Auswirkungen von Elstern auf heimische Singvögel?

Entgegen der allgemeinen Ansicht, daß Elstern Nesträuber von Singvögeln sind, und damit Singvögel real bedrohen, gibt es immer wieder auch Leute die behaupten, daß Elstern keine wirkliche Bedrohung bzw. gar keine Bedrohung darstellen. Mich würde doch interessieren was an dem Ruf der Elstern drann ist. Aus der Erfahrung, daß Lehrbücher oft nur untereinander abschreiben
bin ich denen gegenüber ein wenig skeptisch geworden. Wer hat selber schon einmal Nestraub von Elstern beobachtet o.ä.?

Hi,

ich bin nun kein Ornithologe und mit Elstern kenn ich mich auch nicht besonders aus, hab aber immerhin Bio studiert und kann dazu folgendes sagen: Ein Raeuber der groesser als seine Opfer ist (was bei Elster/Singvoegel) der Fall ist beeinflusst die Populationen seiner Opfer fast nie. Die Populationsgroesse der Raeuber haengt vielmehr von der Populationsgroesse der Opfer ab. I.d.R. haben (grosse) Raeuber ausschliesslich positive Effekte auf die Beutepopulation, da sie einen leichten Selektionsdruck ausueben und so verhindern, dass der Genpool der Beutetiere auseinanderdriftet (dazu sind natuerlich noch Selektionen von anderer Seite noetig).
Abschliessend ist noch zu sagen, dass es fast immer voelliger Quatsch war, wenn irgendwer geschrien hat irgendwelche Viecher wuerden irgendwelche anderen Viecher platt machen. Natuerlich toeten Raubtiere andere Tiere, doch ist dies Teil eines komplexen aber sehr stabilen Geflechts von Wechselwirkungen die ein Oekosystem ausmachen. Ohne Raeuber ist das System meist sehr viel schwaecher als mit. Die einzigen, die wirklich alles platt machen, was ihnen in den Weg kommt sind wir.

Gruss

Thorsten

Hallo Thorsten!

Wir haben ein Grundstück von über 4000m², darin enthalten ein kleiner Wald.
Grundsätzlich halten sich bei uns keine Elstern auf. Aber immer zu einer betimmten Jahreszeit kommen die Brüder, machen sich hier breit und ein Teil der höher gelegen Nester sind leer.
Die niedrigliegenden Nester, in die man so reinsehen kann sind auch zu 80% leer. Das waren immer die lieben Hauskatzen.
Gruß Werner

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Hi,

Wir haben ein Grundstück von über 4000m²,
darin enthalten ein kleiner Wald.
Grundsätzlich halten sich bei uns keine
Elstern auf. Aber immer zu einer
betimmten Jahreszeit kommen die Brüder,
machen sich hier breit und ein Teil der
höher gelegen Nester sind leer.
Die niedrigliegenden Nester, in die man
so reinsehen kann sind auch zu 80% leer.
Das waren immer die lieben Hauskatzen.

Ja, da habe ich das Problem vermutlich etwas vereinfacht. Wenn man natuerliche Biotope veraendert (ausgeraeumte winzige Waelder ohne Unterholz mit stark reduzierter „Belegschaft“) während man Raubtiere (Katzen, Elstern) füttert und so unabhängig von ihrer Beute macht, koennen sie sehr wohl ihrer Beute schaden. Das gleiche gilt auch wenn ich neue Raubtiere (Katzen, Ratten) in Biotope einfuehre, die vorher nicht an solche Tiere angepasst waren (z.B. Inseln). Dann verändert sich das Biotop.
Trotzdem sollte man einige Punkte nicht ausser Acht lassen:

