Hallo,
was du meinst ist: "die Stringtheorie macht bislang keine
experimentell überprüfbaren Voraussagen".
Was für eine Vorhersage soll denn eine sein, die nicht
überprüfbar ist?
du ignorierst ein kleines Wort in meiner Aussage:
bislang.
Naja, wenn du dir mal die Größenordnungen der Energieaufwände eines hypothetischen Experiments zur Bestätigung stringtheoretischer Vorhersagen anschaust, dann kannst du getrost davon ausgehen, daß die Vorhersagekraft für die Ewigkeit gleich Null ist.
Ich sehe momentan keinerlei Ansätze, die Verbindung zur "klassischen Hochenergiephysik" herzustellen, was ja aus Sicht der Stringtheorie eher als Niederenergiephysik bezeichnet werden muß.
Natürlich geht es um experimentelle
Bestätigung, denn das ist letzten Endes das Wichtigste: die
Übereinstimmung mit dem Experiment.
Eine Vorhersage muss aber schon vor der
experimentellen Bestätigung exisitieren, sonst ist es keine.
So ist es, und genau daran mangelt es.
Auf Grund der Supersymmetrie sollte sie auf alle Fälle mehr
als doppelt so viele "Teilchen" wie bekannt enthalten -- also
zumindest nochmal soviele vorhersagen.
Ich sage dir mal was: das ganze Theoriegebäude der Stringtheorie bzw. der supersymmetrischen Feldtheorie hat schon was. Sie liefert tiefgreifende mathematische Zusammenhänge (konforme Feldtheorie, Seiberg-Witten, die ganzen Dualitätsbeziehungen, die Befruchtungen der Topologie, Kompaktifizierungssätze). Als ehemaliger QFTler habe ich selbst mit Genuß die Papers von Siegel oder D'Hoker/Phong gelesen.
Aber sie hat keinen erkennbaren Bezug zu unserer physikalischen Welt, sprich, zu dem, was wir wahrnehmen oder selbst unter extremsten Bedingungen im Labor messen können. Diese Erkenntnis sollte sich so langsam mal in der Community durchsetzen, dann würden vielleicht so klassische Gebiete wie die ART in Deutschland oder dem Rest der Welt mal wieder an Bedeutung gewinnen, anstatt daß ein Lehrstuhl nach dem anderen auf diesem Gebiet abgebaut wird.
Nur zur Klärung: die 10 Dimensionen sind nicht experimentell
zu überprüfen, sondern vielmehr theoretisch wegzudiskutieren.
Auch das Standardmodell der Teilchenphysik oder die
einsteinsche Gravitationstheorie machen Aussagen über die
Wirklichkeit, die nicht experimentell zu überprüfen sind.
Im Unterschied zur Stringtheorie haben sowohl die ART als auch die Quantenfeldtheorie in all ihren Modellen (QED, Hochenergie-QCD) eine Unmenge an experimentell brillant bestätigten Vorhersagen geliefert. Die QDE ist auf 11 führende Stellen üeberprüft. Ohne allgemeinrelativistische Korrekturen würde nicht mal GPS funktionieren. Diese beiden Theorien sind nach wie vor das Beste, was die Physik zu bieten hat, auch wenn sie gerade nicht besonders hypig sind.
es ist nichttrivial, diese 10 Dimensionen wieder runterzubrechen auf
4 experimentell zu beobachtende. Der theoretische Trick, mit
dem dies funktioniert, heißt Kompaktifizierung.
Und das ist keinesfalls spurlos. Der resultierende, effektive
4D-Raum ist i.d.R.von einem nativen 4D-Raum zu unterscheiden.
Genau, mit einem Beschleuniger von etwa 1 Lichtjahr Durchmesser und einem Energieaufwand von -- was war's genau? -- 10^100 TeV?
Wenn du die Statistiken der String-Publikationen in den letzten Jahren anschaust, dann wird dir eine stetige Abnahme auffallen -- der Anfang vom Ende, denke ich. Hoffentlich kriegen das PM & Co. auch mal mit.
Viele Grüße
Oliver