. Obwohl es schon lange her ist,
            weiss ich noch, daß das damalige Standardgewehr der Bundeswehr
            G3 mit einer Austrittsgeschwindigkeit von ca 800 m/s mehr als
            doppelte Schallgeschwindigkeit hatte.
            genau! Die Pistole P1 lag jedoch mit 300 m/s
            knapp darunter.
            nicht mal die. 9mm para hat i.a. so gegen 400 m/s.
            unterschall ist _wirklich_ selten, die gute alte 45er gehoert (meist) dazu...

            joachim

          • Antwort von nach 23 Stunden hilfreich
            Re^5: Wie funktioniert ein Schalldämpfer?

            Das ist aber was ganz Neues. Obwohl es schon lange her ist,
            weiss ich noch, daß das damalige Standardgewehr der Bundeswehr
            G3 mit einer Austrittsgeschwindigkeit von ca 800 m/s mehr als
            doppelte Schallgeschwindigkeit hatte.
            Selbst die gute alte Kalaschnikov kam auf 770 m/s, wenn ich mich recht erinnere. Eine kleinkalibrigere Weiterentwicklung soll so 880 m/s gehabt haben.

          • Antwort von nach einem Tag hilfreich
            Re^5: Wie funktioniert ein Schalldämpfer?

            Also stimmte das Prinzip und ich habe nur die Geschwindigkeiten verdreht, oder wie?
            Gruß Tyll

            • Antwort von nach einem Tag hilfreich
              Re^6: Wie funktioniert ein Schalldämpfer?

              Also stimmte das Prinzip und ich habe nur die
              Geschwindigkeiten verdreht, oder wie?
              So scheint es. Die Grenze zum hydrodynamischen Schock liegt nicht bei der Schallgeschwindigkeit der Luft, sondern (zufällig) bei der Schallgeschwindigkeit im Gewebe des Opfers. Das deutsche G3 liegt mit 800m/s Mündungsgeschindigkeit unter dieser Grenze, die russische AK74 mit 880m/s knapp darüber (weshalb sie nicht ganz unumstritten ist).

              Über dieses Thema gibt es übrigens eine ganze Menge unappetitlicher Literatur. Bei meiner Internetrecherche bin ich auf eine durchaus brauchbare Seite gestoßen: http://www.k-a-g.de/fa/D_S_Ballistik/Ballistik.htm



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