Kreisel ( ' Rotationsinnharmonie ' )

Von: , Frage gestellt am Mo, 9. Okt 2000

von Marcus Freise <[E-Mail-Adresse entfernt]> (9.10.2000 18:14 Uhr, gelesen: 0 mal)

Ich montierte die Achse des Vorderrades eines Fahrrades am Ende einer 50cm langen Stange. Dann versetzte ich das Rad in Rotationsbewegung und hielt anschliessend die Stange mit dem rotierendem Rad vor meinen Koerper (horizontal immer, manchmal tangential- manchmal radial zu meiner Achse). Dann begann ich mich um meine Achse zu drehen und stellte folgendes fest:
Wenn ich mich gleichsinnig mit dem rotierenden Rad drehte, passierte nichts unerwartetes; drehte ich mich aber gegensinnig, so aenderte das Rad seine Drehrichtung indem es die Richtung seiner Rotationsachse im 180° drehte, um danach wieder mit mir gleichlaeufig zu rotieren. Kann mir das jemand erklaeren?

Viele Gruesse aus Paris,

Marcus

P.S. die befragten Physikexperten wussten bis heute keine Antwort




6 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 5 Stunden 3 hilfreich
    Re: Kreisel ( ' Rotationsinnharmonie ' )

    Hallo Marcus,

    ich habe in meinen ziemlich verstaubten Physikkenntnissen gestöbert und kann dir nur folgende Erklärung anbieten: Jede rotierende Masse hat einen sogenannten Drehimpuls (abhängig von der Drehgeschwindigkeit, der Drehrichtung, der rotierenden Masse und der Entfernung der Masse von der Drehachse. Jede rotierende Masse ist bestrebt, ihren Drehimpuls beizubehalten. Wenn du nun deinen eigenen Drehimpuls durch Drehung um deine Körperachse veränderst, wird sich der Kreisel so verhalten, dass die Summe aus seinem eigenen Drehimpuls und deinem (veränderten) Drehimpuls gleich dem ursprünglichen Drehimpuls ist.

    Versuche doch mal folgendes: Halte deine Fahrradachse mit beiden Händen und versetze dein Rad in Schwung. Dann lass eine Hand los: nun versucht dein Rad zu schwenken, weil das Eigengewicht es aus seiner ursprünglichen Rotationsachse bewegen möchte: Nur durch eine Rotation um sich selbst kann es die Veränderung des Drehimpulses ausgleichen.

    Ich hoffe, das hilft Dir weiter!
    Liebe Grüße
    Jürgen

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Re^2: Kreisel ( ' Rotationsinnharmonie ' )

      Lieber Juergen,
      vielen Dank fuer Deine ausfuehrliche Antwort, welche mir zwar weitergeholfen hat, jedoch mein Problem nicht ganz loesen konnte.
      Ich kannte zwar den Impulserhaltungssatz und auch den von Dir beschriebenen Effekt (Radachse in einer Hand), aber auch nach langem Nachdenken sehe ich nicht, warum sich mein Rad wie beschrieben verhielt.
      Es ist auch sehr schwer dies zu beschreiben (ohne Zeichnungen). Wenn Du mal eine Stunde Zeit hast, fuehre den Versuch mal durch; Du brauchst nicht mehr als ein Rad und eine Stange und die Moeglichkeit, beide miteinander zu verbinden (Loch in Stange+Mutter zum fixieren). Versetze dann das Rad in Drehung, halte die Stange fest und drehe dich um Deine Achse. Was Du anschliessend spuehren wirst, ist verblueffender als der Kreiseleffekt .

      Gruss Marcus

      P.S. bis auf Uranus verhalten sich alle Planeten so wie mein Rad (Eigenrotationsrichtung gleichsinnig zur Rotationsrichtung um die Sonne....)

  2. Antwort von nach 6 Stunden hilfreich
    Re: Kreisel ( ' Rotationsinnharmonie ' )

    Etwas ähnliches wird gerade im "Fahrrad"-Therad diskutiert. Dieser Effekt ist nämlich mit dafür verantwortlich, daß ein fahrendes Rad nicht umkippt, selbst wenn niemand darauf sitzt.

