Hallo,
im Zusammenhang mit der Geiselnahme in Moskau hatte ich ein Gespräch mit einem Bekannten über die Gefahr einer Kettenreaktion der einzelnen Sprengstoffpäckchen welche die Terroristen am Leib trugen.
In einer Nachrichtensendung des Senders N-TV wurde gesagt das die Explosion eines dieser Sprengstoffpäckchen alle anderen durch eine Art Kettenreaktion ebenfalls explodieren. Dies sagte ich meinem Bekannten.
Er jedoch ist aber der Meinung das dies nicht gehen würde weil man Plastiksprenstoff sogar ins Feuer werfen könne ohne das dieser explodiert. Es bedürfe einer sehr hohen Zündtemperatur die weder bei einem normalen Lagerfeuer noch bei einer Explosion des Plastiksprengstoffes entsteht und deswegen die Gefahr einer Zündung des restlichen Sprengstoffes in dem Moskauer Theater nicht bestanden habe.
Auch bei einer Explosion eines einzigen dieser Sprengstoffpäckchen mit der Folge von, mit hoher Geschwindigkeit, umher fliegenden Teilen die ein anderes Päckchen treffen ist eine Zündung des getroffenen Päckchens nach seiner Meinung nicht möglich.
Hat jetzt der Experte auf dem Sender N-TV Unsinn erzählt oder kennt sich mein Bekannter da doch nicht so gut aus wie er vorgibt?
Sowas tut dieser Bekannte nämlich des öfteren und insistiert auf die Richtigkeit seiner Aussage wobei sich im Nachhinein dann rausstellt das er falsch lag und selber Unsinn geredet hat.
In der Hoffnung auf hilfreiche Antworten
Sir Oliver
Hat jetzt der Experte auf dem Sender N-TV Unsinn erzählt oder
kennt sich mein Bekannter da doch nicht so gut aus wie er
vorgibt?
An der Aussage Deines Bekannten ist zwar falsch, aber auch nicht aus der Luft gegriffen.
Tatsächlich ist Plastksprgstoff handhabungssicher und die Detonationsübertragung (also die direkte Zündung einer Sprengladung durch die Explosion einer anderen Ladung ohne zusätzliche Zündmittel) nur bei sehr geringem Abstand möglich. Für TNT beträgt diese sogenannte Schlagweite selbst innerhalb eines Bohrloches bei 70g-Ladungen nur 3 bis 4 cm. Die Landungen müßten also direkt nebeneinander liegen.
Gerade weil es sich um einen handhabungssicheren Sprengstoff handelt, kommt aber ein weiterer Faktor hinzu. Solche Sprengstoffe können nur mit Hilfe von Sprengkapseln gezündet werden und diese wiederum sind viel leichter durch benachbarte Sprengsätze zu zünden, als der eigentliche Sprengstoff. Diese sogenannte Zündübetragung ist bei bei TNT bei 70g-Ladungen bereits bei rund 40cm Entfernung möglich. Bei 5kg (ich schätze mal so schwer waren die Spregstoffgürtel) wären es schon über 5m und da Plastiksprengstoff deutlich brisanter als TNT ist, ist eine Kettenreaktion allein durch Zündübetragung durchaus realistisch.
Als dritter Punkt kommt dann der Zündmechanismus hinzu. Durch die Explosion könnte über noch wesentlich größere Entfernungen der elektrische Zündmechanismus ausgelöst werden, indem beispielsweise die Schalter zerstört und die dadurch frei liegenden Kontakte zusammenkommen. Wenn die Schalter extra für diesen Zweck konstruiert wurden (was nicht unwahrscheinlich ist), dann wäre eine Kettenreaktion sogar unvermeidlich. Da ich davon ausgehe, daß der Experte über mehr Hintergrundwissen verfügt, würde ich deshalb eher ihm glauben als Deinem bekannten.
MrStupid hat schon fast alles gesagt, aber noch einen kleinen Kommentar.
Es gibt nicht den Plastiksprengstoff.
Es gibt eine Unzahl von Varianten, und ein versierter Mensch kann sich seine eigene Mischung erzeugen, die eine bestimmte Empfindlichkeit hat.
TNT ist sicher extrem handhabungssicher, mein Großvater hat immer gerne erzählt, wie sie mit TNT ihre Baracken in der Gefangenschaft geheizt haben, aber durch Zumischen von bestimmten Stoffen läßt es sich fast belibig sensibel gegen Druckzündung machen. Dann gibt es noch eine Unzahl von Explosivstoffen, die schon von Haus aus unterschiedlich empfindlich sind und entsprechend eingestellt werden können. Wie Du siehst, sind der Möglichkeiten viele.
Die Sache mit den Zündern hat MrStupid schon erklärt.