Explosionswirkung und Materialeigenschaften

Von: , Frage gestellt am Sa, 11. Dez 1999

Frage eines Total-Laiens: Ich nehme mal an, daß die Wirkung von Anti-Personen-Minen (zumindest nicht aller) nicht primär durch Splitterbildung zustande kommt. Ist es so, daß sich mit den relativ kleinen Mengen Sprengstoff, die diese enthalten, tatsächlich allein aufgrund der Druckwirkung solche Schäden anrichten lassen? Was passiert denn eigentlich, wenn in unmittelbarer Nähe meines Beins ein Sprengkörper detoniert? Wird das Bein deswegen abgetrennt, weil es plötzlich so stark beschleunigt wird, während der wesentlich massereichere "Restkörper" nicht folgen kann? Welche "Materialeigenschaft" des Körpers (Muskel, Sehnen, Knochen) ist es, die diesen Schaden erst möglich macht - das müßte dann doch so etwas wie geringe "Reißfestigkeit" sein. Können Minenräumer - zumindest in geringem Umfang - durch geeignete Schutzkleidung die Folgen einer Detonation auf den Körper abschwächen?

Dank für die Mühe und Gruß
Michael

3 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
    Anatomie des menschl. Körpers

    Ich bin zwar auch kein Experte,
    aber die Sprengwirkung wird bei
    den Minen dadurch erzeugt,
    das der Druck nicht in alle Richtungen verteilt wird, sondern nach oben auf den Menschen gerichtet ist.
    Das mit den Füßen wegreißen würde nur dann klappen, wenn der Rest des "Körpers"
    abgeschirmt ist, sodass die Wucht nur auf die Füße stößt.
    Ansonsten würdest du wohl total zerfetzen.
    Ich denke auch, das der Menschliche Körper
    schon etwas Reißfest ist,
    aber wenn man an einem Hochhaus unten
    Sprengsätze anbringt, wird es auch unten
    auseinandergerissen und kracht dann zusammen. [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 5 Tagen hilfreich
      Re: Anatomie des menschl. Körpers

      Frage eines Total-Laiens: Ich nehme mal
      an, daß die Wirkung von
      Anti-Personen-Minen (zumindest nicht
      aller) nicht primär durch Splitterbildung
      zustande kommt.
      DOCH ! Das ist die HAUPTWIRKUNG !

      Ist es so, daß sich mit den relativ kleinen Mengen Sprengstoff,
      die diese enthalten, tatsächlich allein
      aufgrund der Druckwirkung solche Schäden
      anrichten lassen?
      Nur bei unmittelbarer Nähe - diese verliert sich aber recht schnell, wenn das ganze bspw. "im Sprung" passiert.
      Hängt aber sehr von der Konstruktion ab !

      Was passiert denn eigentlich, wenn in unmittelbarer Nähe
      meines Beins ein Sprengkörper detoniert?
      Wird das Bein deswegen abgetrennt, weil
      es plötzlich so stark beschleunigt wird,
      während der wesentlich massereichere
      "Restkörper" nicht folgen kann?
      teils, aber die Splitter an sich nehmen eben auch einen teil mit - die Eindringwirkung der Splitter, kombiniert mit dem Gasdruck der Explosion führt zue Ergebnis !

      Welche "Materialeigenschaft" des Körpers
      (Muskel, Sehnen, Knochen) ist es, die
      diesen Schaden erst möglich macht - das
      müßte dann doch so etwas wie geringe
      "Reißfestigkeit" sein.
      nein - im Gegenteil : Es ist der Massenwiderstand !
      Bei geringem Widerstand würden die Splitter leichter durchdringen, damit weniger Energie abgeben (siehe auch "man-stop-Wirkung")

      Können Minenräumer - zumindest in geringem Umfang - durch
      geeignete Schutzkleidung die Folgen einer
      Detonation auf den Körper abschwächen?
      Ja - aber eben nur abschwächen - falls die Kleidung die Auftreffenergie
      - a ableitet und
      - b absorbiert Ich bin zwar auch kein Experte,
      aber die Sprengwirkung wird bei
      den Minen dadurch erzeugt,
      das der Druck nicht in alle Richtungen
      verteilt wird, sondern nach oben auf den
      Menschen gerichtet ist.
      bedingt : Er ist natürlich nicht ausschließlich nach oben gerichtet - sonst wäre die Wirkung ja auf einen einzelnen Soldaten begrenzt!
      der Druck verteilt sich naturgemäß Trichterförmig ! Das mit den Füßen wegreißen würde nur
      dann klappen, wenn der Rest des "Körpers"
      abgeschirmt ist, sodass die Wucht nur auf
      die Füße stößt.
      Falsch ! Ansonsten würdest du wohl total
      zerfetzen.
      Die Beispiele sprechen dagegen !
      Wenn Du vor einer nur mit Sprengmittel (Pulver) geladenen Kanone stehst, während diese abgefeuert wird, war's das ! Ich denke auch, das der Menschliche
      Körper
      schon etwas Reißfest ist,
      aber wenn man an einem Hochhaus unten
      Sprengsätze anbringt, wird es auch unten
      auseinandergerissen und kracht dann
      zusammen.
      Hmm . hinkt aber stark ! Schon mal was von Elastizität gehört ?
      Wie hoch schätzt Du die Elastizität eines Hochhauses ein ? :-)
      whk

      • Antwort von nach 6 Tagen hilfreich
        Re^2: Anatomie des menschl. Körpers

        Frage eines Total-Laiens: Ich nehme mal
        an, daß die Wirkung von
        Anti-Personen-Minen (zumindest nicht
        aller) nicht primär durch Splitterbildung
        zustande kommt.
        DOCH ! Das ist die HAUPTWIRKUNG !
        Verblüffend! Die häufigsten Verletzungen sind ja wohl abgerissene Gliedmaßen: das passiert tatsächlich durch umher fliegende Splitter? Interessant. nein - im Gegenteil : Es ist der
        Massenwiderstand !
        Bei geringem Widerstand würden die
        Splitter leichter durchdringen, damit
        weniger Energie abgeben (siehe auch
        "man-stop-Wirkung")
        Moment: Splitter wird durch Explosion beschleunigt und trifft auf Kleidung, Haut, Fleisch. Aufgrund des hohen Massenwiderstands (hat das was mit der Dichte des Materials zu tun?) wird viel Energie vom Projektil auf - sagen wir mal - den Unterschenkel übertragen. Jetzt wird dieser beschleunigt (also irgendwie hoch gerissen) und er reißt aufgrund der Trägheit des Restbeins/Restkörpers ab?
        Können Minenräumer - zumindest in geringem Umfang - durch
        geeignete Schutzkleidung die Folgen einer
        Detonation auf den Körper abschwächen?
        Ja - aber eben nur abschwächen - falls
        die Kleidung die Auftreffenergie
        - a ableitet und
        - b absorbiert
        Funktioniert das dann im Prinzip so, wie die "schußsichere Weste?" Bedeutet "ableiten der Auftreffenergie" deren Verteilung auf eine größere Fläche?

        Und wo ich gerade schon mal einen auskunftsbereiten Experten gefunden habe: da mir selbst die elementarsten Physikkenntnisse fehlen, kann ich einfach nicht verstehen, warum man nicht die Wirkung einer (kleinen) Mine irgendwie abschirmen kann. Das liegt wahrscheinlich daran, daß ich keine Vorstellung davon habe, wie energiereich so ein weggeschleuderter Splitter ist.

        Danke und herzlichen Gruß
        Michael

Keine passende Antwort gefunden? Jetzt eigene Frage stellen!