  3. Antwort von nach 4 Tagen 3 hilfreich
    Re: Kreisel ( ' Rotationsinnharmonie ' )

    von Marcus Freise <[E-Mail-Adresse entfernt]> (9.10.2000 18:14
    Uhr, gelesen: 0 mal)

    Ich montierte die Achse des Vorderrades eines Fahrrades am
    Ende einer 50cm langen Stange. Dann versetzte ich das Rad in
    Rotationsbewegung und hielt anschliessend die Stange mit dem
    rotierendem Rad vor meinen Koerper (horizontal immer, manchmal
    tangential- manchmal radial zu meiner Achse). Dann begann ich
    mich um meine Achse zu drehen und stellte folgendes fest:
    Wenn ich mich gleichsinnig mit dem rotierenden Rad drehte,
    passierte nichts unerwartetes; drehte ich mich aber
    gegensinnig, so aenderte das Rad seine Drehrichtung indem es
    die Richtung seiner Rotationsachse im 180° drehte, um danach
    wieder mit mir gleichlaeufig zu rotieren. Kann mir das jemand
    erklaeren?

    Nachdem ich jetzt etwa weiss wie der Versuch abläuft, kann ich auch etwas dazu schreiben. Ich versuche es mal ganz "kurz" zu erklären:
    Wenn die Drehachse des Rades genau parallel zu Deiner ist, passiert überhaupt nichts, wenn Du Dich drehst, egal in welche Richtung.
    Sobald die Drehachse jedoch eine Schräglage bekommt, was ja in diesem Versuch immer passiert, erzwingst Du durch Deine eigene Drehung eine Präzessionsbewegung des Kreisels. Genau wie das Kippmoment die Präzessionsbewegung verursacht ( wie beim auf der Spitze stehenden Kreisel ), verursacht eine erzwungene Präzessionsbewegung auch ein Kippmoment. Dieses Kippmoment versucht den Kreisel um die tangentiale Drehachse zu drehen und ist umso stärker, je schräger die Drehachse des Kreisels ist.
    Je nach Drehrichtung versucht das Kippmoment den Kreisel jetzt in die stabile Paralleldrehung zu bringen ( gleiche Drehrichtung ) oder aus ihr heraus zu drehen ( entgegengesetzte Drehrichtung ). Im Fall der gleichen Drehrichtung entsteht um die parallele Achslage herum also ein stabiles und umgekehrten Fall ein labiles Gleichgewicht. Im labilen Gleichgewichtes wird sich der Kreisel in Bewegung setzen um schließlich nach einer 180°-Drehung der Kippachse in das stabile Gleichgewicht zu "fallen". Die maximalen Kräfte bzw. Momente treten dann in der 90°-Lage auf und die können sehr groß werden, wenn der Kreisel schnell ist.

    Jörg

    • Antwort von nach 4 Tagen hilfreich
      Re^2: Kreisel ( ' Rotationsinnharmonie ' )

      Nachdem ich jetzt etwa weiss wie der Versuch abläuft, kann ich
      auch etwas dazu schreiben. Ich versuche es mal ganz "kurz" zu
      erklären:
      Vorab moechte ich fuer die anderen Leser erklaeren, dass ich Joerg direkt angeschrieben habe, um ihn um eine Antwort zu bitten. Mir hatten naemlich seine Artikel zur Fahradfrage sehr gefallen und geholfen.