  • Wenn 90% der Brut verloren gehen heisst das nicht zwangslaeufig, dass die Population gefährdet ist. Ich weiss nicht, wie es bei Euren Singvoegeln ist, es gibt aber jede Menge Tiere bei denen eine Ueberlebensrate von 1 promille zu einem unkontrolliertem Populationswachstum fuehren wuerde, was das Biotop sehr schnell erheblich veraendern kann (man beachte, dass ich von Veraenderung und nicht von Schaden spreche; Natur ohne Veraenderung gibt es nicht. Um zu beurteilen, ob etwas als Schaden zu beurteilen ist muss man vorher ueber eine Menge Punkte nachdenken).
  • Mir ist kaum ein Beispiel bekannt in dem Menschliches Eingreifen in halbwegs funktionierende Systeme den gewünschten Effekt gebracht haette. In der Regel resultieren Menschliche Eingriffe in Oekosystemen in Zustaenden, die gemeinhin als oekologische Chatastrophe beurteilt werden. Die einzigen oekologisch halbwegs akzeptablen Ergebnisse werden erzielt, wenn man versucht, Oekosysteme - und seien sie auch noch so angeschlagen - sich selbst zu ueberlassen. Man beginnt erst langsam oekologische Mechanismen ansatzweise zu verstehen, und ein guter Teil dieses Verstaendnisses liegt in der Erkenntnis, dass die Komplexitaet selbst vergleichsweise einfacher Oekosysteme so hoch ist, dass planvolle Eingriffe praktisch ausgeschlossen sind. Das ist ein bischen uebertrieben, aber bezogen auf solche Mikrophaenomene wie das Raeuber/Beute-Verhaeltnis von Elstern/Singvoegeln trifft es zu.

Eine Anmerkung noch: Praktisch nichts in Europa kann als natuerlich im meist gebraeuchlichen Sinn bezeichnet werden: Schwarzwald, Wattenmeer, Lüneburgerheide, Alpen - das alles sind Kulturlandschaften! Selbst in den letzten 50 Jahren hat es gravierende Aenderungen in allen diesen Gebieten gegeben und zwar auf allen Ebenen. Weder rein konservative noch aktivistische Oekologie macht besonders viel Sinn. Bestimmte Eingriffe machen nach heutigem Kenntnisstand Sinn, die meisten aber nicht.

Gruss

Thorsten

Weder rein konservative
noch aktivistische Oekologie macht
besonders viel Sinn. Bestimmte Eingriffe
machen nach heutigem Kenntnisstand Sinn,
die meisten aber nicht.

Gruss

Thorsten

Hallo Thorsten
Ich finde es schön, daß hier gleich zwei Standpunkte zu meiner Frage eingenommen werden…Ich kann mir die Antwort also wohl so formulieren „Es kommt drauf an…“
Na gut, eine einfache Antwort hatte ich auch nicht erwartet. Allerdings finde ich es doch interessant, daß Du jegliches menschliches eingreifen erst als wenig erfolgversprechend deklarierst…dann aber das nochmal relativierst und meinst „bestimme Eingriffe“ machen Sinn.
Der Mensch kann allein aus seiner Existenz heraus schon unbewußte Eingriffe nicht vermeiden, andererseits kann er aber aus seiner gegebenen Unruhe auch nicht einfach nichts tun. Als logische Folge wäre da doch, das der Mensch versuchen müsste mit seinem bewusten handeln seinen unbewußten Einfluß zu beseitigen um sozusagen letztendlich wirkungslos zu werden. :smile:
Das wäre zwar eine interessante Theorie, scheitert aber wohl allein schon daran, daß der Mensch niemals feststellen kann was er wirklich alles beeinflußt. Also wäre nach dem „Abnabelungsmodel“ das Integrationsmodel
die Alternative. Ist ja recht romantisch, die Vorstellung „Eins mit der Natur“. Aber ist der Mensch überhaupt noch fähig dazu?
Das „jetztmodel“ is wohl ein schädliches Nebenherleben. Weder integriert noch Abgenabelt. Halt einfach wie ein unangenehmer Erreger…:smile:
----> Ich warte auf dein Kommentar …:smile:

Mensch und Gaya
Hi,

auch nicht erwartet. Allerdings finde ich
es doch interessant, daß Du jegliches
menschliches eingreifen erst als wenig
erfolgversprechend deklarierst…dann
aber das nochmal relativierst und meinst
„bestimme Eingriffe“ machen Sinn.

