Gravitationsgeschwindigkeit

Von: , Frage gestellt am Di, 21. Nov 2000

Ich las gerade in PM einen Artikel ueber Ueberlichtgeschwindigkeit. Dort steht auch, dass sich die Gravitationskraft mit mindestens c*10^10 ausbreitet oder sogar unendlich schnell. Wenn das so stimmen sollte, und wenn nachwievor alle Bezugssysteme gleichberechtigt waeren, kommen wir dann nicht spaetestens hier ins schwimmen? Welchen Reisebericht wuerde uns ein Graviton erstellen, wenn es nach einer langen Reise wieder auf der Erde landet?
Marcus

28 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 9 Stunden 2 hilfreich
    Re: Gravitationsgeschwindigkeit

    Hi, Ich las gerade in PM einen Artikel ueber
    Ueberlichtgeschwindigkeit. Dort steht auch, dass sich die
    Gravitationskraft mit mindestens c*10^10 ausbreitet oder sogar
    unendlich schnell.
    Meines Wissens ging man frueher (lang lang ists her) wirklich
    davon aus, dass sich Gravitation mit Ueberlichtgeschwindigkeit
    ausbreitet - der Nachweis ist natuerlich auch nicht gerade
    einfach. Jedenfalls haelt man das heute fuer Kaese.
    Gravotationsgeschwindigkeit = c ... soweit ich weiss.

    Obwohl, wenn das natuerlich in PM steht! Hat Dir schonmal jemand
    gesagt, dass PM so ungefaehr der groesste Schund im deutschen
    Papierwald ist? Imho schlimmer als Bild - eine gibt der anderen
    bezueglich des Wahrheitsgehaltes nicht, Bild befasst sich im
    Gegensatz zu PM allerdings fast nur mit Trivialitaeten, die in
    spaetestens 2 Jahren vergessen sind. PM hingegen wirst Du
    (vermutlich ohne es zu Wissen) noch Deinen Enkeln gegeueber
    zitieren, wenns um Gravitation geht. PM ist Dreck, vergiss was da
    steht.

    Gruss

    Thorsten

    • Antwort von nach 19 Stunden hilfreich
      Re^2: Gravitationsgeschwindigkeit

      Ich wohne seit 10 Jahren in Paris und an deutschsprachigen Zeitschriften habe ich hier leider keine grosse Auswahl. Ich las auf dem Cover von PM erstmal "SEX", dann war da noch 'ne nackte Frau...und weiter unten die Ueberschrift "Forscher wollen das Licht ueberholen". Selbst auf mich wirkte diese Zeitschrift also auf den ersten Blick -und letztlich auch nach dem letzten Blick- nicht serioes, aber das war mir erstmal egal, denn immerhin hat mich die Zeitschrift zu einer Frage gefuehrt, welche ich mir vorher noch nie gestellt hatte - die aber trotzdem nicht uninteressant ist. Wie schnell breitet sich die Gravitation aus? Selbst wenn sie sich nur geringfuegig schneller ausbreiten wuerde als das Licht, wuerde doch eigentlich eine Saeule unseres Weltbildes einstuerzen (oder nicht?).
      Marcus

      • Antwort von nach 20 Stunden hilfreich
        Re^3: Gravitationsgeschwindigkeit

        Hi, Selbst wenn sie sich nur
        geringfuegig schneller ausbreiten wuerde als das Licht, wuerde
        doch eigentlich eine Saeule unseres Weltbildes einstuerzen
        (oder nicht?).
        Ja, wuerde sie. Tut Gravitation aber nicht ... soweit ich weiss.
        Vielleicht sollte da auch ein Berufenerer als ich was zu sagen
        ... MEB? ... Mr. Stupid?
        c ist uebrigens die Vakuumslichtgeschwindigkeit. In anderen
        Medien kann Licht deutlich langsamer sein. Wie sich das mit
        Gravitation verhaelt weiss ich nicht. War davon vielleicht die Rede?

        Gruss

        Thorsten

        • Antwort von nach 20 Stunden hilfreich
          Re^4: Gravitationsgeschwindigkeit

          Hi,
          Im aktuellen "Spektrum" (einiges besser als PM) ist auch ein interessanter Artikel +ber Gravitatiionswellen. Da steht, dass sie den Raum verkrümmen. Vielleicht dachte deswegen ein Schlauberger, dass sie schneller als Licht sein könnten. Dazu müßten sie als den Raum krümmen, bevor sie da sind- Das ist unmöglich!

          Grüße
          Moritz [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

        • Antwort von nach einem Tag hilfreich
          Re^4: Gravitationsgeschwindigkeit

          c ist uebrigens die Vakuumslichtgeschwindigkeit. In anderen
          Medien kann Licht deutlich langsamer sein. Wie sich das mit
          Gravitation verhaelt weiss ich nicht. War davon vielleicht die
          Rede?
          Bei den Faktoren, die dort genannt wurde war das sicher nicht gemeint. Allerdings sind Gravitationswellen im All tatsächlich schneller als das Licht, weil das Weltall kein Vakuum ist. Das Licht einer Supanova-Explosion wird durch das interstellare Medium so gebremst, daß es Muniten oder gar Stunden später bei uns ankommt, als die zugehörige Gravitationswelle. Deshalb hoffen die Astronomen, daß es irgendwann gelingt, ein Gravitationswellenteleskop zu bauen. Das könnte nicht nur neue Informationen über derartige Ereignisse liefern, sondern man wüßte auch, an welchen Punkt des Himmels man die optischen Teleskope richten müßte um eine Supanova von der ersten Sekunde an zu beobachten.

