Drehimpulserhaltung

Von: , Frage gestellt am Do, 12. Okt 2000

Hallo Leute,

kann mir mal jemand anschaulich erklären, wieso die Kraft zum Kippen eines sich schnell drehenden Rades, umso größer wird, je höher die Drehfrequenz ist?
Daß das etwas mit der Drehimpulserhaltung zu tun hat, weiß ich auch, mich würde halt mal interressieren, wie man das anschaulich mit der Kraft, die auf die rotierenden Masseteilchen wirkt, erklären kann.
Für eine schöne Erklärung, wäre ich echt dankbar.

Gruß
Oliver

11 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 49 Minuten hilfreich
    Re: Drehimpulserhaltung

    kann mir mal jemand anschaulich erklären, wieso die
    Kraft zum Kippen eines sich schnell drehenden Rades, umso
    größer wird, je höher die Drehfrequenz ist?
    Daß das etwas mit der Drehimpulserhaltung zu tun hat, weiß ich
    auch, mich würde halt mal interressieren, wie man das
    anschaulich mit der Kraft, die auf die rotierenden
    Masseteilchen wirkt, erklären kann.
    Für eine schöne Erklärung, wäre ich echt dankbar.
    Das ist ohne Zeichnung verdammt schwierig.

    Die Sache ist eigentlich ganz einfach, wenn man weiß, was ein Drehimpuls ist. Dann handelt es sich Beim Kippen eins rotierenden Kreisels einfach um eine Addition von Drehimpulsen. Der eine Drehimpuls ist der des rotierenden Kreisels, der im Wesentlichen durch seine Drehzahl bestimmt wird. Der andere Drehimpuls entsteht dadurch, daß ich für bestimmte Zeit eine Kraft auf den Kreisel ausübe. Weil die Drehimpulse vektoriell addiert werden, hängt der Winkel, um den die Rotationsachse des Kreisels gekippt wird, vom Verhältnis der beiden Drehimpulse ab und ist um so kleiner, je größer der Drehimpuls des Kreisels im Vergleich zum zusätzlich zugeführten Drehimpuls ist.

    Ganz einfach ausgedrückt bedeutet daß, daß die durch eine angreifende Kraft bewirkte Drehimpulsänderung gegenüber dem großen Drehimpuls eines schnell rotierenden Kreisels kaum ins Gewicht fällt.

    Wenn man das mit den wirkenden Kräften darstellen will, dann muß man zunächst die Rotationsachse des Kreisels als Vektor darstellen und senkrecht dazu die angreifende Kraft einzeichnen. Das dazugehörige Drehmoment ist nun wiederum ein Vektor, der senkrecht auf der durch diese beiden Vektoren aufgespannten Fläche steht. Multiziert man dieses Drehmoment nun mit der zeit, die es wirkt, erhält man die Drehimpulsänderung, die mit Hilfe eines Kräfteparallelogramms zum ursprünglichen Drehmoment addiert werden muß, welches parallel zur Rotationsachse liegt. Wie gesagt, ohne Zeichnung ist das sehr schwer zu erklären.

    • Antwort von nach 7 Stunden hilfreich
      Re^2: Drehimpulserhaltung



      Danke für die Antwort, das hilft mir schon weiter.
      Aber noch was: wieso kann dann ein Kreisel, der schräg auf einem Tisch steht, nicht umkippen? (oder verwechsle ich da jetzt was?)

      • Antwort von nach 8 Stunden hilfreich
        Re^3: Drehimpulserhaltung

        Hallo Oliver,
        tatsächlich ist es ein wenig paradox das ein präzedierender Kreisel nicht umkippt, denn wenn man die Summe der Momente um den Fußpunkt eines Kreisels, dessen Schwerpunkt während der präzession zweifellos aussermittig liegt, bildet dann fehlt ein Moment das den Kreisel am umkippen hindert.
        Wir nehmen an der Kreisel sei ein Rad, das sich um eine horizontal liegende Achse rotiere. Der Kreisel präzediert mit der Kreisfrequenz w'=D/(Jw) mit D:=Kippmoment und Jw:=Drehimpuls der Achsrotation und setzen uns in das Bezugssystem der Kreisrotation, das mitpräzediert aber nicht mitrotiert. In diesem System erfahren die Teile des Kreisels, die sich momentan auf oder abwärts bewegen, keine Coriolis-Kräfte, denn ihr v ist parallel zum w des Bezugssystems. Aber die Teile oben und unten, deren v senkrecht zu w sind, werden nach innen bzw aussen gedrückt und erzeugen so ein Gegenmoment welches gegen das Kippmoment wirkt. Da w' = D/(Jw), ist dieses Moment genau entgegengesetzt gleich gross wie das der Schwere. Bei zu schneller Präzession überwiegt das Coriolis-kippmoment und die Achse richtet sich auf, bei zu langsamen Präzession überwiegt das Schweremoment und die Achse kippt abwärts.