Ich habe biologie studiert. Egal mit welchem Fach man sich da befasst - man lernt immer zu jeder Regel gleich ein dutzend Ausnahmen. Und meistens fangen Antworten mit sowas wie „So genau kann man das nicht beanttworten“ an. In der Oekologie (da bin ich eigentlich ziemlich unbewandert) ist das vermutlich noch ein bischen deutlicher. Aber selbst in der ach so exakten genetik ist eine Menge Spekulation.

die Alternative. Ist ja recht romantisch,
die Vorstellung „Eins mit der Natur“.
Aber ist der Mensch überhaupt noch fähig
dazu?

War er nie, jedenfalls nicht Homo Sapiens. Der Mensch kommt vermutlich aus Ostafrika, hat zuerst jenen Kontinent besiedelt, dann langsam Eurasien und zuletzt Amerika, Ozeanien und Australien. Ueberall wo der Mensch aufgetaucht ist sind sofort (in vorgeschichtlicher Zeit) viele grosse Tiere ausgestorben - und da in der Oekologie alles zusammenhaengt sind damit auch viele andere Tiere und Pflanzen ausgestorben. Die Annahme dass „Hoehlenmenschen“ im Einklang mit der Natur lebten ist zumindest teilweise eine Illusion.

Noch etwas zu den guten/schlechten Eingriffen:
Mikroeingriffe (Manipulationen an einzelnen Arten) bringen oft garnichts oder haben manchmal unabsehbare Folgen (wenn z.B. exotische Arten importiert werden). Man glaubt aber heute zu wissen, dass Systeme stabiler sind, je reichhaltiger (komplexer) sie sind. Man kann also dafuer sorgen, dass eine Landschaft eine moeglichst guenstige Form hat (reich zergliedert durch Gewaesser, Wiesen, Moore -> man braucht grosse Saeuger wie Rehe die den Wald „schaedigen“ damit die Landschaft zergliedert bleibt und nicht der Wald alles ueberwuchert, siehe Elefanten die halbe Naturparks geplaettet haben, heute sieht man das ganz anders), und dann die Natur machen lassen. Es ist fast unmoeglich Mikroaspekte von Oekosystemen gezielt zu manipulieren. Das zeigen sowohl Erfahrungen als auch Computersimulationen.

Das „jetztmodel“ is wohl ein schädliches
Nebenherleben. Weder integriert noch
Abgenabelt. Halt einfach wie ein
unangenehmer Erreger…:smile:

Die Flexibilitaet der Natur ist immer wieder absolut verblueffend. Unsere hiesige Kulturlandschaft ist eigentlich ok obwohl sie absolut kuenstlich und dazu relativ jung ist. Es hat in der Erdgeschichte auch immer wieder „natuerliche“ Katastrophen von gigantischen Ausmassen gegeben, ohne dass Gaya darueber ins Schwanken gekommen waere. Es hat aber auch fuenf Ereignisse in den letzten 500.000.000 Jahren gegeben wo Gaya zumindest gestolpert ist - Massenaussterben bei denen bis zu 95% aller Arten ausstarben. Momentan haben wir uebrigens wieder eine Aussterberate wie bei den fuenf grossen Massensterben, weil wir den Regenwald und die Meere plaetten.

Ich habe die Idee aufgegeben, als Mensch die Natur um ihrer selbst willen als schuetzenswert zu bezeichnen. Nach allam was wir wissen, sind wir bisher nicht in der Lage, das Leben auf diesem Planeten auszuloeschen. Es hat wiederholt grosse Katastrophen auf der Erde gegeben, die Menschheit ist da bisher nur eine weitere. Der einzige erfolgversprechende Ansatz liegt darin, die Natur unseretwegen zu schuetzen. Und da gibt es eine Reihe guter Argumente, die in drei Klassen gegliedert werden koennen:

  1. Es ist nicht abgemacht, ob wir ein grosses Artensterben ueberleben koennen. Aufgrund der technischen Entwicklung ist es zwar nicht voellig ausgeschlossen, das wir ueberleben, es ist aber auch nicht sicher. In Anbetracht des Einsatzes um den wir hier spielen muss die Beweispflicht endlich von den Naturschutzorganisationen der Industrie zugeschoben werden.
  2. Es steckt ein gigantischer materieller Wert in der Natur, der sich auch nutzen laesst ohne alles platt zu machen. Da waeren nachwachsende Ressourcen wie Nahrung (Fisch, es wird bald kaum noch Fisch geben wenn es so weiter geht) und Rohstoffe.
  3. Mit jeder aussterbenden Art geht Information verloren die wir evtl. gut gebrauchen koennten. Das geht ueber Medikamente zu technischen Anwendungen: sowohl Materialforschung, wie Informatik und Ingeneurswesen koennen von der Natur lernen - und beginnen gerade erst dies zu tun.

Gruss

Thorsten

So ganz unbedarft zum Thema bin ich nicht, auch wenn ich kein Biologe bin (ich war mal Kreisvorsitzender eines Vogelschutzverbandes). In unserem Dorf, ca. 300 Einwohner, gibt es eine größere Menge Elstern (bei mir brüten sie sogar). Über einen Zeitraum von knapp vier Jahren, solange wohne ich hier, konnte ich keinen großen Eingriff in die Population der Kleinvögel sehen. Sicher, die Nistkästen sind unerreichbar für Elstern, aber auch andere Vögel, die nicht in Kästen nisten, sind in großer Zahl vorhanden. Ich unterstelle, daß es ein ausgeglichenes Potential zwischen Räuber und Opfern gibt. Da wir auch andere Greifvögel haben, dürfte hier, ein kleiner Ort in der Vulkaneifel, „die Welt noch in Ordnung sein“.

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Hallo Nochmal…

die Alternative. Ist ja recht romantisch,
die Vorstellung „Eins mit der Natur“.
Aber ist der Mensch überhaupt noch fähig
dazu?

War er nie, jedenfalls nicht Homo
Sapiens. Der Mensch kommt vermutlich aus
Ostafrika, hat zuerst jenen Kontinent
besiedelt, dann langsam Eurasien und
zuletzt Amerika, Ozeanien und Australien.
Ueberall wo der Mensch aufgetaucht ist
sind sofort (in vorgeschichtlicher Zeit)
viele grosse Tiere ausgestorben - und da
in der Oekologie alles zusammenhaengt
sind damit auch viele andere Tiere und
Pflanzen ausgestorben. Die Annahme dass
„Hoehlenmenschen“ im Einklang mit der
Natur lebten ist zumindest teilweise eine
Illusion.

Ein sehr interessanter Gedanke. Vobei man natürlich auch meinen könnte, daß aussterben dazugehört und insofern ein „Einklang“ doch wohl mal da wahr, und zwar in der Weise, das durch „aktives Eingliedern“ der Mensch die Entwicklung und Veränderungen vorangetrieben hat, aber eben den Planeten oder sich selbst nie wirklich bedroht hat…bis jetzt

relativ jung ist. Es hat in der
Erdgeschichte auch immer wieder
„natuerliche“ Katastrophen von
gigantischen Ausmassen gegeben, ohne dass
Gaya darueber ins Schwanken gekommen
waere. Es hat aber auch fuenf Ereignisse
in den letzten 500.000.000 Jahren gegeben
wo Gaya zumindest gestolpert ist -
Massenaussterben bei denen bis zu 95%
aller Arten ausstarben. Momentan haben
wir uebrigens wieder eine Aussterberate
wie bei den fuenf grossen Massensterben,
weil wir den Regenwald und die Meere
plaetten.

Sehr interessant…davon hab ich in der Form noch nix gehört (außer Eiszeiten) könntest du das ein wenig genauer darstellen?

Ich habe die Idee aufgegeben, als Mensch
die Natur um ihrer selbst willen als
schuetzenswert zu bezeichnen. Nach allam
was wir wissen, sind wir bisher nicht in
der Lage, das Leben auf diesem Planeten
auszuloeschen.