      Lieber Joerg,
      Vielen Dank fuer Deine Antwort; ich denke, Du hast mal wieder den Nagel auf den Kopf getoffen. Wenn die Drehachse des Rades genau parallel zu Deiner ist,
      passiert überhaupt nichts, wenn Du Dich drehst, egal in welche
      Richtung.
      Ich hatte versucht, die Drehachse des Rades parallel zu meiner eigenen zu halten, aber der Zustand war so labil, dass das Rad trotzdem um 180° kippte. Ein Mensch kann die Achse nicht exakt parallel halten. Sobald die Drehachse jedoch eine Schräglage bekommt, was ja in
      diesem Versuch immer passiert, erzwingst Du durch Deine eigene
      Drehung eine Präzessionsbewegung des Kreisels. Genau wie das
      Kippmoment die Präzessionsbewegung verursacht ( wie beim auf
      der Spitze stehenden Kreisel ), verursacht eine erzwungene
      Präzessionsbewegung auch ein Kippmoment. Dieses Kippmoment
      versucht den Kreisel um die tangentiale Drehachse zu drehen
      und ist umso stärker, je schräger die Drehachse des Kreisels
      ist.
      Je nach Drehrichtung versucht das Kippmoment den Kreisel jetzt
      in die stabile Paralleldrehung zu bringen ( gleiche
      Drehrichtung ) oder aus ihr heraus zu drehen (
      entgegengesetzte Drehrichtung ). Im Fall der gleichen
      Drehrichtung entsteht um die parallele Achslage herum also ein
      stabiles und umgekehrten Fall ein labiles Gleichgewicht.
      Vielleicht reicht einfach mein Vorstellungsvermoegen nicht aus, aber das das Gleichgewicht drehrichtungsbedingt einmal stabil und einmal labil ist, verstehe ich noch nicht. Vorallem verstehe ich es dann nicht, wenn ich die Stange radial halte und das Rad dann um die radiale Achse kippt. Ich werde es unter zuhilfenhme Deiner Erklaerung einmal mit Punktmassen durchdenken, aber das kann dauern.

      Im labilen Gleichgewichtes wird sich der Kreisel in Bewegung
      setzen um schließlich nach einer 180°-Drehung der Kippachse in
      das stabile Gleichgewicht zu "fallen".
      Gut ausgedrueckt, denn es fuehlt sich wirklich an, als wuerde das Rad in die stabile Position "fallen"
      Nochmals vielen Dank,
      Marcus

      • Antwort von nach 5 Tagen hilfreich
        Re^3: Kreisel ( ' Rotationsinnharmonie ' )

        Je nach Drehrichtung versucht das Kippmoment den Kreisel jetzt
        in die stabile Paralleldrehung zu bringen ( gleiche
        Drehrichtung ) oder aus ihr heraus zu drehen (
        entgegengesetzte Drehrichtung ). Im Fall der gleichen
        Drehrichtung entsteht um die parallele Achslage herum also ein
        stabiles und umgekehrten Fall ein labiles Gleichgewicht.
        Vielleicht reicht einfach mein Vorstellungsvermoegen nicht
        aus, aber das das Gleichgewicht drehrichtungsbedingt einmal
        stabil und einmal labil ist, verstehe ich noch nicht.
        Das mußt Du Dir einfach mal aufzeichnen. Wenn sich die Rotationsrichtung des Kreisels umkehrt, wird sich die Drehmomentrichtung auch umkehren, genauso wie sie sich umkehrt, wenn Du Deine Drehrichtung umkehrst.Wenn Du aber beides umkehrst, hat das Drehmoment wieder die ursprüngliche Richtung ( doppelte Umkehrung ). Für die Drehmomentrichtung ist also entscheidend, ob Kreisel-Rotationsrichtung und Deine Drehrichtung gleich oder entgegengesetzt sind. Vorallem
        verstehe ich es dann nicht, wenn ich die Stange radial halte
        und das Rad dann um die radiale Achse kippt. Ich werde es
        unter zuhilfenhme Deiner Erklaerung einmal mit Punktmassen
        durchdenken, aber das kann dauern.
        Das ist egal. Du drehst die Anordnung ja nur innerhalb Deiner Drehebene. Die Drehrichtung mit der Du das Ganze drehst, wird nicht verändert. Nur die Effekte sind, wie die Anordnung selbst, entsprechend gedreht.

        Jörg

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