        Ich persönlich finde das recht abstrakt und schwierig und hab lang gebraucht um das zu checken. Also nur Mut

        Gruss Reinhard [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  2. Antwort von nach 4 Stunden 1 hilfreich
    Re: Drehimpulserhaltung

    Leider wird Deine Frage wahrscheinlich fuer Dich nur unbefriedigend- oder garnicht beantwortet werden, denn von Anschaulichkeit kann man hier erst dann sprechen, wenn man VERSTANDEN hat, was Traegheit ist und (- wenn es auch viele nicht zugeben wollen -) das hat die Physik noch nicht verstanden.

    Marcus

    P.S. In diesem Forum kannst Du aber schoene Anregungen zum Nachdenken finden ( Fahrrad, Kreisel) [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  3. Antwort von nach 4 Stunden hilfreich
    Re: Drehimpulserhaltung

    Soll das wieder die Sache mit dem Fahrrad werden? [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 7 Stunden hilfreich
      Re^2: Drehimpulserhaltung

      Soll das wieder die Sache mit dem Fahrrad werden?
      wenn's Dich nicht interressiert, brauchst du es ja nicht zu lesen...

  4. Antwort von nach 15 Stunden 2 hilfreich
    Re: Drehimpulserhaltung

    Hallo,

    gehen wir mal weg von Impulsvektoren und betrachten einzelne Massen:

    stell dir vor, du hast eine senkrechte Achse, an der horizontal eine Stange in zwei Kugeln an den Enden befestigt ist. Diese Kugeln rotieren um die Achse.
    Nimm an, du stehst vor diesem Kreisel, und in dem Moment, wo eine Kugel genau vor deinem Koerper ist (die andere auf der deinem Koerper abgewandten Seite), versuchst du, den Kreisel auf dich zu zukippen.
    Du versuchst also, der dir zugewandten kugel bekommt eine zusaetzliche geschwindigkeit nach unten zu geben, der anderen nach oben. Diese zusaetzliche Geschwindigkeit addiert sich zu der waagrechten Geschwindigkeit der jeweiligen Kugel, so dass sich die vordere Kugel nach schraeg unten, die hintere nach schraeg oben bewegt.
    Dies fuehrt dazu, dass die Achse des Kreisels zur Seite geneigt wird.
    Wenn ein Kreisel schraeg auf einer Unterlage rotiert, hast du den gleichen Effekt, nur dass hier die Kipp-Kraft (Schwerkraft) staendig wirkt, und der Kreisel dem Umkippen staendig rechtwinkelig ausweicht.

    Es ist also nicht schwer, den Kreisel zu kippen, sondern ihn in eine bestimmte Richtung zu kippen.

    Gruss, Niels

    • Antwort von nach 20 Stunden hilfreich
      Re^2: Drehimpulserhaltung

      Du versuchst also, der dir zugewandten kugel bekommt eine
      zusaetzliche geschwindigkeit nach unten zu geben, der anderen
      nach oben. Diese zusaetzliche Geschwindigkeit addiert sich zu
      der waagrechten Geschwindigkeit der jeweiligen Kugel, so dass
      sich die vordere Kugel nach schraeg unten, die hintere nach
      schraeg oben bewegt.
      Ja genau so eine Erklärung habe ich gesucht, Danke schön! Aber wieso ist denn dann die Kraft die zum Kippen des Kreisels nötig ist, umso größer je größer die waagerechte Geschwindigkeit der Massen ist?

      • Antwort von nach 20 Stunden hilfreich
        Re^3: Drehimpulserhaltung

        Hallo, Ja genau so eine Erklärung habe ich gesucht, Danke schön! Aber
        wieso ist denn dann die Kraft die zum Kippen des Kreisels
        nötig ist, umso größer je größer die waagerechte
        Geschwindigkeit der Massen ist?
        die Kraft scheint nur sehr gross zu sein, weil du normalerweise versuchst, die rotierende Anordnung in eine bestimmte Richtung zu kippen und dabei sehr viel Kraft brauchst, um sie am seitlichen Ausbrechen zu hindern.

        Allerdings weiss ich nicht, ob sich die wachsende Seitenkraft so einfach aus meinem simplen Modell erklaeren laesst. Muss mal drueber nachgruebeln.

        Gruss, Niels



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