Nun ja, jedenfalls sind oder wahren in der Theorie die Atommächte zu einem mehrfachen „Overkill“ fähig…

Zu deinen weiteren Punkten möchte ich doch hinzufügen, daß gerade ein schützen der vorhandenen Natur immer auch ein schützen von Ideellen Werten sein muß, gerade weil eben ein schützen um des Menschen Willen immer die Gefahr birgt nur die auf den ersten Blick für den Menschen relevanten Punkte zu berücksichtigen. Da du aber in deiner Ausführung gerade deutlich gemacht hast, daß im Grunde alles im Wandel wichtig ist, ist (rhein von der Motivation her) ein Schützen um des Ganzen Willen doch erheblich Erfolgversprechender.

Gruß

Holger

Hi,

relativ jung ist. Es hat in der
Erdgeschichte auch immer wieder
„natuerliche“ Katastrophen von
gigantischen Ausmassen gegeben, ohne dass
Gaya darueber ins Schwanken gekommen
waere. Es hat aber auch fuenf Ereignisse
in den letzten 500.000.000 Jahren gegeben
wo Gaya zumindest gestolpert ist -
Massenaussterben bei denen bis zu 95%
aller Arten ausstarben. Momentan haben
wir uebrigens wieder eine Aussterberate
wie bei den fuenf grossen Massensterben,
weil wir den Regenwald und die Meere
plaetten.

Sehr interessant…davon hab ich in der
Form noch nix gehört (außer Eiszeiten)
könntest du das ein wenig genauer
darstellen?

Kurz nach Erfindung der Fotosynthese gab es in den oberen Schichten des Ozeans ein Massensterben durch Sauerstoffvergiftung. In der Tiefsee gibt es noch ein paar "Uberlebende.

Dann gab es wohl nochmal eine Katastrophe, nachdem nach der Landbesiedlung ichweissnichtmehrwas das Wasser eintr"ubte.

Die gr"ossten Katastrophen waren aber wohl geologisch ausgel"ost durch jahrhundertelange Ausbr"uche von Schildvulkanen. Die damit verbundene Klimakatastrophe hat immer nur sehr wenig "Uberlebt.

Die Reste der Ausbr"uchesind in S"udamerika, dort wo dieser gigantische Wasserfall in der Teufelsschlucht ist (die gesamte zugeh"orige Gesteinsplatte), in Nordamerika, ich glaube westlich der grossen Seen, in Sibirien wohl auch noch, und der letzte bekannte Ausbruch, der halb Indien mit einer 20?m dicken Basaltschicht "uberdeckte. Der Hot Spot dazu ist jetzt in der S"udsee und f"ur die Entstehung von Hawaii verantwortlich, wohl als Ausgleich daf"ur, alle Dinos gemetzelt zu haben.

MfG Lutz

Hi,

Ein sehr interessanter Gedanke. Vobei man
natürlich auch meinen könnte, daß
aussterben dazugehört und insofern ein
„Einklang“ doch wohl mal da wahr, und
zwar in der Weise, das durch „aktives
Eingliedern“ der Mensch die Entwicklung
und Veränderungen vorangetrieben hat,
aber eben den Planeten oder sich selbst
nie wirklich bedroht hat…bis jetzt

Das ist wohl wahr. Ich wollte nur ein bisserl mit der romantischen Vorstellung vom „naturbewussten“ Hoehlenmenschen aufraeumen. Jedem Ornithologen steigt zwar das Pipi in die Augen wenn er erfaehrt, wie die Ozeanier in der Pazifischen Inselwelt gewuetet haben (andere Beispiele gelten auch ueberall sonst), aber das Gesamtsystem hat die Eingriffe scheinbar verkraftet.
Aus heutiger Sichtwaere ein „Zurueck zur Natur“ natuerlich das unmittelbare Ende aller Waelder.

Sehr interessant…davon hab ich in der
Form noch nix gehört (außer Eiszeiten)
könntest du das ein wenig genauer
darstellen?