          • Antwort von nach 2 Tagen 1 hilfreich
            Re^5: Gravitationsgeschwindigkeit

            Gravitationswellenteleskop zu bauen. Das könnte nicht nur neue
            Informationen über derartige Ereignisse liefern, sondern man
            wüßte auch, an welchen Punkt des Himmels man die optischen
            Teleskope richten müßte um eine Supanova von der ersten
            Sekunde an zu beobachten.
            Ich bin mir nicht sicher, ob Supernovae wirklich zu
            Gravitationswellen fuehren. Denn, alle Massenbewegungen und
            -aenderungen, die radial ablaufen, emittieren keine Gravitations-
            wellen (die allgemeine Relativitaetstheorie zu Grunde gelegt).
            Der Knall muesste also asymmetrisch verlaufen (was durchaus
            denkbar ist), um zu einer Gravitationswellenabstrahlung zu
            fuehren.
            Es werden zwei verschiedene Typen Supernovae gezaehlt.
            Noch in Erinnerung sind mir die folgenden beiden Szenarien:
            Gravitationskollaps eines alten Sterns, der seinen Energie-
            vorrat verbraucht hat und nun aufgrund seiner hohen Masse
            nicht zu einem weissen Zwerg kontrahiert, sondern zu einem
            Neutronenstern. Hier ist anzunehmen, dass der Kollaps symmetrisch
            erfolgt, also keine Gravitationswellen abgibt.
            Das zweite Szenario behandelt ein enges Doppelsternsystem,
            bestehend aus einem "gewoehnlichen" Stern und einem weissen
            Zwergen. Der Zwerg saugt die Materie vom Nachbarn ab, seine Masse
            waechst. Erreicht seine Masse eine kritische Grenze (ca. 1.4
            Sonnenmassen), kollabiert er ebenfalls zu einem Neutronenstern.
            Bedingt durch den Nachbarn ist zu vermuten, dass der Kollaps
            asymmetrisch verlaeuft und dann sehr wohl zu Gravitationswellen
            fuehrt.

            Noch eine Anmerkung: Gravitationswellen sind eine direkte
            Konsequenz der allgemeinen Relativitaetstheorie. Eine Vorhersage,
            quasi. Gelingt der Nachweis solcher, waere das eine prima
            Bestaetigung fuer die Nuetzlichkeit dieser Modellvorstellung
            von der Wirklichkeit. Bisher gibt es nur indirekte Hinweise
            auf solche Wellen. Sie betreffen Binaerpulsare, also Neutronen-
            sternpaare. Wenn solche einander in engen Bahnen umkreisen,
            wirken extrem hohe Beschleunigungen auf sehr hohe Massen in
            _nichtradialer_ Weise. Das sind die Voraussetzungen fuer
            Gravitationswellenabstrahlungen. Die Folge dieser Abstrahlungen
            ist eine Aenderung der Massen, diese fuehrt zu einer
            Verkleinerung der Umlaufbahnen. Eine solche Verkleinerung der
            Umlaufbahnen aendert die Umlaufgeschwindigkeiten. Und, diese
            Geschwindigkeiten wurden (mit Hilfe des Doppler-Effektes)
            bei Binaerpulsaren gemessen, genau in der Weise, wie man es bei
            Abstrahlung von Gravitationswellen erwarten wuerde. Ein
            kleiner Trost bis zum ersten Gravitationswellenteleskop...

            MEB

      • Antwort von nach einem Tag hilfreich
        Paris und wiss. Zeitschriften

        Ich wohne seit 10 Jahren in Paris und an deutschsprachigen
        Zeitschriften habe ich hier leider keine grosse Auswahl.
        Seit 10 Jahren? Schade, daß Du in der Zeit kein französisch gelernt hast, denn da gibt's eine größere Auswahl an seriösen wissenschaftlichen Zeitschriften als hier.

        Gruß, Kubi

  2. Antwort von nach 11 Stunden 1 hilfreich
    Re: Gravitationsgeschwindigkeit

    Hi Marcus :)

    Was du da gelesen hast ist absoluter Blödsinn. Gravitationswellen breiten sich, wie es sich gehört, mit Lichtgeschwindigkeit aus.

    Bei der Explosion eines Sterns (Supernova) werden z.B. meßbare Graviatationswellen erzeugt. Diese treffen einen Beobachter aber erst dann, wenn dieser auch die Explosion sieht. Wäre die Geschwindigkeit von Gravitationswellen unendlich groß, dann würden wir hier auf der Erde ständig von Gravitationswellen getroffen, die von all den vielen Supernovae im Universum herrühren, deren Licht wir vielleicht erst in 1 Mrd. Jahre oder später sehen würden.

    cu Stefan.

  3. Antwort von nach einem Tag hilfreich
    Re: Gravitationsgeschwindigkeit

    Das ist etwas tricky. Nach wie vor sind Gravitonen hypotetisch. Man nimmt an, daß sie existieren. Sie bewegen sich aber nur maximmal (wenn überhaupt) mit c. Lies dazu folgenden Artikel:

    http://www.newton.dep.anl.gov/askasci/phy99/phy99004...
    bzw.
    http://research.spinweb.com/_tp/0000022e.htm

    Ausserdem sprichst du von der Gravitationskraft und nicht selbst vom Graviton. Bedenke folgendes: das Graviton erzeugt höchstwahrscheinlich nicht die Kraft, es trägt aber Energie weg.

    Ähnliches: ein Spiegel erzeugt durch eine Lampe einen Lichtfleck auf der Wand. Nun kann ich durch Rotation des Spiegels erreichen, daß sich dieser Fleck mit beliebiger Geschw. ausbreitet, auch unendlicher. Aber es handelt sich um keine Materietransport. Ich nehme an, daß ähnliches in der PM gemeint war.

    Beth



Keine passende Antwort gefunden? Jetzt eigene Frage stellen!