Unterschied zw. 'di' und 'bis'

Wie kommt es eigentlich, dass manchmal die Vorsilbe „di“, manchmal aber auch die Vorsilbe „bis“ benutzt wird, z.B. Adenosindiphosphat und Ribulosebisphosphat. Hängt das mit dem Sprachenursprung zusammen, das eine lat., das andere griech.? Aber wieso sollte man sich dann nicht geeinigt haben, um die Benennung von Molekülen einheitlich und einfacher zu machen?

Christian

ich glaube mich an folgende erklärung zu erinnern:
binden die beiden namensgebenden gruppen an ein einziges atom, dann heißt das ganze „di-“, z. b.: kohlenstoffdioxid.
möglich ist aber auch, dass zwei funktionale gruppen an verschiedenen atomen binden, hier werden dann auch die bindungsstellen (nummer des jeweiligen c-atoms) in die nomenklatur aufgenommen, die anzahl der funktionalen gruppen beträgt wiederum zwei, jedoch tritt in der nomenklatur die silbe „bis“ auf; z. b. : ribulose-1,5-bisphosphat.

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Hallo Christian,

Wie kommt es eigentlich, dass manchmal die Vorsilbe „di“,
manchmal aber auch die Vorsilbe „bis“ benutzt wird, z.B.
Adenosindiphosphat und Ribulosebisphosphat.

Das hat wohl historische Gründe.

Zumindest bei Komplexverbindungen ist es i.d.R. so, daß vor „unkomplizierten“ Liganden di- usw. steht, vor komplizierteren bis- usw…
Was dein Beispiel angeht (kein Komplex), denke ich, ist es egal, ob du RibuloseBISphosphat oder - DIphosphat sagst.

Hängt das mit dem
Sprachenursprung zusammen, das eine lat., das andere griech.?

Definitiv nicht. „di, tri, tetra,…“ sind griechische Zahlwörter, „bis, tris, tetrakis,…“ griechische Multiplikativwörter.

Aber wieso sollte man sich dann nicht geeinigt haben, um die
Benennung von Molekülen einheitlich und einfacher zu machen?

Gute Frage. Die IUPAC versucht dergleichen schon seit geraumer Zeit durchzusetzen, jedoch gilt es dabei ziemlich dicke (historische) Bretter zu bohren. Insbesondere die Biologen sind ja in ihrer nomenklatur da recht eigen.

Christian

Hi Christian,

also:
da wollen wir mal schauen, was die ‚Bibel‘ (der Römpp) sagt (Hervorhebung von mir)

Gandalf

Bis…

(latein.: zweimal). Präfix, das angibt, daß ein Substituent zweimal auftritt, dessen Bez. bereits Zahlwörter enthält od. komplexer Natur ist. Die Bez. der Atomgruppierung wird dabei in Klammern gesetzt, die sich ohne Bindestrich in den Namen einfügen sollten (in diesem Werk sind aus Gründen der Verdeutlichung gelegentliche Abweichungen möglich); Beisp.: Bis(2-chlorethyl)sulfid, 1,1,1-Trichlor-2,2-bis(4-chlorphenyl)ethan (DDT); 4,4’-Bis(dimethylamino)azobenzol.

Di…

Dem Griech. (dyo = zwei) entlehnte Vorsilbe in Namen von chem. Verb., bedeutet Verdopplung des darauffolgenden Namensbestandteils; Beisp.: Diethylamin, Dicarbonsäuren, Ethylendiamin, Diaza…; bei Uneindeutigkeit, bes. bei zusammengesetzten Bez., wird mit Bis… verdoppelt. Wird noch gelegentlich mit Bi… verwechselt.

Bi…

  1. In der anorgan.-chem. Nomenklatur nicht mehr zulässiges Präfix für die Bez. saurer Salze, wurde durch Hydrogen… ersetzt. Beisp.: Bicarbonate heißen Hydrogencarbonate. – 2. In der organ.-chem. Nomenklatur an Stelle von Di… (u. gelegentlich auch Bis…) zu verwendendes Präfix, wenn nach den IUPAC-Regeln A-52 u. C-71 die Verdoppelung von ident. Resten gekennzeichnet werden soll; Beisp.: Biphenyl (H5C6–C6H5, nicht Diphenyl) u. a. Biaryle, Biacetyl; vgl. dagegen Bicyclo[…]…

Quelle: Römpp Lexikon Chemie – Version 2.0, Stuttgart/New York: Georg Thieme Verlag 1999

Nachtrag

Wie kommt es eigentlich, dass manchmal die Vorsilbe „di“,
manchmal aber auch die Vorsilbe „bis“ benutzt wird, z.B.
Adenosindiphosphat und Ribulosebisphosphat.

Die Bezeichnung „-diphosphat“ ist (zumindest ohne Benennung der Stellen, an denen die Phosphatgruppen sitzen) insofern uneindeutig, da ebenso auch „Pyrophosphat“ gemeint sein könnte.