Naja, so genau wie mein Vorredner kann ich es nicht darstellen. Auch sind solche klaren Darstellungen eher mit Vorsicht zu geniessen. Man kann einfach (noch?) nicht mit letzter Gewissheit sagen, was zu den Massensterben gefuehrt hat. Nichtmal der Asteroideneinschlag der die Dinos ausgerottet haben soll ist voellig gesichert, obwohl es da mitlerweile eine Reihe guter Indizien gibt. Dass die Anreicherung der Athmossphaere mit Sauerstoff vermutlich sehr viele Arten ausgerottet hat, stimmt wohl. Aber der Prozess duerfte SEHR langsam von statten gegangen sein (und im uebrigen vor der kambrischen Explosion begonnen haben).
Man zaehlt die Massensterben erst ab der Kambrischen (Arten)Explosion (vor ca 500.000.000 Jahren), da aus der Zeit davor sehr wenige Fossilienfunde existieren, und somit die Datenbasis nicht breit genug ist. Seit dem hat die Zahl der Arten soweit man weiss kontinuierlich zugenommen. Allerdings gibt es einige grosse und viele Einbrueche in dieser Kurve. Fuenf davon sind sehr gross und die meisten Arten (bis zu 95%) sind dabei jeweils innerhalb einiger tausend Jahre ausgestorben. Nach den grossen Massensterben haben sich immer sehr schnell neue Arten gebildet, und innerhalb geologisch recht kurzer Zeit (einige Mio. bis einige zehn Mio Jahre), hatte die Zahl der Arten wieder ihr vorheriges Level erreicht - nur diesmal halt mit anderen Arten.
„Interessanterweise“ sind dabei immer auch alle oder fast alle groesseren Tiere gestorben - zu denen wir offensichtlich gehoeren. Momentan liegt Aussterberate wieder so hoch, wie bei den 5 grossen Sterben (normalerweise stirbt glaube ich alle 10000 Jahre eine Art aus - das scheint mir aber aufgrund der grossen Zahl der existierenden Arten etwas niedrig gegriffen). Das liegt vornehmlich daran, dass wir die Gebiete mit der hoechsten Artendichte - Riffe und Regenwald - zerstoeren. Aber auch anderswo sterben bekanntlich Arten aus. Es kann nun sein, dass das System an irgendeinem Punkt zusammenbricht, an dem man das Artensterben nicht mehr auffhalten kann, da alles vernetzt ist und da sehr viele Arten ein grosses zusammenhaengendes intaktes Gebiet fuer ihr Ueberleben brauchen - sehr viele Arten sind vermutlich schon jetzt nicht mehr zu retten, obwohl es noch grosse Populationen gibt.
Derweil wird eifrig diskutiert, ob wir die ganzen Arten denn zum Ueberleben brauchen. Klar ist, dass man auf einem Wuestenplaneten ohne Leben keinen (nicht genug) Weizen anbauen kann - zumindest nicht mit den heute verfuegbaren technischen Mitteln. Nicht klar ist, wo die Grenze liegt, bei der wir uns selbst ausrotten.
Interessanterweise kommt es im Zuge der kulturellen Evolution uebrigens auch schon zu neuen Artbildungen: es gibt (wie ich glaube ich in der Geo las) mitlerweile eine Mueckenart, die nur in der Londoner U-Bahn vorkommt, die aber erst vor 100 Jahren von der Oberflaeche gekommen ist. Es ist anzunehmen, dass es noch mehr derartige Artbildungen gibt und gegeben hat.

Zu dem Thema gibt es ein sehr interessantes Buch aus dem sich mein Wissen dazu schoepft (gefunden bei Lehmanns, www.lob.de):
Leakey, Richard E.; Lewin, Roger
Die sechste Auslöschung
Lebensvielfalt und die Zukunft der Menschheit
Preis: 48.00 DM (Ladenpreis)

1996
1996. 332 S., Fototaf. 22 cm
Fischer (S.), Frankfurt
3-10-042703-3
Titel ist aus dem regulären Programm gestrichen; evtl. sind Restbestände verfügbar.

Nun ja, jedenfalls sind oder wahren in
der Theorie die Atommächte zu einem
mehrfachen „Overkill“ fähig…

Dieser Overkill waere zweifellos ein sehr einschneidendes Ereignis in der Erdgeschichte und wir koennten ihn wohl kaum ueberleben. Es gibt aber Organismen in der Tiefsee, tief in der Erdkruste (letztere natuerlich nur Einzeller und Bakterien) und im Eis der Antarktis, an anderen isolierten Orten sowie einige strahlungsresistente Organismen, die selbst das ueberleben wuerden. Die Evolution waere vermutlich um ein paar 100 Mio Jahre zurueckgeworfen - aber nicht zuende.

Zu deinen weiteren Punkten möchte ich
doch hinzufügen, daß gerade ein schützen
der vorhandenen Natur immer auch ein
schützen von Ideellen Werten sein muß,
gerade weil eben ein schützen um des
Menschen Willen immer die Gefahr birgt
nur die auf den ersten Blick für den
Menschen relevanten Punkte zu
berücksichtigen. Da du aber in deiner
Ausführung gerade deutlich gemacht hast,
daß im Grunde alles im Wandel wichtig
ist, ist (rhein von der Motivation her)
ein Schützen um des Ganzen Willen doch
erheblich Erfolgversprechender.

Naja, ich wuerde luegen, wenn ich sagte, dass ich das voellig anders sehe. Aber man muss auch sehen, dass wir zu einer Minderheit von Menschen gehoeren, die sich den Luxus einer solchen Anschauung leisten koennen. Und selbst hier pfeifen viele auf Naturschutz sobald er mit ihren persoenlichen Interessen kollidiert. Naturschutz laesst sich nur unter dem Gesichtspunkt der Vorteile verkaufen, die wir aus ihm ziehen - besonders wo Menschen Not leiden. Alles andere ist als Diskussionsgrundlage voellig ungeeignet - auch wenn einzelne das traurig finden moegen.

Gruss

Thorsten

leisten koennen. Und selbst hier pfeifen
viele auf Naturschutz sobald er mit ihren
persoenlichen Interessen kollidiert.
Naturschutz laesst sich nur unter dem
Gesichtspunkt der Vorteile verkaufen, die
wir aus ihm ziehen - besonders wo
Menschen Not leiden. Alles andere ist als
Diskussionsgrundlage voellig ungeeignet -
auch wenn einzelne das traurig finden
moegen.

Nun ja, im Grunde genommen ist es grade bei uns nur eine Frage des Marketings. Wo wir wieder an dem berühmten Punkt angelangt wären wo es heist „das Bewußtsein in den Köpfen der Menschen muß sich ändern“. Es klingt zwar zu einfach wie auch unmöglich :smile:
aber man müßte einfach mal klar machen, mit welch einfachen Mitteln man sowohl in der Gesellschaft, als auch in der Natur (obwohl man das genauer betrachtet ja nicht trennen kann) zufriedene Wege gehen kann…Naturmarketing nach dem Motto
„Yeah man, wie cool is es einfach zu leben“…:smile:))…Klingt nach einer schweren Aufgabe…aber heutzutage könnte eine gute Marketingkampagne beinahe alles verkaufen…
Warten wir also auf unseren Messias in Form einer Maketingkampange…

Soo…damit wäre unser kleiner Exkurs von den Auswirkungen der Elstern wohl an einem schnellen Ende angelangt. Es hat mich gefreut mit welch zielgenauigkeit unsere Kurze Konversation zu einem …naja…vieleicht nicht unbedingt zufriedenstellendem Ende aber doch vielleicht zu einem realistischen Ende gekommen ist. …

Machts gut zusammen …
Vielleicht trifft man sich mal wieder…
Es hat mich ehrlich gefreut…
Und vergesst nicht…:
„Einfach ist immer am besten“…naja zumindest auf die lange Sicht…:smile:

Tschüssi